Wenn man eine Woche voller Stress hinter sich hat, freut man sich auf das Wochenende. Hat man außer Stress sich selbst auch noch die ganze Woche zurücknehmen müssen, kann ein Vorschlag gerade der richtige sein, der besonderen Stressabbau garantiert. Dazu rennen die einen zehn Kilometer durch den Wald, andere gucken, gerade jetzt, ein Fußballspiel, um alles abzuschütteln und sich zu befreien.
Tja, und wir waren bei GUILDO HORN (eigentlich Horst Köhler) am Tanzbrunnen in Köln. Für die, die es nicht wissen: Der Tanzbrunnen, errichtet 1957 im Rheinpark (rechte Rheinseite Kölns) ist eine Open-Air-Bühne mit teilweiser Überdachung ( Zeltkonstruktion des Architekten >Frei Otto<. Dort finden musikalische Veranstaltungen der unterschiedlichsten Genres statt. Bis zu 12.500 Zuschauer wird hier Platz geboten.
Gestern war die Eröffnung der BIERBÖRSE und Guildo Horn hat mit seinen "Orthopädischen Strümpfen" das Programm gestaltet. Seine Schlagerkarriere hat Horn mit 29 Jahren in Köln begonnen. Er trat zwei Jahre mit ironisch gefärbten Schlagertexten im Kölner Luxor auf.
Seine Zottelfrisur mag ich gar nicht, aber sein Outfit ist "beeindruckend": kurze Hose, gelb mit bunten Streifen, gelbes Hemd und grellbunte Krawatte, später Trainingsanzug, dann nackter Oberkörper und am Ende knallbunter Bademantel. Seine Orth. Strümpfe stehen ihm in nichts nach: verwuschelte Glanzhaarperücken und einer im rotkarierten Schottenrock.
Guildo Horn packt das Publikum, heizt ihm ein, reißt es mit. Es geht quer durch die Musikgenres, von Rock bis Pop, Evergreens bis Jazz und Schlager, alt bis älter.
Seine Darbietung ist gekonnt, er parodiert auf Teufel komm raus. Und er kann es! Dazu hat er noch eine gute, wohlklingende Stimme. Die Udo-Jürgens-Songs, von ihm gesungen, waren mir sympathischer als die vom Original.
Und ….alle, wirklich alle haben mitgesungen. Laut, weniger laut, von Herzen, mit Schmerzen

, mit angeborener Zurückhaltung die einen, mit Inbrunst und Ausgelassenheit die anderen. Auf jeden Fall aber alle mit Begeisterung. Ich auch, Singen macht frei.
Irgendwann zwischendurch reichte jemand ein winzig kleines Hündchen auf die Bühne. Es war dem Abend entsprechend geschmückt, man hatte ihm eine bunte Halskrause verpasst. Guildo fand das Tierchen so reizend, er wollte es mit nachhause nehmen und sich ins Poesiealbum kleben.
Und ganz zum Schluss: Ich werde meinen Teenager-Enkeln erzählen, dass Guildo Horn seine Hand auf meine Schulter gelegt hat. Ich sehe sie jetzt schon feixen.