Vom Wünschen
Vom Wünschen
Das Christkind flog leicht, locker und anmutig, man könnte fast sagen cool über Nürnberg.
Mit einem Kristallzuckerfernrohr guckte es in einzelne Häuser hinein. Sein Auftrag war, alleinstehenden Menschen eine Freude zu bereiten. Am Stadtrand fiel dem Christkind eine einzelne Dame auf, die in einem Sessel saß und las. Das Christkind steckte das Fernrohr in den Klingelbeutel und zog ein messerscharfes Marzipanbrot heraus, legte sich darauf und rauschte ohne Schaden zu hinterlassen mit Schmackes durch die Fensterscheibe.
Die Dame, die sich gerade mit den Definitionen für den Begriff Revolution beschäftigte, sah auf und begriff sofort, dass etwas Unwiederbringliches geschehen war.
Das Christkind sagte, wünsch dir was, bald ist es Weihnachten und ich tue, was in meinen Kräften steht.
Da überlegte die Dame nicht lange und sagte – was mir fehlt ist ein Mann, ein Mann, der „mein Täubchen“ zu mir sagt.
Oh, jammerschade, sagte das Christkind, von der Liebe verstehe ich überhaupt nichts, nur so viel, dass man nicht entscheiden kann, in wen man sich verliebt.
Weißt du, ich lebe nur einen Monat im Jahr und da muss ich arbeiten, bis mir das Kreuz weh tut und dann, nach Weihnachten ist das Leben aus für mich, da werde ich in den Winterschlaf versetzt. Na so was, sagte die Dame, das würde ich mir nicht gefallen lassen, da musst Du Dir eine Revolution einfallen lassen, oder wenigstens eine Revolte, was spricht denn dagegen, dass du die anderen elf Monate auf den Malediven verbringst ? Das Christkind nahm der Dame die Lektüre aus der Hand und fing an zu lesen. Du hast ganz recht, sagte es dann, ich werde mich auflehnen, eine Refolution, dass ist ein Zwischending von Revolution und Reform anzetteln, und einfach streiken.
Aber dieses Jahr, da muss ich noch arbeiten – wie war das ? ein Mann, der „mein Täubchen“ zu dir sagt – mal sehen, was sich machen lässt – dem Christkind ist nichts unmöglich.
Und dann zischte es auf dem scharfen Marzipanbrot wieder raus durchs Fenster.
Die einzelne Dame schaute hinterher – war das jetzt eine Sinnestäuschung oder flatterte wirklich ein kleines rotes Tuch am Flügel ?
Am 27. November 2007 um 10:05 Uhr
Bevor die Refolution ausbricht, wünsch ich mir einen der “mein Liebelein” zu mir sagt.
Am 27. November 2007 um 13:00 Uhr
Liebe Ashoggi,
es war mir eine Freude und ein wirklicher Genuß, diese leise, hintergründige Weihnachtsgeschichte über das Wünschen zu lesen. Danke!
Lifeday
Am 28. November 2007 um 10:02 Uhr
Ja war denn schon Weihnachten?
So, wie es aussieht, hat das Christkind heuer den Dienst schon etwas früher begonnen
Welch ein Glück, dass es in diesem Jahr noch nichts von Revolution oder Reformen im Sinn hat und nur an die Menschen denkt!
Danke Christkind sagt Yentl
Am 3. Dezember 2007 um 20:30 Uhr
Hallo Yenti, und alle anderen,
das Christkind flog über Nürnberg hinweg – es braucht jährlich etwa vier Wochen um seine Arbeit zu machen.
Als “Insider” von Nürnberg kann ich euch sagen, das ist Schwerstarbeit, denn das liebe Nürnberger – Christkind muss sich zuerst durch den internationalen Besucherstrom durcharbeiten um endlch dorthin zu kommen, wo es Wünsche zu erfüllen gibt.
Alle haben Wünsche, Kinder – Jugendliche -Erwachsene – und Alte. Die Wünsche der letzten Gruppe kann es meistens nicht erfüllen, aber diplomatisch wie das Christkind einmal ist, findet es für alles eine Lösung:
nicht: lebt eueren Traum – sondern: träumt euer Leben
Das ist doch auch eine schöne Bescherung ?
das meint nicht das NÜrnberger Christkind, sondern
einfach die wasweiter aus der Budenstadt