von Gast » 23.05.2009, 15:08
Hallo tanzGudi,
nun komme ich endlich dazu, Dir zu antworten.
Bevormundung einer Freundin habe ich erlebt, das kann ich Dir das ziemlich gut erklären.
Das war eine Südamerikanerin, aus Paraguai, die ich eigentlich sehr mochte. Sie war (ist, sie lebt ja noch, nur dass ich keinen Kontakt mehr mit ihr habe) eine lustige, offene, unternehmugslustige Person. Doch ihre "Bevormundung", ihre Dominanz habe ich nicht länger ausgehalten. Wenn wir ausgegangen sind, dann hat sie oft bestimmt, wohin wir gehen. Meistens nach Schwabing, da waren wir uns einig, aber, das Lokal hat sie ausgesucht. Wenn ich etwas Anderes wollte, meinte sie, sie ladet mich ein, das nächste Mal kann ich wählen. Doch das nächste Mal wünschte sie sich wieder "sehnlichst" etwas Bestimmtes. Dann gab es unerfreuliche Disskussionen, bei welchen ich zwar auch manchmal gewann, doch der Abend war nicht mehr so unterhaltsam, wie er sein sollte.
Da gab es auch andere Sachen. Ich habe Silvester mit ihr verbracht. - das allerletzte Mal. Ich wollte in keinem Fall zum Mrienplatz, ich war einmal dort gewesen und ich fand es furchtbar. Und genau dort waren wir, weil sie es unbedingt so wollte. Dazu war sie tieftraurig weil sie Probleme mit der Familie hatte - was mich nicht wundert. Ich hätte Silvester mit anderen Bekannten verbringen können, sie wollte aber nicht mit denen zusammen sein. Ja, ich bin selbst schuld, ich hätte nach meinem Kopf handeln können, doch, ich hatte irgendwie Mitleid mit ihr, wollte nicht streiten, ich gab nach. Doch nachdem kündigte ich ihr die Freundschaft. Ich hatte genug, und ich habe begriffen, dass sie sich nicht ändern kann.
Mit noch einer Freundin habe ich Schluss gemacht. Wir kannten uns ca. dreißig Jahre lang. Auch nett, hilfsbereit - und furchbar nervig. Da war das Problem ihre Besserwisserei. Sie hatte immer irgendwelche Ratschläge für mich, auch wenn ich nicht danach gefragt hatte. Ich bin der Meinung, dass man Ratschläge nur dann erteilen sollte, wenn man danach gefragt wird. Oder wenn ich mal meiner Freundin von irgeneinem Problem erzähle, natürlich darf sie auch ungefragt erzählen, wie sie es machen würde, wie sie es meint usw. Doch, in unserem Alter entscheidet man doch meistens selbst was man tun will. Man darf keinem seine Ansichten aufdrängen. Meine ich.
Diese besagte Freundin hat mich bei jedem Treffen mit ihren guten Ratschlägen genervt. Egal was ich erzählt habe, sie wusste alles besser.
Umsonst habe ich ihr zu erklären versucht, dass ich einer anderen Meinung wäre, was meinstens der Fall war, sie bestand darauf, dass es anders besser wäre. Das ist BEVORMUNDUNG. Früher habe ich immer lange mit den "Nervensägen" ausgehalten, heute lasse ich mir das nicht mehr gefallen.
Und Notfälle? Ich weiß jetzt nicht genau was das sein könnte. Aber, es ist schön, wenn man weiß, dass jemand da ist auf den man zählen kann.
Mit meiner Freundin, die ich schon seit Jahren kenne, habe ich Abmachung getroffen, dass wir Tag und Nacht füreinander da sind, wenn etwas sein sollte. Ich weiß dass ich mich auf sie verlassen kann. Und sie auf mich. Als es mit meiner Ehen zu Ende ging, habe ich tatsächlich bei ihr öfter geschlafen, einmal habe ich sogar eine ganze Woche bei ihr verbracht. Sie gab mir das Gefühl, sie freut sich über meine Anwesenheit. Das ist schon Jahre her. Sie ist glücklich verheiratet, hat meine Hilfe so einer Art nie gebraucht, aber, sie weiß dass ich für sie da bin, wenn sie sich z. B. ausprechen will. Oder wenn sie sich einsam fühlt, weil ihr Mann oft länger geschäftlich unterwegs ist. Wir sehen uns tatsächlich sehr selten, da wir beruflich ziemlich angespannt sind und noch andere Verpflichtungen haben, doch das bedeutet nichts.
Das ist für mich echte Freundschaft. Mit jemandem reden zu können, wenn einem danach ist, sich nicht allein zu fühlen. Und der Einen voll und ganz so akzeptiert, wie er ist. Ohne wenn und aber.
Freundschaft ist etwas sehr Kostbares, man muss sie pflegen und hegen - und sehr viel Feingefühl haben wenn sie funktionieren soll. Das ist meine persönliche Meinung.
LG
Malaika
PS
Konstruktive Kritik? Ich weiß nicht... Ich würde sagen, nur im äußersten Fall, wenn es sich nicht vermeinden lässt. Man muss bedenken, dass die eigene Meinung nicht unbedingt die Meinung der Freundin ist.
Kritik üben oder Meinung äußern - da gibt es einen kleinen aber gravierenden Unterschied. Das ist wieder meine ganz persönliche Meinung.