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Kieznachrichten

5 Beiträge
Forum der Regionalgruppe Berlin

Moderatoren: bowlingmaus, Lindalu, elke46

Beitragvon froggybln » 28.06.2010, 12:43

[center]Kieznachrichten.[/center]


[center]Aus meinem Wohnbezirk Steglitz/Zehlendorf.[/center]



Heute:
Namen die auf den Straßenbenennungschildern zu finden sind. Namen von Menschen, die Steglitz auf irgendeine Weise
geprägt haben und nach denen Straßen benannt wurden.
Wir nehmen sie zur Kenntnis weil wir durch diese Straßen fahren, gehen, oder Adressen in diesen Straßen unser Ziel sind.
Vielleicht nehmen wir auch noch das kleine Schild über dem
Straßenschild wahr auf dem so einige Daten zum Namen vermerkt sind, ein Mehr prägt sich aber nicht bei uns ein. Warum auch.
Mehr Interesse aber wird geweckt wenn diese/dieser User aus unter-
schiedlichen Gründen Friedhöfe besucht und voller Bewunderung
vor den alten Denkmälern und Grabsteinen verweilt und der
Name darauf jetzt einen Hinweis auf eine Straße, oder auf eine andere Bedeutung wiedergibt, die einen Teil der eigenen Heimatgeschichte ist.
Wem es makaber erscheint Friedhöfe ohne einen besonderen Grund aufzusuchen, außer aus einem traurigen Anlass, oder dem Gedanken da komme ich noch früh genug hin sei gesagt, sie eignen sich hervorragend für einen Spaziergang.
Friedhöfe strahlen eine unwahrscheinliche Ruhe aus, die Hektik
des Alltags bleibt außen vor, obwohl nur ein Zaun, oder wie hier in Berlin oft eine Mauer die Lebenden von den Toten trennt.
Über diese Trennung habe ich mir auch meine Gedanken gemacht.
Aber darüber an anderer Stelle.
Zurück zu den Namen. Ein Spaziergang über den Friedhof in der Steglitzer Bergstraße.

Wer weiß schon, dass zum Beispiel -Gustav Büchsenschütz, der
Komponist und Texter des Brandenburg Liedes " Märkische Heide-Steige hoch du roter Adler", der als gebürtiger Zehlendorfer in der Steglitzer Johanna-Stegen-Straße wohnte. hier im Frühjahr 1996 im Alter von 94 Jahren zu Grabe getragen wurde?
Vielleicht würde der Spaziergänger auch achtlos an den Grab vonReinhold Kraetke (gest.1934) vorbei gehen, nicht ahnend, dass Kraetke als Staatssekretär des Reichspostamtes den Postscheckverkehr, einheitliche deutsche Briefmarken und die Funktelegrafie einführte.

Geschichte einiger Gräber und Leben.


Ich erspare dem geneigten Leser das " Googlen", das Nachlesen bei "Wiki".
Gustav Büchsenschütz.(* 7. April 1902 in Berlin; "  9. Februar 1996 Berlin) [b]ist der Dichter des Liedes Märkische Heide, märkischer Sand.Gustav Büchsenschütz war Sohn eines Gendarmen und trat nach Erlangung der Primareife in den Verwaltungsdienst der Gemeinde Groß Lichterfelde ein. Er durchlief die gehobene Beamtenlaufbahn, die er nach fünf Jahrzehnten als Sport- und Bäderamtsleiter des Berliner Bezirks Steglitz beendete.
Als 21- jähriger war er damals , am Himmelfahrtstag 1923, von der Friedrichshainer Straßmannstrasse mit der S-Bahn vom Bahnhof Alexanderplatz unterwegs, gemeinsam fuhr er mit weiteren Wandervögeln bis nach Velten, um dann über Marwitz in den Krämer zu gelangen. Dabei wurde beim Wandern gesungen und auf der Klampfe gespielt, bis auf einmal Bruchstücke von Text und Melodie der"Märkischen Heide" in den Sinn kamen und bald in der Jugendherberge Wolfslake notiert wurden. Er war vorher mit seinen Eltern einige Male im Spreewald und wunderte sich immer wieder, wie auf den Kähnen " Oh, du schöner Westerwald" oder "Wie ist es am Rhein so schön" gesungen wurde. Hatte man denn kein Brandenburger Lied?Durch die Vertonung durch den Theaterkapellmeister Paul Lincke wurde es bekannt. Er konnte es nicht verhindern, dass die Nationalsozialisten dieses Lied für sich vereinnahmten und war vielleicht auch Stolz, dass sein Lied sogar bei der Wehrmacht als Marschlied gespielt und gesungen wurde. In der DDR-Zeit fast in Vergessenheit geraten, kam es nach der Wende wieder zur Geltung und wurde zur inoffiziellen Brandenburghymne.Unvergessen der 9. Februar 1990, als Büchsenschütz vor dem Brandenburger Tor in Potsdam zur Um -bzw. Rückbenennung der Klement- Gottwald -Straße in Brandenburger Straße, vor Tausenden von Leuten mit Taktstock das Volkspolizeiorchester Potsdam dirigierte.


Ende Teil 1
Vielleicht regen die "Kieznachrichten" auch andere Berliner User an über Besonderheiten, persönlichen Erlebnisse als "Kieznachrichten" aus oder in ihrem Bezirk zu schreiben. So können wir unser Regionalforum vielleicht noch mehr aufpeppen.













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Beitragvon bowlingmaus » 28.06.2010, 13:42

Hallo Quivis

Schöne Idee, aber ob das die Berliner zum schreiben bringt,

ich lass mich überraschen. Lesen werden sie bestimmt.
bowlingmaus
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Beitragvon titirangi » 28.06.2010, 17:18

Hallo Quivis,

Tolle Idee und für mich äusserst interessant.

Strassennamen sind immer faszinierend, sehr oft google ich um herauszufinden
wer dahinter steckt.

Ich habe einen Prospekt IGHF, Interessengemeinschaft Historischer Friedhöfe in Berlin mit nach Hause genommen. Mein nächster Besuch in Berlin sind für
Friedhöfe reserviert

Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung.

Titirangi (Triange)
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Beitragvon froggybln » 29.06.2010, 12:21

[center]Kieznachrichten.[/center]


[center]Aus meinem Wohnbezirk Steglitz/Zehlendorf.[/center]

Teil 2.
Carl Albrecht.

Der Namensgeber der Albrechtstraße.

Geboren am 16.6.1819 in Berlin, gest. 1904 in Steglitz. Wohnadresse, Schlossstrasse 84,
(ehem. Nr.60) Der Schlächter Carl Albrecht besaß seit etwa 1847 ein Geschäft in der Kronen straße 66. Auf einem Berliner Wochenmarkt hatte er durch einen Steglitzer Geschäftskunden
erfahren, das in Steglitz die um 1830 eröffnete Gaststätte von Carl Stephani zum Verkauf stand. Albrecht verkaufte seinen Fleischerladen und erwarb den Gasthof 1863, dem er den Namen " Albrechtshof" gab.
Diesen gab es bis 1968, er stand etwa dort wo sich heute das "Best Western Hotel Steglitz
international" im Kreiselkomplex befindet.
Doch schon 1870 verpachte Albrecht den Gasthof an Carl Lehmann.
Albrecht wurde Gemeindeverordneter. Er trat mit großem Engagement für die Wiedereinrichtung einer Haltestelle Steglitz der Berlin-Potsdamer Eisenbahn ein.
Der Albrechtshof wurde um eine Kegelbahn und um eine Orchesterbühne erweitert. Später noch um eine Gartenhalle. Von 1913-1967 befand sich im 1.Obergeschoß des Hofgebäudes ein Kino.
Zur Versorgung der Gäste hielt der Albrechtshof Mitte der 1930er noch 12 Schweine und über 500 Hühner. Da seit 1895 in unmittelbarer Nähe etliche Mietshäuser entstanden, gab der nächtliche Lärm und die Geruchsbelästigung durch die Viehhaltung im Innenhof Anlass zu mancherlei Klagen der Anwohner.
An Albrecht erinnert heute nur noch die gleichnamige Straße, die schon auf einer Karte von 1869 verzeichnet ist. Sie verläuft von der Schlossstrasse bis zur Halskestr.
Aus Unkenntnis ist der beschädigte Grabstein etwa um 2005 von Friedhofsarbeitern entsorgt worden. -Leider.

( aus Kiezkontakte- W.Holtz und von mir)


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Beitragvon bowlingmaus » 29.06.2010, 16:54

Kieznachrichten aus meinem Bezirk Neukölln - Britz

Teil 1

Fritz Reuter

Namensgeber der Fritz-Reuter-Allee, in der Hufeisen Siedling in Berlin- Britz

Fritz Reuter der mit vollem Namen Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter hieß
wurde am 7. November 1810 in Stavenhagen geboren und starb am 12. Juli 1874 in Eisenach.
Sein Vater war der Bürgermeister und Stadtrichter Georg Johann Reuter.
Fritz Reuter besuchte zwischendurch als einziger Junge eine Mädchenschule, ansonsten wurde er
bis zu seinem 13. Lebensjahr von seinen Eltern und Verwandten unterrichtet.d

Am 24. September 1831 bestand er dann seine Reifeprüfung und studierte
Rechtswissenschaften in Rostock. Auf Grund seiner "Burschenhaften Umtriebe" und
seinem "Rüpelhaften Verhalten" musste er die Uni verlassen. Er studierte dann in Jena weiter
und wurde am 31. Oktober 1833 wegen seiner politischen Gesinnung festgenommen.
Er erhielt eine Festungshaft von 30 Jahren, die dann aber auf 8 Jahre gemildert wurde.
Diese Haft verbrachte er in Groß Glogau , Magdeburg , Graudenz und Dömitz .
Am 25. August 1840 wurde er in Dömitz entlassen.

Er heiratete am 16. Juni 1851 Luise Kuntze .
1859 wurden Reuters Werke verlegt.
1863 verlieh im die Uni Rostock die Ehrendoktorwürde
Fritz Reuter starb hier am 12. Juli 1874 im Alter von 63 Jahren.
Kieznachrichten.



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