Weihnachten 1949
Weihnachten 1949
Mein Vater war kurz vor Weihnachten aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Er kam für einige Zeit nach Bad Pyrmont in eine Klinik. Wir, meine Mutter, mein Bruder und ich befanden uns in der Schweiz in einem Rückwandererheim. Am Heiligen Abend sollte es das erste Wiedersehen geben und zwar am Badischen Bahnhof, direkt hinter dem Basler Bahnhof.
Jahre waren vergangen und wir hatten den Vater ewig nicht gesehen, aber ich erkannte ihn sofort. Wohl ob seiner Größe und weil er eine russische Pelzmütze trug. Das Sichwiederfinden war überwältigend. Wir fanden in Lörrach in einer Bäckerei Unterschlupf. Dort gab es ein Zimmer, was zwei Betten hatte und eine Stube, in der wir sitzen konnten. Wir aßen am Heiligen Abend Schnecken, dieses süße Hefegebäck und waren selig. Zu Trinken gab es glaub ich Tee. Mein Vater hatte Geld bekommen und wollte uns etwas kaufen. Die Bäckersfrau kannte den Schuhgeschäftsmenschen und so bekam ich dann am 1. Feiertag „hohe Schuhe“ alles, was sich von Halbschuhen abhob, trug diesen Namen. Meine hohen Schuhe waren ein Vorläufer des Skischuhs und gelblichbraun. Als auch meine Mutter und mein Bruder etwas geschenkt bekommen hatten, war noch Geld über, dass mein Vater für uns gedacht hatte. Meine Pelzmütze hatte eine Krempe. Die Krempe wurde aufgetrennt, das Geld dahinein getan und dann wieder zugenäht. Die Grenzkontrollen waren damals sehr streng. Die Schuhe zog ich an, da ich sie sonst nicht hätte mitnehmen dürfen. So war ich also zweifach belastet, als es am 2. Feiertag durch die Kontrolle ging. Mit den Schuhen bin ich vorher schon so richtig durch den Dreck gegangen, aber sie fielen trotzdem auf – neu ist eben neu und das war zu dieser Zeit verdächtig. Auf Nachfragen des Beamten erklärte meine Mutter, diese Schuhe hätte meine Cousine geschenkt bekommen, sie hätten ihr nicht gepasst und deshalb hat sie sie mir geschenkt und dann guckte man die Schuhe noch einmal an und ließ uns schließlich gehen.
Mein Herz klopfte mir im Hals und wenn ich zurückdenke, dann war das wohl meine erste Feuerprobe.
Der Abschied vom Vater fiel uns allen schwer, bald danach wussten wir aber, dass wir am l. Mai l950 vereint sein würden und zwar in Hildesheim.
Am 7. Dezember 2007 um 16:45 Uhr
Das Gegenstück dazu – Weihnachten 1945
Der Krieg war vorbei, mein Vater in Russland vermisst und meine Mutter mit uns drei Kindern alleine.
Weihnachten hatten wir so viel wie nichts, nur der geschmückte Baum in der Kirche und nach dem Kindergottesdienst einen Tannenzweig mit einem Stern o.ä.
Lebensmittel waren knapp und so war es für uns Kinder eine grosse Überraschung zu einer Weihnachtsfeier bei den Amerikanern eingeladen zu werden. (ging von der Kirche aus)
Wir konnten unsere Augen nicht von dem riesengrossen Baum wenden, dieser war über und über mit bunten Kugeln und Engelshaar geschmückt, bei uns waren nur ein paar über den Krieg geretteten Kugeln und Lametta, welches jedes Jahr aufgebügelt wurde, am Baum.
Somit hat uns die bunte Pracht im “Künstlerhaus” unwahrscheinlich beeindruckt. Höhepunkt war aber für uns die Bewirtung:
Alle Kinder bekamen heissen Kakao und weiße Brötchen mit Butter und Honig oder Erdnussbutter.
Ein kleines Weihnachtspaket bekamen wir mit nach Hause, darin war Schokolade, Pulverkaffee und gesüsste Kondenzmilch.
Für unsere Mutter war es die erste Tasse “Bohnenkaffee” nach dem Krieg.
So wurde Weihnachte 1945 für uns zum unvergesslichen Erlebnis.
Es war seit vielen Jahren die herrlichste Bescherung.
wasweiter
Am 11. Dezember 2007 um 07:35 Uhr
oh, wasweiter, schön, dass noch ein anderer schreibt – ich habe Dich versucht zu finden, also hier im forum, ist mir aber nicht gelungen. Wie auch immer danke und vielleicht gibt es für den einen oder anderen auch noch ein Weihnachten, was er nicht so schnell vergißt. Für mich war es auch das Weihnachtsfest 1956, was ein ganz besonderes war, vielleicht schreibe ich darüber noch.