Ich misch mir hier mal ein - es soll die absolute Ausnahme bleiben - weil ich Cat seit einiger Zeit kenne, sie und ihre Beiträge schätze, wie sie mit ihren Situationen umgeht.
Die Therapieansätze im psychosomatischen Bereich sind vielfältig, weil nicht jede Methode für jedes Problem passt, und auch mit seinem Therapeuten muss man können.
Selbstdarsteller (egal ob es wirklich einer ist, oder ob er "nur" subjektiv als ein solcher beim anderen ankommt) sind meist eher extrovertiert. Andere, die selber ähnlich drauf sind, haben damit eher wenig Probleme, weil es für sie selbstverständlich ist, dass man so ist. Introvertierte Menschen können damit jedoch erhebliche Probleme haben, wenn sie das Gefühl haben, nichts entgegensetzen zu können und ständig überfahren zu werden.
Damit hast Du sicher recht - für mich aber stellt sich trotzdem die Frage, weshalb die Cat dann einen angeblichen "Selbstdarsteller" für ihre Therapie auswählte. Sie wurde zu der Therapie ja nicht gezwungen.
Wer in eine psychosomatische Klinik kommt, weiß über die menschliche Art seiner Therapeuten in der Regel nicht vorher Bescheid. Das merkt man erst an Ort und Stelle - und dann ist es wie es ist: entweder man steigt sofort aus oder versucht halt, mitzumachen. Und wer lässt sich schon gerne vorwerfen, er/sie hätte es gleich gar nicht versucht und wäre sofort ausgerissen?
Wenn eine Therapie für einen selbst keinen Sinn macht, sollte man sie abbrechen. Die kostet die Solidargemeinschaft nämlich ne Menge Geld. Und wenn ich Cat richtig verstanden habe, hat sie den Herrn Lechler bereits vor der Therapie als "Selbstdarsteller" empfunden und war über die Therapieform informiert. Weshalb also hat sie sie gemacht? Nur so mal? Mit dem abwertenden Wort Selbstdarsteller hab ich ehrlich gesagt ein Problem. So persönlich sollte man nicht werden, sondern sich an den Qualifikationen orientieren, wenn man öffentliche Statements abgibt. Ich meine, solche nur auf persönlichen Abneigungen beruhenden Beurteilungen sollte man besser für sich behalten. Sie sind weder sachlich noch objektiv.
Übrigens besteht ein riesiger Unterschied, ob man seine Krankheit in der Öffentlichkeit ausbreitet, oder ob man sich einem Arzt/Therapeuten anvertraut. In der Öffentlichkeit verschweigen heißt noch lange nicht, dass man keine Hilfe sucht. Und es gibt unterschiedliche Wege, die alle auf ihre eigene Weise hart sind.
Cat hat ihre Krankheit nach eigenen Worten auch vor den Ärzten verschwiegen. Dafür habe ich kein Verständnis. Wenn man sich in Behandlung begibt (das kostet eine Menge Geld und zwar die Solidargemeinschaft) und die Therapie dadurch vereitelt, dass man die Ärzte im Unklaren darüber lässt, was einem eigentlich fehlt. Und was ich auch als grenzwertig empfinde, ist, wenn die auf diese Weise gemachten "Erfahrungen" in der "man" Form hier eingestellt werden. Die ich-Form ist hier die passende. Denn die Erfahrungen, die Cat gemacht hat, lassen sich keinesfalls auf alle übertragen. Das ist Übrigens
das Grundprinzip bei der Therapie von Süchten und den 12-Schritte-Programmen: Immer bei sich zu bleiben. In der ich Form. Nicht in der Man-Form. Ich frage mich da schon, ob Cat dieses Programm überhaupt vorbehaltsfrei ausprobieren wollte.
Und Altwerden ist eh nichts für Feiglinge.
JanisJoplin