. : Service und Hilfe

Beitragvon katzenaugen » 15.06.2011, 22:28

wie geht es anderen menschen , die einen nahen angehörigen durch diese krankeit verloren haben, wie kommen andere zurecht mit diesem leid , palliativmedizin und zerstörten hoffnungen und der daraus entstehenden ohnmacht ?
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Beitragvon subtext » 16.06.2011, 9:25

Liebe Katzenaugen,

Ich habe letztes Jahr mein Vater wegen eines Hirntumors verloren. Gesund Krank und Tod innert 3 Monaten. Mein Vater war immer gesundheitsbewusst und hat beispielshaft gelebt. Er war eine Frohnatur. Man konnte mit ihm viel Lachen.

Zusehen zu müssen wie er so schnell und so brutal zu Grunde ging hat mein Selbstverständnis vom Leben tief erschüttert. So schnell kann etwas Wichtiges oder wir selbst wegbrechen. Diese Gedanken sind kaum auszuhalten. Wie war dieser Satz: "ein Leben ohne Drogen ist kaum auszuhalten". Ich versuche es ohne Drogen. Manchmal bin ich ängstlicher dann wieder weniger. Einmal habe ich gelesen mal sollte versuchen abschiedlich zu leben. Sich bewusst zu sein das alles immer das letzte mal sein könnte und es umsomehr wertschätzen und geniessen.

Grüsse
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Beitragvon Solist3 » 16.06.2011, 10:07

Im März waren es zwei Jahre, dass meine Frau an Krebs gestorben ist.
Das Jahr danach war äußerst schwierig, wie das ist, weiß eine/r, die/der das mitgemacht hat.

Ich habe nach Trost gesucht und ihn zum Teil auch gefunden. Es war für mich ein gutes Gefühl,
meiner Frau in ihrem schweren Leiden beizustehen und sie zu pflegen. Ich hatte ein großes Plus: Meine Frau hat ihre Krankheit sehr, sehr tapfer gemeistert. Ich denke, jeder Trauerfall ist individuell.
Aber man sollte sich von Menschen, die einem vertraut sind, helfen lassen und sich interessieren, wie man am Besten durchkommt. Ich war mir klar, dass ich mich nicht ein-igeln sollte und mich nur mit Selbstmitleid befassen. Die Tapferkeit meiner Frau in ihrem Leid hat mir auch im Nachhinein viel geholfen.

Eine gewisse Trauer wird immer bleiben, wenn man jahrzehntelang miteinander gelebt und
miteinander durch Dick und Dünn gegangen ist und Kinder gehabt hat. Aber es bleiben auch schöne (auch wunderbare) Erinnerungen, dafür ist Dankbarkeit angebracht. Gemeinsame Kinder sind in meinen Augen doch die schönste "Hinterlassenschaft".

Ich wünsche jedem Betroffenen viel Kraft und Menschen, die ihn begleiten! Dafür bin ich
sehr dankbar.
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Beitragvon montagabend » 16.06.2011, 12:06

ja nicht nur Krebs, auch andere Krankheiten können grausam sein. Habe seit meiner Jugendzeit immer wieder mit Menschen das Sterben miterlebt. Es ist immer nicht die richtige Zeit, es ist immer traurig. Und doch manchmal eine Erlösung und einen Neuanfang. Auch wir sind irgendwann dran, nur manche wollen das nicht wahrhaben, es gehört zum Leben.

wünsche Allen Trost die gerade in so einer Situation sind.
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Beitragvon Solist3 » 19.06.2011, 11:01

katzenaugen hat geschrieben:wie geht es anderen menschen , die einen nahen angehörigen durch diese krankeit verloren haben, wie kommen andere zurecht mit diesem leid , palliativmedizin und zerstörten hoffnungen und der daraus entstehenden ohnmacht ?



Meine Frau war auch auf Palliativ-Medizin angewiesen. Ich fand diese Palliativ-Station, das
heißt, die PflegerInnen, die dort arbeiteten, etwas vom Großartigsten, das mir im Leben begegnet ist.
Soviel Liebe und Zuwendung von Pflegepersonal habe ich sonst nirgends angetroffen,
obwohl auch andere Pfleger und Krankenschwestern ihr Allerbestes geben. Damit haben sie meiner Frau und damit uns Angehörigen viel Gutes getan und große Erleichterung gebracht. Wir sind dafür unendlich dankbar. Diese PflegerInnen gestalten für die Hinterbliebenen jedes Jahr eine sehr erhebende Gedenkfeier für die Verstorbenen der Palliativ-Station.
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Beitragvon hoffe_noch » 19.06.2011, 11:16

montagabend hat geschrieben:ja nicht nur Krebs, auch andere Krankheiten können grausam sein. Habe seit meiner Jugendzeit immer wieder mit Menschen das Sterben miterlebt. Es ist immer nicht die richtige Zeit, es ist immer traurig. Und doch manchmal eine Erlösung und einen Neuanfang. Auch wir sind irgendwann dran, nur manche wollen das nicht wahrhaben, es gehört zum Leben.

wünsche Allen Trost die gerade in so einer Situation sind.

du hast sicher recht, wenn du sagst, dass sterben zum leben gehört, aber wann ist es die richtige zeit?? eine erlösung und ein neuanfang klingt für mich sehr hart.
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Beitragvon gelika57 » 19.06.2011, 12:37

Solist - da muss ich Dir recht geben - die Palliativ Medizin und die Menschen die dort arbeiten
haben meinen grössten Respekt mein Vater ist vor 2 Jahren an Lungenkrebs in einem Hospiz
verstorben , seine letzten Tage hat man ihm versucht so erträglich wie möglich zu machen - auch wie
man uns Angehörige betreut hat - es war grossartig.

Nicht einmal 6 Monate später war ich auf einer Intensivstation - da mein Mann an plötzl. Herztod
von einem Moment auf den andren verstarb- vorher war er noch 3 Tage an den Maschienen angeschlossen. Auch hier habe ich fantastische Erfahrungen mit den Menschen die dort arbeiteten
gemacht - vor allen Dingen mit dem Oberarzt - der dann mit mir und meinem Sohn gemeinsam die
Geräte abgestellt hat - ich danke heute noch dafür für diese offene Art uns die Wahrheit zu sagen-
sie waren grossartig.
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Beitragvon elisa_ » 20.06.2011, 12:33

hoffe_noch hat geschrieben:
montagabend hat geschrieben:ja nicht nur Krebs, auch andere Krankheiten können grausam sein. Habe seit meiner Jugendzeit immer wieder mit Menschen das Sterben miterlebt. Es ist immer nicht die richtige Zeit, es ist immer traurig. Und doch manchmal eine Erlösung und einen Neuanfang. Auch wir sind irgendwann dran, nur manche wollen das nicht wahrhaben, es gehört zum Leben.

wünsche Allen Trost die gerade in so einer Situation sind.

du hast sicher recht, wenn du sagst, dass sterben zum leben gehört, aber wann ist es die richtige zeit?? eine erlösung und ein neuanfang klingt für mich sehr hart.

Für denjenigen, der von uns geht ist es immer der richtige Zeitpunkt (auch wenn dieses unverständlich erscheint). Schwer ist es fast immer für die Hinterbliebenen - für sie bricht oft eine Welt zusammen.
"montagabend" hat Recht, ohne Sterben gibt es kein Leben - für einen Neuanfang gibt es leider kein Rezept, ich wünsche jeden neuen Mut (die richtigen Worte zu finden ist wie eine Nadel im Heuhaufen) ich schicke einfach mal ein Lächeln und ein wenig Kraft  
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Beitragvon schorses » 20.06.2011, 12:59

Ich habe damals unmittelbar nach dem Tod meiner Frau Krebs/ Lungenembolie eine sehr große Hilfe von der Notärztin und dem Personal des Krankenhauses erlebt, in das meine Frau gebracht werden sollte. Sie starb unterwegs.
Sie haben meine Frau trotz Ihres Todes, es war kurz vor Weihnachten, in einem Einzelzimmer aufgebahrt und haben mir die Möglichkeit gegeben, vollkommen ungestört von Ihr Abschied zu nehmen.
Später habe ich hier im Forum durch jemandem große Unterstützung erfahren, die mir meine Familie die ja selber betroffen waren, so glaube ich nicht hätten geben können.
Jeder plötzlicher Tod, auch wenn jemand schon lange gekämpft hat ist für die Angehörigen schwer,
für meinenTeil waren Aussenstehende die größte Hilfe, trotz dreier Kinder und einer großen Verwandtschaft.
Ein sehr guter Freund von mir starb in einem Hospiz er verbrachte aber nur seine letzten Stunden mit seiner Frau dort
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Beitragvon katzenaugen » 23.06.2011, 21:38

Danke für alle Zuschriften , die das Thema betreffen , ich möchte noch ein finde ich , ganz besonders gutes und hilfreiches Buch "MeineTrauer geht - und du bleibst " ( Autor: Roland Kachler ) weiterempfehlen .Darin sind sehr viele Gedanken und Gefühle (Schuldgefühle) enthalten , die mich zwar zum Weinen brachten , aber mich im Laufe der Zeit auch immer wieder trösteten .Lg. Ingrid
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Beitragvon albatros2006 » 25.06.2011, 0:10

Hallo, Ich habe vor 10 Wochen meinen Mann wegen Darmkrebs mit multiplen Lebermetastasen verloren.
Unser gemeinsamer Kampf dauerte genau zwei Jahre. Er wurde nie operiert und hatte eine palliative Chemotherapie. Einfach um Zeit zu gewinnen. Im letzten Oktober kam er in sehr schlechtem Zustand ins Krankenhaus. Dort war das Pflegepersonal total überlaset. Zum Glück konnte ich einige Nächte bei
ihm im Zimmer übernachten und ihm beistehen. Es war aber katastrophal. Nach zwei Wochen wurde er in die Palliativklinik entlassen. Das war für uns so was wie ein Lottogewinn. Hier hatte man Zeit für den Patienten und auch für die Angehörigen. Mein Mann fühlte sich dort sehr wohl. Obwohl man ihm keine Chance einräumte, hat er sich dort wieder gut erholt und konnte nach zwei Wochen wieder nach Hause entlassen werden. Mitte März ging es dann wieder bergab. Aber er hatte das Glück, gleich wieder auf die Palliativstation zu dürfen. Dort ist er nach vier Wochen gestorben. Es ist für mich eine sehr harte Zeit, aber ich weiß, dass ich ohne die Fürsorge und Hilfe des Personals samt Ärtzen, Hospizmitarbeitern und der Psycho-Onkologin heute nicht in der Lage wäre, wieder zu arbeiten und einigermaßen positiv in die Zukunft zu sehen. Diesen Menschen gehört mein größter Dank für die menschenwürdige Pflege und die liebevolle Unterstützung.
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Beitragvon bennoh » 25.06.2011, 0:37

katzenaugen hat geschrieben:wie geht es anderen menschen , die einen nahen angehörigen durch diese krankeit verloren haben, wie kommen andere zurecht mit diesem leid , palliativmedizin und zerstörten hoffnungen und der daraus entstehenden ohnmacht ?

Wie es anderen Menschen damit geht ? Mit einem Wort - miserabel. Das Leben verlief wie ein lockerer Spaziergang, alles erreichte ich ohne grosse Anstrenugng, vieles viel mir fast von selbst zu. Doch gerade dann, als ich das Glück wirklich brauchte, hatte es mich im Stich gelassen und mir meine Frau nicht gegönnt. Das Leben kann gemein sein und das Glück ein hinterhältiger Schurke.
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Beitragvon katzenaugen » 25.06.2011, 22:33

Hallo , liebe Leidensgefährtin ! Danke für Ihr Schreiben . Bei mir ist es schon eineinhalb Jahre her , daß mein Mann in meinen Armen starb (Metastasen in der Lunge aufgrund eines Kehlkopf CA ) , aber obwohl wir keine gute Ehe geführt haben , kann ich sein schreckliches Sterben nur sehr schwer verwinden . Trost konnte ich nur in meinem Sohn und dem Wiedereintritt in meine Arbeitswelt finden .Vielleicht besorgen Sie sich das Buch von Roland Kachler (deutscher Autor ) "Die Trauer geht - Du bleibst " . Der Autor hat selbst einen nahen Angehörigen verloren , fast alles in dem Buch ist wahrlich aus der Seele geschrieben . Ich wünsche Ihnen viel Kraft , Ihren Trauerweg , der jetzt erst beginnt , gut bewältigen zu können . Hoffentlich haben Sie noch Familienangehölrige , die Ihnen gut beistehen können . Liebe Grüße Ingrid
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Beitragvon albatros2006 » 26.06.2011, 22:46

Hallo, liebe Katzenaugen,

ich danke Ihnen für die guten Wünsche. Mein Mann und ich haben eine wohl ganz gute Ehe mit all ihren Höhen und Tiefen geführt. In den beiden Jahren während seiner schlimmen Krankheit waren für uns die ersten neun Monate extrem schlimm. Obwohl wir beide die Diagnose kannten, brauchten wir so lange, bis wir über das Sterben oder den Tod sprechen konnten. Mein Mann hatte aber doch noch das Glück, ungeklärte Dinge abzuklären und sich von seinen Liebsten und Freunden zu verabschieden. Während der letzten vier Wochen in der Palliativklinik sind wir beide sehr viel gelassener geworden. Auch wir haben miteinander abgeschlossen. Ein guter Freund hat mir das Buch "Einen geliebten Menschen verlieren" (Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer) von Doris Wolf, geschenkt. Wenn sie über die Phasen der Trauer wie Wut, Schuld, Angst, Einsamkeit schreibt, habe ich immer das Gefühl, dies zum großen Teil schon vor dem Tod meines Mannes erlebt zu haben. So schlimm sich das anhört, aber vielleicht war es mein Glück, daß ich mich so lange auf diese Situation einstellen konnte. Ich war während der ganzen Zeit und auch jetzt vollzeit berufstätig, habe drei erwachsene Kinder, auf die ich sehr stolz bin und zwei Enkelkinder, die vier Wochen vor bzw. drei Tage nach dem Todestag zur Welt kamen. Ich habe seinen Tod angenommen, weiß, dass ich alles getan habe, was ich für ihn tun konnte und jetzt muß ich dafür sorgen, daß mein Leben einigermaßen gut weiter geht. -das hab ich meinem Mann versprochen.

liebe Grüße
albatros2006
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Beitragvon katzenaugen » 27.06.2011, 22:12

albatros2006 hat geschrieben:Hallo, liebe Katzenaugen,

ich danke Ihnen für die guten Wünsche. Mein Mann und ich haben eine wohl ganz gute Ehe mit all ihren Höhen und Tiefen geführt. In den beiden Jahren während seiner schlimmen Krankheit waren für uns die ersten neun Monate extrem schlimm. Obwohl wir beide die Diagnose kannten, brauchten wir so lange, bis wir über das Sterben oder den Tod sprechen konnten. Mein Mann hatte aber doch noch das Glück, ungeklärte Dinge abzuklären und sich von seinen Liebsten und Freunden zu verabschieden. Während der letzten vier Wochen in der Palliativklinik sind wir beide sehr viel gelassener geworden. Auch wir haben miteinander abgeschlossen. Ein guter Freund hat mir das Buch "Einen geliebten Menschen verlieren" (Vom schmerzlichen Umgang mit der Trauer) von Doris Wolf, geschenkt. Wenn sie über die Phasen der Trauer wie Wut, Schuld, Angst, Einsamkeit schreibt, habe ich immer das Gefühl, dies zum großen Teil schon vor dem Tod meines Mannes erlebt zu haben. So schlimm sich das anhört, aber vielleicht war es mein Glück, daß ich mich so lange auf diese Situation einstellen konnte. Ich war während der ganzen Zeit und auch jetzt vollzeit berufstätig, habe drei erwachsene Kinder, auf die ich sehr stolz bin und zwei Enkelkinder, die vier Wochen vor bzw. drei Tage nach dem Todestag zur Welt kamen. Ich habe seinen Tod angenommen, weiß, dass ich alles getan habe, was ich für ihn tun konnte und jetzt muß ich dafür sorgen, daß mein Leben einigermaßen gut weiter geht. -das hab ich meinem Mann versprochen.

liebe Grüße
albatros2006

Danke , Sie können stolz auf sich sein , obwohl Sie wahrscheinlich darauf nicht viel Wert legen . Lg. Ingrid
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