Jahresrückblick mit 5oplus und in 50plus

Es ist der vorletzte Tag des Jahres.
Grund um ein vergangenes Jahr zu betrachten.
Überall Jahresrückblick.
Warum nicht auch ein Rückblick aus der Sicht einer in 50plus?
Dieser ganz bestimmte Blick….

Da ist ein virtuelles Begegnungszentrum.
Ein durchdacht angelegter Garten zum Schlendern und Begegnen.
Ein eingegrenzter Garten.
Wir sind unter uns – 50 plus, ein paar wenige drunter.
Was wollen wir hier eigentlich?
Blöde Frage?
Jemandem begegnen.
Wie im richtigen Leben.
Mann bleibt stehen, Frau auch und betrachtet nachdenklich dieses und jenes Gesicht.
Es gefällt einem nicht, es gefällt einem.
Und dann lächelt Mann wie Frau und schreibt „Ich will dich kennenlernen“.
Erstmal.
Wie im richtigen Leben.
Wo man diesen oder jenen Mann bewusst anschaut, diese oder jene Frau begehrenswert findet.
Und Blicke tauscht – irgendwie eindeutig.
Ach nein, eindeutig nicht, einfach halt irgendwie wissend.
Und dann passiert was.
Oder nicht.
Mann ist die Initiative zugeschrieben.
Er sollte anmachen.
Mit den bekannten Sätzen, ob man sich dazusetzen darf, ob man sich nicht schon mal wo gesehen hätte.
Oder so – Kapitel 7 aus „Wie mache ich intelligent an?“
„Glauben Sie an Liebe an den ersten Blick oder soll ich noch einmal hereinkommen?
Naja, da es sich um nicht ganz so ernst zu nehmende Anweisungen handelt, ist diese eigentlich witzige Anmache schon vertan…
Passiert alles im richtigen Leben sowieso verdammt selten.
Da ist dieser virtuelle Garten klarer.
Dort ist man nämlich nur „deswegen“.
Dort ist der Blick eindeutig, geradezu gezielt.
Man sucht ja.
Und findet man auch?

Eine wöchentliche Statistik klärt auf.
Über 1500 Menschen sind bei mir stehen geblieben.
1500!!
Ein ganzer Ort ist das.
Das macht meinen Jahresblick zu etwas Besonderem.
Und den vieler, vieler hier bei 50plus auch.
Wer wo in der Welt wurde schon so oft „angeschaut“?
Claudia Schiffer und Richard Gere noch viel öfter.
Das schon.
Ganz zu schweigen von deren Glamour.
Der fehlt bei uns.
Aber da gibt es liebenswerte mails.
Die ersetzen Glamour.
Und wortlose Klicks mit dem einfachen Satz: “Ich will dich kennenlernen.“
Handelt es sich nun deshalb um einen Jahresrückblick der eigenen Bedeutung, gemessen an der Anzahl von Klicks?
Misst sich der „Marktwert“ an der Zahl derjenigen, die einen kennenlernen wollen?
Wenn ich es materialistisch betrachte, ja.
Ist ja eine Zahl, eine mathematische Größe ganz anderer Art, nämlich an klitzigkleiner Zuwendung.
Und was macht Mann und Frau nun mit dieser Summe?
Schreiben – erst einmal schreiben.
Abschreiben oder hinschreiben.
Und dann telefonieren und dann treffen.
100 mal oder noch mehr?
Um Himmelswillen!
Es geht ja um einen oder eine.
Die Eine, der Eine.
Nicht allen geht es darum.
Das nicht.
Das ist auch irgendwie verständlich.
Man kam vielleicht hierher des Einen, der Einen wegen.
Und dann waren da plötzlich so viele.
Wow!
Da kann es dann schon passieren, dass es im Kopf rattert.
Wenn man einen oder eine trifft.
Der-die nicht der irgendwie festgesetzten Vorstellung eines Bildes, einer Idee entspricht.
Da sind ja noch mehr, dann schaue ich mir noch diese oder jenen an.
Stehen ja noch viele im Regal der Sehnsüchte.
Wenn schon noch einmal, dann aber…
Ja, aber.

Hat man nicht im Kopf irgendwie das Bild der Jugend?
Und trifft dann plötzlich einen Mann, eine Frau, die halt nicht mehr jung ist.
Nein- sooo alt!
So betulich, so altväterlich?
Nein, das nicht
Oder so festgefahren, so eigen.
Nein, das nicht.
Mit dem zweiten Frühling geht oft eine eigenartige Selbsttäuschung einher.
Die Idee, mit der man sich hier tummelt, ist so jung, so übermütig, so voller Erinnerung an damals…
Da kann Mann schon mal den eigenen Bauch, das schüttere Haar vergessen.
Und Frau wird auch nicht jünger in Pink und mit übertünchter verblühender Schönheit .
Und so trifft man sich und ist irgendwie enttäuscht.
Nein, nicht alle.
Nur die, die sich in Irrealität verrannt haben.
Die Jugend herholen wollen, ohne zu spüren, wie verdammt jung man auch mit Bauch und ohne Pink ist.
Die sich nicht freuen, dass sie so junggeblieben sind, wie sie sind.
Wenn sie es sind.
Die mit Gewalt jünger sein wollen.
Die sich mit der falschen Altersgruppe vergleichen.
Die sich schwer tun zu akzeptieren, dass sie dort im Leben stehen, wo sie stehen – an Jahren einfach nicht mehr jung.
Na und?
Und die eigentlich ganz etwas anderes suchen.
Die Frau an der Seite.
Eine an den Armhängfrau mit Charme und Eleganz – eine Vorzeigfrau.
Oder einen Mann an der Seite.
Mit Polster auf der Bank und der Bereitschaft, dieses zu teilen.
Und dann gibt es noch die, die ein Polster überhaupt teilen wollen.
Pardon, eigentlich mehr ein Kissen.
Die sind vorwiegend männlich.
Werden sie fündig hier?
So nach dem Motto, wenn ich von hundert Treffen nur 45 ins Bett bringe, dann…
Ich weiß es nicht?

Jahresrückblick war das Thema.
Wo stehe ich da eigentlich in diesen nachdenklich-kritischen Betrachtungen?
Im Augenblick nirgendwo – mehr.
Denn ich habe lernen müssen – und dürfen.
Dass es passieren muss.
Und passieren wird.
Vielleicht auf diese Weise – so im virtuellen Garten der Sehnsüchte.
Ich habe hier Menschen kennen gelernt.
Die ich mich freue, dass ich sie kennenlernen konnte.
Die mir etwas gesagt haben.
Die mich zum Lachen gebracht haben.
Die mir eine mir eigene Wichtigkeit gaben.
Die ich mögen konnte.

Und das ist verdammt viel.
Und darum ist mein Jahresrückblick der besonderen Art ein positiver.
Weil diese Jahr mich Menschen begegnen ließ, die ich so nicht kennen gelernt hätte.
Weil es dieser Begegnungen wegen vieles zum Nachdenken, Erkennen gab.
Und weil es nicht nur Kopfarbeit blieb.
Sondern sich mein Leben damit weitete.
Im Kopf und in der Seele.
Eine Weite, die voller Ausblicke ist.
Solchene, die man halt nur haben kann, wenn man 50plus ist.

3 Reaktionen zu “Jahresrückblick mit 5oplus und in 50plus”

  1. Arnica

    Liebeliebsteallerliebste Ursl,

    da sind nicht nur Rückblicke.. .. da sind auch Ausblicke.. die wir durch Gemeinsamkeiten.. seien es auch nur kleine … in unserer gemeinsamen Zukunft auf diesem Planeten in diesem Leben…. zu leben versuchen….
    Gemeinsamkeiten der Gedanken.. des Lebens und der Einstellung…
    Versuchen aus all diesen Gemeinsamkeiten… Träumen etwas reales zu konstruieren…

    Ist das nicht schön…?

    Es ist wirklich soo verdammt viel..

    Lass uns gemeinsam weitermachen..

    Einen lieben Gruss dir und Dank für deine so wertvollen Gedanken..

    Arnica

  2. Brigardier

    Die Orchidee im Küchengarten-
    es ist ein Genuß, dich zu lesen, ein Bedürfnis, dich zu mögen und eine Freude, daß es hier neben so viel Zweckmäßigkeit auch innere Schönheit gibt.
    Ralf

  3. fairlady55

    Herzlichen Dank für diesen brillianten Kommentar. Genau so ist es! Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen und haben genau das formuliert, wie es mir leider nicht eingefallen ist. Danke auch für die aufmunternden Worte “weiter zu machen”. Genau das habe ich vor.
    Mit lieben Grüssen aus Wien
    Eva