Voll im Trend
Voll im Trend
In der vergangenen Woche, an einem dieser warmen Januartage ging ich auf den Friedhof, um die roten ausgebrannten Lämpchen, die wir Heilig Abend immer am Grab der Eltern und des Onkels hinstellen, wegzunehmen.
Ich zupfte am Buchsbaum, der hin und wieder gelbe Blätter hat, räumte welkes Laub zur Seite und war ziemlich in Gedanken, als ich beim Hinausgehen auf einer Bank eine sehr alte Dame lesen sah.
Beim Näherkommen sah ich, dass ich mich nicht getäuscht hatte, sie war wirklich sehr alt, über neunzig bestimmt, wenn nicht an die Hundert. Sie trug eine Bifocalbrille mit moderner Fassung, die in krassem Gegensatz stand zu der Mütze auf dem Kopf.
Weinrot, aus dicker Wolle gehäkelt, eventuell gestrickt, nach oben sich verjüngend glich diese Mütze einem Kaffeewärmer aus grauer Vorzeit.
Da die Dame zart und gebrechlich wirkte und ganz offensichtlich in ihren Roman eingetaucht war, wagte ich nur leise zu grüßen, was zur Folge hatte, dass sie mich weder hörte noch wahrnahm.
Sie nahm mich aber durch ihre außerordentliche Erscheinung und auch durch die ungewöhnliche Situation – man stelle sich vor, eine uralte Dame, allein auf einer Bank, lesend zwischen Gräbern und das im Januar, so gefangen, dass ich nicht umhin konnte, in ihr Buch zu sehen.
Das Buch lag aufgeschlagen auf ihren Knien, diente aber nur als Unterlage für ein Sudoko, herausgerissen aus einer Zeitung.
Was ist es mit diesem Sudoko, dass eine ganze Nation gefangen hält. Keine Zeitung mehr ohne Sudoko, sudokolösende Menschen überall, in der S-Bahn, im Intercity erster und zweiter Klasse, in einem Wiener Kaffeehaus fand ich gleich drei Zeitungen mit Sudokos, ja sogar auf der Rolltreppe traf ich neulich einen Mann, intensivst mit Zahlen beschäftigt.
In der Uni, bei Studenten, die ganz still und mit dem Blick in ihren Schoß dasitzen, handelte es sich bislang um SMS-Geschichten aber jetzt nicht mehr, das heißt nicht immer, immer öfter lösen sie Sudoko, eins nach dem anderen.
Natürlich bin auch ich nicht frei von diesem Fieber, jeden morgen in der Tageszeitung löse ich drei Kästchen mit jeweils neun Feldern, immer wieder werden die Zahlen 1 – 9 da untergebracht.
Es könnte ja sein, dass man damit die latent vorhanden sein mögende Demenz
in Schach hält, aber so können doch nicht alle Menschen schlussfolgern – was ist es also, ein Massenwahn ?
Und wenn man noch dazu bedenkt, dass alles für die Katz ist – diese Mühen haben sich erledigt wenn die Zahlen stehen, also es bleibt nichts Produktives über,
Gelöstes ist Altpapier und das Lösen ähnlich wie Kaugummikauen.
Mir fällt ein Kontraprogramm ein – das muss noch kultuviert werden und ist erst in 14 Tagen reif.
Aber bei der alten Dame oben, da muss ich wirklich sagen, alle Achtung !!!
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Am 21. Januar 2007 um 19:04 Uhr
Sudoku, richtig gelöst, ist nicht für die Katz, sondern – solange man sich noch anstrengen muß- fürs Gehirn wichtig.
Wer sagt das?
Eine fast 80-jährige ohne Demenz !!!!
Am 24. Januar 2007 um 09:08 Uhr
Liebe Senior78 – Du musst das mehr als Glosse sehen und nicht so ernst nehmen – der Titel “Voll im Trend” spielt ja darauf an.
Sicher hast Du zusätzlich gute Gene und achtest sowohl auf Bewegung und Ernährung, denn von nichts kommt nichts.
Wie gesagt gibt es auch noch andere Beschäftigungen, die den Geist wach halten und wo man dann anschließend auch etwas in der Hand hält, was einem selber Spaß macht oder was man verschenken kann.
Ich hoffe, dass Du meine Anregung, die aber erst nach dem 8.2. (vorher habe ich so viel anderes zu tun) kommt, aufgreifst und diese zusätzlich in Dein Training gegen die Demenz aufnimmst. Bis dahin ganz liebe Grüße achoggi
Am 3. März 2007 um 09:50 Uhr
Sudoku kann zur Sucht werden, das habe ich selbst erlebt. Man kann damit nicht aufhören, bis das Rätsel gelöst ist. Inzwischen kommt wohl keine Zeitung und keine Zeitschrift mehr ohne aus, in den Läden werden überall Sudoku-Hefte angeboten. Auch online kann man sich damit beschäftigen. Solange man sich nur damit die Wartezeit in der U-Bahn oder im Zug damit vertreibt ist das o.k., ich habe z.Bsp. Sudoku im Flugzeug kennengelernt. Schlimm wird es erst dann, wenn man seine Freunde, seinen Haushalt, seinen Partner vernachlässigt weil es einem zuviel Zeit stiehlt. Es gibt sicher bessere Methoden, seinen Geist zu beschäftigen um der Demenz vorzubeugen. Jetzt bin ich gottseidank darüber hinweg und kann mich sinnvoller beschäftigen.