Flohmarkt der besonderen Art
Flohmarkt der besonderen Art
Auf dem Flohmarkt kann man alles Mögliche verkaufen, der Verkauf dort ist ganz anders als der Normalverkauf. Noch spezifischer ist es, wenn man auf dem Flohmarkt Bücher verkauft.
Es bietet sich an, dies nicht auf dem allesverkaufendem Flohmarkt zu tun, sondern dafür speziell Tische aufzubauen für einen gesonderten Buchflohmarkt aus Bananenkartons.
Die Tische sind wichtig, weil das Rumstöbern zur Leidenschaft wird und in Tischhöhe für mehrere Stunden möglich ist. Baut man alles auf Bänken auf oder gar auf Stühlen, die kippeln , schrumpfen die Einnahmen.
Von Vorteil – oder eigentlich fast Bedingung ist, dass der Verkäufer ein Buchfreund ist.
Er wird noch, bevor der Ansturm einsetzt, gewisse Dinge sichten, Krimi zu Krimi stecken und die kleinen Reclamhefte für bestimmte Kunden reservieren. Es gibt Frauen, die nur nach Konsalik fragen, auch da wird der Flohverkaufsfachmann sofort Rücklagen anlegen, bevor er nur noch aufpassen und kassieren muss..
Ein Profi erkennt seine Kunden auf den ersten Blick – er ahnt das dieser fragen wird – kommt jemand mit ausgebeulten Cordsamthosen sind meistens die kleinen Inselbücher sein Ziel.
Grundsätzlich sollte man niemanden anreden, dessen Nase nach unten gerichtet ist. Diese Menschen schwelgen und wünschen nicht gestört zu werden. Sie ziehen mit zwei oder drei Büchern von Karton zu Karton, überlegen, tauschen um, gehen wieder zurück, prüfen ein zweites Mal jedes Stück und wirken sehr ruhig, gelassen, ausgeglichene Gesichter, der Verkäufer sieht, dass hier gedacht wird und eine ganz besondere Aura umgibt diese 10 Meter
Buchauswahl. Es ist ein Refugium, selbst wenn die Tische mitten im Trubel stehen, hier ist man unter sich, bei sich selbst und mit sich selbst im Reinen. Männliche Kunden überwiegen, aber das ist ein Extra-Thema.
Dann und wann fängt ein Stöberer an zu Reden, man wundert sich direkt, dass dieser tatsächlich sprechen kann – und man kommt sich sehr schnell nahe. Mein Vater kommt aus Danzig – haben sie da was ? Ach, sie kennen Danzig, dass ist ja interessant. Ein anderer möchte Bücher aus dem Nachlass des Bürgermeisters, der in den 50er Jahren Direktor eines Gymnasiums war, ja , sagt der Verkäufer, da sind einige dabei, aber entschuldigen sie bitte, ich muss erst mal kassieren.
Beim Bezahlen bedankt man sich gegenseitig, es wird ein schöner Sonntag gewünscht – soll ich ihnen mal eine Tasse Kaffee holen wird gefragt – und auch müssen sie die ganze Zeit stehen? Bücher schaffen eine Atmosphäre in der es menschelt. Und der Rubel rollt – aber das Geld ist für eine Schule in Tansania und deshalb sagt der Verkäufer gegen 16 Uhr: Wer fünf Bücher kauft, braucht nur vier zu bezahlen. Es ist ein armseliger Trick, aber er zieht, auch bei sogenannten Intellektuellen.
Am 24. September 2007 um 13:18 Uhr
Liebe Ashoggi,
beim Lesen Deines Berichtes war ich auf dem Flohmarkt, am Bücherstand und habe gesucht, gelesen, gefragt und weitergeschaut.
Ein wunderbar lebendiger Bericht. Danke
Grüße aus Hamburg
Lifeday
Am 27. September 2007 um 08:38 Uhr
vielen Dank, Lifeday uns liebe Grüße