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Gedichte

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Forum der Regionalgruppe Essen

Moderator: Korallensucherin

Beitragvon schnute41 » 05.03.2010, 15:58

Der Komiker

Ein Komiker von erstem Rang
Ging eine Straße links entlang.
Die Leute sagten rings umher
Hindeutend: Das ist der und der!
Der Komiker fuhr aus der Haut
Nach Haus und würgte seine Braut.
Nicht etwa wie von ungefähr,
Nein ernst, als ob das komisch wär.

Joachim Ringelnatz



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Beitragvon Korallensucherin » 06.03.2010, 7:32

[center]Ein Lächeln auf Papier:


Ein Lächeln das fällt mir
ganz leis auf mein Papier.
Ich lad es ein zu bleiben
und fange an zu schreiben.

Gedichte fallen mir
ganz sacht auf mein Papier.
Sie sind noch sehr benommen,
ich heiße sie willkommen.

Nun eile ich zu dir
mit meinem Stück Papier,
in meiner Hand ein Stift
als dich mein Lächeln trifft.

Dein Blick streift das Papier,
mein Lächeln hüpft zu dir.
Erfreut schaust du mich an,
ziehst mich in deinen Bann.

Und plötzlich wird mir klar
was da mit uns geschah:
Ein Lächeln auf Papier
sprang leis von mir zu dir.

I. Kunath

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Beitragvon eunike » 06.03.2010, 8:03

[center]UNSICHERHEIT 

Ich möchte dir etwas Liebes sagen,
und bin ironisch
oder total sachlich.
... Ich bin unsicher.
 
Ich möchte dich ganz fest umarmen,
und berühre dich
nur flüchtig.
... Ich bin unsicher.
 
Ich vermittle das Gefühl,
eine Wolke zu sein,
und lässt du dich fallen,
prallst du auf Stein.
 
Ich wär so gern die Wolke, aber
... ich bin unsicher.
 
(K. Allert-Wybranietz)

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Beitragvon schnute41 » 06.03.2010, 13:26

Elfenlied

Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Dann scheinet uns der Mond,
Dann leuchtet uns der Stern;
Wir wandeln und singen
Und tanzen erst gern.

Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Auf Wiesen, an den Erlen
Wir suchen unsern Raum
Und wandeln und singen
Und tanzen einen Traum.


Johann Wolfgang von Goethe


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Beitragvon eunike » 06.03.2010, 18:47

[center]Vorfrühling

Durch die frühe Dämmerung
Geh ich ganz in Träumen hin,
Und ich weiß es nicht, warum
Ich so still und selig bin,
Dass mein Herz ganz hold und leicht
wie ein Veilchenstrauß sich trägt -
Plötzlich überkommt es mich:
Horch, die erste Amsel schlägt ...

(Ina Seidel)
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Beitragvon eunike » 07.03.2010, 7:35

[center]Sonntagsstimmung

In halben Schlummer mir ein kühler Hauch
Durchs off'ne Fenster sanft die Stirn verweht,
Vom nahen Birnbaum oder Fliederstrauch
Ein Finklein schmettert hell sein Frühgebet.

Im fernen Osten blitzt ein goldner Strahl,
Am Himmelsdom steigt auf das ew'ge Licht,
Der Glocken heller Klang vom nahen Tal
Im Widerhall sich an der Waldwand bricht.

Aus tiefstem Herzensgrund zum Ätherblau
In Sonntagsfreude heiße Andacht loht,
Ein Purpurarm glüht aus des Himmels Au
Als segne Gott die Welt im Morgenrot.

(Alois Josef Ruckert)

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Beitragvon Korallensucherin » 07.03.2010, 7:44

[center]Leise Frühlingsgefühle


Endlich ist das Eis gebrochen,

der Himmel zeigt schon recht viel Blau.

Die Menschen atmen auf,

blinzeln mit der Sonne um die Wette.

Noch ist der Frühling nicht angekommen,

aber eine Schale mit bunten Primeln

lässt schon Frühlingsgefühle erwachen.

Der Anfang ist jetzt gemacht.

von Annegret Kronenberg


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Beitragvon Linde1 » 07.03.2010, 9:56

[center]
Immerfort

Das Sonnenstäubchen fern im Raume,
das Tröpfchen, das im Grase blinkt,
das dürre Blättchen, das vom Baume
im Hauch des Windes niedersinkt----
ein jedes wirkt am seinem Örtchen
still weiter, wie es muß und mag,
ja selbst ein leises Flüsterwörtchen
klingt fort bis an den letzten Tag.
Wilhelm Busch[/center]
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Beitragvon schnute41 » 07.03.2010, 13:44

Ich ging im Walde
So vor mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümlein stehn,
Wie Sterne blinkend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt' es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Mit allen Wurzeln
Hob ich es aus,
Und trugs zum Garten
Am hübschen Haus.

Ich pflanzt es wieder
Am kühlen Ort;
Nun zweigt und blüht es
Mir immer fort.

(Johann Wolfgang von Goethe)


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Beitragvon eunike » 08.03.2010, 6:43

[center]Frühlingswunsch

von Annegret Kronenberg
In meinem duftigsten Frühlingskleid,
mit wehenden Haaren
und leichten Tanzschuhen
möchte ich dir entgegeneilen.
Schritt für Schritt
dir näherkommen,
bis ich dich fühlen,
riechen, schmecken kann,
mein geliebter Frühling.

(Annegret Kronenberg)

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Beitragvon schnute41 » 08.03.2010, 14:04

Ohne Fleiß, kein Preis

Ein Gedicht von Jörg Kühnast

Eine Biene flog im Sommerwind, zu einer Blüte hin geschwind.
Sie setzte sich so gleich darauf, und sog den süßen Necktar auf.
Als sie satt war und zufrieden, wollte sie nun weiterfliegen.
Doch als sie sich um sah dachte sie, du meine Güte, hier ist ein ganzes Feld voll, dieser Blüte.
Sie standen da in voller Pracht, und Honig nennt man das, was die Biene aus dem Necktar macht.
Sie schwirrte ab, ganz schnell nach Haus und trommelte den ganzen Bienenstock raus.
Es dauerte nur einen kurzen Augenblick, und die Bienen waren am Blütenfeld zurück.
Eine Biene, eine Blüte man konnte tanken zur Genüge.
Doch die Bienen die es haben übertrieben, hatten Probleme nach Hause zu fliegen.
Und am nächsten Morgen hat man dann die Gabe,
daß man seinen Hintern nicht mehr kriegt, aus seiner Wabe.
Darum achte darauf was du in deinen Rüssel ziehst, nicht das du das Gleichgewicht verlierst.
Nicht die Menge machsts, sondern die Qualität, das ist das Geheimnis wie bester Honig entsteht.


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Beitragvon schnute41 » 09.03.2010, 13:41

Ein Traum von Baum
I. Kunath

Heut Nacht in meinem Traum
stand ich vor einem Baum.
Der Baum war groß und kahl.
Er hatte keine Wahl.
Der Winter kam, nahm ihm sein Kleid.
Jetzt steht er da und weit und breit
nur Schnee und Eis,
die Äste weiß.
Die Zeit vergeht, der Baum erwacht,
fängt an zu blühn in voller Pracht.
Nun ist der Baum wohl wieder schön
für die, die‘s oberflächlich sehn.
Denn vorher war er auch ein Traum,
ein Traum von mir,
ein Traum von Baum.


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Beitragvon eunike » 10.03.2010, 6:59

[center]Im März

Des Frühscheins zarte Röte
Kränzt Wald und Flur,
und auf geteilter Flöte
Spielt leis Natur:
Gedämpfte Sterbeklagen
Erklingen und entsagen,
Und eng daneben,
Auf hellem Rohr
Jauchzt junges Leben
Selig empor.

(Adolf Frey)
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Beitragvon freundlichefrau » 10.03.2010, 11:48

Gedichte
Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht's auch der Herr Philister:
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.

Kommt aber nur einmal herein!
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ist's auf einmal farbig helle,
Geschicht' und Zierrat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schein;
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut Euch und ergötzt die Augen.

von Johann Wolfgang von Goethe
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Beitragvon schnute41 » 10.03.2010, 13:45

Sehnsucht nach dem Frühling

O, wie ist es kalt geworden
Und so traurig, öd' und leer!
Raue Winde weh'n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen,
Möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl;

Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring' uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798 - 1874
)


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