Hundegeschichte (10)
Wo darf ich mich tagsüber hinlegen?
Frauchen hatte mal in einem Buch gelesen, daß der Hund alles übersehen möchte. Sie merkte sich die Stelle auf dem Sofa, wo ich am liebsten lag, und breitete dort eine weiche Decke aus. Schön glatt, ohne Falten. Ich wühlte so lange, bis ich mir eine Art Höhle mir zurechtgelegt hatte. Wenn ich mal längere Zeit auf dem Boden lag, machte ich dasselbe mit Frauchens Läufer. Sie sagte dann nicht viel, sondern legte die Läufer immer wieder ordentlich hin … daß mit der „Höhle“ hatte sie wohl auch irgendwo gelesen, und sie akzeptierte es.
Von wem darf ich etwas zu Fressen annehmen und von wem nicht? Mein Fressen wurde in meinen Napf getan, und auch Reste der Mahlzeiten von Ingrid und Stefan bekam ich in meinen Napf. Wenn die beiden am Tisch aßen, mußte ich mindestens einen Meter Abstand halten, denn vom Tisch gab es nichts. Manchmal ließ Stefan heimlich was fallen, dann
stürzte ich mich sofort darauf. Er bekam natürlich Ärger. Wenn Ingrid es früh genug bemerkte, sagte sie „aus“ und ich schlich traurig auf meinen Platz. Wenn die beiden aufstanden, ließen sie es aber liegen und ich suchte den Boden nach weiteren Krümeln ab. So gewöhnte ich mir an, mich nicht mehr gleich unter den Tisch zu stürzen, wenn etwas runterfiel. Es ging mir ja nicht verloren … und Stefan bekam keinen Ärger.
Eigentlich darf ich nur von meiner Familie, also von Ingrid und Stefan etwas annehmen. Wenn Besuch kommt, der mich unbedingt verwöhnen möchte, gibt Frauchen ihnen Hundeplätzchen, die dürfen sie mir geben, damit sie nicht auf die Idee kommen, mich mit ungesunden Leckereien zu füttern.
Einmal gab mir ein Kind klebrige Bonbons, anschließend amüsierte es sich, welche „Verrenkungen“ ich machen mußte, denn es klebte an meinem Gaumen. Seitdem bin ich vorsichtig, wenn fremde Kinder mir was geben. Da ich überwiegend das Futter von einer bestimmten Firma fresse, aber ich gleich Verdauungsprobleme, wenn Frauchen mir mal was anderes gibt. Entweder bekomme ich Durchfall oder pupse in einem fort. Zweimal in der Woche fresse ich ein rohes Ei, das bekommt mir ausgezeichnet.
Wann muß ich meine Menschenfamilie beschützen?
So genau weiß ich das bis heute nicht. Schellt es, belle ich so lange, bis ich den Besucher begrüßen darf. Bin ich alleine zu Hause, nervt der Krach auch schon mal die Nachbarn. Mein Frauchen stellt meist die Schelle ab und sagt allen, sie sollen sich vorher telefonisch anmelden. Überraschungsbesuche mag sie nicht. Eine Weile hing ein kleiner Spruch an der Eingangstür:
Weil mein Hund bellt, wenn es schellt, habe ich die Schelle ausgestellt … Liebe Besucher/Innen, bitte vorher anmelden. Kam jemand Fremdes durch den Garten, raste ich bedrohlich auf ihn zu. Da meine Augen langsam schlechter werden, mache ich oft zwischen Fremden und Freunden keinen Unterschied … man hat inzwischen Respekt vor mir. Gehen Stefan oder Ingrid mit mir im Dunkeln Gassi, passe ich besonders gut auf und knurre auch schon mal, wenn mir was nicht ganz geheuer ist. Beruhigt Frauchen mich dann z.B. mit „Alles in Ordnung,“ bin ich wieder fromm wie ein Lamm.
Wünsche allen ein wunderschönes Wochenende
inschi