Meine Gedanken zum Muttertag!
Und wieder ist er da, der Muttertag, obwohl heuer der Flieder längst verblüht ist. Wünscht sich Mutter eine Espressomaschine oder doch nur Milkaherzen?
Ich erinnere mich an die Muttertage meiner Kindheit. Häkelte Topflappen für Mutter oder später bestickte ich Kissen. Sie wünschte sich immer nur ein braves Kind und sonst nichts. Doch diesen Wunsch konnte ich ihr leider nicht erfüllen, denn sie hatte zu hohe Ansprüche. Im Sonntäglichen Wunschkonzert sendeten sie schönen Lieder, wie “Wenn ich groß bin, liebe Mutter, werd ich alles für dich tun…..“
Ich will jetzt nicht alle netten Lieder aufzählen und auch nicht die Geschenke welche ich herstellte, aber Muttertag war für mich damals kitschig und unnötig,
Als ich mein erstes Kind bekam, war ich die glücklichste Mutter der Welt. Dieses Glück teilte ich selbstverständlich mit all den anderen Müttern dieser Welt. Ich weiß noch, wie traurig ich war, als sie mich nach der Geburt das Kind nur ein paar Minuten bestaunen ließen und gleich wieder wegnahmen. Vor 36 Jahren war das unhygienischste im Krankenhaus die Kindesmutter! Mein Sohn war in ein Steckkissen eingeschnürt, als sie ihn neben mich legten. Ich muss ehrlich gestehen, dass er gerade keine Schönheit war. Er war etwas mitgenommen von der Plage, die er hinter sich hatte. Doch ich wusste, dass ich ihn von nun an vom Herzen lieben würde.
Als sie mir nach 17 Stunden ein süßes rosiges Baby zum Stillen brachten, habe ich mich standhaft geweigert, dieses Kind anzunehmen. Die Schwester fragte mich verzweifelt, nachdem sie mir dreimal sagte, dass es mein Kind sei und dass eine Verwechslung in diesem Krankenhause unmöglich ist, warum ich denn denke, dass das nicht mein Kind ist? Darauf sagte ich, „meines ist nicht so schön“. Nachdem sie schallend gelacht hatte, versicherte sie mir dann glaubhaft, dass alle Neugeborenen zuerst etwas sonderbar aussehen, das würde sich aber bald legen und dann wären alle Babys süß.
Die nächsten Tage bekam ich das Kind genau alle vier Stunden zum Stillen. Ich konnte nur das Köpfchen und die kleinen Händchen sehen, alles andere war gut verpackt. Erst am achten Tage, durfte ich mit diesem kleinen Wesen nach Hause fahren. Die ersten Tage habe ich ihn betrachtet, mich mit ihm vertraut gemacht. Ich saß stundenlang vor dem Körbchen und schaute ihn an.
Nach sechs Wochen nahm ich meine Erwerbstätigkeit wieder auf. Der Göttin sei dank, stellte sich mir damals noch nicht die Frage ob ich mir das Kind leisten kann und was ich dem Kind bieten kann. Denn da wäre Robert bestimmt nicht gezeugt worden.
Ich hatte das Privileg, mein Kind mit zur Arbeit zu nehmen. Hatte hilfsbereite KollegInnen, einen in meinen Sohn vernarrten Chef und jung war ich auch. Das Wort Stress kannte ich noch nicht, also hatte ich auch keinen.
Ob ich zuwenig Zeit für ihn hatte? Ob er zu kurz kam? Darüber machte ich mir keine Gedanken. Etwas bedauerte ich, dass er so schnell groß wurde. Auf einmal ging er zur Schule. Er war pflegeleicht und recht zufrieden. Nur einmal meinte er, ich solle ihm so viel Zeit schenken wie meiner Arbeit. Daraufhin beschloss ich meine Arbeitszeit zu kürzen und mit weniger Geld auszukommen. Nach Trennung und Scheidung konnte ich das auch alleine entscheiden.
Neun Jahre später wurde ich in einer heftigen Liebesbeziehung erneut schwanger. Das Kind war nicht geplant, aber wurde von mir herzlich willkommen geheißen. In den langen Jahren seit meiner ersten Schwangerschaft hat sich enorm viel getan. Ich las „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“, wo wir von Indianer lernten, dass nur getragene Kinder glückliche Kinder sind. Darum schleppte ich meinen Wonneproppen fast zwei Jahre lang im Tragetuch durch die Gegend. Sparte mir einen Kinderwagen, massierte das Baby täglich nach Frederick Leboyer, da streicheln wichtig für die Entwicklung eines Kindes ist.
Meine Schwierigkeiten hatte ich nur mit dem Teilen meiner Liebe. Neuneinhalb Jahre war mein Großer mein ein und alles und nun forderte ein kleiner Neuling sein Recht. Robert teilte mir mit, das sei kein Problem, Vormittag wenn er in der Schule ist, sollte ich mich ums Brüderchen kümmern und Nachmittag soll ich mit ihm spielen. Ganz so einfach ging es nicht, aber mit der Zeit genoss er es, dass sich meine Aufmerksamkeit nicht nur mehr nur auf ihn beschränkte.
Als er einmal eine Nacht in meinem Bett schlief und merkte, wie oft der Kleine mich weckte, meinte er nur, wegen ihm brauche ich nicht aufzustehen, er macht das schon alleine.
Bei diesem Kind blieb ich drei Jahre zu Hause. Wehmütig bemerkte ich, wie viel ich versäumt hatte. Zu beobachten welche Fortschritte so ein kleines Kind täglich macht. Wie unermüdlich es die Welt entdecken will. Es waren wunderschöne Jahre mit den Kindern, ich habe jeden Tag genossen.
Leider verging auch diese Zeit zu schnell und ich stürzte mich wieder in die Arbeit. Versuchte allem und jedem gerecht zu werden.
Mit achtzehn zog mein Großer von zu Hause aus und ich fragte mich, „Wann kommt denn die Pubertät“? Er kam ohne Schwierigkeiten durch die Schule und machte dann seine Berufsausbildung.
Fing irgendwann einmal so viel zu essen an, dass ich dachte, er isst mir die letzen Haare vom Kopf! Ich schleppte Berge von Lebensmitteln nach Hause. Am Wochenende benötigten wir fünf, sechs Liter Milch und wenn es Spaghetti gab, verdrückte er zu einer Malzeit ein halbes Kilo davon alleine. Aber noch bevor er wegzog, aß er wieder normal große Portionen.
Er ist seit 16 Jahren verheiratet, hat zwei Töchter und arbeitet ebenfalls seit 16 Jahren in einer Firma.
Mein jüngerer Sohn hat mir allerdings gezeigt, was Pubertät heißt. Damals wurde mir auch klar, wofür Mutter herhalten muss. Wofür sie alles die Schuld trägt. Erinnere mich an die Zeiten, wenn ich zum Direktor musste, weil er wieder einmal nicht so war, wie er sein sollte.
Manchmal konnte ich einfach wirklich nicht verstehen, dass ich mir freiwillig ein Kind gewünscht hatte.
Das fing schon in der ersten Klasse an. Als die Lehrerin fragte, was die Kinder von der Schule erwarten, sagte er, dass er lesen lernen möchte. Er nützte jede Gelegenheit, um lesen zu lernen. Im Frühjahr ging er zu seiner Lehrerin und sagte “so nun kann ich lesen, morgen komm ich nicht mehr zur Schule“. Er war ganz schön frustriert, als er dahinter kam, dass er die nächsten Jahre die Schulbank drücken musste!
In der dritten Klasse Gymnasium drehte er eine „Ehrenrunde“ und als er dann im nächsten Schuljahr wieder eine Abmahnung bekam, sagte er zu mir „mach dir keine Sorgen, es ist nicht so wie es aussieht“. Diesen Satz hörte ich die nächsten Jahre noch öfter.
Mit fünfzehn wechselte er in die Handelsakademie, um nach zwei Jahren mit einem Notendurchschnitt von einer Zwei alles hin zu schmeißen. Um dann doch drei Jahre später eine Lehre als Industriekaufmann zu machen.
Nun ist auch er erwachsen und wie alle Schmerzen nach der Geburt vergessen sind, so sind auch alle Sorgen vergessen.
Die zwei Menschen, die mir einmal ganz nahe waren, sind mir nun ganz fern. Manchmal wünsche ich mir, ein bisschen eine italienische Mama zu sein. Am Muttertag ein paar Blumen?
Nein, ich habe immer Muttertag, meine zwei Söhne sind Männer, die haben ihr Leben und ich habe das meine und das ist ausgefüllt und schön.
Wünsche allen einen schönen Muttertag.
Am 13. Mai 2007 um 07:57 Uhr
den wünsche ich Dir auch – Deine Zeilen habe ich gerne gelesen und mich ebenfalls an vieles erinnert.
Manchmal frage auch ich mich, wie habe ich das überhaupt geschafft ?
Aber das sind eben Mütter, die schaffen vieles.
Am 13. Mai 2007 um 16:05 Uhr
“Muttertag” hat für mich immer schon einen bitteren Beigeschmack verursacht, denn erstens war diese Einrichtung wohl eine politische und zweitens beileibe keine “familienzusammenführende”, und drittens keine den Müttern gerechte Anerkennung, sofern sie das denn überhaupt gewollt hätten…..Mütter geben ohne viel Worte, sie sind Menschen der Tat. Wenn das in der Familie nicht begriffen wird, die Liebe auf der Strecke bleibt, und erst Politiker daran erinnern müssen, den Müttern für all’ ihr Wirken und ihre Opfer etwas Gutes zukommen zu lassen, indem einmal im Jahr ein Blumenstrauß o. ä. als Dank fällig wird (möglicherweise noch über fleurop…), dann bringt auch ein noch so schöner Strauß keine Freude.
Freuen werden sich nur die Blumengeschäfte über einen entsprechend guten Umsatz.
Ich habe auch zwei Söhne geboren, allein erzogen und ein wunderbares Verhältnis zu ihnen gehabt (ein Sohn ist durch einen betrunkenen Geisterfahrer auf der Autobahn tödlich verunglückt) und ihnen erklärt, dass ich nichts zum Muttertag haben möchte, wenn sie mich das übrige Jahr vergessen würden. Aus Pflichtbewusstsein zu schenken, halte ich für eine schmerzhafte Angelegenheit.
Mütter- so auch die Kinder – wenn vorhanden auch der Ehemann… -
sollten sich so gut verstehen und lieben, dass von außen nicht daran erinnert werden muss.
Können mich einige der Forum-Leser verstehen? Wie empfinden Sie, wenn es um den “Muttertag” geht? Das würde mich wirklich interessieren!
Am 13. Mai 2007 um 17:54 Uhr
Mit wenigen Worten ein Leben umrissen. Ich empfinde es bei meinem verheirateten Sohn sehr ähnlich, nicht bei meiner meiner 29-jährigen Tochter. Trösten Sie sich mit der Tatsache, dass Sie ganz normale Kinder haben und wir waren vielleicht in unserem Verhalten den Eltern gegenüber ähnlich? Ich wünsche Ihnen eine harmonische Beziehung, dann verliert sich die gefühlsmäßige Abhängigkeit gegenübern den Kindern.
Einen schönen Muttertagsabend. Jörg
Am 15. Mai 2007 um 18:06 Uhr
Frau Luna – natürlich kann ich Dich verstehen – aber ich verstehe auch die anderen, die, die sich freuen wenn der Muttertag kein gewöhnlicher Sonntag ist.
Mein Berufsleben verbrachte ich mit behinderten Kindern. Spätestens nach Ostern fing die Erzieherin mit mir zusammen an etwas zu planen, was “unsere Schüler” zum Muttertag fertigen konnten. Wir standen beide auf dem Standpunkt, dass es etwas sein musste, an dem sie wirklich wenigstens beteiligt waren. Und so erinnere ich mich gánz besonders an ein Seidentuch, dass wir mit ihnen bemalten, dann durfte in ein spezielles Salz gegriffen werden und das wurde auf verschiedenen Stellen des Tuches ausgeworfen, so entstand ein Muster. Wenn ein Spastiker erst Salz gegriffen hat, ist es schwer es wieder fallen zu lassen und erst recht schwer, dies noch gezielt zu tun. Das erreichten wir oft nur, in dem wir zusammen lachten. Also an dieses Muttertagsgeschenk erinnere ich mich wirklich sehr gern. Alle Tücher waren unterschiedlich und unterschiedlich schön in den Farben und den Mustern. Die Schüler waren glücklich, weil sie wie die anderen Geschwister, nun auch ein Geschenk hatten und die Mütter dankten es uns, indem sie bei Elternversammlungen dieses Tuch trugen usw.
Nicht nur aus diesem Grund ist der Muttertag für mich ein besonderer Tag und er hat nichts damit zu tun, dass man nicht die Mutter das ganze Jahr über liebt und es ihr auch zeigt.
Ich hoffe, Du kannst auch das verstehen….
Am 22. Mai 2007 um 11:57 Uhr
Liebe ashoggi,
danke, dass Du Dir die Mühe gemacht und mir geantwortet hast. Zum Teil musste ich schmunzeln; denn Seidenmalen ist ein großes Hobby von mir, das ich seit einigen Jahren mit Unterbrechungen ausübe.
Ich möchte mich aber noch zu Deinem Text äußern und ein vielleicht vorhandenes Missverständnis ausräumen.
Ich meinte mit meinen Ausführungen nicht, dass Kinder ihren Müttern keine Aufmerksamkeiten zukommen lassen dürften, außer eben an dem besagten Muttertag. Ich meinte auch nicht, dass die Kinder verpflichtet sind, der Mutter tagaus und tagein ihr Liebe zu ihr zu bekunden.
Mein Anliegen war nur, diesen Tag nicht so hochzuspielen und von den Kindern zu erwarten, dass jetzt unbedingt ein Geschenk fällig sei, um den Frieden in der Familie zu gewährleisten.
Wenn aber Geschenke gemacht werden, nur um “den Schein” zu wahren, wäre es mir lieber, nichts zu bekommen. Es soll eben aus meiner Sicht keine Pflichtübung, sondern eine echte Entscheidung der Kinder sein.
Habe ich ein gutes Verhältnis mit ihnen, ist das schon ein wunderbares Geschenk (für das ich immer und ewig dankbar sein werde), ist das Verhältnis gestört, würde ich auch am Muttertag kein Geschenk erwarten. Eine Ausnahme wäre, wenn gerade an diesem Tag ein Gespräch mit Sohn oder Tochter gewünscht würde……DAS wäre Muttertag (der aber auch früher oder später sein könnte und nicht unbedingt im Mai…)
Nochmals herzlichen Dank für Ihre Mail, Ihre Frau_Luna, die Sie auch ganz herzlich grüßt
Am 25. Mai 2007 um 23:17 Uhr
Hallo zusammen,
ich möchte nur kurz anmerken: Sind Väter Menschen zweiter Klasse? Wo ist der Vatertag? Trotzdem hoffe ich, dass ihr den Tag genossen habt. Und jetzt sonnige Pfingsttage
Servus
Am 14. Juni 2007 um 23:01 Uhr
hallo freund38159!
Vatertag ist bei uns in österreich im juni in deutschland ist er ein bisser früher oder? hast du nicht schön gefeiert? nein, väter sind nicht menschen zweiter klasse. wenn vorhanden, bekommen sie auch ihr schmalz ab. (das heißt bei uns in Österreich, dass sie auch drankommen)
eines stimmt, ich kenne kein vatertagsgedicht.
aber zum trost, mein kleiner sohn sollte im kindergarten ein vatertagsgeschenk machen, da sagte er zur kindergärtnerin, dass das nicht ginge, weil er so viele väter hätte und er kann nicht für alle was machen. die kindergärtnerin überhaupt nicht neugierig, fragte, wieviele väter er den habe? ja meinte mein sohn, der willi, der hans …. er zählte ihr alle meine kollegen auf. als sie mir dass dann leicht pikiert erzählte, sagte ich nur, ja das stimmt. so kam mein vaterloses kind gleich zu ein paar väter und die konnte er nicht alle zum vatertag beschenken.
pfingsten ist vorbei, vielleicht einen sonnigen sommer.
servus (klingt so nach wien)