Über die Liebe
Über die Liebe.
Du liebe Güte!
Meine Liebe, da hast du dir was vorgenommen.
Da würde ich lieber ein einfacheres Thema wählen.
Sie doch so lieb und lass es.
Du bist so lieb.
Hast du mich lieb?
Ich habe dich lieb.
Ganz schön oft kommt dieses kleine große Wort vor.
Liebe- lieb- lieben….
Geht unter im gedankenlosen Alltagsgebrauch.
Wird benutzt zu gleichgültigen Phrasen.
Steht vor Namen in Briefen an Menschen, die man vielleicht gar nicht mag– Lieber, liebe soundso
Wird zertrampelt in falschen Schwüren.
Und geknechtet in Erwartung.
EinWort, das in Herzchenform gepresst ein Symbol ist.
Wofür?
Für Valentinsgeschenke.
Für Muttertagsarrangements.
Für Grußkarten – das Herz in Sand gemalt mit zwei Fußspuren ins Unendliche.
Für Herzklopfen.
Für Herzrasen. – dagegen gibt es ein Flasche mit Doppelherz darauf- bewahre, hat nichts mit Doppelliebe zu tun – sowas!
Nein, dieser Begriff ist es wert, dass er nicht verunstaltet wird in Phrasen ohne Gefühl, belangsloser Zuwendung und Kommerz.
Zuviel ist es, um in herziger Verniedlichung unterzugehen.
Kann das, was ich da jetzt zu schreiben wagen werde nicht zu jener obengenannten Erwartungsknechtung führen?
Könnte.
Würde man die Herzchenform am Valentins- und Muttertag damit einbeziehen.
Liebe.
Sie ist mir begegnet.
Und sie war meist schweigsam.
War einfach da.
Malte mein Leben aus..
Koste mich.
Mochte mich.
Fand mich.
In kleinen Sätzen und zaghaften Berührungen eines zu liebenden Menschen.
Im über mich Wachen im Schlaf.
Im Wegschieben von zwei Gläsern um mich streicheln zu können.
Ich bin über sie gestolpert und habe sie fast zertreten.
Mit Zweifeln.
Mit Kriterien.
Ich erkannte sie nicht.
Obwohl ich sie spürte.
War verhindert.
Zu viel Kino hat mich verdorben.
Zu viel Kriterien haben mich irregeführt.
Zu viel Bedeutsamkeit hat mich gebremst.
Zu viel Angst mich erstarren lassen.
Liebe- Angst?
Geht das?
Wenn man sie ernst nimmt die Liebe, kann sie Angst machen.
Ihr wisst das.
Sie macht mir immer noch Angst.
Nicht aber jene andere Liebe.
Die sich im für mich selbstgemachten Apfelmus meines Sohnes zeigte.
Aber diese Liebe ist unvergleichlich.
Was ist für euch Liebe?
Die begehrenswerte Frau erobern?
Den selbstbewussten Mann erreichen?
Die Versorgung mit Klößen und Soße?
Das nicht Alleineseinmüssen?
Erektion?
Der grandiose Orgasmus?
Ist es Liebe, wenn ein Ziel erreicht – ein männliches, weibliches?
Sieger- Siegerin mit dem Beifall der Umwelt?
Liebt man schöne Menschen mehr?
Sind unattraktive Menschen nicht liebenswert- wert sie zu lieben?
Ist Macht erotisch und Schönheit?
Oder ist es leichter, die im Lichte zu lieben?
Aber nein, werden die meisten jetzt sagen.
Was schreibt sie da?
Selbstverständlich nicht.
Liebe ist nicht materiell.
Sie ist ein Wert.
Ein Wert?
Wie ein Perserteppich.
Wie Juwelen?
Woran misst man einen Wert?
An Rendite, an Zugewinn, an Seltenheit.
Selten ist sie.
Die Liebe.
Nicht die gängige Liebe.
Die gibt es oft.
Sie dauert eine hormonelle Saison lang.
Und wandelt sich bestenfalls in Nestwärme.
Sie ist ein Tauschwert.
Austausch von Blicken, Gesten, Worten und – Säften.
Sie ist austauschbar.
Vorwiegend.
Es gibt viele Lieben.
Die erste Liebe.
Die letzte.
Die große
Eine kleine gibt es nicht.
Die wahre Liebe.
Die unwahre auch?
Es gibt Liebe auf den ersten Blick.
Wie ist es mit dem zweiten Blick?
Oder gar noch weiter hinten?
Gibt es weitere Blicke „danach“?
Hey, er liebt mich so.
Diesen Satz kann dieselbe Aussage beinhalten wie , „Hey, bin ICH nicht wunderbar?“
Ach, ich bin so verliebt.
Hoppla!
Verliebt?
Hat das mit Liebe etwas zu tun?
Wie oft ward ihr schon verliebt?
So viele Lieben gibt es?
Auf den ersten und siebten Blick.
Apropos siebten.
Sie führt in den siebten Himmel, die Liebe.
Wieso siebten?
Was ist mit den sechs Himmeln davor?
Die Liebe meines Lebens.
Ja, um die geht es.
Die.
Mit der man sich immer anschaut,
Sich sieht und sehen mag.
Die nicht den siebten Himmel braucht, sondern den festen guten Boden der Erde.
Die Liebe von Frühling bis Herbst , ungerührt von hormonellem bloßen Erstzustand.
Sie ist groß und klein zugleich.
Sie ist Austausch in einem Leben.
Und nicht austauschbar.
Sie braucht oft keine Worte.
Sie braucht immer wieder Worte.
Sie braucht Zeit.
Damit sie dauern kann.
Sie gibt es, die LIEBE:
Nein, sie gäbe es.
Wären wir nicht fast alle wie ich irregeführt von Herzchenform und hormonellen Purzelbäumen.
Von Kriterien (Suchkriterien!!).
Und Angst.
Und würden wir nicht eigentlich daran zweifeln, dass es sie gibt.
Am 20. März 2007 um 01:15 Uhr
wow vivara…einfach schön…hat du schonmal darüber nachgedacht, deine texte zu veröffentlichen?
lg…angie
Am 20. März 2007 um 13:07 Uhr
Liebe Vivara,
Deine aufgeworfenen Fragen zur (Art der) Existenz der Liebe kann wahrscheinlich niemand allgemeingültig beantworten – ja es gibt darauf keine Antwort, die mehr als zwei Personen in etwa gleichlautend geben können. Ich wollte diese Beantwortung mal für eine Frau versuchen, bin dabei wahrscheinlich nicht sonderlich klug vorgegangen, weil mir meine eigenen Vorstellungen den Blick irgendwie getrübt hatten.
So kam es, daß ich leider nicht in der Lage war ordnend zu beeinflussen. Es war für mich eine traurige Erfahrung mich versagen zu sehen. Ich werde wahrscheinlich nicht mehr klüger, aber um eine Erfahrung reicher sein.
Am 20. März 2007 um 19:00 Uhr
ERGÄNZUNG
Liebe Ursl, falls Du noch einen Bewunderer brauchen kannst, möchte ich vor meine o. g. Gedanken setzen:
Dein Text ist in souveräner und blendender Form geschrieben, so wie ich Texte von Dir auch schon früher lesen konnte. Und die Angie hat Recht – mach doch mehr draus! Wenn Du einen Promotor brauchst, dann gib mir Bescheid.
Liebe Grüße
Am 20. März 2007 um 20:12 Uhr
Liebe ursl, eben habe ich mir noch einmal Deinen Text durchgelesen – die erste Liebe – die vergißt man nicht, richtig, die letzte Liebe, wie soll man wissen, dass es die letzte ist, hofft man doch immer, dass es die letzte sei……… und selbst, wenn man sich ganz sicher ist, kann man plötzlich selbst aus dieser letzten Liebe verschwinden.
Am 25. März 2007 um 03:33 Uhr
Die erste Liebe – sie war nicht die erste Erektion, nicht der erste Orgasmus, und gewiss nicht die Versorgung mit Klößen und Soße. Da bin ich mir sicher!
Die Letzte?
Da bin ich mir nicht sicher. Meine Liebe äußert sich so, wie ich geworfen bin und was ich damit erlebt habe. Das hat sich entwickelt, ist gewachsen und geschrumpft. So lange ich Liebe spüre, verspüre, in mir spüre – so lange kann sie sein. Ob sie jemanden erreicht, und plötzlich dann vielleicht irgendwann nicht mehr… verschwindet man dann daraus?
Liebe anzunehmen oder zu erkennen zu geben, ob in Herzchenform oder wie auch immer, ist keine Frage der Kriterien oder der Formulierung. Ist wohl doch ein Gefühl. More or less. Kann man endlos drüber kwatschen, filosofieren, bloggen…… da geht´s nur mit diesem unzuverlässigen Zeugs: Gefühle, Reaktionen, Wellen, Unvernünftigkeiten, Widersprüchen….
Nur, wenn ich merke, dass ich nicht mehr lieben kann, ist es recht einfach, festzustellen, welches meine letzte Liebe war.
Und was hilft das dann?
Der Draufschau?
Wie wichtig ist die?
Wenn ich jetzt lebe, ist die Vergangenheit klar ein Teil von meinem Leben. Aber die Zukunft? Hat sie eine Chance? “Bloß nicht wieder…” ?
Doch! Wieder”!! Versuchen!!! Schauen, nicht draufschauen, fühlen…
Oder ab in die Kiste…
Schamama…….
Am 25. März 2007 um 15:22 Uhr
Ursl,
ich bin überwältigt und sprachlos. Einfach wunderbar!
Am 29. März 2007 um 11:22 Uhr
ich bin ebenfalls überwältigt! Du hast das wunderbar ausgedrückt.
Am 31. März 2007 um 19:13 Uhr
ich bin sehr beeindruckt über die wunderbaren Zeilen.
Am 3. April 2007 um 21:03 Uhr
Hey Ursel, hast mich animiert darüber nachzudenken, wie das bei mir war und noch ist mit diesem Gefühl “Liebe” Stimmt, nicht siebter Himmel, aber ein Glücksgefühl, daß fliegen läßt. Und tiefes Verstehen auch ohne viel Worte. Ein Meer von Zärtlichkeit und dem Anderen soll es gut gehen..immer!!! Auch wenn mein Liebster nicht mehr ist, das Gefühl bleibt. Nur eines stimmt nicht ganz, man kann sie auch dann fühlen, wenn der liebe Gott einem nicht ein ganzes Leben Zeit schenkt. Und es gibt sie und das in jedem Alter….
Am 15. April 2007 um 17:12 Uhr
Liebe ist nie logisch und wo sie es zu sein versucht, hat sie schon etwas anderem Platz gemacht.
Liebe ist, wenn man ein Gefühl erlebt, aber nicht versucht es zu definieren. Wenn man nach dem Warum fragen kann, liebt man nicht. Es gibt keine Gründe und keine Begründung für das was ich meine, dass es Liebe ist. Sie ist, oder sie ist nicht. – (epikur/2007)
Am 26. Mai 2007 um 22:13 Uhr
Hi, das lange Gedicht ist klasse. Bei vielen Sätzen stimme ich voll und ganz zu.
Ich glaube aber an die wahre ewige Liebe längst nicht mehr. Ich kann mich schon in Jemanden verlieben, doch meine Gefühle wurden bisher noch nie ernst genommen oder erwidert. Oder hab ich da was falsch verstanden? Geht es überhaupt ums Verlieben oder das Lieben nach einem längeren Zeitraum? Gibts da einen Unterschied? Mir fällts da schwer klarzukommen.
Bis dene