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Forum der Regionalgruppe Regensburg

Moderator: einatmenausatmen

Beitragvon FagusW » 29.11.2011, 23:37

November

Anfangs sind die Tage noch sonnig, aber in den Nächten bildet sich grauer Nebel, der alles in feuchte, kühle Watte packt und es dauert immer länger, bis die Sonne den Dunst auflöst. Und es kommt der Tag, wo sie das gar nicht mehr schafft, und der Nebel bleibt vom Morgen bis zum Abend und alles ist trüb und feucht und still.

Auch werden die Tage immer noch kürzer, und der Baum wird immer schläfriger. Doch da ist dieser Unruhegeist in seiner Wurzelhöhle, und es mag sich gar kein winterlicher Frieden einstellen. Manchmal überlegt der Baum, ob seinesgleichen wohl auch an Hektik eingehen könnte. Wehmütig denkt er an die Wieselmutter und ihr Kind.

Eines Tages ist sie tatsächlich da. Zurückgekehrt von einer langen Reise, die sie bis an den Rand des Hohen Gebirges, aber nicht darüber brachte. Wo der reißende Fluss das Gebirge verlässt, hat sie ein altes Wieselpaar kennen gelernt, das sie und ihren Sohn gastlich aufnahm. Und das hat sie gewarnt vor der Kletterei über die Pässe, die Kälte, die Schneegefahr selbst im Sommer und lange Strecken von steinigem Geröll ohne Nahrung. Und auf der anderen Seite sei auch nicht alles eitel Sonnenschein, und gerade die Wieselmänner arge Schwerenöter.

Oft und lange haben sie sich unterhalten, und ihren Gastgebern, einem alten Suchenden mit seiner Sterndeuterin, hat sie ihre ganze Geschichte erzählt. Und obwohl (oder vielleicht auch: gerade weil) die ihr gar nicht so viele weise Ratschläge erteilt haben, ist in ihr der Wunsch gereift, mit ihrem Kind zurückzukehren und reinen Tisch zu machen und die Flucht zu beenden. Irgendwann im Herbst schließlich sind sie aufgebrochen und hier stehen sie nun vor der Baumhöhle, und die scheint besetzt.

Es riecht nach Wiesel, und es riecht bekannt, und sie überlegt nicht lange, bevor sie rein schaut. Gleich danach ist sie wieder draußen und hinter ihr drein kommt ein Wieselmann mit einer vor Wut verzerrten Fratze von Gesicht, der sie angreift und nicht nur zu vertreiben versucht, sondern auch zu töten.

Sie erkennt ihn wieder, und allein das reicht, dass sie sich entschlossen zur Wehr setzt. Sie pariert seinen Angriff und attackiert ihn heftig. Doch ist sie ihm an Kampfeserfahrung wie auch an Körperstärke unterlegen, auch wenn sie besser trainiert scheint. Aber ihr Gegner kennt jeden faulen Trick und schon hat er ihr ein paar Wunden zugefügt.

Aber da ist auch der Wieseljunge, er ist bald ausgewachsen, bei Kräften und ausdauernd. Auch wenn er kein ausgebildeter Kämpfer ist, so sieht er doch, dass seine Mutter sich einen Kampf auf Leben und Tod liefert mit einem ihm Unbekannten, und das reicht aus, dass er ihr zu Hilfe kommt und in die Auseinandersetzung eingreift. Es ist ein Kampf, wie ihn der Baum noch nie in seiner Nähe erlebt hat, und auf Jahre hinaus erzählten die Tiere, man habe die Schreie und das Kreischen bis zum Fluss gehört. Alle Tiere in der Nachbarschaft halten inne und schauen dem Gemetzel zu.

Der Unbekannte kämpft verbissen und grausam, doch nach einiger Zeit lassen seine Kräfte nach. Beide Gegner haben ihm kräftige Bisswunden zugefügt, und als die Wieselfrau mit ihren Zähnen in bedrohliche Nähe seiner empfindlichen Stelle am Hals kommt, da gibt er endlich auf, versucht sie abzuschütteln und rennt davon, in Richtung zum Fluss. Aber beide Gegner hängen an ihm wie die Kletten, und erst als es klar ist, dass er keine Gegenwehr mehr leistet und nur noch fort will, lassen sie von ihm ab.

Erschöpft kehren sie zum Höhleneingang an den Baumwurzeln zurück, lecken sich ihre Wunden und versuchen, zur Ruhe zu kommen. Ganz verwirrt ist der Junge, denn er hat nur gesehen, dass seine Mutter mit dem jetzigen Bewohner der Höhle seiner Kindheit sich einen erbitterten Kampf geliefert hat, dessen Heftigkeit nicht zu einer normalen Rauferei um den besten Wohnplatz passt. Und er schaut seine Mutter ängstlich an, er traut sich nicht richtig fragen, denn er spürt, dass hier ein Hass wirkt, der über seine Lebensspanne hinausgeht.

Sie fährt ihm zärtlich und dankbar über das Fell und leckt ausgiebig seine Wunden. Sie merkt, dass er vollkommen durcheinander ist. Nein, sie kann ihm nicht die Geschichte erzählen, nicht jetzt, aber sie spürt, dass er zumindest den Ansatz einer Erklärung braucht. Also sagt sie den Satz, der ihr am nächsten liegt, für ihn aber das Rätsel nicht eben leichter macht:
„Das war Dein Vater“ murmelt sie.
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Beitragvon FagusW » 06.12.2011, 23:51

Dezember

Immer noch kürzer werden die Tage, es wird immer noch kälter und eines Morgens liegt der erste Schnee. Der Baum wird sehr schläfrig und auch das vertraute Gefühl mit der alten neuen Mieterin wirkt beruhigend und einlullend. Aber er will erst noch die Reste der Geschichte hören, die das Wiesel und der Alte Dachs sich erzählen.

„Er ist wieder zurück zum Flussufer“, sagte der Alte Dachs. „Sie lassen ihn nicht mehr raus, denn mit der Eichhörnchengeschichte hat er die gesamte Sippschaft in Verruf gebracht. Aber sie tun ihm auch nichts – Goldener Käfig, und er kann ja auch nichts dafür, sagen sie, weil er verrückt sei.“

„Das fällt ihnen reichlich spät ein“ murmelte die Wieselin erbittert. „Vergewaltigt hat er mich, grad vor der Hochzeit mit seinem eigenen Bruder. Und keiner hat sich getraut, auch nur ein Wort zu ihm zu sagen, weil sie alle Angst gehabt haben vor ihm. Ja, ich war die Traumprinzessin, aber es hat sich sehr schnell ausgeträumt gehabt. Keiner hat zu mir halten wollen, auch meine Bauernsippe nicht, und so musste ich einfach weg.“

„Deine Sippschaft hat schnell erkannt, was los war“, entgegnete der Dachs. „Aber Du warst bereits unauffindbar. Sie haben sich losgesagt und wollen mit den Waldtieren nichts mehr zu tun haben. Dafür haben sich die Uferwiesel an die Marder gewandt und Dich suchen lassen, um den Plan doch noch durchzusetzen. Gut, dass sie Dich nicht gefunden haben.“

„Dafür ist der Verrückte frei rumgelaufen und hat alle Eichhörnchen geschnappt, eines nach dem anderen, und die elternlosen Familien sind dann von den Mardern ‚aufgeräumt’ worden“, schimpfte das Wiesel. „Na, zumindest konnten sie keine Eichelernte einfahren und es wird kein Eichelfasten geben im nächsten Frühjahr – vielleicht werden sie dann wieder normal.“

„Das hoffe ich“ stimmte der Dachs ein. „das ist der Zeitpunkt, wo ich sie packen und die Priorin rausschmeißen kann. Im Frühjahr wird alles anders.“ Sein Ton war sehr kraftvoll und zupackend.

An dieser Stelle räusperte sich der Baum vernehmlich, und riss sich noch einmal aus seinem Dösen. „Soso – im Frühjahr wird alles anders“ wiederholte er mit äffender Stimme, „hatten der Herr nicht Selbiges für diesen Herbst geplant, und dann die günstige Gelegenheit einfach verstreichen lassen?“

„Die Gelegenheit war nicht günstig“, murrte der Dachs, „das verstehst Du nicht.“ Aber das Wiesel bemerkte sehr genau, dass die Kritik getroffen hatte. „Gut – im Frühjahr“ sagte sie. „Aber dann gibt es keinen Aufschub mehr. Ich bin extra zurückgekehrt, um hier aufzuräumen und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Mein Kind soll in seiner angestammten Heimat aufwachsen, wo er hingehört. Und das wird er.“ Sie kicherte zuversichtlich.

„Ist gut“, gähnte der Dachs. „Aber ich gehöre zu den Winterschläfern und als solcher längst in mein Lager. „Zum Frühlingsvollmond sehen wir uns wieder.“

„Unser Freund, der Baum, verfällt auch schon dem Schlummer“, sagte sie. „Ich wünsche einen gesegneten und ungestörten Winterschlaf.“

„Danke“, erwiderte der Dachs beim Hinauskrabbeln. „Aber es heißt, die Biber wollen ihre Pläne doch nicht aufgeben. Ich fürchte, unser Freund“ und damit blinzelte er nach oben zum Baumstamm „wird auch in diesem Winter sehr unruhige Träume haben.“
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Beitragvon FagusW » 31.12.2011, 17:20

Zwischen den Jahren

Die langen Nächte nach der Wintersonnwende sind etwas Besonderes im Wald. Fast alles schläft oder scheint zu schlafen, und doch treffen sich die Tiere und feiern gemeinsam ein Fest oder auch mehrere Feste, und es gibt reichlich zu essen und zu trinken, obwohl niemand aufgefressen wird. Die Pflanzen sind nackt und verborgen wie im Winter üblich, und doch geht von einigen ein seltsamer Glanz aus, und manche scheinen sogar zu blühen.

Viele schlaue Leser am anderen Ende der Internetleitung werden nun vielleicht behaupten, das sei nur eine erfundene Geschichte und bestenfalls geträumt, und der Schreiber dieser Zeilen wird vielleicht auch zustimmend nicken – und trotzdem: wer jemals dabei war, wird bestätigen, dass dieser Traum ein echtes Erlebnis ist, und man kann sich zwicken wie man will; man wacht nicht auf.

Auch die Wieselmutter mit ihrem Sohn nahm am Waldfest westlich des Flusses teil – da hatte sie ihre Ruhe vor den anderen Wieseln, und auch Marder kamen eher spärlich, weil ihnen zu viele von den Braven Basen anwesend waren, und sie bei der GGG verpflichtet waren. Umso mehr war es ein fröhliches Fest, man traf Bekannte, Verwandte und auch manche Fremde, von denen man nicht unbedingt wusste, wie sie es um diese Jahreszeit hierher geschafft hatten.

Das Wiesel hat sich wieder in seinen eleganten Hermelinpelz geworfen, und mancher bewundernde Blick fällt ihm zu. Am Fuß des Nachbarbaumes aber sitzt ein marderartiges Tier mit einem unerhört samtig-seidenen schwarzbraunen Fell, und wachen klugen Augen. Neben ihm sitzt eine Art Katze, nur undeutlich getigert und in eher schlichtem Braungrau, Pinselohren und allein seine Art zu Liegen strahlt Vornehmheit aus. Mit einem Kopfnicken lädt das dunkle Tier die beiden Wiesel an seine Seite ein.

„Ich grüße die weit gewanderte Prinzessin und ihren Sohn“, beginnt sie. „Und ich freue mich, Dich und Deinen Sohn zu treffen.“

„Danke für den Gruß und herzlich willkommen im Wald“, erwidert das Wiesel. „Noch nie habe ich ein Tier wie Dich gesehen, und das gilt auch für Deine Begleitung. Darf ich fragen, mit wem ich es zu tun habe?“

„Ich bin die Zobel-Zauberin vom Zedernwald“, antwortet die Fremde, und blickt aus ihren dunklen Augen tief in die Gesichter ihrer beiden Gegenüber. „Aus dem Land der Endlosen Sehnsucht komme ich, und das ist mehr als weit, weit weg. Doch kein Weg ist zu weit in dieser Nacht und so bin ich hier, um bei Euch zu sein, denn die Liebe selber hat mich geführt.“

„Du machst mich verlegen - Du kennst mich und meine Geschichte, und kommst von weit her? Wer ist Dein Begleiter?“

„Was Deine Geschichte betrifft – einige kennen sie, und Du würdest Dich wundern, wo sie überall erzählt wird. Und meine Begleiterin“ damit knufft die Fremde ihre Katze, so dass diese zwinkert und die Augen öffnet „ist das seltenste Tier auf der ganzen Welt: die Taigalöwin, die einzige ihrer Art.“

Da reckt und streckt sich das Tier und erhebt sich kurz auf ihre Pfoten. Ja, das ist keine gewöhnliche Waldkatze, und auch kein normaler Luchs oder Puma. Dieses Geschöpf ist wirklich einzigartig. Es wirft einen freundlichen Blick auf die Wiesel, murmelt einen Gruß und rollt sich wieder zusammen.

„Sehr gesprächig ist sie nicht“ erklärt das Zobel entschuldigend, „aber sie mag Euch, und vielleicht erzählt sie ja auch mal was. – Wie geht es unserem Prinz?“ fragt sie, zu dem Jungen gewandt.

Er stottert verlegen, denn niemand nennt ihn sonst einen Prinzen, und seine Mutter antwortet gleich für ihn: „Der letzte Prinz in dieser Familie war mehr als ein Versager, und seine einzige Leistung besteht darin, dass er einen prächtigen Sohn hat, wenn er sich auch darum nicht gerade gekümmert hat. Aber uns geht es gut, danke.“

„Du hast recht, die Prinzenrolle ist nicht wichtig“, stimmt das Zobel bei. „In der Liebe schon gar nicht. Es lohnt sich, die Augen offen zu halten und selbst Frösche nicht zu missachten.“

Die Taigalöwin hebt den Kopf und gähnt. „Liebe ist, wenn man einen Frosch vor sich hat und plötzlich begreift, dass man keinen Anderen mehr möchte“ sagt sie leise.
„So ist das und nicht anders.“

„Keinen anderen mehr möchte“ wiederholt das Wiesel leise.
„Ihr schafft es, dass ich Sehnsucht nach meinem Frosch bekomme“, sagt sie und lächelt.
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Beitragvon Freysine » 31.12.2011, 18:05

Hallo Walter,
... das Märchen vom Baum und vom Wiesel - so fantasievoll - so einfühlsam ge/beschrieben - jede einzelne Geschichte ein Fest für die Sinne..!
Danke !
Ich wünsch mir/dir/uns für das Jahr 2012 , dass der Baum und die Bewohner des Waldes - alle Turbulenzen gut überstehen, und dass Du - der Erfinder dieses Märchens - weiterhin - "so kreativ" schreiben kannst! :wink:
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Beitragvon einatmenausatmen » 03.01.2012, 1:05

Ja, lieber Fagus
das wünsch ich uns allen, daß Du Deine wunderbaren Geschichten hier schreibst.
Vielen Dank!
Dir ein erfülltes, gesundes 2012, mit vielen glücklichen Momenten u. Inspirationen.
was heute zu tun ist : einatmen -ausatmen -

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Beitragvon toska5 » 05.01.2012, 22:33

Liebe ist, wenn man einen Frosch vor sich hat und ihn trotzdem küsst.
Ein sehr gelungenes letztes Kapitel einer fantastisch-eigenwilligen wahren Waldgeschichte, Fagus. Vielen Dank!
Kein Weg ist zu weit, keine Zeit ist zu lang, Zedern sind unerschütterlich und Traubenkirschen kaum zu brechen.
Und bevor es zu spät wird, wünsche ich allen ein gesundes neues Jahr.
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Beitragvon Freysine » 05.04.2012, 13:18

Freysine hat geschrieben:Hallo Walter,
... das Märchen vom Baum und vom Wiesel - so fantasievoll - so einfühlsam ge/beschrieben - jede einzelne Geschichte ein Fest für die Sinne..!
Danke !
Ich wünsch mir/dir/uns für das Jahr 2012 , dass der Baum und die Bewohner des Waldes - alle Turbulenzen gut überstehen, und dass Du - der Erfinder dieses Märchens - weiterhin - "so kreativ" schreiben kannst! :wink:


Ich vermisse sie - deine Fortsetzung - haben der Baum und seine Mitbewohner den Winter gut überstanden? :) :wink:

LG Freysine
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Beitragvon alisch » 08.05.2012, 23:07

Freysine hat geschrieben:
Freysine hat geschrieben:Hallo Walter,
... das Märchen vom Baum und vom Wiesel - so fantasievoll - so einfühlsam ge/beschrieben - jede einzelne Geschichte ein Fest für die Sinne..!
Danke !
Ich wünsch mir/dir/uns für das Jahr 2012 , dass der Baum und die Bewohner des Waldes - alle Turbulenzen gut überstehen, und dass Du - der Erfinder dieses Märchens - weiterhin - "so kreativ" schreiben kannst! :wink:


Ich vermisse sie - deine Fortsetzung - haben der Baum und seine Mitbewohner den Winter gut überstanden? :) :wink:

LG Freysine



Hallo @Fagus- Walter Abi,

Du hast schon langer hier keine Baumgeschichten mehr geschireben :roll:

Schau her was ich bei unseren Kl - Maiwanderung am Drachenfels Naturschutzgebiet endeckt habe :idea:

Kannst Du darauf eine Erklärung - eine Baumgeschichte geben Bitte?

Viele Grüße
von
Alisch
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Beitragvon FagusW » 11.05.2012, 16:23

Liebe Alisch Abla, Freysine und alle Anderen,

danke für Eure Rückmeldungen.
Der Baum hat heuer, allen Klimaprognosen zum Trotz, eine lange Winterruhe gemacht, und die Spätfröste haben ihm Recht gegeben. Jetzt aber wird im Eilschritt das Frühjahr durchlaufen, und der Sommer kündigt sich an - es ist furchtbar schwül heute, aber draußen bauen sich die angekündigten Wolken gerade auf. Bald ist wieder Hochzeit für die Bäume.

Das Wiesel ist wieder auf der Reise. Es hat sich zur Taigalöwin aufgemacht, um die in ihrem Kummer zu trösten. Der Baum trägt den Vögeln immer auf, schöne Grüße auszurichten und er hofft, dass es bei dem Sommerwetter wieder aufwärts geht.

Ja, und nun der Baum am Drachenfels ... das ist schon verrückt, solche Bilder sah ich noch nie.
Vielen Dank, Alisch.

Der Baum, der den Felsen berührt ... und sich an ihn lehnt und dort in die Breite wächst, als ob er Arme bekommen wolle ...

jetzt hat dieser Antwort-Editor meinen halben Text gefressen,
jetzt bin ich angefressen :evil:

Ich lass mir das später noch durch den Kopf gehen; der Nachmittag ist noch nicht richtig poetisch.

Beste Grüße allen,

Walter
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Beitragvon toska5 » 12.05.2012, 22:33

alisch hat geschrieben:Hallo @Fagus- Walter Abi,

Du hast schon langer hier keine Baumgeschichten mehr geschireben :roll:

Schau her was ich bei unseren Kl - Maiwanderung am Drachenfels Naturschutzgebiet endeckt habe

Kannst Du darauf eine Erklärung - eine Baumgeschichte geben Bitte?

Viele Grüße
von
Alisch[/color]


Liebe Alisch! Deine Bilder sind unglaublich, ich bin hin und weg. Diese Symbiose zweier absolut ungleichen Wesen - ein Baum und ein Stein - lässt hoffen. Wenn diese Beide sich so gut verstehen, dann sollten sich doch gerade Menschen, wenn auch oft recht unterschiedlich, zueinander finden können!
Danke!

Eins aber noch: bitte-bitte kannst du nicht verraten, wo die Beide zu finden sind?
Ich will dort nämlich mein nächstes Randez-vous abhalten, falls es überhaupt zu einem kommen soll.
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Beitragvon alisch » 13.05.2012, 6:05

toska5 hat geschrieben:
alisch hat geschrieben:Hallo @Fagus- Walter Abi,

Du hast schon langer hier keine Baumgeschichten mehr geschireben :roll:

Schau her was ich bei unseren Kl - Maiwanderung am Drachenfels Naturschutzgebiet endeckt habe

Kannst Du darauf eine Erklärung - eine Baumgeschichte geben Bitte?

Viele Grüße
von
Alisch[/color]


Liebe Alisch! Deine Bilder sind unglaublich, ich bin hin und weg. Diese Symbiose zweier absolut ungleichen Wesen - ein Baum und ein Stein - lässt hoffen. Wenn diese Beide sich so gut verstehen, dann sollten sich doch gerade Menschen, wenn auch oft recht unterschiedlich, zueinander finden können!
Danke!

Eins aber noch: bitte-bitte kannst du nicht verraten, wo die Beide zu finden sind?
Ich will dort nämlich mein nächstes Randez-vous abhalten, falls es überhaupt zu einem kommen soll.



Hallo liebe Tosca,

schön dass ich ebnso auch von Dir lese- ich freue mich auch so sehr für meine Fundus "Baumliebe" zu unsere Wanderung mit meiner Kaiserslautere RG in dem Naturschutzgebiet Drachenfels bei Neustadt.
Ich finde es, das ist ein Wunder der Natur :idea: Eine Seltenheit, was ich da entdeckte..ob das bei Menchen unterschiedliche Karakterien sich so einander verbinden könnten, das ist die Frage?? :wink:
Wo es alle meine Mitwanderer garnicht erst bemerkt zu haben, entdeckte ICH auch noch ein seltener Feuersalamander :!: dazu :D
Unsere Nächste Wanderung steht schon an, Näheres unter Forum und Veranstaltungen RG-KL

Alles Gute und mit lieben Gruß Dir
von
Alisch
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Beitragvon FagusW » 15.05.2012, 22:06

In der Kurpfalz mit ihren Sandsteinbergen sind die Böden so arm, dass kein Acker und keine Wiese darauf wächst, „nur“ Wald. Dem Jäger ist es Recht, und dem Förster auch, weil seine Bäume sind prächtig und die Sägewerke zahlen gut für schöne Stämme.

Wenn aber so ein Wald abgeerntet ist, dann muss er nachgepflanzt werden, und so rückten früher ganze Horden von Waldarbeitern und Waldarbeiterinnen aus, um die jungen Baumschösslinge in den Boden zu setzen. Da muss man sich viel bücken bei dieser Arbeit und am Abend weiß man schon, was man gemacht hat. Aber man freut sich, weil auch ein Ergebnis sichtbar ist.

Ein Schössling blieb übrig damals, und die Waldarbeiterin nahm ihn und pflanzte ihn am Fuße des Sandsteinfelsen in den Boden. Es ist zwar recht schattig dort, aber auch windgeschützt und sie meinte, das solle man doch einmal probieren.

Und der Baum wuchs. Zunächst recht langsam und unscheinbar, weil an so einem kindlichen Baum hängen nicht viel Zweige und auch nicht viele Blätter dran, aber Geduld ist eine der Haupteigenschaften der Bäume, und jedes Jahr ging es ein paar Dezimeter nach oben. Und auch ein paar Millimeter in die Breite. Jedes Jahr.

Vom Wind merkte der junge Baum nicht viel in den Anfangsjahren, aber als er an dem Felsen vorbeigeschoben hatte und seinen Wipfel in die Luft hob, da wurde er dann doch gepackt und ein bisschen hin- und herbewegt. Und da spürte er die Berührung zum ersten Mal.

Anfangs war es nur bei Wind, dass er kurz an den Fels gedrückt wurde. Aber er wuchs nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Und irgendwann lag die Rinde direkt am Felsen an und das war unangenehm, weil der Sandstein rau ist wie Schmirgelpapier. Bei jedem Windstoß scheuerte er an der Borke, und der Baum wurde immer dicker und drückte immer fester gegen den Stein.

Schließlich war die dicke Borke weggefegt, und der zarte Bast lag offen zutage. Diese Schicht ist wichtig für den Baum, denn nach innen bildet sie das Holz, und nach außen die Rinde, die bei weiterer Ausdehnung dann platzt und bei den meisten Bäumen rissig aussieht. Der Bast wurde vom Stein weggerieben, aber zunächst konnte der Baum die Wunde wieder schließen. Aber immer wieder wurde sie aufgescheuert und je dicker der Baum wurde, desto weniger biegsam war er. Schließlich lag Holz direkt auf Stein und der Bast konnte sich nicht mehr dazwischendrängen.

Aber ringsum war er ja noch da, der Bast, und er wuchs und er versucht, die Wunde zu umwallen. Zwischen Holz und Fels konnte er nicht mehr gelangen, und so begann er, die Stelle der ersten Berührung zu umwuchern. Oben und unten stand der Fels nicht ganz so weit vor, dort konnte der Baum regelmäßig weiterwachsen. Aber wo sich beide berührten, da wuchs der Baum nun am Felsen entlang.

Und weil der Baum ja noch jung war, ging das immer weiter so. Nach oben konnte er dem Licht und der Luft entgegenstreben, und unten legte er zu, wie es sich gehört. Aber in der Mitte konnte er nur dorthin wachsen wo Platz war – am Felsen entlang.

Und so steht er da und umarmt den Sandstein. Er schmiegt sich an den Felsen, und der an ihn, und zum Schluss weiß man gar nicht mehr, wer zuerst da war, und man möchte glauben, der Stein quillt aus dem Baum heraus … vielleicht ist es ja auch so, und ich hab mir die ganze Geschichte nur ausgedacht.
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Beitragvon Burgell » 15.05.2012, 22:47

FagusW hat geschrieben:In der Kurpfalz mit ihren Sandsteinbergen sind die Böden so arm, dass kein Acker und keine Wiese darauf wächst, „nur“ Wald. Dem Jäger ist es Recht, und dem Förster auch, weil seine Bäume sind prächtig und die Sägewerke zahlen gut für schöne Stämme.

Wenn aber so ein Wald abgeerntet ist, dann muss er nachgepflanzt werden, und so rückten früher ganze Horden von Waldarbeitern und Waldarbeiterinnen aus, um die jungen Baumschösslinge in den Boden zu setzen. Da muss man sich viel bücken bei dieser Arbeit und am Abend weiß man schon, was man gemacht hat. Aber man freut sich, weil auch ein Ergebnis sichtbar ist.

Ein Schössling blieb übrig damals, und die Waldarbeiterin nahm ihn und pflanzte ihn am Fuße des Sandsteinfelsen in den Boden. Es ist zwar recht schattig dort, aber auch windgeschützt und sie meinte, das solle man doch einmal probieren.

Und der Baum wuchs. Zunächst recht langsam und unscheinbar, weil an so einem kindlichen Baum hängen nicht viel Zweige und auch nicht viele Blätter dran, aber Geduld ist eine der Haupteigenschaften der Bäume, und jedes Jahr ging es ein paar Dezimeter nach oben. Und auch ein paar Millimeter in die Breite. Jedes Jahr.

Vom Wind merkte der junge Baum nicht viel in den Anfangsjahren, aber als er an dem Felsen vorbeigeschoben hatte und seinen Wipfel in die Luft hob, da wurde er dann doch gepackt und ein bisschen hin- und herbewegt. Und da spürte er die Berührung zum ersten Mal.

Anfangs war es nur bei Wind, dass er kurz an den Fels gedrückt wurde. Aber er wuchs nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Und irgendwann lag die Rinde direkt am Felsen an und das war unangenehm, weil der Sandstein rau ist wie Schmirgelpapier. Bei jedem Windstoß scheuerte er an der Borke, und der Baum wurde immer dicker und drückte immer fester gegen den Stein.

Schließlich war die dicke Borke weggefegt, und der zarte Bast lag offen zutage. Diese Schicht ist wichtig für den Baum, denn nach innen bildet sie das Holz, und nach außen die Rinde, die bei weiterer Ausdehnung dann platzt und bei den meisten Bäumen rissig aussieht. Der Bast wurde vom Stein weggerieben, aber zunächst konnte der Baum die Wunde wieder schließen. Aber immer wieder wurde sie aufgescheuert und je dicker der Baum wurde, desto weniger biegsam war er. Schließlich lag Holz direkt auf Stein und der Bast konnte sich nicht mehr dazwischendrängen.

Aber ringsum war er ja noch da, der Bast, und er wuchs und er versucht, die Wunde zu umwallen. Zwischen Holz und Fels konnte er nicht mehr gelangen, und so begann er, die Stelle der ersten Berührung zu umwuchern. Oben und unten stand der Fels nicht ganz so weit vor, dort konnte der Baum regelmäßig weiterwachsen. Aber wo sich beide berührten, da wuchs der Baum nun am Felsen entlang.

Und weil der Baum ja noch jung war, ging das immer weiter so. Nach oben konnte er dem Licht und der Luft entgegenstreben, und unten legte er zu, wie es sich gehört. Aber in der Mitte konnte er nur dorthin wachsen wo Platz war – am Felsen entlang.

Und so steht er da und umarmt den Sandstein. Er schmiegt sich an den Felsen, und der an ihn, und zum Schluss weiß man gar nicht mehr, wer zuerst da war, und man möchte glauben, der Stein quillt aus dem Baum heraus … vielleicht ist es ja auch so, und ich hab mir die ganze Geschichte nur ausgedacht.


danke für deine Baumgeschichten,,,,,werden in diesem Jahr vielleicht Luchse oder Wildkatzen auftauchen ....das wäre schön....bin ganz gespannt

Gruß Burgell
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Beitragvon alisch » 23.05.2012, 3:07

Burgell hat geschrieben:
FagusW hat geschrieben:
"Und so steht er da und umarmt den Sandstein. Er schmiegt sich an den Felsen, und der an ihn, und zum Schluss weiß man gar nicht mehr, wer zuerst da war, und man möchte glauben, der Stein quillt aus dem Baum heraus … vielleicht ist es ja auch so, und ich hab mir die ganze Geschichte nur ausgedacht."



danke für deine Baumgeschichten,,,,,werden in diesem Jahr vielleicht Luchse oder Wildkatzen auftauchen ....das wäre schön....bin ganz gespannt

Gruß Burgell




Vielen Dank @Fagus Abi, für die interessante Geschichte... 8) mal sehen, wie es jetzt noch weitergeht- denn ich habe am vergangene Samstag wieder einer Wanderung hinter mich gebracht von Fleckenstein nach Krappenfels und siehe da :!: jetzt sind auch noch Baumkinder aus den Felsen gewachsen :shock:

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