. : Service und Hilfe

Beitragvon Gast » 14.02.2010, 12:20

Feldeinsamkeit

Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; -
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ewge Räume.

Hermann Allmers
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Beitragvon kariboausvlo » 17.02.2010, 8:30


Ewigkeit

Immer wieder und wieder
steigst du hernieder
in der Erde wechselnden Schoß
bis du gelernt im Licht zu lesen,
dass Leben und Sterben eins gewesen
und alle Zeiten zeitenlos.

Bis auch die mühsame Kette der Dinge
zum immer ruhenden Ringe
in dir sich reiht -
in deinem Willen ist Weltenwille,
Stille ist in dir - Stille -
und Ewigkeit.


Manfred Kyber
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Beitragvon moonlight09 » 18.02.2010, 1:03

Winter ade!

So hört doch, was die Lerche singt!
Hört,wie sie frohe Botschaft bringt !
Es kommt auf goldenem Sonnenstrahl
Der Frühling heim in unser Tal,
Er streuet bunte Blumen aus
Und bringt Freud in jedes Haus
Winter ade !
Frühling , juchhe !

Was uns die liebe Lerche singt,
In unserem Herzen wiederklingt.
Der Winter sagt : ade ! ade !
Und hin ist Kälte , Reif und Schnee
Und Nebel hin und Dunkelheit -
Willkommen, süße Frühlingszeit !
Winter ade !
Frühling , juchhe !
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Beitragvon Freysine » 21.02.2010, 12:06

Da der Frühling schon zaghaft um die Ecke blinzelt! :D

Eine Wiese wird aus Klee und Bienen gemacht,
Einem Kleeblatt, einer Biene
und Träumerei.
Auch Träumerei allein genügt,
Wenn keine Biene fliegt.

Emily Dickinson
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Beitragvon agnostiker » 25.02.2010, 21:45

Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.
Sébastien Chamfort


Stark.................... [LINK]http://www.youtube.com/watch?v=qVtNxor0jP0[/LINK]
ICH & ICH



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Beitragvon agnostiker » 03.03.2010, 12:34

Vollkommenheit kann mit Disproportion bestehen, Schönheit allein mit Proportion.
Johann Wolfgang von Goethe



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Beitragvon Freysine » 03.03.2010, 13:16

agnostiker hat geschrieben: Vollkommenheit kann mit Disproportion bestehen, Schönheit allein mit Proportion.
Johann Wolfgang von Goethe



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Danke agnostiker ! :)

Es tut gut mal wieder etwas SCHÖNES zu lesen :wink:
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Beitragvon Freysine » 03.03.2010, 13:46

V

Damit du mich erhörst,
machen sich meine Worte
manchmal so zart
wie die Spuren der Möwen auf dem Strand.

Halskette, truncknes Klimperglöckchen,
für deine Hände, sanft und glatt wie Weinbeeren.

Und ich sehe sie fern von mir, meine Worte.
Deine sind sie mehr als meine.
Sie klettern an meinem alten Schmerz empor wie Efeu.

An den feuchten Wänden klettern sie empor.
Du bist schuld an diesem blutigen Spiel.

Sie fliehen aus meinem finsteren Bau.
Alles erfüllst du, alles, alles.

Einst bevölkerten sie die Einsamkeit, die nun du bewohnst,
und sie sind mehr als du vertraut mit meiner Traurigkeit.

Jetzt will ich, dass sie sagen, was ich dir sagen will,
damit du sie so hörst, wie ich möchte, dass du sie hörst.

Der Wind der Angst reißt sie noch immer von hier nach dort.
Traumorkane werfen sie manchmal zu Boden.
Andre Stimmen vernimmst du in meiner gepeinigten
Stimme.
Schluchzen von alten Mündern, Bluten von alten Bitten.
Liebe mich doch Gefährtin, Verlaß mich nicht. Sei mit mir.
Sei mit mir, Gefährtin, in dieser Woge von Angst.

Doch langsam nehmen meine Worte die Farbe deiner Liebe an.
Alles besetzt du, alles, alles.

Ich werde aus allen eine endlose Kette machen
für deine weißen Hände, sanft und glatt wie Weinbeeren.

Pablo Neruda
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Beitragvon ashoggi » 03.03.2010, 15:05

Die Königin

Ich habe dich zur Königin ernannt.
Größere gibt es, größer als du.
Reinere gibt es, reiner als du.
Schönere gibt es, schöner als du.

Doch du bist die Königin

Wenn du durch die Straßen gehst,
erkennt dich keiner.
Niemand sieht deine Krone aus Kristall, niemand schaut
den Teppich aus rotem Gold,
den jeder Schritt von dir betritt,
den Teppich, der gar nicht da ist.

Und wenn du erscheinst,
rauschen alle Flüsse
in meinem Körper auf, rütteln
die Glocken am Himmel,
und ein Hymnus erfüllt die Welt.

Nur du und ich,
nur du und ich, meine Liebe,
hören ihn tönen.

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Beitragvon Freysine » 05.03.2010, 9:39

VII

Arglose Biene, trunken von Honig, summst du mir
durch die Seele und drehst dich in trägen Rauchspiralen.

Ich bin der Hoffnungslose, bin das Wort ohne Echo,
ich, der alles verlor und der alles besaß.

Letztes Ankertau du, in dir knirscht meine letzte Angst.
Auf meiner wüsten Erde bist du die letzte Rose.

Ach, Schweigsame du!

Schließ deine tiefen Augen. Dort rüttelt die Nacht mit den
Flügeln.
Ach, enthülle doch deinen furchtsamen Statuenleib.

Abgründige Augen hast du, in denen Dunkel flattert.
Taufrische Blütenarme und einen Rosenschoß.

Deine Brüste, sie gleichen den weißen Meeresmuscheln.
Auf deinen Lenden hat ein Schattenfalter sich niedergelassen
zum Schlaf.

Ach, Schweigsame du!

Sieh doch die Einsamkeit, der du so fern bist!
Es regnet. Meereswind jagt die schweifenden Möwen.

Das Wasser wandelt barfuß durch die verregneten Gassen.
Über den Baum da klagen, wie Kranke, seine Blätter.

Arglos, teilnahmslos, Biene, summst du noch durch mein Herz.
Du lebst auf mit der Zeit, immer zart und schweigsam.

Ach, Schweigsame du!

Pablo Neruda
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Beitragvon Gast » 05.03.2010, 23:11


Bewaffneter Friede


Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.

Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät
Geh her und übergib dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weiter sprechen!

Und allsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch
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Beitragvon Tarantel60 » 09.03.2010, 16:57

Wasser und Wein.

Unerschrocken taucht der Fischer
In die Meeresflut,
Wo auf tiefem, feuchtem Grunde
Still die Perle ruht.

Gerne hab' ich volle Krüge
Und vom Wein ein Meer,
Sind in meinen Liedern Perlen,
Holt' ich da sie her.

Da die Welt von Sünd' umnachtet,
Kam die Sintflut wild,
Und die Nacht ward von den Wassern
Jäh hinweggespült!

Auch mein Herz ist oft umnachtet,
Doch von Gram und Pein,
Machtlos aber ist das Wasser,
Mir hilft nur der Wein!

Müde in der Sommerhitze
Steht das Blümelein,
Doch ihm flößt ein milder Regen
Neues Leben ein:

Wenn verzagt ich und ermüdet,
Macht der Wein mich frei,
Und nach einem feinen Tropfen
Glüht's in mir aufs neu'.

Ob Verstellung, ob Betrübnis,
Was es immer ist,
Alter Brauch, dass um die Toten
Tränen man vergießt;

Ich verbitte mir das Wasser:
Wenn es Tränen gilt,
Mögen sie dem Kelch entströmen,
Der mit Wein gefüllt!



(Petöfi Sándor)
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Beitragvon Freysine » 10.03.2010, 16:38

Warnung

Des lieben Gottes Möglichkeiten,
Uns Schmerz und Ängste zu bereiten,
Seis eingeweidlich, gliedlich, köpflich,
Sind wahrlich reich, ja unerschöpflich.
Gefährlich ists, sich zu beklagen,
Das Leben sei nicht zu ertragen.
Denn er beweist es dir im Nu:
Du trägsts - und Zahnweh noch dazu -
Und fühlst erlöst dich ganz bestimmt,
Wenn er es wieder von dir nimmt.
Es scheint dir nunmehr leichte Last,
Was vordem du getragen hast.
Rezept: Trag lieber gleich mit Lust,
Was du doch schließlich tragen mußt.

Eugen Roth
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Beitragvon Gast » 12.03.2010, 1:18

Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding
ein so genannter Schmetterling.

Der flog wie alle Falter
recht sorglos für sein Alter.

Er nippte hier - er nippte dort
und war er satt, so flog er fort.

Flog zu den Hyazinthen
und schaute nicht nach hinten.

So kam's, daß dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

Heinz Erhardt
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Beitragvon Freysine » 13.03.2010, 11:39

[color=darkred]Deine Welt

Trudele dahin! Verkehre bei Ingenieuren!
Laß dich als Redakteur von Staatsanwälten verhören!
Sei eingeladen bei Snobs, die wichtigtuende Diplomaten
schnurrend umschleichen, besonders die aus den kleineren Staaten!
Entflieh der Familie! Rutsch die soziale Leiter hinauf und hinab -:
es spielt sich alles unter zweihundert Menschen ab.

Wohn an der Weser, der Oder, der Weichsel, der Elbe -
deine Gesellschaft bleibt immer, immer dieselbe.
Immer dieselben Fahrt- und Leidensgenossen,
wie mit Gittern sind dir die andern Gärten verschlossen.
Freunde sind dein Schicksal, aber nicht zu knapp.
Es spielt sich alles unter zweihundert Menschen ab.

Fahr nach Amerika! Wer steht im Hotel auf den Herrentoiletten?
Rosenfeld. Und er spricht: "Was tun sie in Manhattan?"
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