Weihnachten 1956
Weihnachten 1956
Im Sommer diesen Jahres erfuhr ich, dass ich mein 4. Kind erwarten würde. Als es weder Ultraschall noch Wehenschreiber gab, bekam man den Termin vorhergesagt und dabei blieb es dann. Der Arzt benutzte dazu eine runde Scheibe, die aussah wie eine CD. Eigentlich waren es zwei Scheiben, denn er drehte daran und las dann ab. Zu mir sagte er, dieses Kind wird am 20. Dezember kommen.
Jede Mutter weiß, wie man dann zu rechnen beginnt. Zu dieser Zeit musste man ins Krankenhaus und zwar für ganze 8-9 Tage. Bettruhe war angesagt. Und man packte zwei Koffer, einen für das Baby. Da musste alles vorhanden sein für diese ganze Zeit, also Hemdchen, Jäckchen, Nabelbinden, Windeln, Zwischentücher und Luren. Das sind diese großen viereckigen – schlecht trocknenden – Tücher, in die die Kinder seinerzeit gewickelt wurden.
Der Koffer für mich enthielt außer Nachthemden und Bademantel auch ein Tintenfass mit Schreibblock und Füller und Bücher. Denn dort im Bett liegend, hatte ich endlich Zeit.
Also diese beiden Koffer standen auf dem Boden. Daneben stand ein Wäschekorb, nicht einer aus Plastik wie heute, sondern ein richtiger großer Weidenkorb, in dem sich die Geschenke befanden.
Alles war vorbereitet, schön eingepackt und mit kleinen Anhängern versehen, auf denen die Namen der zu Beschenkenden standen.
Wie ich schon erwähnte war es mein 4. Kind, die anderen waren vier, zwei und ein Jahr alt.
Am 15. 12. dachte ich, wenn es jetzt losgeht, dann kann ich vielleicht Heilig Abend wieder zuhause sein – aber es ging nicht los. Es ging auch nicht am 16. los und auch nicht am 17.
Wir hatten ein sogenanntes „Weihnachtszimmer“ das abgeschlossen wurde, sobald der Baum stand. Am 23. früh schmückten mein Mann und ich den Baum – mittags war alles fertig.
Da sagte mein Mann, weißt du was, wir feiern heute Abend Heilig Abend. Die Kinder sind so klein und haben keinen Durchblick, Du bist noch zuhause und wer weiß was morgen ist.
Einen kleinen Moment überlegte ich, und dann sagte ich energisch – nein – das geht nicht.
Das kann ich nicht, da müsste ich mich verstellen. Und überhaupt, heute können wir nicht in die Kirche gehen und das gehört doch auch mit dazu.
Mit einer hochschwangeren Frau legt man sich nicht an, deshalb gab mein Mann nach, aber es fiel ihm schwer, denn der Gedanke mit den Kindern am Heilig Abend allein zu sein, war doch zu schrecklich.
Dann kam der Heilige Abend und ich war noch immer zu Hause – glücklich und sehr dankbar –
denn in der Klinik, das wäre nicht auszudenken gewesen.
Am 28. Dezember morgens um 10 wurde ein gesunder Junge geboren, die Hebamme sagte – leicht übertragen – aber das macht nichts.
Am 16. Dezember 2007 um 06:53 Uhr
Weihnachten 1956
Deine Weihnachtsgeschichte hat mich sehr berührt.Die schönsten Geschichten sind doch immer wieder die,die das Leben schreibt.
Danke….Burgell
Am 20. Dezember 2007 um 08:13 Uhr
danke Dir Burgell und ich wünsche Dir schöne Weihnachten und einen guten Rutsch, herzlichst ashoggi
Am 20. Dezember 2007 um 22:39 Uhr
Für mich war Weihnachten 1959 das schönste Fest, das ich bis jetzt erleben durfte. Kurz vorher wurde mein Sohn geboren, ich konnte gar nicht glauben, dass ein Heilig-Abend so schön sein konnte. Obwohl ich im Städt. Klinikum – Frauenklinik entbunden habe, war es fast familiär auf der Station. Die Schwestern brachten mir und meiner Zimmergenossin einen kleinen Weinachtsbaum und einen Teller mit Plätzchen und Lebkuchen. Die Ehemänner durften bis weit nach Mitternacht bei uns bleiben – aber das beste an allem war, wir hatten unser Baby die ganze Zeit bei uns.
Es war wirklich der schönste Heilig-Abend, den ich erlebt habe, auch nach so langer Zeit denke ich immer an das Jahr 1959 zurück. Es war ein Geschenk des Himmels für mich.
Am 22. Dezember 2007 um 23:08 Uhr
Vielen, lieben Dank für diese schöne Geschichte. Ich bin zwar erst 1957 geboren, aber es hat mich sehr angerührt wie es damals war, so mit den 2 Koffern, auch einen für das Baby zu packen. Wundervoll!
Wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest in Liebe u. Frieden.
Liebe Grüße
Seelenengel
Am 23. Dezember 2007 um 08:19 Uhr
ja, so gesehen hast Du sicher recht – nur hatte ich damals eben schon drei kleine Kinder…….. und da wäre es nicht so gut gewesen.
Ich weiß noch, dass an diesem Silvester – also 56 mein Mann mit allen dreien kam. Das Einjährige wollte nur zu mir ins Bett. Der Vierjährige klappte immer diesen Esstisch, den die Nachttische haben auf und zu und die zweijährige rannte pausenlos hin und her, mein Mann hinterher.
Ist es nicht wunderbar, dass wir uns an das alles erinnern können und trotzdem auch heute das Leben noch genießen dürfen ?
Für alle, die hier lesen wunderschöne Weihnachten, mögen wir sie nie vergessen…..
Am 16. Januar 2008 um 22:10 Uhr
Das hat mir sehr gut gefallen. Sehr schön beschrieben. Nur… der Schluß… wie soll ich mich ausdrücken? …hm?…der Schluß kam so plötzlich… so, als ob mir jemand das Buch zuklappt, das ich auf dem Schoß habe und mit freundlichen Augen lese…ich hätte gerne noch weiter gelesen…
grüßt freundlich zwinkernd
Bernd
Am 19. Januar 2008 um 17:57 Uhr
Ein sehr schöner Beitrag.
Ich konnte ihn erst heute lesen.
Deshalb teiele ich Dir jetzt erst mit, das Ende ist nicht ganz richtig.
Der gesunde Junge wurde genau 5 Tage vorher am 23.12 1956 geboren,
nämlich ich.
Grüße an alle Weihnachtsmütter