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Beitragvon Katharina88 » 31.01.2012, 20:16

Die Legimation,das Thema in diesem Forum anzusiedeln,entsteht über den griechischen Fabeldichter Äsop.Von seinen Fabeln habe ich einiges gelernt.Das ist im Übrigen auch der Sinn solcher Gleichnisse aus Natur und Tierwelt.Sie sollen den Bedeutungsinhalt eines Gedankens durch Vergleich anschaulich machen und endlich zu einer Erkenntnis führen. Ich mag die Fabel vom Fuchs und den Trauben deshalb besonders.Er bemüht sich nach allen Kräften,um sie zu erreichen und schafft es dennoch nicht. Erschöpft stellt er fest,dass er sie gar nicht will,weil sie sauer sind. Ein junger Mann wirbt angestrengt um die Gunst einer Maid.Vergebliche Liebesmüh--sie weist ihn ab. Da tut der Jüngling etwas,was als Frustrationsminimierung bezeichnet werden kann,er redet sich das Mädchen schlecht. Er --und nur er--nimmt plötzlich selektiv wahr,dass das Subjekt seiner Begierde krumme Beine,schadhafte Zähne usw. hat. Die Projezierung auf diese Ebene funktioniert und der junge Mann befreit sich über diesen Mechanismus von Versagungsgefühlen. Kann das eine probate Möglichkeit sein,Frustrationen zu entkommen? Katharina  
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Beitragvon Chri51 » 01.02.2012, 6:16

Hallo Katharina88,

mit dieser Argumentation hast du ein typisches menschliches "Laster" ein bisschen geschönt :mrgreen: :

Der Fuchs hat sich nicht aus tiefster eigener Überzeugung die Trauben "sauer" geredet, sondern er wollte mit dieser Behauptung den heimlichen Beobachtern (Maus und Spatz) seine Niederlage nicht eingestehen.

So verstehe ich die Fabel und damit erkenne ich einen anderen Zweck...das eigene Stolzgefühl wird geschützt, nicht die eigene Überzeugung revidiert!

Ein Verhalten übrigens, das man sowohl im Job, als auch in Beziehungen immer wieder erleben kann
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Beitragvon Auschra » 01.02.2012, 9:44

Ihr Lieben ..

ich denke aber, er selbst konnte aus Erfahrung heraus wissen, dass die Trauben süß sind und dass er nicht die Wahrheit gesagt hatte ... aus beiden Gründen, die Ihr angegeben habt:

Klar,Katharina, war er frustriert, dass er diese Leckerbissen nicht erreichte und griff daher zum alten Mittel der Rechtfertigung vor sich selbst:: Verteidigung ist Angriff. Das ist meiner Meinung nach ein Mittel der Selbstbeschwichtigung.

Aber auch Deine Worte,Chri51, sind - mMn - völlig richtig interpretiert... nämlich aus der Sicht seiner Handlung und Worte auf Außenstehende : er bemüht sich durch "logische" Begründung sein Verhalten zu rationalisieren ... den Schein zu wahren...


Mich verblüfft immer wieder die Fähigkeit der Fabeldichter ( der antiken wie der modernen) in diesen parabelartigen Texten menschliche Verhaltensweisen aufzuzeigen, die wir beobachten können und --- in noch effektiverem Falle - auf uns anwenden können ... Dazu gehört " Der Fuchs und die Trauben" für jeden von uns ... wenn er sich gewaschenen Auges vor den Spiegel seinerselbst stellt....

Die Tierfabel macht es uns dabei insofern leichter, dass menschliche Verhaltensanteile gleich von einem vollständigen Tier angeboten werden: Der Fuchs ist listig, klug..

Diese Eigenschaften setzt er ein, um sein Selbstwertgefühl nach innen und außen nicht ankratzen zu lassen..

Aber: ob er wirklich von dieser Niederlage für sich selbst gelernt hat, erzählt Äsop nicht : manche Füchse sind sicher in der Lage zu lernen, die "Höhe der Trauben" vorher abzuschätzen, andere fallen immer wieder auf sich selbst herein und müssen dann "Ausreden" erfinden..


und manchen - dazu gehöre ich - gelingt einmal das Vorbedenken und einmal eben nicht
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Beitragvon Katharina88 » 01.02.2012, 17:24

Chri51 hat geschrieben:Hallo Katharina88,

mit dieser Argumentation hast du ein typisches menschliches "Laster" ein bisschen geschönt :mrgreen: :

Der Fuchs hat sich nicht aus tiefster eigener Überzeugung die Trauben "sauer" geredet, sondern er wollte mit dieser Behauptung den heimlichen Beobachtern (Maus und Spatz) seine Niederlage nicht eingestehen.

So verstehe ich die Fabel und damit erkenne ich einen anderen Zweck...das eigene Stolzgefühl wird geschützt, nicht die eigene Überzeugung revidiert!

Ein Verhalten übrigens, das man sowohl im Job, als auch in Beziehungen immer wieder erleben kann

Hallo,Chri,
in der Fabel erleidet der Fuchs/Jüngling unter den Augen anderer eine Niederlage.Das baut gemeinhin Selbstwertgefühle ab und verletzt den Stolz.Wenn Erfolgserlebnisse selten eintreten,dann entsteht oft ein Gefühl der Versagung.Nun  werden Abwehrmechanismen entwickelt,um diesen Zustand zu minimieren.Das kann beispielsweise dadurch geschehen,dass die Bedeutungslosigkeit des Zieles
im Nachhinein überbetont wird.Damit soll eine gewisse Rechtfertigung vor sich und den anderen erreicht werden.
Die Niederlage wird zwar eingestanden  -sie ist ja auch zu evident---,aber unter subjektiver  Interpretation.So lege ich die Fabel aus und sehe zu Deiner Auslegung keinen beachtlichen Unterschied.
Viele Grüße!
Katharina 
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Beitragvon parove » 01.02.2012, 23:07

Katharina Zitat: „Erschöpft stellt er fest, dass er sie gar nicht will, weil sie sauer sind.“

Meine Erkenntnis: Um möglicher Frustration entgegen zu steuern, vor der
Erschöpfung handeln. Handeln, indem ich mir zuerst selbst das Scheitern
zugestehe, um es hernach zu gestehen.

lg, Roland
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Beitragvon flamme_im_wind » 05.02.2012, 13:29

Wenn ich mir die Hauptfiguren und die Symbolkraft ansehen komme ich zur Schlussfolgerung:
Der Fuchs : Der Schlaue
Die Maus: die Ängstliche
Der Vogel: Die Freiheit

Der Schluss der Fabel lautet: "Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: "Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben." Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zurück."

Meine Interpretation dazu:
Auch wenn man Fehler macht, gibt es keinen Grund, sich selber nieder zu machen sondern eher seinen eigenen Weg weiter zu gehen. (Sei schlau wie der Fuchs, ist ein Satz, den ich noch gut aus meiner Kindheit in Erinnerung habe)

lg
Chris
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