von dolcevita55 » 17.03.2009, 0:43
Hallo Stammgast,
genau das ist es, was mich auch so erstaunt. Wenn ich mir die letzten Bilder des Grabes - und die Figuren auf dem Grabstein - ansehe, gleicht das doch sehr bayrischen Friedhöfen. Dörflein mit dem Bär im Arm hat eine frappierende Ähnlichkeit mit der Standard-Pieta in einer süddeutschen katholischen Dorfkirche. Gerade im früher mehrheitlich protestantischen, heute mehrheitlich atheistischen Berlin scheint wohl eine grosse Sehnsucht nach Symbolfiguren zu bestehen. Ist das eine Besonderheit einer Weltstadt, die Königen, Kaisern, einem "Führer" und - zumindestens in einer Hälfte - grossen Vorsitzenden gehuldigt hat? Fehlt eine Figur, die man im wahrsten Sinne des Wortes "anhimmeln" kann? "WoWi" taugt dazu wohl nicht! Oder gibt es auch eine grosse Einsamkeit in der Single-Metropole Berlin, die so viele Menschen dazu treibt, einer ihnen unbekannten Person diese Wärme entgegenzubringen, ohne mehr als Zeitungs- und Fernsehberichte zu kennen?
Vielleicht mache ich mir auch nur zu viele Gedanken. Wenn man mitbekommt, dass sich Millionen von Zuschauern Kallwass, völlig an der Realität vorbeigehende Richtersendungen, einen auf unterstem Niveau pöbelnden Bohlen oder GZSZ, DSDS oder ähnliche Dinge ansehen, schlecht singende Nachahmer den zumindest meist besseren Originalen vorziehen, gehöre ich wahrscheinlich einer aussterbenden Spezies an.
Eigentlich schade, denn Jahrhunderte lang galt Deutschland als eine der führenden Kulturnationen. Das ist wohl leider Geschichte.
LG
dolcevita