Und ich habe überlebt

Wenn man all das was wir erlebt haben verfilmen würde, würde manch Kritiker sagen:
Wer hat sich das ausgedacht, so was kann´s nicht geben und doch:

Am 26.02.2001 habe ich meinen Ex-Mann vor die Alternative gestellt, sich zu ändern oder ich trenne mich von ihm. Noch in der gleichen Nacht machte ich ihm sein Bett im Gästezimmer des Hauses und am 1. März zog er aus. Ende Mai lernte ich meinen jetzigen Lebensgefährten kennen: Werner. Er hatte vor 10 Jahren seine Verlobte durch Brustkrebs verloren und am 26.September, wenige Wochen nach unserem Kennen lernen saß ich vor ihm um ihm zu sagen, das ich Darmkrebs habe und in 3 Tagen im Krankenhaus sein muss zur Operation.
Wir haben den Krebs überlebt.

11.12.2005 Eigentlich sollten wir am Strand von Khao Lak liegen, aber wir sitzen bei Wetten dass… Vor einigen Wochen haben wir uns für Karten beworben. Keiner von uns glaubte, dass wir tatsächlich Karten bekommen würden also haben unseren Flug nach Pukhet für den 8.12 gebucht – 5 Wochen Sonne Strand, Erholung. Dann der Brief in der Post: Karten für Wetten dass: kurzentschlossen buchen wir unsere Urlaubsflüge auf den 12.12. um, sitzen heute im Messezentrum Nürnberg und applaudieren begeistert Thomas Gottschalk und seinen Gästen.

12.12.2005 Endlich am Strand von Khao Lak, Sonne, herrlicher Strand und ruhiges Meer mit klarem Wasser soweit ich schauen kann, alles an Schönheit und Stille, was ich mir je von einem Strandurlaub erträumt habe, weit weg vom engen und lauten Tourismus, das Ghana Garden und Bin Ressort – eine kleine gepflegte Anlage, 25 Bungalows, 1 Restaurant mit Rezeption und- liebenswerte Menschen die immer freundlich bemüht sind, unsere Wünsche zu erfüllen.

22.12.2005 Wir liegen am Strand in unseren bequemen Liegen. Warst Du das? fragen wir uns gegenseitig wie auf Kommando? Nein – wir blicken nach oben in den Kiefernähnlichen Baum ob dort vielleicht ein Vogel oder ein anderes Tier sitzt und kleine Muscheln auf uns fallen lässt. Plums- die nächste Muschel – ich dreh mich um und hinter uns steht lachend Harald, weitere kleine Muscheln wurfbereit in der Hand. Es ist der Lebensgefährte von Gerlinde einer guten Freundin aus Nürnberg. Sie hat Werners Geschäft gekauft, als er sich vor 5 Jahren zur Ruhe gesetzt hat. Sie war über 2o Jahre seine Angestellte. Mit ihrem Sohn Andy, er ist gehörlos, und Harald sind sie im … nur wenige 100m vom Ghana Garden & Bin Ressort entfernt, in dem Werner und ich für die nächsten 5 Wochen Urlaub genießen werden. Wir verabreden uns für den nächsten Tag zum Abendessen und am 26.12. wollen die beiden Männer zusammen mit einem Motorrad die Gegend anschauen und wir beiden Frauen werden faul am Strand bleiben.

24.12.2005 Weihnachtsfeier im Ghan Garden. Die Tische sind festlich dekoriert und auf der weihnachtlich geschmückten Bühne tanzt eine Gruppe nach thailändischen Klängen. Mit Claudia und Andreas, Herbert und Angelika , unser Bungalow Nachbarn im Ghan Garden , und einem weiteren deutschen Ehepaar das in China lebt stoßen wir auf das Weihnachtsfest an.
Das kleine schwedische Mädchen, dass täglich von mir am Strand einen Bonbon bekommt, winkt mir lachend zu. Stolz sitzt sie mit ihren Eltern zwischen den Erwachsenen.

25.12. weißt du sage ich zu Werner, der am Strand im Liegestuhl neben mir liegt, ich mag mein Buch hier nicht mehr zu Ende lesen (Der Schwarm) mir graut vor dem Meer, ich glaube ich lese es zu Hause weiter. Ja – mach das und schon ist er wieder eingeduselt.

26.12. 9-30 Uhr wir sitzen beim Frühstück, es ist herrlicher Sonnenschein und Werner bittet mich unsere Bekannten anzurufen, die in der Nähe von Phuket Urlaub machen. An der Rezeption versuche ich zu telefonieren, aber es kommt keine Verbindung zu Stande: all lines are disconected . Na ja denke ich kann in so einem Land schon mal passieren……. und wir gehen zum Strand und legen uns auf unsere Liegestühle.

9.45 Uhr Schau mal sagt Werner heute ist die Ebbe aber weit draußen. Verwundert beobachten wir wie das Wasser sich immer weiter zurückzieht.
Wir sehen auf und gehen 3 Schritte bis zu dem kleinen Abhang (ca 1,00m Höhenunterschied)der direkt hinunter führt zum Meer und blicken, wie all die anderen verwundert auf das sich immer weiter zurückziehende Wasser. Die Felsen, sonst nur wenige cm aus dem Wasser schauend liegen frei vor uns, Sandbänke tauchen auf und weiter hinten sehen wir die Spitzen des Riffs.
Viele Menschen laufen am Strand weit in den Sand hinein, dort wo sonst Wasser ist. Von links(Richtung Phuket) sehen wir weit hinten im Meer eine kleine weiße Schaumkrone kommen. Sie kommt ganz langsam näher (wie wir heute wissen mit einer Geschwindigkeit von ca 500km).

Jetzt kommt auch von rechts eine kleine weiße Schaumwelle , dort wo die beiden Schiffe der Kriegsmarine liegen – ein Großes und ein Kleineres. Unsere Thailändische Masseuse am Strand hat uns erzählt, die liegen da, weil die Prinzessin von Thailand mit ihren beiden Kindern hier Urlaub macht.

Was für ein tolles Bild, sage ich zu Werner geh doch und hol den Fotoapparat, so etwas schönes sehen wir bestimmt nicht so schnell wieder. Nach anfänglichem Zögern macht er sich auf um die Kamera aus dem Bungalow zu holen, der nur wenige Schritte vom Strand weg ist.

Ich stehe mit Claudia am Strand und wir beobachten weiter das schöne Schauspiel der langsam herankommenden Schaumkronen. Irgendwie ist das aber komisch sagt Claudia, ja sage ich fast wie das was ich in meinem Buch gelesen habe. Hör bloß auf mit deinem dummen Buch sagt sie, Du machst uns alle ganz verrückt damit. Na ja denke ich, vielleicht hat sie ja recht – ich sehe, wie die beiden Schiffe plötzlich versuchen tieferes Wasser zu erreichen. Irgendwas stimmt da nicht sage ich zu Claudia, ich bin eine alte Bootsfahrerin, wenn die Boote versuchen tiefes Wasser zu erreichen kommt ein Sturm oder irgend etwas was die Boote besser im Meer überstehen. Das sieht aus wie in meinem Buch der Schwarm beschrieben , lauf sage ich da kommt eine große Welle – und schon klatscht sie auf unsere kleine Böschung. Warum ich noch versuche die Strandtasche von der Liege zu holen weiß ich nicht – aus den Augenwinkeln sehe ich Werner mit dem Fotoapparat – lauf rufe ich , lauf – ich laufe …

Ich renne die kleine Böschung zu den Bungalows hinauf, an den Bungalows vorbei, ich will versuchen die Strasse zu erreichen, wo ist Werner – bestimmt kann er schneller laufen als ich, ich bin kurz hinter den Bungalows, von rechts kommt das Wasser geschossen. Es geht mir bis zur halben Wade und schon schmeißt es mich um, aua mein Steiß, ich werde ein zwei Meter oder sind es weniger auf meinem Hinterteil wie auf einem Reibeisen mit hoher Geschwindigkeit vorwärts getrieben. Das Wasser wird immer höher, ich versuche oben zu bleiben und zu Schwimmen- ich habe keine Möglichkeit die Richtung zu bestimmen. Mit wahnsinniger Geschwindigkeit werde ich in ein Gebüsch getrieben. Das Getöse um mich herum wird immer lauter. Bitte nicht denke ich- bitte nicht im Gebüsch hängen bleiben. Und schon hänge ich in den Zweigen, das Wasser über mir wird immer höher. Die Zweige wickeln sich um meinen Körper und halten mich fest. Ich kann meine Arme und Beine nicht mehr bewegen ich bin gefangen unter Wasser. War´s das denke ich, und sehe meine eigenen Luftblasen aufsteigen, nein das kanns nicht gewesen sein . das Wasser scheint auf einmal ruhiger zu sein und plötzlich merke ich wieder starke Bewegung unter Wasser, die Zweige lockern sich und ich strenge mich nochmals an und plötzlich bin ich frei. Ich werde unter Wasser herumgewirbelt und versuche verzweifelt nach oben zu kommen, ich habe keine Luft mehr bitte, bitte Luft und endlich bin ich oben. Verzweifelt ringe ich nach Luft wenige Atemzüge und schon geht’s wieder los wieder unter Wasser wieder hoch und – ab in die nächste Gebüschreihe, diesmal reißt mich das Wasser durch. Warum hängen in diesem Gebüsch Kokosnüsse? Ja, Kokos- Palmen, das waren meine „Büsche“ Palmen haben eben Kokosnüsse!
Irgendwas zieht mir meine Bikinihose aus. Ich werde weitergerissen und versuche verzweifelt mich irgendwo festzuhalten, ein Kind rast an mir vorbei- Junge oder Mädchen, lebt es noch? Ich kann es nicht erkennen , meine Brille ist weg, ich sehen einen Armstumpf aus dem Wasser ragen … mein Gott!!! plötzlich wird die Strömung weniger und ich sehe links von mir einen Baumstumpf aus dem Wasser ragen, dahinter ein weiterer Baum. Da muss ich hin denke ich und ich habe Glück, plötzlich scheint das Wasser ganz still zu stehen. Ich schwimme, ich kann die Richtung jetzt bestimmen, auf den Baumstumpf zu. Plötzlich merke ich wie das Wasser anfängt mir entgegenzuströmen. Bitte nicht denke ich, bitte nicht das ganze wieder zurück – woher weiß ich dass mich das Wasser zurückreißen wird, wenn es mir nicht gelingt, dem Baumstumpf zu erreichen? Endlich ich bin da mit letzter Kraft klettere ich auf den Baumstumpf und halte mich an dem dahinterliegenden Baumstamm fest. Das Wasser fließt zurück, Aber ich bekomme nicht mehr die gesamte Gewalt mit, ich kann mich auf dem Baustumpf halten, mich hat es weit ins Land hineingespült, sodass ich vom Rückfluss des Wasser nicht mehr so sehr betroffen bin.

Plötzlich Stille um mich herum, das Tosen des Wasser hat aufgehört und das Wasser strömt nur noch langsam und der Wasserspiegel wird niedriger. Ich sehe dass der Baumstumpf auf einer kleine Böschung steht, deshalb habe ich vom zurückfließenden Wasser nicht mehr die ganze Gewalt abbekommen. Ich bin nackt, ich sehe alles ziemlich verschwommen, etwas brennt in meinem linken Auge und ich sehe noch schlechter als ohnehin schon ohne Brille, ich versuche mein Auge auszuwischen es klappt irgendwie nicht, meine Finger sind rot, Blut denke ich aber ich habe keine Schmerzen. Wo ist Werner – ich fange an zu rufen- ein kleines Stück Stoff kommt mir entgegengeschwommen. Das brauche ich denke ich, vielleicht kann ich es mir umwickeln ich erreiche es mit den Fingerspitzen – es ist meine Bikinihose – was für eine Welt.

Um mich herum Wasser und daraus hervorragenden Gebüsch, wie soll ich da drüber kommen. Mehrere Bretter schwimmen an mir vorbei. Es gelingt mir 2 davon auf meine kleine Böschung zu ziehen- im Moment weiß ich nicht wofür, aber ich weiß ich brauche diese beiden Bretter.
Die Stille nach dem Getöse des Wasser ist unheimlich . Es ist nichts zu hören – kein Vogel – keine Grille- kein Mensch
Werner rufe ich Werner wo bist du…..Links von mir ragen mehrere Bäume aus dem Wasser ich bin am Rande eines großen Sees der voll ist mit übereinander liegenden Brettern, Kühltaschen Möbelteilen, Matratzen, ich sehe einen Sessel aus der Rezeption, eine rosa Luftmatzratze, so eine hatte Angelika …

Werner rufe ich, Werner und er antwortet, Tränen laufen mir übers Gesicht. Mein Gott denke ich er lebt, hat er soviel Wasser geschluckt … seine Stimme klingt so anders. Werner sage ich wie geht es dir, bist du verletzt und als er antwortet merke ich … es ist nicht “mein” Werner. Aber ein Mensch, ich bin nicht mehr allein … jetzt kommen leise Rufe aus der Richtung der Bäume help , help, help
Werner frage ich, kannst du noch Menschen sehen, woher kommen die Rufe, ich kann nichts erkennen meine Brille ist weg. Werner sagt ich bin hier auf einem Baum ich höre die Rufe aber ich sehe niemanden, help, help, die Rufe werden immer schwächer, hören auf.

Ich versuche mich zu orientieren wo müssen wir hin um auf Menschen zu treffen. Das Wasser hat mich nach links gerissen also muss ich nach rechts da ist ein Weg. Ich kann nichts sehen, wie auch ohne Brille – ganz verschwommen meine ich hinter einigen Bäumen aus Hausdach zu sehen.
Mit einer auf dem Wasser schwimmenden Latte habe ich versucht die Wassertiefe zu messen. Die Latte sinkt tief in dem unter dem Wasser, den Büschen und dem Gerümpel liegenden Sand ein. Werner frage ich kannst Du hierher kommen zu mir, wir müssen weiter nach rechts und ich habe 2 Bretter die können wir immer hintereinander über die Büsche und das Gerümpel legen, so sinken wir nicht ein. Nein – lass uns warten bis jemand kommt und uns hier heraushilft ruft er , mein rechtes Bein ist schwer verletzt. Weißt du sage ich bis hier jemand kommt sind wir verschimmelt- raus müssen wir von selbst kommen.
Ok sagt er, ich muss aber erst meine Frau suchen sie muss hier irgendwo sei. Wie heißt sie frage ich, ich helfe Dir rufen. Und gemeinsam rufen wir: Brit, Brit, und wir bekommen Antwort. Antwort von der anderen Seite des Gerümpelsees. Ich bin hier ruft Brit, kannst Du zu uns kommen, bist Du verletzt?
Ich weiß nicht sagt sie, ich weiß nicht ob ich kommen kann ich bin verletzt. Brit, bist du schwer verletzt? Ich weiß nicht…… ich versuche mich zu halten! Ich kann nicht mehr …
Woran, warum, Brit ..? Es kommt keine Antwort mehr. Eine weitere männliche Stimme meldet sich von der anderen „Seeseite“ ich bin hier aber ich kann nicht zu euch ich stecke im Gerümpel fest, ich kann mich nicht mehr über Wasser halten ..! Brit meldet sich nicht mehr …, die Stimme des Mannes meldet sich auch nicht mehr …

Werner fragt, wie soll ich zu dir kommen zwischen uns ist Wasser mit Büschen und Gerümpel darunter. Ich schiebe ihm eines der Bretter entgegen ich kann es kaum heben, es ist schwer ich kann mich schlecht bewegen, habe ich Schmerzen?

Werner ist bei mir. Woher hast Du die Bretter, wie bist Du auf die Idee gekommen? Keine Ahnung ich hab nur gewusst ich brauche sie …
Wir schieben gemeinsam die Bretter immer eines vor das andere über die Büsche und das Gestrüpp und schieben sie in die Richtung von der wir glauben dass wir dort den Weg finden.
Hilfe, help rufen wir und endlich erhalten wir Antwort auf englisch. Bitte helfen Sie uns, Werner ist schwer verletzt. Wenn ich hinter ihm bin sehe ich seine rechte Wade ist von der Kniekehle bis zur Ferse tief aufgeplatzt. Etwas weißes schaut darin heraus, später sehe ich es ist sein Knochen.
Aber sie kommen nicht um uns zu helfen ihr müsst euch beeilein wir kommen nicht rein zu euch, beeilt euch, es kommt noch eine Welle.
Wir müssen schwimmen, die Bretter haben keinen Halt mehr durch Gebüsch und Gerümpel. Das Wasser wird zu niedrig zum schwimmen wir müssen wider laufen, durch Gebüsch, durch Gerümpel, durch Dickicht, wie sollen wir da durchkommen? Werner bricht Zeige ab und bahnt uns einen Weg endlich sehen wir Menschen. Sie ziehen uns die letzten 2m Meter hoch. Schnell lauft, es soll noch eine Welle kommen. Ihr müsst dort hinten rein, oder Hilfe schicken, dort sind noch Menschen wir haben noch mit ihnen gesprochen, bitte helft ihnen sage ich. Nein, das geht nicht lauft schnell es kommt noch eine Welle. Wir laufen so schnell wir hinken können.

Wo ist „mein“ Werner. Am Wegrand liegt eine Frauenleiche, Sie trägt einen blauen Bikini und hat dunkle Haare. Ist das die Mutter von meinem kleinen Schwedenmädchen? Wo ist das kleine Mädchen, bitte lieber Gott lass es nicht das gewesen sein, das mit abgerissenem Arm an mir vorbei geschossen ist.
Werner rufe ich, Werner und ich sehe eine Gestalt auf mich zulaufen, ich kneife die Augen zusammen … ja er ist es. Wir hinken so schnell wir können aufeinander zu und halten uns weinend in den Armen.

Thais geben uns Wasser zu trinken und fahren uns einem nach den anderen auf Mopets die Hauptstrasse hinauf bis ans LTU Büro wo so etwas wie eine kleine Sanitärstation eingerichtet ist. Wo ist Werner, kommt er nach- bloß nicht wieder getrennt werden.

Wir werden mit Wasser versorgt, ein Mädchen geht herum mit Früchten und Brot. Kaum jemand isst, nur Wasser trinken wir. Unsere Wunden werden notdürftig versorgt. Mein Werner ist schwerer verletzt als ich er hat einen tiefen Riss auf dem linken Hand- und Fußrücken. Die vielen Schramm mehr oder weniger tief die wir alle über den ganzen Körper verteilt haben merken wir noch gar nicht. Ich finde einen Pickup der den anderen Werner in ein Krankenhaus fährt. Alles geht jetzt sehr schnell, wir können uns nicht verabschieden ich weiß nur dass er Werner heißt und seine Frau Brit, werden sie sich wiederfinden, so wie Wernern und ich?

Herbert(der Mann von Angelika) und Andreas(Der Mann von Claudia) kommen. Herbert hat ein Tuch umgehängt, ich habe keine Hose mehr sagt er, später besorgt ihm Wernern eine Unterhose. Das nette Mädchen von LTU gibt ihm eine Damenunterhose. Menschen helfen mir mich notdürftig mit einem Wasserschlauch abzuwaschen. Sand und 1000sende von kleinen Holzstücken kleben überall an mir. Das LTU-Mädchen nimmt mich mit in sein Büro, sie können Duschen sagt sie ich habe allerdings keinen Strom.
Ich dusche mich wasche meine Haare und reinige notdürftig meinen Bikin im dem der Sand und Holstücke kleben. Herbert sucht verzweifelt nach Angelika, Werner erzählt ihm dass sie an ihm vorbeigetrieben ist. Andreas sucht verzweifelt nach Claudia, sie war mit mir am Strand als die Welle kam …

Werner ruft! beeil dich sagt er wir müssen weg eine neue Welle soll kommen. Ein Pick – up fährt uns ein Stück den Berg hoch. Wir müssen aussteigen und weiterlaufen. Wie soll Werner das schaffen? Jeder Schritt fällt ihm schwer.
Wir haben nur das, was wir am Körper tragen, Werner eine Badehose und ich einen Bikini, darüber ein Tuch das mir hilfsbereite Thais gegeben haben.
Am Wegrand liegen 2 Decken, Leintücher und Kopfkissen. Die nehmen wir mit sage ich, Quatsch sagt Werner wozu? Doch 1 Decke, 1Kopfkissen und 1 Leintuch schleppen wir mit, weg schmeißen können wir es immer noch sage ich.

Mit letzter Kraft kommen wir den steilen Berg hoch, bitte bis ganz nach oben, bitte, eine neue Welle soll kommen und die können wir bestimmt nicht mehr durchstehen.

Ein neues Bungalowdorf, noch nicht fertiggestellt. Ein Thai schließt uns die Hütte auf. Welch ein Glück, hier liegen Matratzenuntergestelle. Wir lernen Hans und Claudia kennen, sie werden diese Nacht hier mit uns in der Hütte verbringen. Wie gut dass wir das Leintuch und das Kopfkissen haben. Wir sind alle erschöpft, Werner hat starke Schmerzen und er bekommt Fieber. Wir haben keinen Strom, kein Wasser und können deshalb die Toilette nicht benutzen(und ich mit meinem Durchfall den ich durch meine Darmoperation häufig habe).
Wir werden mit Wasserflaschen versorgt, eine Ärztin kommt und versorgt unsere Wunden notdürftig und lässt uns Antibiotika und Schmerztabletten da. Werner und ich sind die einzigen verletzten in unserem Bungalow. ‚Mein Bein wird immer dicker, und ich kann mich kaum bewegen: ist mein Steiß gebrochen? Ich mache mir Sorgen um Werner seine Hand und sein Fuß sehen immer schlimmer aus und ich glaube auch das Fieber steigt. Ans und Claudia versuchen mit ihrem Moped hinunter zu fahren und einige Lebensmittel zu besorgen. Sie haben etwas Geld gerettet, damit versorgen sie uns alle mit etwas zu essen. Werner und ich haben kein Geld, aber wir haben uns und unser Leben. Wir können nichts essen, Werner nicht vor Schmerzen und Fieber und ich… bloß nichts essen, damit ich keinen Durchfall bekomme.
Menschen kommen vorbei und fragen verzweifelt nach ihren Angehörigen.
Meldungen kommen eine weitere Welle würde erwartet. Kaum einer kann schlafen, der Bungalow ist mit 10Menschen überfüllt, und draußen vor der Tür auf der kleine Terrasse liegt ein Österreicher, wenigstens er schnarcht…….
Plötzlich schrecke ich hoch, ich höre Wasserrauschen, die Welle kommt rufe ich, aber es ist nur die einsetzende Morgenbrandung.

27.12. Endlich ist es Morgen. Werner fiebert und ich versuche einen Arzt heraufzuholen. Nach mehreren Stunden kommt ein Arzt und sagt er muss unbedingt in ein Krankenhaus. Wir sollen ihn weiter nach unten bringen wo ein Pickup ihn mitnehmen wird. Wir machen mehrere Versuche und werden immer wieder nach oben geschickt mit den Worten es wird noch eine Welle erwartet. Wir hören, dass fast ganz Khao Lak zerstört wurde, von unserem Bungalowdorf steht nichts mehr.
Wo sind Gerlinde, Andy und Harald, haben sie überlebt, wie geht es Andy er ist doch gehörlos, kann sich schwer verständlich machen.
Eine Frau kommt vorbei, sie hat einen Ellebogensplitterbruch aber sie weigert sich ins Krankenhaus zu gehen, sie sucht ihre kleine Tochter …
Herbert und Andreas kommen nach oben: Claudia und Angelika, wer hat sie gesehen. (Heute wissen wir sie haben beide nicht überlebt.)Aus der Ecke in der ich gespült wurde ist fast keiner lebend heraus gekommen, ich bin die einzige Frau.

Endlich dürfen wir nach unten. Menschen helfen mir Werner nach unten zu bringen. Wir sitzen im Pick up. Wohin werden wir gebracht? Vielleicht nach Pukhet, aber wir haben gehört, Pukhet soll zerstört sein und auch der Flughafen.

Wir fahren nach unten durch Khao Lak oder das was einmal dieser wunderschöne Ferienort war. Erst jetzt beginne ich zu begreifen was mit uns passiert ist, welches Glück wir hatten, dass wir überlebt haben. Wir fahren an der Ferienanlage von Gerlinde vorbei … kann es da Überlebende geben? Verzweiflung!! Ja – bestimmt wir haben auch überlebt!! Hoffnung!!

Nach wenigen Kilometern fahren wir in ein Buddah Kloster. Eine Sanitätsstation. Überall vor Schmerzen schreiende Menschen, und es dauert nicht lange und wir schreien mit. Unsere Wunden werden aufgemacht und gesäubert. Die Betäubungsmittel werden für die wenigen Kinder und die die noch schwerer verletzten gebraucht.

Unsere Decke , das Kissen und Leintuch haben wir in der Notunterkunft gelassen, im Krankenhaus würden wir ja alles bekommen. Ja, im Krankenhaus … hier sitzen wir auf Steinfließen. Irgendwie besorge ich für Werner eine kurze Hose, als er sie anzieht sind die Taschen verkehrt herum: es ist ein Damenhosenrock, was macht das schon, Hauptsache was anzuziehen. 2 angeschmutzte T-Shirt habe ich auch gefunden.

Wann können wir hier weg, wann kommt Hilfe. Der deutsche Botschafter soll kommen, in 1 oder 2 Tagen.

1 oder 2 Tage? Solange hält Werner nicht durch wir müssen hier weg. Ich sage Werner er soll sitzen bleiben und laufe herum um Nachrichten zu erhaschen . Ein freundlicher Schwede lässt mich mit seinem Handy nach Deutschland telefonieren. Endlich, meine Kinder werden vor Sorge nicht wissen was sie machen sollen, und Werners Mutter und meine Mutter …

Plötzlich eine Nachricht: auf der Strasse vor dem Kloster sollen Busse stehen die uns zum Flughafen bringen. Ich laufe zu Werner, der erschöpft und fiebrig auf der Steintreppe sitzt. Komm so schnell du kannst hinter mir her, lauf zum Klosterausgang dort sollen Busse stehen, die uns zum Flughafen bringen. Ich laufe voraus so schnell ich kann, ich sorge schon dafür, dass einer der Busse auf dich wartet.
Vor den Bussen steht , ein Mann und fragt mich, mit welcher Reisegesellschaft wir hier sind. Wozu will der das wissen schießt mir doch den Kopf und brav antworte ich: mit Ögertours. Sorry sagt er diese Busse sind nur für Teilnehmer von Tui ´, Meyers Reisen und LTU, ich kann und darf sie nicht mitnehmen. Und wir, sollen wir hier verschimmeln? Die Busse nehme jetzt erst mal hier alle Leute der genannten Reisegesellschaften mit, fahren dann zurück nach Khao Lak um dort noch Passagiere mitzunehmen und wenn dann noch Platz ist kommen wir hierher zurück und nehmen sie mit. Aber so lange kann und will ich nicht warten und was machen eigentlich Menschen, die nicht Englisch oder Thai sprechen?

Mittlerweile hat auch Werner humpelnd die Busse erreicht. Er sieht so aus wie er sich vermutlich auch fühlt, krank und schwach. Ich setzte ihn auf eine Bank an der Bushaltestelle. Plötzlich sehe ich wie ein Bus in das Kloster fährt er hat Thailändische Schrift und in der Anzeigetafel steht in für mich lesbarer Schrift Pukhet. Bleib hier sitzen sage ich zu Werner, ich versuche heraus zufinden ob dieser Bus zum Flughafen fährt. Wenn ja bekomme ich irgendwie 2 Plätze für und. Bleib hier bis ich Dich hole, geh bloß nicht weg.
So schnell ich kann hinke ich wieder in die Anlage. Wieder werde ich gefragt, mit welcher Reisegesellschaft wir hier sind. Warum wollen Sie das wissen? Dieser Bus ist nur für Touristen, die mit keiner Reisegesellschaft hier sind. Oh sage ich dann ist das der richtige Bus für uns, manchmal sind doch kleine Schwindeleien erlaubt, oder?
Mittlerweile entsteht Gedränge am Bus, jeder will mit. Irgendwie ergattere ich 2 Plätze. Jetzt bin ich im Bus in der Klosteranlage und Werner sitzt draußen vor dem Kloster. Wenn ich ihn holen gehe sind die Plätze weg und bis wir wieder zurück sind ist der Bus vermutlich sowieso weggefahren.
Mit Hilfe eines Mitreisenden der englisch und Thai spricht überzeugen wir den Busfahrer, dass er vor dem Kloster halten muss um dort meinen Mann mitzunehmen, eigentlich darf er doch dort nicht halten , aber er sieht die Verzweiflung und die Tränen in meinen Augen und vielleicht auch die Entschlossenheit auf keinen Fall auf zu geben. Wir halten vor dem Kloster. Mittlerweile bin ich erschöpft, ich kann nicht aufstehen mein Rücken scheint abzubrechen und mein rechtes Bein versagt den Dienst. Mein netter Übersetzer sagt er geht für mich meinen Mann holen. Ich sage rufe nach Werner und falls sich 2 Werner melden(ich denke an mein Erlebnis von gestern) dann sag der, der zur Heidi gehört.

Endlich sind wir am Flughafen in Phuket.
Dort versorgt uns ein netter thailändische Gastwirt mit Getränken, als wir seine Enttäuschung bemerken weil wir trotz seiner mehrfachen Angebote nichts essen, bestellen wir zu zweit eine Portion Pommes. Von seinem Nachbarn erhalten wir 2 Versage T-Shirt. Nach einigem hin und her sitzen wir im Flugzeug nach Bangkok.

27.12. 2004 Bankok Flughafen
Hier sollen wir von der deutschen Botschaft angeblich mit Essen und etwas Geld versorgt werden. Alle Botschaften sehen wir, Schweden, England, Schweiz, Australien sogar Österreich – wo ist der deutsche Botschafter? Verzweifelt laufe ich hin und her. 2 Vertreter der Thailändischen Regierung fragen ob sie mir helfen können. I´m looking for the German Ambassador, aber auch sie finden keinen Vertreter der deutschen Botschaft. Bitte machen sie sich keine Sorgen sagen Sie, wir werden ihnen behilflich sein, wenn sie keinen Flug bekommen werden wir sie mit Kleidung und Essen versorgen und in einem guten Hotel unterbringen, sie können auch einige Tage auf unsere Kosten in Bangkok verbringen. Aber ich will nur eines so schnell wie möglich nach Deutschland. Mein Bein schaut mittlerweile aus wie ein Elefantenfuß und auch an Werners Hand und Fuß bilden sich dicke Eiterwülste. Laufen können wir beide nicht mehr. Mit Hilfe der Beamten erhalten wir Flugtickets, und wir brauchen dringend Ersatzpapiere. Eine Flughafenmitarbeiterin bringt uns mit Rollstuhl und Bus zum anderen Terminal, dort soll der deutsche Botschafter sein. Wir werden in ein kleines Büro geführt und nach einiger Wartezeit erscheint der deutsche Botschafter. Er schreit uns an: was fällt Ihnen ein hier in diesem Terminal zu sein, sie müssen an dem anderen Terminal sein, ich musste extra ihretwegen herkommen, wenn ich wegen jedem deutsch so einen Umstand hätte. Er schreit, sein Ton ist anmaßend und noch dazu in dieser Situation. Mir platze jetzt der Kragen, meine Nerven sind kurz vorm zerspringen. Dennoch bleibe ich ruhig, ich schreie nicht aber der Ton als ich sage: sie haben nicht das Recht uns anzuschreien , das einzige Recht dass sie haben ist uns in den nächsten 10 Minuten Ersatzpapiere auszustellen, damit wir unser Flugzeug erreichen zeigt schnelle Wirkung. Es dauert keine 10 Minuten und ein kleinlauter deutscher Botschafter überreicht uns unsere Ersatzpapiere.
Jetzt geht es im Laufschritt (wir natürlich im Rollstuhl) zum Flieger.

Im Flugzeug nach Deutschland
Die Stuardessen der Lufthansa bringen uns in den hinteren teil des Flugzeuges und sind uns behilflich unsere Plätze zu finden. Plötzlich eine laute Stimme: Was macht ihr beiden denn da? Harald, Gerlinde und Andreas – sie haben überlebt und uns genauso verzweifelt gesucht wie wir sie. Glücklich tauschen wir mit anderen Passagieren die Plätze, damit wir zusammensitzen können. Freudentränen laufen uns übers Gesicht und vor Aufregung können wir erst mal gar nichts erzählen. Voller Mitgefühl werden wir von den Stuardessen mit Getränken und wir Frauen mit Hautcreme versorgt, unsere Gesichter fühlen sich an wie Reibeisen, welch ein Schatz – eine Zahnbürste und ein Kamm.

28.12.2004 In Frankfurt werden wir von Betreuern empfangen, die uns ins Krankenhaus bringen wollen, aber wir haben nur ein Ziel nach Hause nach Nürnberg. Jetzt heißt es einen Hausschlüssel zu organisieren, unserer schwimmt ja irgendwo in Asien. Es klappt und erschöpft sinken wir ins Wohnzimmer.
Meine Tochter Birgit (sie studiert Tiermedizin in Giessen) ist wenige Minuten nach uns da. Wir sind erst mal stumm vor Erleichterung und Glück. Ihr müsst ins Krankenhaus sagt sie, euere Wunden sind entzunden, ihr habt schwere Infektionen. Ja das habe ich Werner auch schon gesagt, aber auf mich hört er nicht, jedoch das Wort einer Medizinerin auch wenn’s Veterinärmedizin ist wiegt schon schwerer. Also erst mal ab unter die Dusche, dort bekommt Werner Schüttelfrost.
Und jetzt lässt auch er sich widerstandslos ins Krankenhaus bringen.
Wir werden sofort medizinisch versorgt, für Werner gerade noch rechtzeitig, seine Hand stinkt bereits und er wird noch in der gleichen Nacht operiert. Es folgen bange Stunden, ob er Hand und vielleicht auch Fuß verliert. Unserem Wunsch nach einem gemeinsamen Zimmer wird entsprochen, danke liebe Krankenhausvewaltung.
Werners Hand wird 4mal operiert und die Ärzte sagen uns wenn er erst am nächsten Tag ins Krankenhaus gekommen wäre, wäre seine Hand nicht mehr zu retten gewesen.
Am 4. Tag im Krankenhaus darf ich Duschen. Herrlich – ich wasche meine Haare und lege den Kopf in den Nacken – ich bekomme Wasser in die Nase. Plötzlich weiß ich nicht mehr wo ich bin , ich höre nur noch Wasser rauschen , bitte nicht bitte keine Welle. Ich schreie
Ich finde den Wasserhahn zum abdrehen nicht und die Tür von der Dusche geht nicht auf, bitte keine Welle -endlich bin ich draußen …

Im Fernsehen schauen wir uns jede Sendung über die Flutwelle an, vielleicht sehen wir Menschen die wir kennen, wir versuchen zu rekonstruieren warum wir nicht gleich gelaufen sind. Alpträume und Erinnerung, gut dass wir ein gemeinsames Zimmer haben und so das Erlebte besser verarbeiten können.

6. März 2005
Die Erinnerungen an das was ich selbst erlebt habe werden erträglich.
Was bleibt ist die Frage nach den Menschen die ich vermisse. Angelika, die Frau von Herbert. Claudia die Frau von Andreas, Werner und Brit die noch mit uns geredet hat und dann auf einmal still war. Der Mann der gesagt hat ich kann nicht zu euch, ich stecke fest… die rufe help help help die immer schwächer werden – werden sie jemals für mich aufhören? Min kleines blondes Schwedenmädchen, dessen Lachen mich so an meine Kinder erinnert hat …

Wenn jemand meine Geschichte liest und Werner und Brit oder einen von beiden kennt, bitte meldet Euch bei mir.

Danke den Thais, die ihr letztes mit uns geteilt haben, denke der Dame von LTU bei der ich Duschen durfte, den Leuten am Flughafen die uns zu Trinken und T-Shirt gegeben haben, danke der Stuardess von der Lufthansa die sich liebevoll um uns bemüht hat – und danke meinem Schutzengel, der mir die Kraft gegeben hat zu kämpfen und zu überleben. Und den aller größten Dank und alle meine Liebe an meine beiden Töchter Sonja und Birgit, die immer für mich da sind wenn ich Sie brauche, die darauf verzichtet haben Sylvester mit Ihren Freunden zu feiern und lieber bei mir und Werner im Krankenhaus waren. Ich liebe Euch.
Heidi Saborowski

5 Reaktionen zu “Und ich habe überlebt”

  1. herbstzeitlose1

    danke dir heidi, dass du mir einblick gewährt hast in dein leid und in deinen schmerz. aber auch dass du mir erzählt hast, wie stark du dabei geworden bist. ich bewundere dich. du hast so spannend geschrieben, dass ich nicht mehr zu lesen aufhören konnte. Ich war beim lesen tief bewegt musste einige male unterbrechen wegen meiner tränen und habe es schon einigen freundinnen erzählt, dass du eine starke frau bist.
    liebe grüße aus salzburg sybille

  2. herbstzeitlose1

    Die Pavianmännchen im Internet!

    Den Pavianmännchen sagt man nach, dass sie mit einem Weibchen neun Mal nacheinander Sex haben können, dann aber ein anderes Weibchen brauchen. Um später sich wieder mit dem ersten Weibchen zu vergnügen.
    Ich möchte hier keinen Aufsatz über das Leben und Lieben der Paviane schreiben, nur hinweisen auf die Ähnlichkeit der Verhaltensweisen der Männer im Internet auf den diversen Seiten.

    Im Internet gibt es eine Reihe von Singlebörsen. Sehr zu meinem Erstaunen sind gut 70% der männlichen Singles, verheiratet oder fest gebunden. Vor ein paar Jahren stand das noch nicht offen im Profil, sondern wenn die Frauen Glück hatten, vor dem ersten Treffen, spätestens hinterher oder nie. Inzwischen ist es normal, wenn da einfach verheiratet steht. Auch wenn man so wie ich im Profil immer anmerkt, dass ich mich nicht zur Zweitfrau eigne und dass ich nur Singles bei mir melden sollen, haben die Herren des Internets auch Schwierigkeiten beim Lesen. Denn immer wieder schreiben mich Pavianmännchen an.
    Es gibt auch Studien, in denen beschrieben wird, dass wir Menschen nicht monogam sind. Männlein und Weiblein ziehen sich an, um den Fortbestand zu sichern, machen Nestpflege und 50% lassen sich hinterher scheiden. Inzwischen wird nicht einmal mehr geheiratet, wozu auch? Die anderen gehen ins Internet und suchen sich eine Zweit- und Drittfrau.
    Wenn man den moralischen Aspekt außer Acht lässt, ist das auch nicht so schlimm. Wenn Frau sowieso nicht heiraten will, eine schöne Zeit genießen und den Haushalt macht eine Andere.

    Lernte im Internet einen netten Mann kennen. Verheiratet, drei Kinder, guter Job, seine Frau auch, aber na ja, es läuft halt nicht mehr so zwischen den Beiden. Zuerst schreiben wir uns Seitenlange E-Mails. Dann telefonieren wir. Es gibt viele Berührungspunkte. Wir denken oft gleich, wir empfinden oft gleich und auch sonst verstehen wir uns herrlich. Da wir ja keine Kinder mehr sind und wissen, was Sache ist, wird ein Treffen ausgemacht. Diese Aufregung. Gefalle ich ihm? Wird es funken? Die Nacht vorher verbringe ich schlaflos und am nächsten Tag treffen wir uns im Cafe. Wir kennen uns gleich und da wir ja auch sehr vertraut sind, wird die Unterhaltung nach den ersten schüchternen Minuten sehr angeregt und die Erotik sprüht. Wem verwundert es, dass wir doch auch ganz schnell zur Sache kommen und der darauf folgende Sex, war ernüchternd. Er der vorher noch alle Zeit der Welt hatte, musste nun gleich los, weil….. hörte nie mehr etwas von ihm. Meine E-Mail blieb unbeantwortet.
    Fragte mich, was ich denn falsch gemacht hätte. Auch das ist Frauenspezifisch, aber denke noch nicht aufs aufgeben.

    Wie heißt es so schön, auch andere Mütter haben schöne Buben.
    Das Internet ist doch voll davon. Gleich schreibt mich wieder einer an. Der lebt getrennt von seiner Frau. Viele Briefe, in denen er mit erzählt welchen Rosenkrieg er erlebt. Geduldig höre ich zu, sagen kann ich nicht viel, weil ich die Situation nicht kenne. Wir schreiben uns Gedichte und huldigen dem Schönen. Lesen gemeinsam Bücher um darüber zu diskutieren. Wir treffen uns und die Erotik sprüht wieder. Er sagt mir, dass er noch nie so etwas Schönes erlebt hatte. Wir trafen uns gut alle zwei Wochen einmal, denn er durfte seiner Frau keinen Scheidungsgrund liefern. Immerhin geht es um viel Geld. Er kommt meistens um die Mittagszeit und am frühen Abend muss er nach Hause. Entweder warten die Kinder auf ihm oder er hat noch zu arbeiten. Nach einigen Monaten, nachdem die Scheidung noch immer nicht passiert war, erzählt er, dass er seiner Frau noch einmal eine Chance geben will und dass sie sich versöhnt hätten. Wann diese Versöhnung stattgefunden hat, weiß ich nicht. Nur als ich hartnäckig wurde und doch auch einmal mit ihm eine schönen Nacht verbringe wollte oder ein Wochenende zusammen erleben, da kam es zu seiner Versöhnung.

    Dann wurde ich vorsichtiger mit den Pavianmännchen.
    Eine E-Mailfreundschaft wollte einer. Warum nicht? dachte ich. Es entstand eine angeregte, fantasievolle Brieffreundschaft. Es werden Träume ausgetauscht, die Vorstellung uns doch einmal zu treffen. Irgendwann einmal. Wir machten das ein ganzes Jahr. Ich war mir sicher, dass ich keinen Ehemann mehr treffen wollte und er konnte sich von seiner Familie nicht trennen. Wegen der Kinder und dem Haus und der Schulden. Halbe Nächte haben wir telefoniert, dreimal täglich sms geschrieben, lange E-Mails und die Sicherheit, wir zwei würden es bestimmt gut haben miteinander.
    Nach einem Jahr habe ich mich überreden lassen und wir haben uns getroffen. Nicht nur das. Wir haben uns auch real ineinander verliebt. Ich fühlte mich so wohl in seiner Gegenwart. Wir waren uns nun sehr nahe. In meinem Hinterkopf läuteten zwar die Alarmglocken, aber er verstand es, diese zum Schweigen zu bringen. Noch zwei Jahre, dann wären die Kinder soweit, dann könnte er gehen. So lange müsste ich Geduld haben. Was sind denn zwei Jahre, Wir hatten eine schöne Zeit zwar wenig, aber schön. Dachte ich halt. Wir trafen uns immer in einem zweitklassigen Hotel, denn wir wohnten in verschiedenen Städten. Es war für ihn besser ich fuhr in seine Stadt, denn so hatten wir mehr Zeit füreinander. Dort mietete ich mich ein und er kam am Abend. Seiner Frau erzählte er, ins Kino zu gehen oder sich mit Freunden auf ein Bier zu treffen Wenn er bei der Türe hereinkam, war er richtig ausgehungert. Er stürzte sich ungestüm auf mich und zeigte mir, wie sehr er sich nach mir gesehnt hatte. Das war recht schön für mich so heiß begehrt zu werden, nur ging immer alles so rasend schnell, dass ich nicht auf meine Kosten kam. Das ging so zwei Jahre dahin. Meine Freundinnen warnten mich schon, der lässt sich nie scheiden, der will alles, seine Sicherheit und seinen Spaß. Nein dachte ich, ich weiß es, er liebt mich und ich liebe ihn auch. Er hat es gut verstanden mich bei der Stange zu halten. Erzählte mir, von den ersten Schritten die er Richtung trennen macht. Irgendwann bekam es seine Frau Wind von der Sache. Es wurde ein Familienrat einberufen und ihm wurde ordentlich der Kopf gewaschen und nun kann er es den Kindern nicht mehr antun, sein Leben zu verändern.
    Ich wollte das doch gar nicht. Es war sein Wunsch, der irgendwann zu meinem wurde. Ich weiß an der Liebe stirbt man nicht.
    Nur ich bin dafür, dass man nicht nur eine Seite für „ 50 Plus“ macht, sondern auch eine Seite für „Singles“ und eine für „Ehemänner“.
    Die Pavianmännchen sollen ihre Situation klären und sich im Klaren sein, was sie unter Umständen anrichten können.

    Wie denkt ihr da darüber?

  3. Noiram

    hallo herbstzeitlose,
    danke für deine ehrlichen zeilen. du solltest aus deinem artikel einen eigenen blog machen, damit er optisch besser sichtbar ist – finde ich jedenfalls.
    deine erfahrungen teilen viele frauen mich inklusive, die männer übers internet kennen lernen. die männer betrachten das ganze als spielwiese, wo sie sich das passende weibchen zum spielen aussuchen können und diese spiele sind fast ausschließlich erotischer natur und wir frauen machen es ihnen ganz leicht dabei.
    wir sollten deshalb. so lust und laune dafür vorhanden, den spieß einmal umdrehen und uns das stärkste männchen zur begattung aussuchen, aber dann schon im hotel danieli bei schampus und lagunen rauschen!
    was meint ihr dazu?

  4. hexlein58

    hallo herbstzeitlose,
    ih habe mit interesse deine bericht gelsen, und stimme dir zu. übrigens der mann mmit dem ich in thailand war, ist mittlerweile auf der suche nach was besserem. gemeinsame erlebnisse zählen nicht.

  5. Leonidas12

    Vielleicht kann man die Sache auch von einer anderen = männlichen Seite betrachten: Was ist daran so schlecht, wenn ein Mann versucht, seinen Bedürfnissen gerecht zu werden und es klappt mit der eigenen Frau nicht?
    Solange er mit offenen Karten spielt, finde ich es nicht verwerflich. Es soll auch Frauen geben, die gebunden sind und ein Zweitverhältnis suchen. Oder sind die ganzen Anzeigen in den Kontaktbörsen Fakes? Ich suche selbst so eine Beziehung, würde aber nicht mit falschen Versprechungen arbeiten. Das ist noch verwerflicher als ein Seitensprung, weil es viel tiefere Gefühle verletzt. Und eine Beziehung, die von vorneherein auf der Täuschung und dem Schmerz eines anderen Menschen aufbaut, kann keine schönen und guten Gefühle vermitteln