von Gast » 16.09.2009, 15:06
Wie ich zu meiner ersten platonischen Freundin kam
Zwei Vorbemerkungen:
das was ich hier schildere, war von mir nicht vorhergesehen und noch weniger geplant. Es ist einfach irgendwie geschehen. Es hätte genauso gut auch völlig anders kommen können.
Und: was ich hier gerafft schildere, erstreckte sich real über mehrere Jahre und umfasst schwerpunktmäßig den Zeitraum 1983 bis etwa 1993.
Zum ersten Mal sah ich Monika 1983. Über meine damalige, längst verflossene Freundin Ute war ich Gast auf einer privaten Fete in einem evangelischen Gemeindezentrum. Ute hatte mir vorher schon überschwänglich von ihrer Freundin Monika vorgeschwärmt: sie sehe total gut aus, sei intelligent, gebildet, ein ganz feiner Mensch, überhaupt schien diese Monika nur positive Eigenschaften zu haben und für Ute war sie ein Vorbild, dem sie nacheiferte, so wie Monika wollte Ute auch gern sein.
Und in der Tat, auch ich fand Monika sehr attraktiv, als ich sie an diesem Abend zum ersten Mal sah: groß, schlank, gute Figur, schöne Augen, Monika war ein absoluter Hingucker.
Einige Zeit später, Ute war längst aus meinem Leben verschwunden, traf ich Monika zufällig wieder in einer Kneipe in der Altstadt. Wir kamen ins Gespräch und Monika erwies sich bald als sehr geistreiche Gesprächspartnerin: sie studierte an der Uni, war eine kluge und gebildete Frau, kannte sich in vielen Bereichen gut aus, und auch sehr lustig konnte sie sein. Es war einfach ein Genuss, sich mit ihr zu unterhalten. Wir trafen uns ab und zu und gingen auch zusammen aus. Im Lauf der Zeit versuchte ich dann zweimal, sie "anzubaggern", bekam aber beide Male einen Korb. Nach dem zweiten Mal hatte ich die Sache für mich akzeptiert, wenn ich eben bei Monika nicht "landen" konnte, dann war‘s eben so. Schade zwar, denn ich fand sie sehr attraktiv, aber was soll‘s, die Sache war abgehakt.
Dann geschah etwas vollkommen Unerwartetes. Eines Abends, ich war allein in meiner Wohnung, klingelte es und Monika stand unter der Tür. Ohne Umschweife gab sie zu verstehen, dass sie jetzt und hier bei mir und mit mir die Nacht verbringen wolle.
Ich kann bis heute nicht recht erklären, warum ich so reagierte. Ich hätte ja nur zugreifen brauchen (eigentlich also eine Situation, von der ein Mann nur träumen kann).
Ich reagierte intuitiv. Vermutlich mit dem Gedanken im Hinterkopf: das wird eine heiße aber kurze Affäre und bald geht"s wieder auseinander, die Wege trennen sich und aus die Maus. Genau so hatte ich das schon mehrfach erlebt und genau das wollte ich bei Monika nicht.
Ich sagte zu Monika sinngemäß: wenn wir das jetzt machen, dann befürchte ich, dass es bald vorbei ist und das will ich nicht. Mir ist die Freundschaft zu dir sehr wichtig und ich denke es ist besser, wenn wir das jetzt nicht tun.
Monika war völlig verblüfft, damit hatte sie offenkundig nicht gerechnet und ging gleich wieder.
Ab da waren wir enge Freunde. Wir tauschten kurz darauf unsere Ersatzwohnungsschlüssel, für alle Fälle, man kann ja nie wissen. Wir hatten beide einen wichtigen Freund gewonnen, auf den man sich fest verlassen konnte. Wir fragten uns manchmal gegenseitig um Rat und jeder von uns beiden konnte sicher sein, von dem anderen die bestmögliche Unterstützung und Hilfe zu bekommen.
Einmal z. B., ich erinnere mich gut, es war im Sommer 1989, brauchte ich ihre Hilfe. Von einem Moment auf den anderen fand ich mich nämlich im Krankenhaus wieder und musste operiert werden. Ich hatte nichts dabei, keine Zahnbürste, nichts. Vor der OP konnte ich noch telefonieren und bat Monika, mir aus meiner Wohnung ein paar Dinge zu bringen, was man im Krankenhaus eben so braucht. Es dauerte keine zwei Stunden und sie brachte mir Zahnbürste, Handtücher, Pyjama usw. Sie hatte alles stehen und liegen lassen und war in meine Wohnung und dann ins Krankenhaus geeilt. Sie stellte sogar noch mein Auto aus dem Parkverbot, wo es wahrscheinlich bald abgeschleppt worden wäre. Ich werd ihr das nie vergessen, für diese Hilfe bin ich ihr ewig dankbar.
Mitte der Neunziger Jahre hat sie geheiratet und ich zog weg und heiratete ebenfalls und so verloren wir uns für ein paar Jahre aus den Augen. Mittlerweile stehen wir wieder in Kontakt, vor kurzem erst hat Monika mit Ehemann und Sohn einen Kurztrip nach Görlitz unternommen und ich habe den dreien ausführlich die wunderschöne alte Stadt gezeigt.
Wir stehen wieder in Verbindung und ich bin glücklich, sie zum Freund zu haben. Und denke manchmal so für mich: hätte ich damals das Naheliegende getan und "zugegriffen", hätten sich unsere Wege garantiert schon längst getrennt. Monika wäre nicht mehr als eine kurze Episode in meinem Leben, die 25 Jahre zurückliegt und an die ich mich kaum noch erinnern kann.
Nachbemerkung: mittlerweile habe ich drei platonische Freundinnen. Ich bin nämlich auf den Geschmack gekommen und ich möchte diese Freundschaften auf gar keinen Fall mehr missen. Manchmal frage ich eine dieser Freundinnen um Rat und es kann in bestimmten Fragen durchaus ein Unterschied sein, ob ich eine Frau um Rat frage oder einen Mann. Je nach dem, kommt ganz drauf an, worum"s geht.
Die Ausgangsfrage "Können Frauen und Männer miteinander befreundet sein?" beantworte ich jedenfalls mit einem "Ja klar!"
Es kann unter bestimmten Umständen so sein. Muss nicht, aber kann.