Über das Leben im “cyberspace”.

Also.
Ich bin ich ja auch so eine, die irgendwie im cyberspace lebt.
Pardon, lebte, ich will mich ja verabschieden.
Weil und so.

Also ich kam hierher, weil ich im realen Leben von 50plus las.
In der SZ – war ein sehr positiver Artikel.
Und dieser internette Garten der Kommunikation und Lüste verhieß zumindest ein unter sich sein.
Da stört keiner unter 40 – vor allem keine.
Was schon mal was ist, weil so mit 50plus ist man schwuppidiwupp außer Konkurrenz, wenn denn da sich Jüngere tummeln.
Dachte ich – ehrlich!
Und meine erste Absicht war es – ich gestehe es frank und frei – den 50plus Mann zu finden, dem man sein Alter in keinem Winkelchen seines gesamten Ichs anmerkt – so wie mir auch nicht, logo!!
Das soll jetzt keine Abhandlung werden über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einen solchenen hier zu finden.
Meine erstrangige Absicht des mich hier Einloggens verblasste bald.
Was nicht etwaigen Enttäuschungen oder einem stirnrunzelnden „so geht das nicht“ entsprang.
Es passierte einfach außerhalb des cyberspace, mit so ein bisschen Nachdenken, Beobachten, vor allem sich selber beobachten, dass der dicke Wunsch nach der großen Liebe aufs Eis rutschte.

Irgendwie war mir danach, Frauen hier zu treffen – Mann war ja erst mal aufs Eis gelegt.
Frauen, die in meiner Stadt leben.
Die wie ich viel Zeit hätten so am Wochenende.
Mit ihnen etwas zu unternehmen, mit ihnen Zeit zu verbringen erschien mir eine großartige Idee.
Träumte von vergnügten Stunden.
Best of – von allem.
Kino, Kunst.
Krempel.
Und jenen unvergleichlichen Gesprächen, die mit Frauen meist Kluges und Ironisches bringen.
Und ein bisschen Jazzclub und München bei Nacht war auch so drin in meiner Vorstellung, was sich da so alles unternehmen ließe.
Im Hinterkopf ganz gewisslich aber auch die klitzigkleine Idee, dass man so draußen in der wirklichen Welt bei Kino, Kunst und Krempel auch den treffen könnte, den man nicht da trifft, weil man alleine da nicht hingeht.
Und stattdessen im cyberspace über tausend Drähte kommuniziert.
Das dachte ich und klinkte mich aus der „Männersuche“ aus und schrieb vorwiegend meine launigen oder ach so gedankenvollen Beiträge.
Entdeckte dabei auch die Foren.
Philosophie.
Ha!
Das ist doch meines.
Die Welt der kreativen Gedanken – vivara tingelte im Philosophischen.
Meine Forumspremiere war dick und bedeutungsgeladen.
Ich befand mich in der Welt der kreativen Gedanken unter zentnerschweren Beiträgen, die nichts miteinander zu tun hatten.
Die allesamt geistreich waren.
Und jeder einzelne für sich den Schreiber vorrangig ins virtuelle Licht stellten.
Wow!
Das waren Beitragskaliber.
Da ließ man denken.
Woher haben diese Leute die ganzen Aphorismen und schlauen Sätze?
Ich bin ja nun schon ziemlich gebildet – aber so!
Ja, ich gebe es zu – ich meckere grade irgendwie.
Aber nicht böse meckre ich.
Und gestehe, dass ich schon auch beeindruckt war – ob des philosphischen Zitat-Niveaus.
Aber da ich lieber am Boden stehe, wo es sich gut anfühlt, fühlte es sich für mich nicht gut an unter Beitragskalibern.
Ich kriegte irgendwie nicht das Gefühl los, dass das jeweilige Thema eigentlich nebensächlich war.
Es war vielmehr ein Stichwort für einen Monolog einzelner Beitragender.
Was mich dann ja auch so erstaunen machte- so viel Wissen.
Und so wenig Empathie.
Apropos – Empathie.
Die gibts draußen außerhalb des cyberspace auch nicht sonderlich viel.
Da merkt man sie nur nicht so gleich.
Weil es ja nicht so seitenweise lesbar sichtbar ist.
Aber es gab auch Sternminuten.
Gedichte.
Sätze, die mich freuten.
Wegen des Inhalts.
Wegen der Sprache.
Da gab es Augenzwinkern.
Und bei mir ein Gefühl eines Gleichklangs.
Dahinter ein Name, ein Bild.
Ich hätte diese gerne wirklich kennengelernt.
Deutschland ist nur so verflixt groß.

Und es gab das Stüberl, das ich hier nicht thematisiere.
Das für mich be-merkens-wert war und gut.

Das Leben im Virtuellen – im cyberspace.
Ich habe es gelebt.
In vielen Gesprächen außerhalb es thematisiert.
In meinem Freundeskreis nur Stirnrunzeln, gar Sorgenfalten erfahren.
Habe es verteidigt.
Den Stirnrunzlern heftigst erläutert, dass das meine Gesprächspartner seien.
Da drinnen in dieser viereckigen Scheibe.
Am Morgen, nachmittags, am Abend.
Dass sie das gar nicht verständen, weil sie ja Gesprächspartner dauernd um sich hätten.
Wir nicht, wir reden geschrieben miteinander.
Habe meinen Computer liebevoll vermenschlicht.
Er sagte mir doch immer was.
Er gab mir die Möglichkeit unter Menschen zu sein, ohne einen Fuß aus dem Haus zu bewegen.
Jedes Schreiben war eine Zuwendung.
Ich konnte meine kritsich-sorgenvollen Freunde nicht davon überzeugen.
Achselzuckend gestand man es mir zu, dass das halt mal – hoffentlich übergangsweise – eine eigenartige Richtigkeit für Leute wie meinesgleichen ist.
Dieses Leben im cyberspace.
Und ich blieb trotzig in dieser Welt.
Da war Gefühl.
Und wie!
Enttäuschung, wenn keine Post da war.
Was war ich nicht wütend über Beiträge.
Wie oft war ich verunsichert, weil missverstanden.
Na, wenn das kein Gefühlsleben ist.
Aber.
Ich habe Menschen wirklich getroffen.
Über diesen Umweg.
Und sie bleiben bei mir – die mit denen es echt war und gut.
Und darum ist die Quintessenz nicht etwa „ein krächzender Tenor“.
Oder gar ein verächtlicher.
Nein.
Das Leben im cyberspace hat einen Sinn.
Wenn man dabei nicht das Leben auf der guten alten Erde vergisst.
Und diese Gefahr habe ich bei mir schon gespürt.
Ob ich ein Einzelfall bin?

5 Reaktionen zu “Über das Leben im “cyberspace”.”

  1. Robin4855

    Liebe Ursl,

    Die Realität ist nicht ganz so einfach zu bewältigen, wie das Cyberspace. Im Cyber muss ich mich nicht rasieren oder schminken, brauche keinen Anzug oder flotte Klamotten anziehen, muss die Haare nicht kämen und keine Blumen oder ein Geschenk kaufen, und wenns dumm kommt, muss ich noch nicht einmal Zähne putzen. Auch könnte ich mir einen hinter die Binde gießen, und wenn ich aufpasse, merkt das nicht einmal jemand.Ich muss keine Zeit einhalten, kein Auto waschen und volltanken, mir keine Gedanken machen über den Menschen den ich treffe, keine Fahrkarte kaufen und auch keinen Tisch im Restaurant bestellen. Ich muss kein Essen bestellen und auch nicht darüber nachdenken wie man Austern futtert, Champagner schlürft, oder welche Musik die richtige ist. Ich muss auch nicht darüber nachdenken was so ein Date kostet, und welche eventuellen Folgekosten entstehen könnten….man muss ja wirtschaftlich denken. Ich muss kein intelligentes Gesicht machen und kann mir auch mal völlig teilnahmlos in der Nase bohren.
    Auch muss ich mir keine Gedanken darüber machen, dass ich vor dem Date nervös bin und überlegen muss was ich alles tue und sage, damit das Date erfolgreich wird. Und ich muss mir noch nicht einmal Gedanken darüber machen, ob es eventuell ein Volltreffer wird, und wir gleich am ersten Abend im Bett landen. Ich muss mir keine Pariser kaufen und auch nicht vorher Viagra austesten. Ich muss noch nicht einmal Gefahr laufen, dass ein Gefühl im Bauch entsteht, und womöglich das Date verbindlich wird. Ich muss Ihre Telefonnummer nicht wissen und auch nicht Ihre Adresse…nicht Ihre Hobbys und Ihre Eigenheiten. Es ist sogar völlig egal wie Sie riecht….und wie sie sich anfühlt. Ob sie trockene oder feuchte, kalte oder warme Hände hat. Auch ist es völlig egal ob sie mich beim unterhalten anschaut, ob ihre Augen sprechen und was sie sprechen.
    Ich muss noch nicht einmal darüber nachdenken ob das Lachen das ich sehen müsste eine Bedeutung hat, oder eher das ernste, nachdenkliche, traurige, fröhliche, oder lustige Gesicht. Es wäre schwierig zu beurteilen ob das Kleid das sie trägt zu Ihr passt, und womöglich lande ich einen Faupas….Die berühmten Fettnäpfchen. Und man stelle sich vor, sie wäre gar nicht mein Typ. Womöglich müsste ich ihr beim gemeinsamen Glas Wein oder beim Tee in die Augen schauen, in ihr Gesicht und könnte erkennen was sie wirklich fühlt und denkt. Auch könnte ich nicht gleichzeitig mit mehreren mich austauschen und abtesten welche wohl die Beste ist, denn ich müsste mich ja dann nur mit einer Person beschäftigen.Und wenn ich mir vorstelle, dass solch ein Date über einen ganzen Abend und die Nacht ginge, ohne dass ich es beenden könnte, wann ich so will…….womöglich müsste ich zu dem stehen, was ich den ganzen Abend so verzapft habe………..weil ich mich verlieben könnte in ein reales Wesen aus Fleich und Blut….und weil ich keine Bilder mehr einstellen könnte, weil ich sie ja alle in Natura erleben würde….

    Also liebe Ursl………….so betrachtet……möchte ich lieber das Cyberspace vergessen!

  2. MarieLouise

    Hallo ihr beiden Textverfasser, es ist wunderbar was ihr schreibt, ich merke mehr und mehr wieviele Wahrheiten es gibt, weil, ihr habt (meiner Meinung nach) beide soooo recht. Ich möchte auch mal Menschen treffen, aber der Aufwand des ” sich herrichtens” ist mir gelegentlich doch zu gross, weil, “zu müde, eigentlich ja, eigentlich nein” so bleib ich lieber Daheim……. die heutigen Begegnungsmöglichkeiten machen mich gelegentlich so fertig, dass ich gar nicht mehr Lust auf Handlung habe, vor allem nicht mich wieder entscheiden zu müssen. Das muss ich ja schon den ganzen Tag bei der Arbeit…

  3. Misfit

    Liebe Ursl,

    nein, du bist kein Einzelfall. Wie schon in deinen letzten Beiträgen im Forum (die, wie du weißt, ja den Ausschlag für mich gaben, mich wieder anzumelden) habe ich auch hier in deinen Worten wieder diesen großen gemeinsamen Nenner verspürt: Dieses “Es-vielleicht-alles-zu-ernst-und-zu-schwer-Nehmen” (was für ein Wort-Ungetüm….); diese Freude, wahrgenommen und angesprochen zu werden, und entsprechend auch die Enttäuschung, wenn man sich “überlesen” fühlte; aber auch diese tiefe Verletzbarkeit durch Menschen, die einen nicht einmal auch nur ansatzweise kennen (und umgekehrt man selber sie nicht). Alles das habe ich auch so erlebt.

    Ich bin noch nicht so ganz weg aus dem Forum wie du, aber ich habe in den paar Tagen relativer Abstinenz doch eine “gesunde” Distanz gewonnen. Und ich möchte dieses Medium keinesfalls negativ bewerten: Aus früheren, z.T. sehr langen Aufenthalten in einem Depressionsforum (in jenem Horrorjahr 2004 und auch noch lange danach) sind mir ganz real drei Menschen geblieben, die, würden sie nicht so weit weg wohnen, ganz sicher zu meinem engeren, auch realen Umfeld gehören würden. Und hier in 50plus durfte ich dich ein kleines bisschen kennenlernen und dadurch erfahren, dass ich nicht die Einzige bin, die sich so ganz persönlich in den Austausch hier einbringt und dadurch auch sehr verletzbar ist.

    Ich bin vorzugsweise dann im Internet, wenn ich eine eher depressive Phase habe und mich von der realen Welt nahezu vollständig zurückziehe. Ich habe mich schon oft gefrag, ob das gut oder schlecht ist, nun durch das Internet die Möglichkeit zu haben, auch dann in Kontakt zu anderen Menschen zu treten, wenn man sich eigentlich völlig “unpräsentabel” fühlt.

    @Robin4855
    Hier möchte ich deinen Beitrag aufgreifen, Roland, der so anschaulich beschreibt, “wie es eben ist”. Wenn ich depressiv bin, mag ich mich nicht und gefalle mir auch nicht. Ich schlafe kaum, habe deswegen dunkle Augenringe, die auch keine noch so dicke Schicht Make-up überdecken könnte. Ich esse zuviel und passe dann für ein paar Wochen nicht mehr in die Sachen, in denen ich mir selber gefalle und mich dadurch auch selbstbewusst fühle. Wenn ich denn doch mal außer Haus muss, husche ich schnell zur Garage ins Auto, um möglichst keinem Nachbarn zu begegnen. Beim Einkaufen schiebe ich meinen Wagen schnell um die Ecke in den nächsten Gang, wenn mir Bekannte entgegenkommen – es würde mich zu sehr anstrengen, auch nur einen kleinen Smalltalk führen zu müssen. In extremen Phasen (so schlimm ist es aber derzeit dann doch nicht) gehe ich auch nicht ans Telefon oder lasse mich von meinem Mann verleugnen, wenn jemand mich sprechen will. Sogar DAS ist mir dann zu viel.

    Ganz anders hier im Internet: Man wird nicht gesehen in seiner (zumindest selber so empfundenen) aktuellen Unansehnlichkeit, darum traut man sich trotz dieser “unter die Leute”.

    Und damit bin ich auch wieder bei deinem Beitrag Ursl und bei der Frage, ob das Leben im “Cyberspace” einen Sinn macht. Ich habe mich selber schon oft gefragt: Wie würde es mir in meinen depressiven Phasen ergehen, wenn ich nicht die Kontakte via Internet hätte? Wäre der Leidensdruck größer und somit “das Ganze” NOCH schlimmer, weil die Zurückgezogenheit nicht abgemildert würde durch zumindest virtuelle Kontakte? Oder aber würde der größere Leidensdruck dazu führen, dass man (noch!) intensiver an sich arbeitet oder doch auch hin und wieder trotzdem unter Menschen gehen und dadurch schneller wieder “in die Normalität” zurückfinden würde?

    Meine derzeitige (vorläufige) Antwort auf diese Frage ist wohl ähnlich der deinen, Ursl: Man darf den Moment nicht übersehen, wo es an der Zeit wird, sich wieder GANZ auf das reale Leben einzulassen. Mir persönlich fällt das derzeit noch schwer (ich habe auch diesen Montag wieder meinen München-Termin “geschwänzt”), aber es tut mir gut, nicht mehr so viel hier zu schreiben wie in der letzte Woche. Der Impuls, zu diesem oder jenem Thema auch seinen Senf dazugeben zu müssen (auch wenn ich da von Haus aus wohl eh vergleichsweise zurückhaltend war) reduziert sich auch relativ schnell wieder, wenn man sich erst einmal ausgeklinkt hat.

    So gesehen hoffe ich jetzt einfach, dass es mir bald wieder wirklich gut geht und ich wieder tief eintauchen kann in das ganz reale, echte Leben “aus Fleisch und Blut”.

  4. Knüpfer Johanna

    Liebe Ursl, liebe Leser von Ursl`s Gedanken,

    ja, dieses Thema ist es wert, sich ein paar Gedanken zu machen und Ursl`s Überlegungen ein wenig – ganz still – auf sich wirken zu lassen.

    Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen – jedenfalls im Allgemeinen. Ohne die Gemeinschaft ist er in der Regel nicht lebensfähig, nicht glücklich, nicht Mensch.

    Was ist davon in unserer Zeit geblieben?

    Die Zeiten der Großfamilie, wo alle Generationen miteinander lebten, sich gegenseitig halfen und ergänzten, sich das Leben erleichterten und – trotz mancher Meinungsverschiedenheiten -sich Halt und Hilfe gaben und eben auch Spass und Freude miteinander hatten, diese Zeiten sind vorbei.

    Stattdessen gibt es heute die Kleinfamilie, die häufig ums Überleben kämpft, gibt es die einsamen Alten, die den ganzen Tag auf die paar Minuten warten, wo ein Pflegedienst unter enormem Zeitdruck vorbeischaut und ihnen für kurze Zeit Menschlichkeit, Nähe und Gemeinschaft bringt – in ganz kleinen Dosen!!

    Warum ich so weit aushole?

    Weil es mich mit Angst erfüllt, was aus unserem Gemeinschaftsempfinden, unserem Wunsch nach menschlicher Zuneigung und Nähe geworden ist. Da gibt es ja diesen kleinen, viereckigen Kasten mit seinen Partnerschaftsportalen, mit seinen Foren für alle möglichen Situationen und Lagen, in die ein Mensch geraten kann.

    Heute muss ich mich nicht mehr mit menschlicher Nähe tagtäglich und über eine längere Zeit herumquälen – dank Internet hole ich mir Gemeinschaft auf Knopfdruck – wann immer ich sie will und wann immer es mir danach ist!!

    Ich muss für diese Gemeinschaft keine Zugeständnisse oder Opfer mehr bringen – ich hole sie mir, wenn ich mich einsam fühle oder Lust auf Menschen habe und – ich schalte sie wieder ab. Prima! Gemeinschaft zum An- und Abschalten! Der Mensch ein Gemeinschaftswesen auf Knopfdruck geworden!

    Natürlich sehe ich die Vorteile für alte, einsame und kranke Menschen.

    Aber da ist auch die große Gefahr für Jugendliche und für uns alle. Ich muss einen Menschen nicht mehr mit seinen Vor – und Nachteilen ständig “ertragen” – ich schalte ihn ein und aus, wie ich es gerade möchte!!

    Sind wir so gesehen überhaupt noch gemeinschafts – und beziehungsfähig?

    Wohin geraten wir als Menschen mit Gefühlen, mit Sehnsüchten und Bedürfnissen?

    Ist es verwunderlich, dass die Praxen von Psychologen und Therapeuten so überfüllt sind?

    Lasst uns ab und zu wenigstens darüber nachdenken! Vielleicht können wir dann – irgendwann etwas daran ändern!??

    Hanna
    07.07.07

  5. Felidae

    Liebe Vivara,
    eigentlich wollte ich meinen “Senf” zu Deinen Cyber-Erfahrungen in die Tastatur hämmern, doch dann bin ich sehr nachdenklich geworden, nach dem ich die Kommentare von Robin4855 und Misfit gelesen habe. Natürlich habe ich auch den Text von MarieLouise gelesen, doch vor allen Dingen die Preisgabe von Misfit hat hat mich zunächst verstummen lassen, zu gut kann ich es ihr nachempfinden.
    Aber Dir Vivara wollte ich dann doch schreiben, so vieles, was ich Dir erzählen wollt’ ist mir am Abend durch den Kopf gegangen.
    Zunächst: ich glaube, ich war dabei, als Du das Philosophieforum mit frischem Schwung betreten hast – nur war ich halt damals unter einem längst gelöschtem Profil zugange. Ich habe deinen Auftritt bewundert, den Schwung – das volle Leben – hast Du ins Forum gebracht – ich war gerade wegen meiner Aussagen wie eine Laus zertreten worden. Oh Du hast die schriftlichen Diskussionen im Forum so wunderbar beschrieben, ich will nichts hinzufügen.
    Doch warum ich schreibe?
    Ich möchte Dir etwas erzählen, etwas vorschlagen…
    Vor über 5 Jahren habe ich ein Projekt gestartet, Rahel Varnhagen habe ich mir zum Vorbild genommen. Ich inserierte in den beiden großen Tageszeitungen unserer Region und verteilte entsprechende Anzeigen zum Aushang in den großen Buchhandlungen der umliegenden Kreisstädte. Ich lud zu mir zur Teatime:

    So ein Auszug aus meinem Flyer.
    Dir würde ich daher gerne vorschlagen, versuch es doch mal Rahel Varnhagen gleich zu tun. Sicher, kaum wird man so erlauchte Geister an seinem Tisch versammeln können, wie es Rahel Varnhagen vermocht hat – aber Du lebst in München, da müßt es doch möglich sein ein paar kluge Köpfe zur interessanten Gesprächsrunde aufzutun.
    Der Mensch ist von Natur aus bequem – dem verdanken wir so manchen Fortschritt – und daher nur schwer zu bewegen; doch bisher hat’s noch keiner bereut, der den Weg zur Teatime auf sich genommen hat. Eigene Literatur und Gedichte, Philosophie, Kästner und Hesse, Heine und Ende, Goethe und Schopenhauer, Hannah Arendt und …
    Sicher, als Gastgeberin hat man Arbeit, eine Thema auswählen, eine Lesung vorbereiten, auch mal Plätzchen backen – und unendlich viel Freude.
    Was ich in meinem kleinen Städtchen in Sachsen fertig gebracht habe, daß sollte Dir in München auch gelingen, dazu möchte ich Dir Mut machen, denn Du kannst auf die anderen zugehen, dem Cyberspace eine lange Nase machen.
    Schade, daß Du so fern bist, gerne würde ich Dich zu meiner nächsten Teatime einladen.