50plus – neues Leben, neue Liebe …
50plus und ein neues Leben heißt auch, sich noch einmal verlieben wünschen.
Heißt Wunsch nach Begegnung mit dem Mann, der Frau, mit der man noch einmal dort anfangen kann, wo man vor vielen Jahren schon einmal war.
Die Zeit des Anlächelns, des Zurücklächelns.
Die Zeit, in der die Begegnung mit dem anderen Geschlecht diese gewissen Gedanken brachte.
„Wie der wohl ist, wie sie wohl sich anfühlt und mehr…..“
Das ist mit 50plus eigentlich nicht anders.
Und ist eines der etlichen Plus´ mit 50plus.
Dieses jung machende sich jung Fühlen.
Dieses übermütig machende mögliche Kribbelgefühl.
Das Lippenstift und Wimperntusche eine andere Bedeutung plötzlich gibt als „bloßes“ eine respektable gepflegte, „für ihr Alter“ gut aussehende Frau zu sein.
Da schiebt sich dieses in den Jahren der Pflicht in Vergessenheit geratene ach so Weibliche wieder in Frau.
Und so zieht sie los in den Kontaktanzeigenmarkt der Zeitung oder ins Virtuelle.
Jenem neuen „unbegrenzte Möglichkeiten“ beinhaltende Begegnungsort.
Und dort schlendert sie und erlebt Grenzenloses und Grenzen.
Ich habe meine Gedanken als ach so weibliche „Suchende“ auf etlichen Seiten festgehalten.
Es sind sehr persönliche Gedanken – meine.
Jede Ähnlichkeit mit eigenen Gedanken ist nicht zufällig.
Und was Mann aus dieser „Lektüre“ lesend erfahren könnte, sollte (nicht müsste) mit wohlwollendem Grinsen verstanden werden.
Um Himmelswillen – kein erhobener Zeigfinger !
Bloß mit Schalk im Auge und mit mich keinesfalls schonender Selbstironie schreibe ich von dem liebenswert-Komischen, den eine wirkliche Begegnung schwer-machenden kleinen Fehlerquellen, die auch mit 50plus nicht zu vermeiden sind.
„Kapitel 1“
Samstag – Zeitungslektüre.
Immer an der gleichen Stelle.
Am Ende des Wirtschaftsteils.
Am Ende von „Börse und Finanzen“.
Findet sich das Paradies kontaktwilliger Männer und Frauen.
Dort schlendere ich herum.
Begegne Männern jeden Alters.
Gehe sofort denen aus dem Weg, die jünger als 50 und auch denen die älter als 60 sind
Streife mit dem Finger die viel zu klein gedruckten Spalten entlang, die Altersweitsichtigkeit plagt mich.
Ich setze die Lesebrille auf.
Ignoriere den Gedanken, der mir kurz durch den Kopf schießt.
Lesebrille und auf Freierinnenfüßen, absurd.
Absurd ist das sowieso.
Und auch nicht.
Die Hemmung sich auf diesem Markt zu tummeln rührt her aus dem Gefühl von
„Wer hat das denn nötig?“
Ich habe es nötig.
Ich suche sinnliche Momente, die in Gesprächen, in Unternehmungen, gemeinsamen Denken und Austauschen und vor allem auch in erotischen Funken spürbar sein sollten – sage ich mir.
Und meine mehr.
Ein ganzes Leben.
Meines.
Das der Restzukunft.
Was- wie lange diese auch immer ist – ganz schön viel ist.
Deshalb tauche ich ein in die Welt der Kontaktsuchenden.
Um dort den zu finden, der mit mir alles dies teilen will.
Den finde ich nicht irgendwo.
Nicht im Supermarkt, nicht am Arbeitsplatz, nicht in der S-Bahn, nicht in der Kneipe.
Selbst wenn mir da so mancher zulächelt, ergibt sich kein Kontakt.
Was wäre wenn?
Ich versuche es mir auszumalen.
„Hallo“, sage ich in der S-Bahn.
„Du lächelst mir zu, willst du mich kennenlernen?“
Er: „Leider bin ich verheiratet, aber ich würde gerne eine Nacht mit dir verbringen, weißt du, meine Ehe ist nicht so glücklich…ich habe mir das gerade in Gedanken vorgestellt, wie das wäre mit dir..“
Schnell ziehe ich mich wieder an, denn man sitzt verdammt blöd rum in der S Bahn – gedanklich ausgezogen.
Oder:
In der Kneipe (scheitert schon irgendwie daran, weil ich nie alleine in die Kneipe gehe, aber ich versuchs mal zu konstruieren) setzt sich ein Mann, der mich schon eine Weile beobachtet, zu mir und sagt:
„Du bist die Traumfrau schlechthin, ich betrachte dich schon eine Weile, wie du das Glas hältst, die Linie deiner Augenbrauen, dein sinnlicher Mund faszinieren mich, meine Hände wollen dein blondes Haar (vielleicht sagt er sogar güldenes Haar!) durchwühlen, willst du mit mir ein weiteres Leben verbringen?”
Wie kann man da anders reagieren als mit sanftem Erröten und Senken der Lider.
Was bei mir hieße, ich würde knallrot und garantiert käme Wimperntusche unter meine Kontaktlinsen.
Was dieser beginnenden himmlischen Romanze eine gar irdische Note gäbe – mir liefen die Tränen wegen des reibenden Wimperntuschkorns – könnte man wohlwollend als Rührung interpretieren.
Tränen der Rührung aus einem Auge!
Kurz darauf liefe auch noch die Nase und würde ich nicht auf der Stelle einen laufenden Wasserhahn finden um die Linsen sauber zu spülen, fände sich unter meinem güldenen Haar ein knallrotes Kaninchenauge.
Es sei denn, mir gelänge es das reibende Korn unter meiner Kontaktlinse durch heftigen Lidschlag rauszuschleudern – kann erfolgreich sein, sieht aber aus, als ob ich einen Dauerblinzelanfall hätte.
Was der Linie meiner Augenbrauen wahrscheinlich eine clowneske Note gäbe.
Und das hilflos verlegene Lächeln könnte meinen sinnlichen Mund relativieren.
Da rettet auch das unverändert gebliebene güldene Haar nichts mehr.
Aber.
Das gibt’s ja sowieso nur im Kino und da kann man die Szene beliebig wiederholen.
Klappe 23!
Realität ist, ich sitze mit Lesebrille auf der Nase und studiere Kontaktanzeigen.
Ich bin fünfzig+ und zwar nicht unattraktiv, doch wie alle in meinem Alter darauf angewiesen, über Kontaktanzeigen jemanden kennen zu lernen.
Eine durchaus sinnvolle (wenn auch nicht bar vieler Komik, weswegen ich dies alles aufschreibe) Einrichtung.
Dort finden sich Menschen, die sich Texte ausdenken, um jemanden zu finden.
Hier treffen sich also Gleichgesinnte.
Da gibt’s nichts vorzumachen.
Er weiß es.
Sie weiß es.
Man trifft sich mit Grund.
Was weiß ich, wenn ich diese Texte lese?
Dass es auf Größe ankommt – wie groß er ist, wie ich sein soll, welche Kleidergröße erwünscht wäre.
Manchmal ist auch eine große Oberweite gefragt…
Dass ich weiblich sein soll, aber schlank, zärtlich und eigenständig, Nähe und Distanz vertrage.
Dass ich charmant ( da denke ich immer an Carolin Reiber) sein soll, selten verlangt man von mir Intelligenz – das wäre mal eine Zahlenangabe: Suche Frau mit IQ von 130.
Selbstverständlich soll ich attraktiv sein – anziehend – was mehr mit Anziehen als mit meinem umwerfenden wit und meiner schönen Seele zu tun hat.
Dass ich erotisch bin und Erotik mag – freilich, mit der richtigen Größe, gut angezogen-attraktiv und im Spagat zwischen Nähe und Distanz , zärtlich und eigenständig.
Und das ganze ohne Altlasten!
Dass er gerne ins Kino geht, Opern weniger mag, auf den Berg biket, Biergärten ebenso liebt wie Essen beim Italiener.
Dass er humorvoll ist und Niveau hat.
Gut situiert, aber gerne der Parität wegen solls ich auch sein, schreiben die Kleinkrämer und tarnen sich mit vernünftig gleichem Kontostand.
Die großzügigen Millionäre, die ihr Geld ins Weib investieren wollten, schicken geschrieben sowas wie einen bodyguard in der Anzeige mit, der aufpasst, dass sie ein Ganzfoto schickt und wie Claudia Schiffer aussieht..
Ganzkörper – Investment.
Überhaupt klingt das meiste nach Anlage in ein weiteres Leben.
Tja, da will man ja auch nichts mehr falsch machen.
Wie verzinsen sich die richtige Körper- und Kleidergöße plus Freizeitaktivitäten.
Die Formel muss noch erfunden werden.
45 + 38 + Kino und Tennis + Humor und Ni ve au dividiert durch Nähe und Distanz mal Attraktivität und Sinnlichkeit ergibt ein Miteinander, das der Einrichtung eines Lebensraums aus dem Schaufenster direkt übernommen gleicht – alles passt zusammen und harmoniert in stilvoller normierter austauschbarer Einheit.
Kein wackliger liebenswerter alter Stuhl stört.
Kein abgetretener Teppich erzählt.
Keine angeschlagene Lieblingstasse hat eine Chance.
Da sind Lächeln am Morgen, Lieben der kleinen oder großen Wursteln am Bauch, zärtliches Berühren einfach so und konstruktives Streiten um die immer verkehrt hängende Klorolle, die falsch aufgedrehte Zahnpastatube (angeblich die Synonyme für die kleinen großen Streitereien) irgendwie fehl am Platz
Stören ein mühselig konstruiertes Miteinanderambiente.
Das lese ich.
Und bin entmutigt.
Fühle mich wie die kleine Prinzessin: „ Warum fragen sie immer wie groß, wie alt eine Frau ist, warum fragen sie nicht, wie ihr Lächeln ist, wie ihre Hände streicheln…..“ wo ist das Sehen mit dem Herzen?
Fortsetzung folgt……
Am 10. September 2006 um 14:58 Uhr
Chapeau Madame, lange nicht mehr so nett, freundlich, gelassen und doch eindringlich gelesen, wie die Gefühle, Irrungen und Wirrungen, Gedanken und Befürchtungen beschrieben wurden.
Wobei sich manches hier geschiderte bestimmt auch auf die Seelen- und Gedankenlage eines Mannes beziehen könnte, so er denn halbwegs zum Nachdenken fähig ist .
Bin auf die Fortsetzung schon gespannt.
Am 11. September 2006 um 22:50 Uhr
Hallo „“vivara“,
herzlichen Dank für Deinen (ich hoffe, ich darf Du sagen) intelligenten, sachlichen, ironischen, ….ach, es steckt so vieles drin, dass ich hier aufhören möchte weitere Attribute aufzuzählen.
Auch ich mache mir so meine Gedanken. Warum bin ich überhaupt in diesem Medium auf der Suche nach einer Partnerin? Bin ich nicht mehr in der Lage, eine liebenswerte Partnerin im „normalen?“ Leben zu finden? Brauche ich überhaupt eine feste Beziehung, ja will ich die denn wirklich? Will ich überhaupt zu viel?
Ja, ich habe mich auf den Weg gemacht. Denn bei allen Möglichkeiten die eine Großstadt bietet sein Leben abwechslungsreich zu gestalten, bleibt doch der Wunsch nach der perfekten Beziehung und die ist nicht einfacher aufzubauen, nur weil die Stadt groß ist.
Doch halt, da habe ich vermutlich schon die erste unerreichbare Forderung aufgestellt. Perfekte Beziehung, gibt’s die? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht und dennoch suchen wir Sie, vielleicht gibt’s sie ja doch.
Doch nochmals halt, versäumen wir bei der Suche nach dem großen Glück nicht die vielen kleinen Glücksmomente? Ein Spaziergang zu zweit in der warmen Sommersonne mit einem Gespräch über Gott und die Welt, ein geschmackvolles Essen bei Kerzenschein im schönen Ambiente, ein Lächeln des Gegenüber….. Oder ist das alles zu flüchtig? Müssen es die großen Gefühle sein, das drängende Verlangen nach … was weiß ich alles….?
Die Traumfrau / der Traummann soll es bitte schön auch sein. Aber wie sieht die/der aus? Beschreiben könnte ich da einiges, aber gibt’s das in einer Person wirklich? Gehört nicht auch mindestens gleichgewichtig zum schönen Körper auch ein positiver Geist, der uns berührt?
Ja, wir sind nicht mehr die jüngsten und haben doch soooo viel Lebenserfahrung, da wissen wir doch genau was wir wollen. Mit Nebensächlichkeiten geben wir uns nicht mehr zufrieden. Wir wollen alles!!!
Wir haben ja auch nicht mehr so viel Zeit? Nicht mehr so viel Zeit? Wer sagt das?
Wir glauben, wir haben alle Erfahrung um vergangene Fehler nicht mehr zu machen. Irrtum, wir machen vielleicht nicht die selben Fehler (so viel Intelligenz sollte schon sein) aber wir machen nicht weniger Fehler.
Wenn wir nicht mehr den Mut haben Fehler zu machen, dann haben wir aufgehört zu Leben. Das Leben genießen heißt spontan sein, nicht immer und überall überlegt handeln und kontrolliert sein. Lasst uns auch mal Verrücktheiten machen, gönnen wir uns den Spaß.
Ich besinne mich wieder auf die kleinen Schritte ohne das große Ziel einer harmonischen, glücklichen, zärtlichen … na, ihr wisst schon… Partnerschaft aus den Augen zu verlieren. Auch die kleinen Schritte sind, das ist meine inzwischen gesammelte Erfahrung, schon schwierig genug. In unserem „Alter“, mein Gott, wie hört sich das an, gibt es bedauerlicherweise zu viele Menschen, jedenfalls für mich, die zu vorderst an Sicherheit und versorgt sein denken. Ich will Leben!
Also mache ich mich weiter auf den Weg durch Musikkneipen, Szenelokale, durchs Internet usw. Aufgeben gibt es nicht. Vielleicht begegnen wir uns ja da mal und ich bin Dein/Euer „Traummann“ und Du bist/Ihr seid meine „Traumfrau“.
Bis dahin Dein/Euer
Hucky50plus
Am 14. September 2006 um 17:48 Uhr
Wie wahr, wie wahr. Ich denke persönlich dass man seine Zeit geniessen sollte, ob solo oder nicht. Darum kümmere ich mich und wenn jemand über mich stolpert u mich mit dem Herzen anschaut, dann ist mein Lächeln garantiert. Ich lebe spontan und möglichst glücklich schon mal mit mir selbst und natürlich auch mit einem Augen auf meine Mitmenschen. Benutze nur eine Macht, die der Liebe!
Am 26. Oktober 2006 um 22:57 Uhr
Habe sehr lächeln müssen beim lesen deines Textes. Habe viele Ähnlichkeiten erkannt. Schön gemacht. Ich lade dich herzlich auf meine Blogseite ein!
Am 21. März 2007 um 00:01 Uhr
guten abend,auch ich bin auf der suche,doch musste ich feststellen,die erste frage war bist du wirklich verheiratet,und wirklich 1,85 gross.
Da kam nicht die frage auf warum kannst du nicht mehr lachen.Möchte noch hinzufügen bin verheiratet und 1,85,doch ehrlich darf eine veheiratete
frau nicht auch kontakt suchen.(allerdings nicht für sex) Na ich gebe die Hoffnung nicht auf.Grüssle aus stuttgard