. : Service und Hilfe

Beitragvon Gast » 13.11.2009, 0:05

Recht engstirnig, was du da sagst!
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Beitragvon cienfuego » 13.11.2009, 0:50

ennairam hat geschrieben:Ja wo bin ich denn hier gelandet. Opiate, Drogen,Vaginareizung??? Ich dachte, 50plus-treff ist eine seriöse Plattform. Wer mit solch sensiblen Themen wie gerade jetzt "Depressionen" derart umgeht, hat m,.E. hier, wo Menschen andere Menschen suchen, nichts verloren. Zum Glück leide ich nicht unter dieser Krankheit. Aber gerade solche Beiträge halten doch Andere davon ab, sich hier zu offenbaren.


.....es gibt hier nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, was du da von dir gibst, ist m.E. sehr flach :evil:
ich bin selbst eine Betroffene und weiß auch von was hier geschrieben wird, ich verstehe Gabriele und viele Andere hier sehr gut.
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cienfuego
 
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 9:12

Jede/r hat die Freiheit, hier seine/ihre Meinung zu äußern, auch ennairam.
Bewertungen sollten tunlichst unterlassen werden
meint
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 9:59

Ich habe diesen Thread erst jetzt entdeckt (durch einen Hinweis) und habe ihn gerade von Anfang bis Ende mit fast atemloser Spannung gelesen.

Ich bin selber Betroffene seit vielen Jahren. Und wenn ich genau zurückdenke, hatte ich entsprechende Tendenzen "schon immer", auch als Kind und Jugendliche. Als ich hier bei 50plus vor mehr als zwei Jahren zu schreiben begonnen habe (damals unter dem Nick "Misfit"), habe ich mich auch offen zu meiner Depression bekannt. Ich habe damals einen Thread eröffnet nicht etwa in der Absicht, hier mein Leid auszubreiten, sondern mit dem Ziel einer konstruktiven Diskussion. Ich glaube, damals war die Zeit noch nicht reif dafür, es gab Reaktionen, die mich zum Rückzug veranlasst haben.

VomLande, ich finde es gut, dass du diesen Thread eröffnet hast. Ich hatte selber schon den Impuls dazu, habe es aber dann gelassen, weil ich emotional sehr betroffen war. Und auch, weil ich nicht den Eindruck erwecken wollte, dass ich den Tod von Robert Enke zum Anlass nehmen will, um mich hier zu profilieren und zu "produzieren".

Bei vielen SchreiberInnen hier merkt man, dass sie wissen, wovon sie schreiben.
Gabriele99 - gerade deine Beiträge könnten zum Teil von mir stammen. Der Rückzug war auch in meinem Fall extrem, man spürt die eigene Isoliertheit und leidet so sehr darunter, und trotzdem kann man nicht anders. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es im Verlauf einer Depression zu einer Sozialphobie kommen kann, also zu einer als krankhaft einzustufenden Angst vor jeglichen Sozialkontakten. Und auch wenn man unter Menschen ist: Man ist innerlich nicht bei ihnen, man ist für sich allein. Das habe ich besonders schmerzlich im Kontakt zu meinen Kindern erlebt. Dass ich, trotz pyhsischer Anwesenheit, von ihnen emotional getrennt war, das wurde mir erst im Rückblick so deutlich, als ich mich wieder mehr öffnen konnte. Wobei der Begriff "Rückblick" täuscht: In den meisten Fällen schwerer Depression bleibt eine lebenslange Bedrohtheit und Beeinträchtigung durch die Krankheit bestehen, es ist sozusagen eine Aufgabe für den Rest des Lebens, damit so umgehen zu lernen, dass ein befriedigendes "Leben trotz Depression" (so hatte ich damals meinen Thread genannt) möglich ist.

Der Titel dieses Threads enthält die Frage, ob Depressionen eine Volkskrankheit sind. Nach Prognosen der WHO wird Depresssion im Jahr 2020 die zweithäufigste Erkrankung nach Herzkreislauf-Erkrankungen sein. Dann hätte sie natürlich den Status einer Volkskrankheit. Diese Zahl bzw. der scheinbar sprunghafte Anstieg von Depressionen muss jedoch differenziert betrachtet werden: Die Informiertheit bezüglich depressiver Erkrankungen ist sowohl bei den (Haus-)Ärzten als auch allgemein in der Bevölkerung sehr viel größer als noch vor zwanzig Jahren. Grund dafür ist eine breite Aufklärung. Das führt dazu, dass Hausärzte bei unklaren körperlichen Beschwerden sehr viel häufiger auch an eine Depression denken als das früher der Fall war. Auch möglicherweise Betroffene suchen gezielt nach Hilfe bzw. lassen ihre Probleme auch dahingehend abklären, ob es sich nicht um eine Depression handeln könnte. Es ist daher auch in Fachkreisen umstritten, ob nun Depressionen tatsächlich zugenommen haben. Tatsache ist aber, dass Depressionen sehr viel häufiger diagnostiziert werden als noch vor 20 Jahren, da die Aufmerksamkeit dafür erhöht ist und da auch die Diagnoseinstrumente verbessert worden sind.

VomLande fragte auch, welcher Personenkreis am häufigsten betroffen ist. Dazu nur eine Anmerkung zur Geschlechterverteilung: Bisher ist noch in den meisten Aussagen dazu der Hinweis zu finden, dass Frauen doppelt so häufig erkranken als Männer. Auch hierzu werden jedoch zunehmend Zweifel geäußert: Die gängigen Fragebogen etc., die eine Depression erfassen, sind immer noch auf "frauenspezifische" Symptome zugeschnitten, also Rückzug, traurige Gestimmtheit usw. Es mehren sich jedoch die Erkenntnisse, dass Männer andere Symptome entwickeln als Frauen. (Robert Enke scheint ein geradezu klassisches Beispiel dafür zu sein). Männer fühlen sich von depressiven Symptomen wie Niedergeschlagenheit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit etc. viel stärker bedroht als Frauen, da ihre männliche Rolle dadurch in Frage gestellt wird. So arbeiten sie diesen Tendenzen häufig entgegen mit betont männlichem, aggressivem, leistungsorientiertem Verhalten. Dies führt dazu, dass sie die Grenzen, die ihnen die Krankheit eigentlich aufzeigen möchte, permanent überschreiten (psychisch und physisch), so dass es irgendwann unweigerlich zu einem Zusammenbruch kommen muss. Dieser kann körperlicher Art sein (z.B. Herzinfarkt), oder aber psychischer Natur, was im schlimmsten Fall in einem Suizid endet. Dies wäre auch eine mögliche Erklärung dafür, dass Frauen häufiger Suizidversuche begehen, während "erfolgreiche" Suizide häufiger bei Männern zu verzeichnen sind.

Dieses Thema ist für mich eines meiner Lebensthemen, man möge mir verzeihen, wenn ich jetzt gleich so viel geschrieben habe. Aber ich finde es so gut, was hier an Diskussion begonnen hat, vor allem auch, weil ich den Eindruck habe, dass es den Betroffenen nicht ums Jammern geht. Darum ging und geht es mir auch nicht. Das brauchen "wir" ja gerade nicht, die wirklich schwer Betroffenen, die ich kenne, wollen allesamt so schnell wie möglich wieder am Leben teilnehmen können. Ich wage sogar die Hypothese (und mehr kann und soll es nicht sein), dass viele Depressive gerade deshalb so sehr an ihren Symptomen leiden, weil sie oft eigentlich sehr lebendige Menschen sind, für die der Kontakt zu anderen Menschen ihr Lebenselexier ist und die sich nach nichts so sehr sehnen wie nach Lebensfreude und menschlichem Miteinander.

Gruß Marcella
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Beitragvon VomLande » 13.11.2009, 10:16

Hallo,

bei der Eröffnung dieses Thraeds habe ich gehofft das dieser Thread einen Beitrag - zu einem offensichtlich bedeutenden aber lange nur " schlummernden " gesellschaftlichen Problem - leisten kann; durch diverse Schilderungen ist das glaube ich auch gelungen.

Jetzt gibt es hier Befürchtungen dass das Thema aus dem "Ruder läuft" , ich kann das nicht beurteilen schließe mich aber den Forenteilnehmern an, die hier einen Schlußpunkt setzten möchten.

Manfred
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 10:22

Das finde ich sehr schade, vom Lande!
Dein Wunsch nach Beendigung der Diskussion kam unmittelbar im Anschluss an meinen langen Beitrag. Von daher frage ich mich natürlich, ob dieser der Anlass für dich war, ob ich vielleicht zu sehr "in die Vollen" gegangen bin. Das täte mir sehr Leid, denn meine Absicht war es, mich konstruktiv an dieser Diskussion zu beteiligen.

Marcella
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 10:25

Es kommt sehr selten vor, dass ich mal vorübergehend depressiv drauf bin.
Als es einige wenige Male der Fall war und dann auch nur kurz, hab ich mit Steppenraute und Kratom entgegengesteuert. Iboga gefiel mir nicht, dass schloss ich dann für mich aus.
Wie gehe ich sonst bei einer eher seltenen Niedergeschlagenheit als Mann vor?
Ich akzeptiere auftretende Stimmungstiefs, denn ich denke mir, dass sie ein Teil unseres Lebens ausmachen. Ich leg mich dann ganz einfach ins Bett und zieh mir die Bettdecke über den Kopf, wohl wissend, dass Depressionen im allgemeinen temporär sind, bei mir waren sie, wenn schon vorhanden, nur recht kurz. Solch Wissen hab ich im Kopf, ich vertraue daher mir und meinem Körper.
Eines steht offensichtlich fest: Wer an etwas glaubt, dem kann so schnell nichts umhauen.
Unabhängig davon, denke ich mal, dass Frauen eher zu Depressionen neigen als Männer.
Weiber, nun reißt mir die Ohren ab, ob dieser frevelnden Worte. :)
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 10:30

Korrektur zu meinem langen Beitrag:
Es muss heißen: "...dass Frauen doppelt so häufig erkranken wie Männer" (Ordnung muss sein... :wink:)
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Beitragvon VomLande » 13.11.2009, 10:39

Hallo Marcell,

wenn oder solange hier "Fachleute" die Diskussionen führen finde ich das gut und sinnvoll.
Aber wie ich schon vorher sagte, kann ich zwar vieles von dem hier geschriebenen nachvollziehen aber nicht fachmännisch bewerten oder einordnen und das macht mich natürlich (etwas ) unsicher, auf keinen Fall möchte ich das hier jemand "verletzt" wird.

Manfred
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Beitragvon toska5 » 13.11.2009, 10:40

Ich finde nicht, dass man jetzt schon einen Schlußpunkt setzen sollte.

Ich habe einen guten Freund, der ab und zu sagt so Ähnliches wie: "wenn ich gerade nicht in einer depressiven Phase bin..." Einmal erwiderte ich dies mit der Vermutung, dass er vielleicht doch nicht depressiv sei, sondern nur melancholisch.
Weil das sehr schwer zu glauben war, dass dieser Mensch mit dem Leben nichts anfangen könnte. Danach war das Gespräch nie mehr in diese Richtung gegangen. Aber im Grunde weiss ich davon, von seinen möglichen Depressionen. Und denke oft darüber. Nur, so gut befreundet sind wir nicht, und ich habe keine Lust in der Fachliteratur zu suchen, wie ich, wenn schon nicht helfen, dann ihm wenigstens nicht schaden (mit meinen bnlöden Bemerkungen) kann. Es gibt so viel dazu zu lesen, da sieht keiner durch.

Dieser Thread hier könnte mir den richtigen Weg zeigen, wie ich mit dem Mann umgehen soll. Durch diesen Thread werde ich ihn bestimmt besser verstehen. Und das ist schon jede Menge!
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 10:47

OT
Vom Lande ist noch relativ neu hier und muss sich sicher erst noch daran gewöhnen, was man sich - mit den besten Absichten ein wichtiges Thema eingestellt, hier so alles einfangen kann.

Ich würde mal sagen - nur Mut, auf das Lesenswerte konzentrieren/eingehen und unbedingt - weitermachen. :wink:
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 10:49

Hier noch ein Link zu einem Interview mit dem Sozialpsychologen Rolf Haubl, den ich deshalb gut finde, weil er auch aktuelle und differenzierte Fragestellungen berücksichtigt und nicht nur das aufzählt, was ohnehin schon jeder weiß. Dass es eine kirchliche Seite ist, hat keinerlei Einfluss auf den Inhalt, ich habe sie genommen, weil sie die aktuellste ist:

http://www.evangelisch.de/themen/wissen ... ichtig6588
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Beitragvon laluli » 13.11.2009, 10:52

Hallo Scherzkeks,
Du machst Deinem Namen alle Ehre.
Es ist für mich unbegreiflich, wie kalt Du dieses Erlebnis beschreibst!
Was bist Du für ein Mensch?
Laluli
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Beitragvon Joschisxp » 13.11.2009, 11:07

Liebe Marcella,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich finde mich in Deinem einleitenden Beitrag wieder. Insgesamt ist das Klima in diesem Thread - wohlgemerkt nur nach meiner ganz individuellen Einschätzung - auch nicht ansatzweise geeignet, dass ich mich als seit Jahrzehnten Betroffener beteiligen möchte.

Liebe Grüße

Joschi
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Beitragvon Gast » 13.11.2009, 11:07

@Manfred "vomLande"

Vielleicht hat mein (langer) Beitrag bei dir Unbehagen ausgelöst, weil ich hier sehr konkret Zahlen und Fakten genannt habe, deren Richtigkeit du vielleicht nicht überprüfen kannst. Gleichzeitig fühlst du dich aber möglicherweise verantwortlich, dass in "deinem" Thread keine Falschinformationen verbreitet werden, durch die Andere zu schaden kommen könnten.

Für meine Beiträge kann ich dir versichern, dass ich für die Richtigkeit der Aussagen geradestehen kann und du nicht die Verantwortung dafür hast. Wenn etwas nur meine persönliche Meinung ist, mache ich das deutlich erkennbar.

Könnte das dein Problem gewesen sein?

Marcella
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