Der Automat
Der Automat
Er steht gleich – nein nicht gleich, aber so ungefähr 50 m hinter der Eingangstür rechts. Der Automat für Kaffee, Tee, heiße Zitrone und auch Kakao.
Er wird flankiert zur rechten von einem Automaten für Süßigkeiten, der aber auch Salzstangen hat, allerdings überwiegend Süßes, der Oberbegriff ist glaube ich Knabberzeug, wobei salziges nur gering vorhanden ist.
Zur Linken des Kaffeeautomaten steht ein Coca-Cola-Automat und der ist, was die Bedienung angeht, wirklich klar und deutlich. Es gibt normale Coca- Cola und auch Cola-Light, alles in halben Liter-Flaschen , leider aus Glas und alles zum selben Preis. Also ein Kinderspiel, sich dort zu bedienen.
Für Gasthörer und Erstsemester könnte man auch glatt von einem Einsteigermodell sprechen.
Dieser Automat liefert in der Regel das, was man bestellt und bestätigt somit, dass man ein gewisses Verhältnis zu Automaten aufbauen kann.
Die Variante darüber, also einen Grad schwerer zu bedienen ist der Knabberzeuglieferant. Da geht es im Verhältnis zum Kaffeeautomaten aber auch noch relativ übersichtlich zu.
Die unterschiedlichen Sachen wie Lion, Mars, Bounty oder Nuts, sowie Milchschnitten aller Art und wie gesagt auch Salzstangen oder Erdnüsse sind bezeichnet mit einem großen Buchstaben und einer zweistelligen Zahl..
Also B26 wäre Nuts, während S48 einen Riegel Kinderschokolade ausweist.
Sich das zu merken bedarf keiner höheren Mathematik.
Das Problem hier ist die Ritter-Sport, man sieht genau die erste Tafel, also die, die fallen wird, sobald das Geld verschluckt ist. Sollte die erste Tafel aber grün sein, dann wäre das Marzipan, was nicht erwünscht ist. Von der Tafel dahinter kann man nur einen schmalen Randstreifen sehen und nur der geübte Ritter-Sport-Fan weiß, dass Lila auf herbe Schokolade hinweist, da er selber aber Nuß bevorzugt, muss er alle Tafeln vorher kaufen, das heißt, sie sich mit einem Sturz herunterholen, bis ein brauner Randstreifen sichtbar wird. Erst dann hat er sein Ziel erreicht. Alle Tafeln davor müssen bezahlt und auch rausgenommen werden und die werden vom Käufer dann verschenkt, an Kommilitonen seiner Wahl. Mir wäre das zu umständlich, deshalb nehme ich nie Ritter-Sport. Aber ich kenne Leute, die von Bafög leben und manchmal erst beim 6. Plumps die Sorte haben, die sie wirklich mögen.
Und jetzt komme ich zum Kaffeeautomaten, der so heißt, obwohl er eben anderes auch zubereitet. Aber erst mal zum Kaffee. Hier gibt es verschiedene Sorten, Kaffee schwarz, Kaffee mit Zucker, Kaffee mit Süßstoff, Kaffee mit Milch, Kaffee mit Milch und Zucker, Kaffee mit Milch und Süßstoff. Das ganze gibt es zusätzlich in zwei Varianten, die Variante zu 50 Cent. und die zu 75 Cent. wobei die Becher die gleichen sind. Für 75 Cent verbrennt man sich die Finger.
Wie bereits erwähnt gibt es auch Tee, auch Früchtetee, auch alles mit oder ohne usw. Der Kakao soll schlecht sein, wird selten gezogen und deshalb kann ich darüber auch nicht viel schreiben. Wer schreibt schon über schlechten Kakao.
Um das ganze einzuteilen und wie man meint übersichtlich zu gestalten, gibt es hier die Wahlmöglichkeiten mittels großem Buchstaben, Zahl, kleiner Buchstabe. Also, das weiß ich im Schlaf – A2d -ist schwarzer Kaffee ohne alles – zu 5O Cent. Tee mit Zitrone könnte D8c sein, und Früchtetee mit Süßstoff evtl. Z6s.
Vielleicht glaubt man mir jetzt, dass es Seniorstudierende gibt, die noch nie das hatten, was sie meinten gewählt zu haben.
Kurz bevor es Ferien gab stand ich selbst am Kaffeeautomaten, vor mir keine Schlange, das fiel mir auf, aber ich dachte, die meisten sind schon im Urlaub. Also machte mich das nicht besonders stutzig. Ich hatte ein 2 Euro-Stück und als ich es in den Schlitz hineinstecken wollte, war dieser blockiert von einem 50 Cent -stück. Das 50 Cent -Stück schloss mit dem Schlitz ab, war also nicht mehr zu entfernen. Kurzentschlossen und scharf auf Kaffee preßte ich meine 2 Euro dagegen und siehe da, sie gingen hinein, verdrängten das 50Centstück aber blieben dann ebenfalls stecken, plan mit dem Schlitz.
Inzwischen hatte sich eine junge Studentin, ca. 4. Semester zu mir gesellt. Sie hatte 50 Cent in der Hand und wollte auch Kaffee. Ich sah mir die Sache noch einmal an und schlug mit der Faust seitlich gegen den Schlitz.
Der Automat ist sehr stabil und kann das vertragen. Ich schlug noch einmal, indem ich mit dem Fuß unten dagegen hielt – aber es rührte sich nichts. Da fiel mir ein, dass eine Kugelschreibermine ungefähr den Durchmesser des Schlitzes haben könnte und da lag ich richtig. Mittels der Mine und starkem Druck auf dieselbe konnte ich die 2 Euro weiterstoßen, es gab ein Rappeln im Automaten und dann klickerte es unten in die Fallklappe rein. Ich sagte zu der Frau neben mir, du kannst das alles haben, ich will nur meine 2 Euro zurück.
Selig ließ sie den Geldregen in ihre offene Hand fließen – aber 2 Euro, waren nicht dabei, also ein 2 Eurostück fehlte. Das erforderte erneuten Einsatz, jetzt stieß ich mit der Mine zu, schlug mit der Faust auf die Zarge
und hielt mit dem Fuß dagegen, das ließ den Automaten ein allerletztes Mal aushauchen – es purzelte, die schon in der Hocke sitzende Studentin brauchte beide Hände und aus der einen nahm ich mir dann ein Zwei-Euro-Stück, eins von Vieren.
Auf den Kaffee verzichteten wir, der Automat war malträtiert worden und uns sicher nicht wohlgesonnen, die Mine auch, aber trotz zweier Knicke richtete sie sich in dem für sie vorgesehenem Hohlraum ordentlich auf. Der Kuli schrieb und alles war wie vorher.
Die Studentin wollte teilen – aber ich nicht.
Am 5. Oktober 2007 um 20:23 Uhr
Sehr lustiger Beitrag, aber einer den das Leben schrieb. Als langjähriger Raucher habe ich so einiges mit diesen Kisten durch.
Aber man konnte auch so seinen Schabernak treiben mit Automaten. In den Bahnhofshallen standen früher so alte Ungetüme rum, die mit einen Groschen gefüttert, ein weisses Pappkärtchen mit dem Gewicht des Daraufstehenden auswarfen. Der Wiegevorgang dauerte ein paar Sekunden und war mit einen Höllenlärm, ähnlich den in einer Geisterbahn verbunden.
Wir hatten auch so eine Personenwaage in unserer Schalterhalle stehen. Der Sicherungsautomat dafür war in den Diensträumen der Fahrkartenausgabe untergebracht.
Einer kam auf die findige Idee, den Sicherungsautomaten auszulegen, dann einen Groschen einzuwerfen, und dann hieß es warten.
Wenn nun jemand die Schalterhalle betrat, mußte er unmittelbar an dieser Personenwaage vorbei gehen. Einer schaute vom Schalterfenster auf die Tür, wenn jemand reinkam, gab es ein Handzeichen zu dem, der an der Sicherung stand, der legte die wieder ein und unverhofft mit einen Riesengetöse startete die Personenwaage von selber. Die Folge waren durch die Luft fliegende Hüte, Schirme und Taschen begleitet von Huuuuuch, Ahhhhhhhhhhhhh, mei Nerve. Und wir haben vor Lachen fast in die Hose gemacht.