In eigener Sache
In eigener Sache
ich bin jetzt in einem Alter, wo man mal Schicht zu machen pflegt, so zu Hause, im Keller und auf dem Boden. Schließlich will man den Kindern alles einigermaßen geordnet und übersichtlich hinterlassen. Das fehlte noch, dass die sich extra Urlaub nehmen müssten, nur um meine Wohnung aufzulösen.
Vieles habe ich einfach entsorgt, manches verschenkt und wieder anderes bei e-bay angeboten, das wäre ja dumm, wenn man das nicht machen würde.
Und tatsächlich gelangen mir auch Schnäppchen.
Wenn man versteigert, bietet es sich an, das Angebot in den Abendstunden und möglichst ab Freitag bis Sonntag auslaufen zu lassen.
Das hat mir jemand gesagt, der Erfahrung hat – ich habe den Rat befolgt und bin nicht unzufrieden.
Dieses Geld, dass ich jetzt zusätzlich hatte, sollte auch wieder für irgendetwas angelegt werden, damit es nicht so spurlos und peu a peu im Haushalt verschwindet.
Das, was man so nebenbei erwirtschaftet, muss nicht nur für Butter drauf gehen, wäre ja schade drum.
Nun begab es sich vor einiger Zeit, dass die ISS auch über Hildesheim zu sehen war, das hat mir auch wieder jemand gesagt, der Erfahrung hat und tatsächlich hatte ich an allen drei Tagen Glück – das hat mich fasziniert.
Mit dem Rücken nach Osten stehend, kam sie von links auf mich zu, wurde immer größer, d.h. länger und löste sich dann in Wohlgefallen auf, obwohl noch so viel Platz am Himmel war.
Da habe ich wieder jemanden gefragt, der Erfahrung hat und der hat mir gesagt, dass es nicht auf den Platz am Himmel ankommt, sondern darauf, wie lange die für uns bereits untergegangene Sonne dieses Objekt noch erreicht – ist eigentlich logisch….
Schon lange vor Eintreffen der ISS war ich im Freien und habe mich mit dem Himmel beschäftigt und dem, was da zu sehen ist. Auch ein Rentner hat manchmal anstrengende Tage und da ist es eine Wohltat, so wie man geschaffen ist, schon im Trainingsanzug und mit Birkenstocks und ohne Zeitdruck, sich den Himmel anzusehen.
Und dann dachte ich an das Geld, dass ich ja bei e-bay erwirtschaftet hatte und dass in keinem Falle für Butter oder irgendwelche teuren Fensterputzmittel verplämpert werden sollte und dann trank ich noch ein Glas Rotwein, weil ja die ISS erst nach 23.00 Uhr kam und danach bestellte ich dann im Astro-Shop einen SKYWATCHER 150/1200mm EQ-3-2.
Der war runtergesetzt und da ich schon durch Verkauf ein Schnäppchen gemacht hatte, wollte ich nun auch mittels Einkauf ein Schnäppchen haben.
Außerdem bestellte ich das Buch “Astronomie für Einsteiger”.
Auch wieder jemand der Erfahrung hat, riet mir zu einem ULTRAWide-Angle Okular 6mm und einem 9 mal 50 Winkeleinblick, damit der Hals nicht gleich steif wird …
Schon die Lieferung gestalte sich sehr schwierig, ich war nicht zu Hause, als die großen Pakete kamen, dann fuhr ich mit Personalausweis und Postkarte los, aber an einen Transport mit dem Fahrrad war nicht zu denken.
Ich machte also einen Termin mit der Post aus, an dem ich dasein würde und dann bat ich einen Gast aus dem Lokal unter mir, mir zu helfen.
Der SKYWATCHER ist jetzt bereits 10 Tage in meiner Wohnung und anfänglich war es sehr schwierig mit ihm – aber inzwischen kann ich schon liebevoll auf ihn herabblicken.
Ich habe ihn auf die Couch im Gästezimmer gelegt, das heißt, er liegt da nicht nur, er nimmt die Couch voll und ganz ein.
An die Seite passen gerade noch drei schwere Eisenscheiben, die zur Stabilisierung dienen sollen.
Mehrere kleine Schächtelchen sind vorhanden und ein Beutel mit Werkzeug.
Dann kommt eine große Kiste mit einem schweren Ding, das aussieht wie ein Mikroskop, es könnte aber auch ein Colt aus den 30er Jahren sein. Diese Kiste liegt unter der Couch. Auf der Rücklehne, also oben auf der Couch liegt ein ca. 40 cm langer Stab, mit dem ich evtl. Eindringlinge erschlagen könnte, daneben ein dreieckiges Eisenteil. so wie ein Diskus, aber eben dreieckig und deshalb natürlich kein Diskus.
Vor der Couch befindet sich das Stativ, das ist das einzige was steht.
Alles sollte nach Norden ausgerichtet sein – wahrscheinlich sogar auf den Polarstern hin, aber da muss ich erst einen fragen, der Erfahrung hat.
Wie gesagt, inzwischen bin ich ganz zufrieden und bevor ich ins Bett gehe, kontrolliere ich noch einmal alles und gestern war ich fast versucht, das graublaue Metall meines SKYWATCHERS zu streicheln..
Da es ja so nicht weiter gehen kann, rief ich in der Volkshochschule an und bekam die Auskunft, dass sich die Teleskopfreunde und solche, die es werden wollen, einmal monatlich treffen. Das nächste Treffen soll am 13. Juni sein – da werden sie geholfen sagte man mir – und das ist tröstlich. Allerdings erfuhr ich inzwischen, dass die vielleicht schon in der Urlaubspause sind – aber so schlimm ist das auch nicht – ich habe ja immer noch das Buch
“Astronomie für Einsteiger” und damit kann man sich auch längere Zeit beschäftigen….
und wichtig war ja einzig und allein, dass das Geld nicht in den Haushalt gesteckt wird.
Und noch was, ich vergaß es fast zu sagen, mein SKYWATCHER ist das Gerät für EINSTEIGER.
Wenn ich dann erstmal jemand gefunden habe, der mir das Ding aufbaut, dann kann das Einsteigen losgehen – und so sehe ich schon sehnsüchtig den Stunden auf der Terrasse, das Auge am 9 mal 50 Winkeleinblick, entgegen.
Leider weiß ich jetzt so gar niemanden mehr, der Erfahrung hat.
Am 4. Mai 2007 um 08:30 Uhr
Ein weinig Erfahrung mit Teleskopen und der Beobachtung von Planeten, Galaxien und dem Mond habe ich schon. Doch lässt sich so etwas schwerlich schriftlich vermitteln. Zum Aufbauen des Teleskopes bedarf es eigentlich nur eines handwerklich erfahrenen Bastlers und der Aufbauanleitung.
Meine Aufbauanleitung ist zum Beispiel 60 Seiten stark. Nicht alles darin ist wichtig und muss beeachtet werden. Man wäre wohl auch mit 10 Seiten ausgekommen. Solltest du keine Aufbauanleitung bekommen haben, so müsstest du wohl beim Hersteller nachfragen.
Erst wenn das Teleskop zusammengebaut und in den nächtlichen Himmel gerichtet ist, erst dann wird die horizontale Achse so ausgerichtet, d. h. das Teleskop so hingestellt, dass diese Achse zum Polarstern zeigt. Das hat aber lediglich etwas mit der ansonsten schwierigeren Nachführung zu tun. Wenn die Horizontalachse genau auf den Polarstern zeigt, braucht man nämlich nur noch eine der beiden Nachführschrauben drehen damit des Beobachtungsobjekt im Blickfeld bleibt… denn bekanntlich
“…und sie dreht sich doch!”
grüßt freundlich
Bernd
Am 16. Mai 2007 um 08:00 Uhr
danke Dir, Bernd, für diese ausführlichen Zeilen – ich weiß, das es Zeit wird, damit anzufangen – aber das alles liegt mir schwer im Magen. Nach Pfingsten werde ich es angehen. LG ashoggi