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Beitragvon WAMozart » 06.05.2012, 11:09

Die Geschichte mit Annemarie, die ich am Schluss meines letzten Kapitels erzählt habe, hat tiefe Spuren hinterlassen. Zum einen, weil ich es nicht begreifen konnte, dass ein Mensch, in der Position des „Heimvaters“, so abscheuliche Dinge tun konnte. Zum anderen, weil ich die Geschehnisse zwei anderen Knaben erzählt habe, und wir drei fast jede freie Minute, gemeinsam nach einer Lösung gesucht haben. Wie oft wir während der Zeit des Suchens den „Heimvater“ in Gedanken gefoltert und auf bestialische Weise umgebracht haben, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

Aber bevor sich die Lösung dieses Problems erfüllen liess, passierten noch ein paar andere Dinge. Zum einen stand für mich im kommenden Frühling der Übertritt in eine höhere Schule an. Ich wäre der erste, in der Geschichte des Schlosses, der eine höhere Schule ausserhalb der Schlossmauern besuchen dürfte. Zum anderen beschäftigte mich die Freundschaft oder die beginnende Liebe zu einem Mädchen aus dem Nachbardorf, zu der ich wegen meiner Sonderstellung als Karrer einen guten Kontakt aufbauen konnte.

Der Umstand, dass ich nach einer bestandenen Aufnahmeprüfung in die Bezirksschule als erster und einziger eine Schule ausserhalb der Schlossmauern würde besuchen dürfen, schien dem „Heimvater“ überhaupt nicht in sein Konzept zu passen, weshalb er sich auch vehement dagegen wehrte. „Was glaubst du eigentlich, wer du hier bist, und welche Ansprüche du an unsere Institution stellen kannst“, schrie er mich an, als ich ihm meinen Wunsch, die Aufnahmeprüfung machen zu dürfen, vortrug. „Wir erziehen hier solche Lümmel wie dich, zu anständigen Menschen, damit unsere Gesellschaft sie später wenigstens brauchen kann.“

Nach diesen Worten war für mich klar, dass jetzt die Stunde meines Grossvaters gekommen war. Ich war ja Karrer und als solcher auch wieder der einzige, der Gelegenheit dazu hatte, aus den Schlossmauern heraus zu kommen. Zudem hatte ich immer noch das Geld, welches ich vor dem Eintritt versteckt hatte. So telefonierte ich noch am selben Abend aus der Telefonzelle des Nachbardorfes mit meinem Grossvater, und schilderte ihm meine Erfahrungen im Schloss, insbesondere aber die heutige Diskussion wegen dem allfälligen Schulübertritt. Er versprach mir, sich umgehend mit dem Heimvater in Verbindung zu setzen, um seinen Besuch im Schloss anzukündigen. Wir hatten grundsätzlich an einem Sonntag pro Monat das Recht, einen Besuch zu empfangen, und zwar am Nachmittag zwischen 1400 und 1700 h. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein halbes Jahr im Schloss war, hat mich meine Mutter noch nie besucht, aber so ging es noch vielen anderen Kindern.

Am Sonntagmorgen nach der Rückkehr vom Gottesdienst waren wir Kinder im oberen Schlosshof am Spielen, als ich plötzlich sah, wie die schwere Limousine meines Grossvaters in den unteren Schlosshof einfuhr. In diesem Moment kam der „Heimvater“ aus der Waschküche, man sah ihm an, dass er jetzt am liebsten losbrüllen würde, denn der untere Schlosshof, war sein Revier, in dem er niemanden, und schon gar kein fremdes Auto duldete. Mein Grossvater und Herr Dulz stiegen aus und begrüssten den verdutzten „Heimvater“ mit ausgesuchter Höflichkeit. Mit ausgetreckter Hand ging mein Grossvater auf den „Schlossherrn“ zu. „Sie sind sicher Herr K. mein Name ist Ernst B..., ich bin der Grossvater von Walter. Es freut mich, Sie kennen zu lernen, und ich freue mich auch, Ihnen meinen Stallmeister und Chauffeur, Herr Dulz, vorzustellen.“ Noch nie in meinem bisherigen Leben habe ich beobachten können, wie radikal und raffiniert ein durchtriebener Mensch, seine offensichtliche Aggression, angesichts von Höflichkeit und Bildung, so blitzartig in eine schleimige und schmierige Höflichkeit verwandeln konnte. Der „Heimvater“ lud seine Gäste mit einer übertriebenen Beflissenheit ein, ihm doch in sein Büro zu folgen. Nun verging eine unendlich lange halbe Stunde, bis man mich rief, in das Büro des „Heimvaters“ zu kommen.

Was mich dort erwartete, hat mich schlicht umgehauen. Nachdem ich meinen Grossvater und Herrn Dulz begrüsst hatte, meldete sich der „Heimvater“ mit den Worten: „Schau mal Walter, welch eine Freude, kürzlich habe ich deinem Lehrer noch gesagt, dass wir dir auf Grund deiner ausserordentlich guten schulischen Leistungen, unbedingt die Möglichkeit geben müssten, die Aufnahmeprüfung für die Bezirksschule zu machen, und nun habe ich genau das, soeben mit deinem Grossvater besprochen. So wurde innert 4 Tagen aus dem „Lümmel“ wieder ein Walter. Ich hatte genügend Feingefühl, die Situation nicht zu berichtigen, sondern sie einfach so weiterlaufen zu lassen, wie lief. Bla…bla….blaaaa….

Man hörte plötzlich die Essensglocke läuten, und mein Grossvater sagte zu mir, ich könne drei bis vier Kinder mitnehmen, dann würde er uns an einen schönen Ort zum Essen einladen. Ich musste nicht lange studieren und benannte meinen zwei besten Freunde und Annemarie. Nach etwa einer Viertelstunde fuhren wir los. Noch nie hatte ich so viel Freude und Aufregung in Menschenaugen gesehen, wie bei diesen drei Kindern.

Wir gingen in ein berühmtes Fischlokal, mein Grossvater bestellte für alle Forelle blau, wobei er den Ober bat, den Fisch für die Kinder gleich in der Küche zerlegen zu lassen. Bei der Diskussion im Büro des „Heimvaters“ ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass sich mein Grossvater und Herr Dulz duzten, deshalb war ich nicht mehr so sehr überrascht, als mir Herr Dulz beim zuprosten sagte, er sei ab heute für mich der Edgar. Aber gefreut hat es mich alleweil. Nach dem feinen Essen fuhr uns Edgar in das Restaurant Schartenfels, jenes Restaurant also, welches Jahre später, vor meinem China-Aufenthalt, noch einmal eine wichtige Rolle spielen würde. Aber noch war ich nicht so weit in meinem Leben. Vorerst bekamen wir dort ein feines Dessert. Nach dem Essen zeigte Edgar den drei Kindern das Auto, während mich mein Grossvater beiseite nahm, um mit mir ein ernsthaftes Wort zu reden.

„Walter, bitte sage es mir, wenn dir der Aufenthalt in diesem Schloss zu viel wird. Ich bin zwar für jeden Tag froh, an dem du dort bist, weil mir eine wüste Auseinandersetzung mit deiner Mutter erspart bleibt, denn ich kann das Gesetz nicht ändern, aber ich will nicht, dass du dort leidest. Herr K. hat mir heute gesagt, dass deine Mutter mit den Zahlungen 4 Monate im Rückstand ist. Ich habe ihm versprochen, dass ich gleich Morgen das Pflegegeld für das erste Jahr überweisen werde. Ich bin also froh, wenn ich die Angelegenheit so regeln kann, ich würde es aber nicht auf deinem Buckel machen wollen.“ Ich kannte meinen Grossvater gut genug, um die Ehrlichkeit seiner Worte zu spüren. Trotzdem spürte ich aber auch den subtil angebrachten Druck seiner Worte. „Grossvater, du hast mich heute nicht im Stich gelassen, und das hat mich sehr gefreut, und es kann sein, dass ich dich noch öfters brauchen werde. Wenn du mir versprichst, in dieser begrenzten Form für mich da zu sein, verspreche ich dir, hier zu bleiben und ein guter Schüler zu sein.“ Dann streckte ich ihm die Hand entgegen, er nahm sie in seine grossen, warmen Hände und drückte sie ganz fest. Mir war, als hätten wir einen Eid geleistet und ich spürte eine grosse Geborgenheit. Als wir zum Auto zurückgingen, sah ich, dass er ganz verstohlen seine Augen trocknete. Diese Szene gehört zu jenen Momenten, in denen ich trotz Schloss und vielen Widerwärtigkeiten spürte, dass ich geliebt wurde. Auch spürte ich, Teil eines Ganzen zu sein, und eine wichtige Aufgabe in diesem Ganzen zu haben. Und ich spürte noch etwas: Trotz allem fühlte ich mich privilegiert, denn ich wusste, dass mir dieser „Heimvater“ nichts mehr anhaben konnte. Er war ein mieser Wendehals, der, um seine Pfründe retten zu können, seine eigene Grossmutter verkaufen würde. Ich hatte das grosse Glück über eine wie, man heute sagt, „gute Resilienz“ zu verfügen.

Wir hatten eine wunderschöne Rückfahrt zum Schloss, und es war mir um einiges wohler, als beim ersten Mal, als der Freund meiner Mutter mich hierher brachte. Als wir wieder in den unteren Schlosshof einbogen, kam gerade der „Heimvater“ aus dem Schlosstor und bat meinen Grossvater, mit ihm doch noch schnell in den Keller zu kommen. Dort zeigte er ihm den grossen Weinkeller und überreichte ihm eine Kiste vom Schloss eigenen Wein. Die Inszenierung erreichte ihren Höhepunkt, als er mir „feierlich“ die Uhr meines Vaters, die ich ihm angeblich in Obhut gegeben hätte, mit den Worten überreichte: „So Walter, ab weißt du selber wieder, wie spät es ist.“. Wie Recht er mit dieser Bemerkung hatte, wusste er in diesem Moment noch nicht. Die gekünstelte Dienstbarkeit des „Heimvaters“ schien nur an einem Punkt zusammen zu brechen, nämlich dann, als mein Grossvater kurz vor der Verabschiedung jedem von uns Kindern, in scheinbarer „Unkenntnis“ der Tatsache, dass die Kinder kein Geld haben durften, eine Fünfernote in die Hand drückte. Mit süsser Mine und saurem Hintergrund, sah der „Heimvater“ aber darüber hinweg, was mich sehr beruhigte.
So neigte sich ein schöner Sonntag, an dem ich eine wertvolle Lehrstunde unter dem Titel „Gelebte Psychologie im Alltag“ erhielt. Wie so oft im Leben, heiligte der Zweck die Mittel, und zwar im positiven Sinn.

Die zweite Geschichte, die meine junge Seele beschäftigte, war die Begegnung mit Margrit, einem drei Jahre älteren, gross gewachsenen Mädchen mit langen, blonden Zöpfen und einem wunderschönen Gesicht, das sein inneres Leiden nur schlecht verbergen konnte. Margrit stand eines Abends, als ich die Milch in die Käserei brachte, vor der Käserei und unterhielt sich mit ihrer Freundin. Wahrscheinlich blieben meine Augen etwas zu lange an ihr hängen, denn sie wurde plötzlich rot im Gesicht und bekam seltsame Flecken am Hals, während mein Mund blitzartig austrocknete. Ich fühlte mich ertappt und sorgte dafür, dass ich mit den Milchkannen so schnell wie möglich in der Käserei verschwand. Als ich wieder heraus kam, stand Margrit vor „Lisi“ der Hannoveraner-Stute und fragte mich keck, wie denn das Pferd hiesse: „Lisi“ sagte ich mit meinem trockenem Mund, „sie ist eine Hannoveraner-Stute“ schob ich noch nach, damit der einfache Name nicht so einfach in der Luft hängen blieb. „Sie ist ein schönes Pferd “, meinte Margrit, „fast so schön wie der Karrer, aber einen schöneren Namen hätte man ihr schon geben dürfen“, kicherte sie hinterher. Ihre offensichtlich jüngere Freundin stand ganz verschämt hinter der Käserei und drängte. „Beachte sie einfach nicht“, meinte Margrit, „sie platzt vor Neid, weil sie selber noch keinen Freund hat.“ „Ich bin übrigens auch jeden Sonntag in der Kirche“, lachte sie. „Ich finde das schön, so habe ich nächsten Sonntag meine erste Verabredung“, sagte ich und verabschiedete mich für diesen Abend von Margrit. Aber ich spürte auf dem Heimweg, dass ich soeben einen „Virus“ eingefangen hatte…. Man nennt diesen Virus Liebe, wenngleich ich bis heute nicht erklären könnte, was es ist.

Dieser Virus führte dazu, dass ich am kommenden Sonntag in der Kirche darauf schaute, ganz aussen in der Bankreihe zu sitzen, und zwar so, dass neben mir noch ein Platz frei war. Eine bekannte Stimme fragte mich, ob denn neben mir noch frei wäre. Am liebsten hätte ich gejubelt, beschränkte mich aber auf ein Lächeln und ein artiges „bitte“. Wir verbrachten die knappe Stunde natürlich schweigend nebeneinander. Meine Nase nahm einen angenehmen Geruch wahr, der von Margrit aus ging, es war der Geruch von LUX-Seife, die trotz der Herbstzeit einen Frühlingshaften Duft verbreitete. Ich roch diesen Duft so begierig ein, dass es mir fast schwindlig geworden ist.

Offensichtlich war ich bis über beide Ohren hinaus verliebt. Als die Predigt fertig war, steckte mir Margrit ein kleines Briefchen zu und bat mich, es nur zu lesen, wenn ich ganz alleine sei. Sie drückte einen kurzen Moment meine Hand, mit einer Intensität, die nichts mit Kraft, aber viel mit Tiefe zu tun hatte.

Im Schloss angelangt versteckte ich mich, um in aller Ruhe Margrits Brief zu lesen. Sie schrieb von einen grossen Gefühl, welches sie für mich empfinde. Sie möge es nicht Liebe nennen, schrieb sie, aber sie spüre, dass es ihr gut tue. Sie schrieb mir auch von einer tückischen Krankheit, die nach ihrem jungen Leben gegriffen habe, und es wahrscheinlich nicht mehr loslassen würde. Akute Leukämie, habe der Arzt gesagt, und eine Heilung sei so gut wie ausgeschlossen. Es gäbe Tage, an denen sie sich zum Sterben krank fühle. An anderen Tagen fühle sie sich so gut, dass sie den ganzen Tag lachen möchte. Aber es mache ihr Mühe, daran zu denken, dass sie wahrscheinlich sterben werde an dieser Krankheit. Sie hätte mir nun alles geschrieben, was in ihrem Leben eine gewisse Wichtigkeit habe, und sie hoffe sehr, dass ich mich nun, im Wissen um ihre Krankheit, nicht von ihr abwenden werde.

Wie betäubt nahm ich den fernen Schall der Essensglocke wahr und begab mich in den Speisesaal. Alle Kinder waren in aufgeräumter Stimmung, denn es gab heute Kartoffelstock und Schafsvoressen. Ich sass da und konnte nicht essen, keinen Bissen brachte ich hinunter. Mein Freund Rico, der neben mir sass, stiess mich an und raunte mir ins Ohr. „Hey, gäll hesch Liebeschummer, ich has scho gseh i de Chile“. Ich nickte und war froh, als das Essen endlich vorbei war und ich mit Rico auf den Schlosshof gehen konnte. Es tat gut, mit ihm ein paar Worte über das Geschehene zu sprechen, wobei ich weder von Margrits Brief, noch von ihrer Krankheit gesprochen habe. Das war meine Sache. Während dem Spaziergang am Nachmittag musste ich dann allerdings ein paar kleine Neckereien einstecken.

Eigentlich wollte ich mit diesem Kapitel die „Schlossgeschichte“ abschliessen, aber ich würde meinem vergangenen Leben in keiner Weise gerecht, wenn ich hier aufhören würde. So geht es halt das nächste Mal noch einmal im Schloss weiter.
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Beitragvon Libelle61 » 06.05.2012, 11:19

wunderbar geschrieben und es berührt mich ganz eigenartig das Ganze....
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Beitragvon Mumpitzl » 06.05.2012, 11:45

Hallo WAmadeus
Mir hat Deine Geschichte sehr gut gefallen.Nun hätte ich gerne die vorherigen 6 Folgen gelesen.
Wo sind sie ?????
lg. Mumpitzl 
  
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Beitragvon romantik41 » 06.05.2012, 12:36

so schön walter, dass du wieder da bist, habe immer wieder nachgesehen, ob du wieder was geschrieben hast. ich hoffe, du hast diese zeit genutzt, irgendwie für etwas, das dir gut tat.

endlich hat dein grossvater reagiert. und dieser schleimer von einem schlossvater (mir wird schlecht, wenn ich nur an diesen mistkerl denke).

du hast dich verliebt in margrit, wie schön. aber ich denke, diese krankheit die sie hat, wird sicher eines tages zum ende führen.
ich sehe deinem nächsten kapitel mit erwartung entgegen.
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Beitragvon WAMozart » 06.05.2012, 16:48

Ich bedanke mich für eure Echos, die mich erfreuen.

@mumpizl
du kannst unten rechts zurück blättern und findest auf Seite 2, 3 und folgende die restlichen Kapitel. Ich wünsche dir viel Vergnügen.
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Beitragvon romantik41 » 09.05.2012, 12:12

ich wünsche mir, dass mozarts gesschichte wieder sichtbar ist.
sie verschwindet sonst ins nirwana, bitte schreibt eure kommentare dazu.
danke, gruss romantik41 :D :D :D
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Beitragvon N_Adine » 14.05.2012, 14:50

Lieber WAMozart,
Es liest sich wie ein Roman und doch ist es Realität – DEIN LEBEN.

Erstaunlich und bewundernswert, wie viel Schrecken und Widerwärtigkeiten ein Kind/Jugendlicher ertragen muss und kann und dann im fortgeschrittenen Alter in der Art und Weise, die Deiner eigen ist, darüber zu berichten.

Deine Art des Erzählens, Deine Schilderung des Leids von damals, Deine Wortwahl faszinieren mich und erwecken bei mir den Eindruck, dass der Erzähler ein sehr starker, positiver, lebensbejahender, am Leben gewachsener Mensch mit sehr viel Feingefühl ist. So kann nur ein Mensch über derartige Ungeheuerlichkeiten schreiben, der mittlerweile mit sich und den Geschehnissen seines Lebens im Reinen ist.

Ich habe das Lesen genossen, Deine Schilderungen haben mich gefesselt und mitgenommen in einen, DEINEN Lebensabschnitt vor langer Zeit.
Ich habe meine mittlerweile verstorbenen Eltern, deren Jugendzeit vom Krieg und unsäglichem Leid geprägt war, leider vergeblich gebeten, ihre Empfindungen und Eindrücke, die sie aus ihrer Kindheit und Jugend in sich trugen, für uns aufzuschreiben, um unserer und den nachfolgenden Generationen in ein Leben Einblick zu gewähren, dass vermutlich für die meisten unserer Kinder unvorstellbar ist und doch war es für unsere Eltern Realität.

Danke für Deinen Mut, dies für uns alle niederzuschreiben und Dich somit emotional nochmals in diese Zeit und ihren Widerlichkeiten zurückzuversetzen.
Lg
N_Adine
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Beitragvon WAMozart » 15.05.2012, 9:39

Liebe N_Adine,

danke für deinen Kommentar. Du hast das begriffen, was ich in der Geschichte schreibe. Trotzdem, es ist für mich heute nicht mehr mit Schmerzen oder Ressentiments verbunden darüber zu schreiben. Ich hatte zu jeder Zeit meines Lebens die richtigen Menschen an meiner Seite auf die ich mich verlassen konnte. Das ist es worauf es ankommt, wieviel ein Mensche ertragen kann.
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Beitragvon Engelchen40 » 15.05.2012, 18:30

N-Adine

Ich habe das Lesen genossen, Deine Schilderungen haben mich gefesselt und mitgenommen in einen, DEINEN Lebensabschnitt vor langer Zeit.
Ich habe meine mittlerweile verstorbenen Eltern, deren Jugendzeit vom Krieg und unsäglichem Leid geprägt war, leider vergeblich gebeten, ihre Empfindungen und Eindrücke, die sie aus ihrer Kindheit und Jugend in sich trugen, für uns aufzuschreiben, um unserer und den nachfolgenden Generationen in ein Leben Einblick zu gewähren, dass vermutlich für die meisten unserer Kinder unvorstellbar ist und doch war es für unsere Eltern Realität.



Die Geschichten von WAMozart sind wunderschön, auch ich lese sie sehr gerne, denn sie berühren die Seele.
Ich glaube aber nicht, dass du sie vergleichen kannst mit den Kriegserlebnissen deiner Eltern. Da ging es um's "nackte Überleben", Da konnte man niemanden anrufen, wenn es keine Lebensmittel gab oder wenn man in den Luftschutzkeller rennen musste. Ich kann deine Elter verstehen, wenn sie nichts aufschreiben wollten, besser gesagt konnten, soetwas kann man nur ertragen, wenn man das Erlebte "einkapselt" und nie mehr wieder hervorholt.
Sende dir liebe Grüsse
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Engelchen40
 
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