. : Service und Hilfe

Ausgegraben...

8 Beiträge
Forum der Regionalgruppe München

Moderator: harry_cb31

Beitragvon Doosie » 17.10.2010, 21:51

Ausgegraben …….

HUMOR - KRITIK - WEISHEITEN

"Was immer einer denk und tu,
das traut er auch dem andern zu!"


Zur Entspannung stöbere ich schon mal gerne in "alten Sachen" und auch beim
Hugendubel - da kann man auch meistens fündig werden.
Z.Zt. hat's mir der bekannte Münchner Dichter Eugen Roth 1895-1976 angetan :)
Die humoristische und doch kritische Lyrik von Eugen Roth ist ein
Markenzeichen.
Ob Alltagsfrust, Seelenschmerz oder Entscheidungsnot - manchmal bedarf
es viel Eloquenz und Humor für den zwischenmenschlichen Drahtseilakt.
Eugen Roths heitere Verse liefern das passende Wort in allen Lebenslagen.
Seine sanfte Ironie lässt uns über die eigenen Sorgen und Fehler lachen.
Avatar
Doosie
 
Beiträge: 1825

Beitragvon Doosie » 17.10.2010, 21:57

[center]Männer


So unnütz wie Unkraut, wie Fliegen und Mücken,
so lästig wie Kopfweh und Ziehen im Rücken,
so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann,
das ist der Halbmensch, sein Name ist Mann.

Er steht nur im Weg rum, zu nichts zu gebrauchen,
ist immer am Meckern und immer am Fauchen,
er ist auf der Erde, ich sag's ohne Hohn,
vom Herrgott die größte Fehlkonstruktion.

Stolziert durch die Gegend wie ein Hahn auf dem Mist,
und merkt dabei gar nicht, wie dusslig er ist.
Ein Mann ist ganz brauchbar, solang er noch ledig,
da ist er oft schlank und meistens athletisch,
da ist er voll Liebe und voller Elan,
kaum ist er verheiratet, wird nichts mehr getan.

Mit Gold und Brillianten wollt' er dich beglücken,
das kriegt heut' die Freundin hinter dem Rücken
und du kriegst nur noch wenn er daran denkt,
zum Geburtstag einen Schnellkochtopf geschenkt.

Als Jüngling wollt er dich immer lieben und küssen,
als Ehemann will er davon nichts mehr wissen.
Verlangst du dein Recht, dann wird er gemein,
er gibt dir's Gebiss und sagt "Küss dich allein".
***************************************************
Ich bring dich zurück Bild zum "starken Geschlecht"[/center]
Avatar
Doosie
 
Beiträge: 1825

Beitragvon harry_cb31 » 18.10.2010, 20:42

@Doosie, warum haut ihr nur immer auf die Minderheit im Forum ein :?: :o Ich will sofort die Gleichstellungsbeauftragte des Münchener Forums sprechen :!: :lol:
Avatar
harry_cb31
Moderator
 
Beiträge: 6711

Beitragvon Doosie » 18.10.2010, 22:10

Ach Harry :roll:
WIR hauen doch nicht auf die Männer - wo denkst Du hin :?:
:arrow: DAS sagte doch "Eugen Roth", und zu seiner Zeit war die "Gleich-
berechtigung" noch in der "Pubertät".
Also, DER MANN muss es doch gewußt haben - wohl aus eigener
Erfahrung :!: :lol:
Avatar
Doosie
 
Beiträge: 1825

Beitragvon harry_cb31 » 18.10.2010, 22:19

Ja, Eugen Roth hat auch noch andere schöne Sachen geschrieben.

Ich kenne zwar kein ganzes Buch von ihm, aber einige seiner Gedichte schon,
die woanders drin standen.
Avatar
harry_cb31
Moderator
 
Beiträge: 6711

Beitragvon Doosie » 19.10.2010, 20:34


.... damals in den 50ern, als alles begann
:roll:

Wer's vielleicht selbst erlebt hat, weiss, dass in den 50-er Jahren der
Tourismus nach dem Süden, nach "Bella Italia" begann.... und sich eine
Auto- und Schnauferlkarawane über den Brenner nach Italien schlängelte.
Es gab auch viele Filme, die man heute als Zeitdokument ansehen könnte.

Und auch Eugen Roth hat seine damaligen Eindrücke im bairischen
Dialekt (halb-Dialekt) niedergeschrieben, über die ich mich köstlich
amüsiert habe, die aber in jedem Fall treffend sind/waren.



[center]Ein Münchner in Italien

Ganz anders - und bedeutend schlichter
Als unser großer deutscher Dichter,
erzählt von seiner Süden-Reis
der Münchner Xaver Habergeis:
"An Viechszorn auf mi selber hab i
Natürli, i muass aa da abi!
Des hoaßt - i net! I kunnt mi halten.
Es war bloß wegen meiner Alten.
Die hört net auf mit dem Gebenz,
sie muaß nach Rom und nach Florenz!
Warum? Bloß weil sie si‘ so gift‘,
wenn"s ihre g"schupftn Henna trifft,
Die fanga glei mit dem Geschwärm o‘,
"wir war‘n heuer i!"
D"ganz Welt ist ja jetzt narrisch wor"n:
Da sag"n s‘, es lang net hint und vorn,
und fahr"n, oft lei samt de Familien
Per Schub, wenn"s sei muaß, bis Sizilien.
I hätt"s aa billig hab"n könna -
Naa, sag i, wenn ma"s uns scho gönna,
na mach"n ma"s richti, des is klar:
Entweder spar i oder fahr!
Und wenn i fahr, na net wie"s Viech,
Dass i auf"n Transport nix siech
Und passen muß auf die Hanswurschten,
Die lasserten oan glatt verdurschten,
Weil"s ein‘ wie Gfangene begleiten
Zu ihre Sehenswürdigkeiten …..
"s is mühsam gnua -i will mi schona. -
Sie hat glei fahrn wolln bis Verona
Und hat mir hing"macht so a Fotzn,
Wie i hab g"sagtz, mir bleib"n in Bozen.
Da is"s no deutsch, bei die Tiroler,
Für"n Anfang waar mir da viel wohler,
na hanteln mir uns weiter nachher
schön langsam zu die Katzlmacher!
Sie sagt: "I laß mi na dablecken,
du bleiberst scho in Bozen stecken
und i hätt mein Italien gsehgn."
No sag i, also, meinetwegn!

So um a viere war"n ma dort.
Verstanden hamma net a Wort.
Wie des no wird, war i im Zweifel.
Sie is glei wie a Schachterlteifel
Losgfahrn und umanandag"wetzt -
I hab mi ins Kaffehaus g"setzt.
"no, den Can grande und d"Arena,
Sagt"s, hätttst dir schließli anschaugn kenna!"
Geh, sag i, mach koa solches G"schroa,
Du moan i, schaugst ja so für zwoa!

Na san mir nach Venedig g"fahrn,
Des kenn i schon von frühern Jahrn.
Des is aa mehr für junge Leut,
Wo"s Umeinanderlaufen g"freut
Und"s Schifferlfahrn und"s Täuberlfüttern.-
Jetzt kann"s mi nimma so erschüttern.
Die Gondoliere hamm uns g"schlenkt,
Bis dass s"di drin haben in dem Schlag.
Na fahrns‘ die‘ rum an halben Tag,
Wo d"gar net hinwillst, nach Murano,
Und dappert zahln derfst di na"aa no!
Zum Glück hab i - wer derf des hoffn? -
Du kennst"n scho, an Pauli, troffn.
Der war aa drunten mit der Sein‘.
Jetzt warn mir fast schon a Verein.
"Du!" sagt er, "Is"s dir aa so fad?"
Des muß ma tragen halt geduldig,
des samma unsrer Bildung schuldig!
Na hamma glei - ah, i hab g"flucht -
Den Dings, den Colleioni, g"sucht
Zwoa Stunden fast bei dera Hitz"n,
Und richti sehgn ma"n drob"n sitzen,
Den Mondstrum Lackl auf sein Roß.
Er ist recht schön - do‘ sag i bloß,
Der Kurfürst Max, bei uns, der erscht,
des is fei aa a schöner Ferscht!
So san mir, mir verruckten Hund:
Den suachat neamd - koa Viertelstund!

Am Lido, ja, da hätt"s uns paßt,
da siecht man Madln, nackert fast,
Doch des hat net lang dauert, leider,
Hat sie schon g"mammst: "Geh, fahrn ma
Weiter!"
Da hamms‘ ihr g"raten des Ravenna-
So was muass doch der Mensch net kenna!
A solchene Basilika
Wie dort hamm mir in München aa!
Und die Moskitos, laß dir sagen,
I hab"s glei dutzendweis derschlagen -
Und heut no juckt"s mi überall. -
Florenz, des war schon mehr mei Fall!
Da hamm"s, auf des hätt ich net denkt,
A Münchner Bier vom Faß ausg"schenkt.
Anstrengend is"s sonst freili g‘wesen:
Sie hat all"s aus ihr"m Büchl g"lesen.
Auslassen hat"s partout nix woll"n.
A jede Mauer hätt"s mir zeigt. -
Bei de Uffizien hat i g"streikt.
Naa, sag i, des kannst net verlangen!
I bin in d"Pinakothek net gangen,
Wie"s gstanden is‘ vor meiner Nasen,
Und da sollt i jetzt Bilder grasen?

Mei, die hat"s umanandertriebn!
Auf d"Nacht hat"s Ansichtskarten g"schriebn,
Glei ganze Pack, daß d"Leut erfahrn,m
Dass mir aa in Italien warn.
Nach Rom hat"s müssen, selbstverständlich.
I hob no‘ oamal nachgeb"n endlich,
Und, Ehr sag i, wem Ehr gebührt:
Rom is a Stadt, wo si was rührt.
Bloß, mit"n Essen, da war"s aus.
All"s braten"s in Salatöl raus,
Gmüs könnens"überhaupt keins kochen,
da wirst fei g"mütskrank, nach drei Wolchen!
Und für die nächsten zehn Jahr hätt i
Jetzt wieder gnua von de Spaghetti.
Bist in deer fremden Sprach net g"wandt,
Hockst scho so hilflos umanand.
Und mit de Lire mußt fei nachher
Aufpassen wie a Haftelmacher.
Schnell hamms‘ an Haufen Schein hingschmissen
Und bis d"di umschaugst, bist scho b"schissen!
Natürli bist da du der Dümmer`-
Deutsch können"s plötzli‘ alle nimmer!

No, kurz und gut - jetzt hab i"s satt,
sag i zu ihr, dei‘ ewige Stadt.
An Papst derfst anschaun no‘, mein"twegn,
Na"hau i ab, des wirst jetzt sehgn!

Sie hat sich noch verlegt aufs Betteln,
Doch i hab b"sorgt die Billettln,
Hoam hat"s mi so gewaltig zog"n,
Daß i"s riskiert hab: mia san g"flogn!
Sündteuer war"s - i will nix sag"n
Denn i hab"s wenigstens vertragn,
Mit Hilf von viele Kognakschluckerl,
Gsehgn hat i net viel aus mei"m Guckerl.
Bei meiner Frau war"s Geld verlor"n,
denn der is glei speiübel wor"n.
No, überstanden hat sie"s ja -
Und jetzt: jetzt samma wieder da!
****************************[/center]

[center]P.S. :roll: ... ist zwar ein bißl lang, rentiert sich aber doch zu lesen :lol: [/center]
Avatar
Doosie
 
Beiträge: 1825

Beitragvon Birgit62 » 28.10.2010, 13:48

Hallo Doosie,

Das gefällt mir mal wieder habe ordentlich mal was zum schmunzeln.

Lg Birgit
Avatar
Birgit62
 
Beiträge: 1032

Beitragvon Doosie » 11.11.2010, 1:02

Beim Druchforsten "alter Scans" habe ich eine handgeschriebene Seite
meiner Mutter von 1951 gefunden - als Nachruf zum Ableben meiner Oma.


Ein Gedicht von Hermann Hesse - tiefsinnig und wahr!

[center]" Im Nebel - Leben ist einsam sein ..."[/center]
Dateianhänge sehen Sie nur als registriertes Mitglied im 50plus-Treff.
Avatar
Doosie
 
Beiträge: 1825


Zurück zu München