Neues Leben, neue Liebe …

Kapitel 2: “Kontaktanzeigen – meine Gedanken beim Lesen von Texten”

Wie so viele habe ich mich auf den geschriebenen Weg gemacht, um jene neue Liebe in meinem neuen Leben zu finden, um die es auch mit 50plus noch verflixt viel geht.
Es sind meine ganz persönlichen Gedanken – die, sie so zu outen, mir schon ein bisschen Probleme macht.
Warum behalte ich sie dann nicht für mich?
Weil ich mich hier bewusst zum Schreiben von Gedanken zu uns 50plusern aufgemacht habe.
Weil das Thema „Suche“ zwar ein sehr persönliches ist, aber ganz und gar keines, das nicht so irgendwie zentral wäre
Weil meine Suche auf diese Weise Vergangenheit ist, kann ich meine Gedanken dazu – auch wenn sie „damals“ Gegenwart waren“, aus der Distanz ein bisschen (auch über mich) grinsend zu lesen loslassen.
Und wenn meine Irritationen und „Probleme“ gar Ähnlichkeit mit denen haben sollten, die mich hier lesen, dann würde ich mich auf Reaktionen gespannt freuen…….

Eine wichtige Anmerkung ist mir diese:
Wenn Kapitel zwei auf die Texte eingeht, die ich deshalb zitiere, weil sie auch etwas Komisches haben, dann nicht, um mich darüber lustig zu machen, gar zu verspotten – ich spare mich selbstironisch nicht aus und meine doch auch diese Fehler, die es uns auch im weisen Alter von 50plus nicht leicht machen „zu finden“.

Was habe ich zu tun mit Männern, die sich schon im Such – Text vertun?
Mit Kuschelbären, die ohne mich nicht fliegen können, mit anpassungswilligen bösen Buben?
Mit Männern, die sich nach dem Motto „jetzt aber!“ Anziehpuppen und Ausgehbarbies suchen.
Mit Männern, die mich in eine Gummibärchenwelt entführen wollen.
Was habe ich zu tun mit Männern, die Millionäre sind?
Arme, unschuldige, reiche Männer, ich begegne ihnen mit Vorurteilen.
Und festgenagelter Ablehnung.
Schließlich kann ich in diesem riesigen Markt wählen.
Und deshalb schlendre ich hier auf dem Markt der Kontaktanzeigen.
Und werfe meine Hybris verärgert in den Papierkorb.
Weil ich feststelle, dass die Altersgrenze 45 ist.
Ich bin Realistin.
Hybride Realistin.
Deshalb traue ich mich nun auf diesen Markt.
Deshalb muss man geradezu dahin gehen.
Und sich mit Gleichgesinnten treffen.
Gleichgesinnten, die nichts anderes wollen als ich.
Jemanden kennenlernen, sich verlieben, schöne Zeit, ein neues Leben etc.,etc erfahren.
Gleiche Voraussetzungen.
Das müsste es einfach machen, das müsste Ehrlichkeit produzieren.
Ehrlichkeit.
Warum dann diese vielen Zahlen.
Was haben Gewicht, Körpergröße mit Glück zu tun?
Nun, ich möchte keinen dicken Mann.
Da muss ich schon ehrlich sein.
Aber ich schüttle mich und bilde mir ein, dass mir ein übergewichtiger Mann mit Humor und Ausstrahlung doch lieber wäre als ein öder, nichtssagender mit guter Figur.
Was bin ich doch weise.
Im Ernst.
Es stimmt.
Aber ich muss dennoch zugeben, dass ich hier auf dem Markt nach denen Ausschau halte, die kein Übergewicht haben und trotzdem nicht öde, sondern ungemein liebevoll, witzig, humorvoll, gebildet sind.
Die suche ich.
Mit dem Kopf.
Ich will genießen mit einem Mann, der das ebenso will und kann wie ich.
Und deshalb tummle ich mich hier.
Und treffe auf Männer.
Die ich nicht kenne.
Vielleicht kennenlernen werde.
Vielleicht will.
Die mich erkennen.
Darauf kommt es mir schließlich vor allem an.
Zunächst suche ich.
Und finde doch einige.
Streiche die durch, die Kuschelbären sind.
Und gar eine Kuschelmaus suchen.
Finde den, der eine Frau Holle sucht, geradezu frech.
Eine Annonce für „Haushaltsservice“?
Was ist Frau Holle sonst?
Sie schüttelt die Betten aus.
Mehr weiß ich von ihr nicht.

„Unbedingte Hingabe in der Erotik.“
Kurz zögere ich.
Ein Mann (schlechthin natürlich).
Rücksichtsvoll liebevoll.
Und männlich –schlechthin (was immer das ist).
Das wärs vielleicht.
Verunsichert lehne ich mich zurück.
Versinke in Vorstellungen.
Und befinde mich plötzlich in einem dunklen Gewölbe.
An Ketten gefesselt.
Ausgepeitscht.
Scheißkalt, so nackt.
Und in Wirklichkeit gar nicht erotisch.
Einseitig lustvoll.
Nein.
Das schon gar nicht.
Ich tauche sofort wieder aus meinem Gedankenspaziergang auf.
Nicht mit fremden Männern.
Lustmörder.
Vielleicht.
Und ich das Opfer.
Mein Mama hat mich davor gewarnt.
Und meine Freundinnen auch.

„Drachen verzweifelt für Zweikampf gesucht“, lese ich.
Mann, das ist ganz schön missverständlich, der traut sich was.
Schopenhauer würde ihm zustimmen und ihm abraten überhaupt solch „ein Wesen mit breiten Hüften zu suchen, das nur ein durch Hormone gedanklich verirrter Mann suchen kann“.

Drache…Zweikampf, wer sich da wohl dahinter verbirgt?
Vielleicht will er die Frau schlechthin vor bösen Drachen beschützen.
Ein Held, der mir im Zweikampf mit einem riesigen Drachen seinen Mut beweist.
Blödsinn.
Es gibt keine Drachen.

„Ich bin der Achtzehnender, den jede Jägerin über dem Sofa hängen haben will..“
Welch eine Bildlichkeit!
Wer formuliert so etwas?
Ein Hirsch.

Die Texte sind eine Sammlung wert.

Wo ist der Zwischenmann.
Der liebevolle, erotische, starke, gebildete, humorvolle, junggebliebene Mann?
Mit dem ich nicht unbedingt Golf spielen muss.
In Abendkleid und in Jeans soll ich mich gleichermaßen wohlfühlen.
Kleidergrößen werden vorgegeben.
Wer wagt es Kleiderordnungen vorzugeben?
Meine Seele ist auch in einen Sack gehüllt schön.
Wer redet hier von schöner Seele.
Die fällt der Kleidergröße 36 und der Körpergröße ab 1.70 zum Opfer.
Ich gehe in mich.
Wen suche ich eigentlich hier?
Ich brüte.
Einen Mann.
Das versteht sich von selbst.
Und die Betonung liegt auf einen.
Ich bin kein Vamp.
Ich bin katholisch erzogen.
Habe Jahre im Internat verbracht.
Habe Orgel gespielt und im Kirchenchor gesungen.
Das lässt sich nicht verleugnen.
Zudem habe ich meine Ethik aus den drei Bänden Winnetou bezogen.
Treue habe ich daraus gelernt, Freundschaft sind die größten Werte.
Männerethik habe ich da gelernt.
Verschwiegenheit und Zusammenhalten, auch wenns denn sein muss am Marterpfahl.
Das hat mich in so manche Nöte gebracht, als ich als Klassensprecherin im Internat dies lebte.
Mit zusammengepressten Lippen nicht verriet, wer was angestellt ha.
Darauf bin ich heute noch stolz.
Deswegen allerdings wurden meine Wurzeln im Katholizismus stark gelockert, eigentlich ausgerissen.
Heute bin ich konfessionslos.
Aber innerlich irgendwie durch und durch so etwas wie katholisch.
So wurde ich eine sinnliche Frau mit der Moralideologie der Bibel und des Karl May.
Weswegen Treue ein wesentlicher Grundzug in mir ist.
Ich habe keine Veranlagung zum Vamp.
Deshalb suche ich hier auf diesem Kontaktanzeigenmarkt einen Mann.
Und verirre mich irgendwie hilflos unter der Menge an Texten – unendliche viele Regale voller Worte – eine Qual der Wahl?

to be continued..…

4 Reaktionen zu “Neues Leben, neue Liebe …”

  1. Guenter

    Liebe vivara,

    Deine Gedanken sind mir nicht fremd und ich habe die gleichen Erfahrungen mit Frauen machen müssen.
    Aber vielleicht habe und war ich nicht frei von Vorurteilen, wer weiß.
    Aber ich bin soweit, daß ich sage, lieber allein den Rest des Lebenswegea gehen, als einen schlechten Kompromiss eingehen.

    Lieb Grüße ….

    sirius

  2. Hans - G. Paul

    Liebe Vivara,
    ich hatte Dir gerade ein Kompliment für Deinen Briefkasten übermittelt und stoße beim Schließen des Portals auf Deinen Text und kann nicht anders als auch meinen Senf dazu zugeben.
    In welcher Welt lebst Du? Die meisten von uns sind begnadete Selbstdarsteller und Lügner. Sie begegnen uns täglich, im Beruf, im Privaten, in der Politik, überall. Wir selbst sind meistens nicht besser – schau mal richtig in Dich `rein!
    Tolomeo

  3. Frank

    Kompliment für viele freundliche und gut gemeinte Ratschläge.
    Jeder hatte einiges im Leben zu bewältigen.
    Viele Gedanken und Wünsche sind mir nicht fremd.
    Allen Lesern wünsche ich viel Glück beim suchen und vor allen beim finden.

    Ursprung der Gedanken
    Gedanken entspringen Der Mitte, die Augen nie gesehen, da in der Seele Sie entstehen.
    Gedanken durchfluten wie Eis, strömen in Träume ein und sind dort so klar und rein.
    Gedanken suchen Weite was Sprache mehr an Grenzen braucht so werden Sie in ein nichts getaucht.
    Gedanken klingen weich und zart wenn Erinnerung mahnt still, weil unser Herz dem fliehen will.
    Verfasser unbekannt

    Viel Freude und bleibt gesund.

  4. Hans-G.

    Liebe Vivara,
    vielleicht ein Abschlußkommentar?
    Es läßt sich für mich leider nicht genau fesstellen welche Bedeutung Dein Pseudonym wirklich hat – ich hätte es von vivacitatis abgeleitet. Dann wäre es vielleicht die Lebhafte, Lebenskräftige.
    Vorausgesetzt, ich liege damit richtig, wünsche ich Dir sehr viel Lebenskraft und Lebendigkeit, die sich nicht im Verfassen schöner Texte erschöpfen. Frau muß nämlich auch etwas tun, um das Glück zu erlangen, daß frau sich ersehnt. Dabei ist es immer wieder erforderlich auch selbst etwas mit Risiko zu investieren, ohne die Gewissheit zu haben, daß im Ergebnis eine Rendite erzielt wird. Neuhochdeutsch: No risk, no fun.
    Alle Gute für Dich wünscht Tolomeo