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Kulturpessimismus

8 Beiträge

Beitragvon Katharina88 » 17.01.2012, 23:37

Kulturpessimismus Neben der Befürchtung,dass der Untergang der Welt generell bevorstünde,existiert die Mär vom Niedergang der abendländischen Kultur .Nun sahen sich die Kulturen zu allen Zeiten von einer solchen Katastrophe bedroht.Wer waren die Verkünder eines derartigen Unheils.Es handelte sich regelmäßig um jene,die ihren konservativen Wertvorstellungen gegenläufige Strömungen zu erkennen glaubten und nun um ihren Besitzstand bangten.Sie sahen in mehr oder weniger marginalen Abweichungen der Gegenwart schon Bestandsgefahr und rechneten in hysterischer Befürchtung den Untergang hoch. Die Klagen von Sarrazin,dass nicht nur eine demografische Überflutung durch kulturfremdes Erbgut drohe, sondern auch eine Ebbe im kulturellen Wissensbestand eintreten würde,wenn sich der gegenwärtige Trend nicht ändere,kennzeichnet eine solches Untergangsszenario. Wenn nun zuerst die Welt untergeht,dann erledigt sich die Chose von selbst. Katharina  
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Beitragvon buscador » 18.01.2012, 2:24

@Katharina
Du sagst:...<<<< Es handelte sich regelmäßig um jene,die ihren konservativen Wertvorstellungen gegenläufige Strömungen zu erkennen glaubten und nun um ihren Besitzstand bangten. >>>>

Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken ist immer grundsätzlich falsch und gemeingefährlich für jeden vernünftigen Menschen welcher in der Gegenwart lebt. Eines der fundamentalen und segensreichsten Prinzipien der Gesamtnatur ( Universum ) heißt vergessen. Ersatzlos vergessen!

Durch Sarrazin hat ja der längst vollkommen vergessene Oswald Spengler " der Untergang des Abendlandes " wieder Hochkonjunktur und wird von den dümmsten und masochistischen Schichten aus der Gesellschaft frenetisch gefeiert. Sie vermissten regelrecht etwas, um ihre Menetekel an die Wand zu werfen und ihre bereits erlebten Apokalypsen und Erfahrungen darzustellen. Wenn auch noch materielle Dinge dabei eine Rolle spielten, gepaart mit den
krankhaften Rache und Belohnungsfantasien einer abrahamitischen Religion, entstehen wirklich Zeitgenossen welche eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Allgemeinheit darstellen.

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Beitragvon FagusW » 18.01.2012, 13:12

Ein hochinteressantes Thema, und auch uferlos - ich stelle die naturwissenschaftlichen Untergangsszenarien a la Klimakatastrophe, die ja auch eine Art Kulturpessimismus darstellen, mal zurück.

@buscador schrieb
"Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken ist immer grundsätzlich falsch und gemeingefährlich für jeden vernünftigen Menschen welcher in der Gegenwart lebt. Eines der fundamentalen und segensreichsten Prinzipien der Gesamtnatur ( Universum ) heißt vergessen. Ersatzlos vergessen!"

Das einzig Beständige ist der Wandel, soll das wohl heißen. Alles fließt und keiner steigt zweimal in den selben Fluss und was es da sonst noch an Aphorismen gibt.
Aber es gibt auch einige Grundprinzipien, die sich nicht ändern. Zum Beispiel, dass wir eine kohlenstoffbasierte Bioform im wässrigen Milieu sind, die sich auf immer und ewig am Feuer verbrennen und Kohlenmonoxid als Sauerstoffersatz niemals akzeptieren wird.

Hier hakt der Konservative ein und bezeichnet bestimmte Zustände als von einer Höheren Macht vorgegeben, während der Fortschrittsgläubige vom Leben auf dem Jupiter schwärmt, wo Grundstücke derzeit noch ziemlich billig sind. Ein kritischer Geist sollte Beides hinterfragen: Althergebrachtes ist keineswegs gottgegeben fest, und doch gibt es Grenzen, die nur schwer oder gar nicht überschreitbar sind. Jeder Einzelne muss da seine persönliche Position finden.

(Kultur)Pessimismus findet sich überall dort, wo der Wandel nur als Bedrohung und nicht auch als Chance gesehen wird. Das hat auch mit der eigenen Flexibilität zu tun. Man tut aber gut daran, den Trick zu erkennen: wer den Untergang des Abendlandes predigt, sucht im Prinzip nach Verbündeten für seine eigenen Ängste, damit er nicht alleine dasteht. Und da bin ich mittlerweile ziemlich pampig:

Soll Ängste pflegen wer mag - um meinen Kopf braucht sich keiner Sorgen machen. Und deshalb steige ich nur allerseltenst in solche Boote, die angeblich das Gemeinwohl (was ist das?), tatsächlich aber nur die Interessen ihrer Steuermänner transportieren.
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Beitragvon Katharina88 » 18.01.2012, 18:28

FagusW hat geschrieben:Ein hochinteressantes Thema, und auch uferlos - ich stelle die naturwissenschaftlichen Untergangsszenarien a la Klimakatastrophe, die ja auch eine Art Kulturpessimismus darstellen, mal zurück.

@buscador schrieb
"Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken ist immer grundsätzlich falsch und gemeingefährlich für jeden vernünftigen Menschen welcher in der Gegenwart lebt. Eines der fundamentalen und segensreichsten Prinzipien der Gesamtnatur ( Universum ) heißt vergessen. Ersatzlos vergessen!"

Das einzig Beständige ist der Wandel, soll das wohl heißen. Alles fließt und keiner steigt zweimal in den selben Fluss und was es da sonst noch an Aphorismen gibt.
Aber es gibt auch einige Grundprinzipien, die sich nicht ändern. Zum Beispiel, dass wir eine kohlenstoffbasierte Bioform im wässrigen Milieu sind, die sich auf immer und ewig am Feuer verbrennen und Kohlenmonoxid als Sauerstoffersatz niemals akzeptieren wird.

Hier hakt der Konservative ein und bezeichnet bestimmte Zustände als von einer Höheren Macht vorgegeben, während der Fortschrittsgläubige vom Leben auf dem Jupiter schwärmt, wo Grundstücke derzeit noch ziemlich billig sind. Ein kritischer Geist sollte Beides hinterfragen: Althergebrachtes ist keineswegs gottgegeben fest, und doch gibt es Grenzen, die nur schwer oder gar nicht überschreitbar sind. Jeder Einzelne muss da seine persönliche Position finden.

(Kultur)Pessimismus findet sich überall dort, wo der Wandel nur als Bedrohung und nicht auch als Chance gesehen wird. Das hat auch mit der eigenen Flexibilität zu tun. Man tut aber gut daran, den Trick zu erkennen: wer den Untergang des Abendlandes predigt, sucht im Prinzip nach Verbündeten für seine eigenen Ängste, damit er nicht alleine dasteht. Und da bin ich mittlerweile ziemlich pampig:

Soll Ängste pflegen wer mag - um meinen Kopf braucht sich keiner Sorgen machen. Und deshalb steige ich nur allerseltenst in solche Boote, die angeblich das Gemeinwohl (was ist das?), tatsächlich aber nur die Interessen ihrer Steuermänner transportieren.

Guten Abend,Fagus, der Aphorimus von Heraklit spiegelt die Quintessenz seines Denkgefüges wider.Es ist die Idee,dass in der Einheit des Gegensätzlichen Fortschritt entsteht.Diese Vorstellung ist dann 2000 Jahre später von Hegel und Marx zur dialektischen Entwicklungslehre umgesetzt worden. Dieser Wandelbarkeit der Phänomene setzt Du eine naturgesetzliche Unwandelbarkeit entgegen.Dazu unternimmst Du einen Ausflug in die Biologie und verweist auf die Elementeverteilung im menschlichen Körper und deren Reaktion auf andere Elemente.Nun ist der Mensch als denkendes Wesen mehr als die Summe seiner chemischen Bestandteile. Er nimmt an den Veränderungen als Subjekt und Objekt teil.Damit sind wir beim Thema. Bei Deinen Ausführungen kann ich Dir Schritt für Schritt folgen,ohne bemerkenswert zu stolpern.Du schreibst vom kritischen Geist,der sowohl die Möglichkeiten des Beharrens als auch des Gehens reflektieren sollte.Du schreibst,dass Wandel oft als Bedrohung des Bestehenden empfunden wird. Das ist zu erweitern auf den Begriff Angst(Massenangst).Es ist fast immer eine elitäre Schicht,die da ein Niedergangsszenario aufbaut.Sie nimmt die kulturelle Wirklichkeit als eine von ihnen geprägte wahr,deren Bestandsgefährdung sie angeblich nachts nicht schlafen lässt(denk ich an Deutschland in der Nacht-(Heine).Dahinter verbergen sich fast immer weniger edle Motive. Katharina 
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Beitragvon bonsaifreak » 18.01.2012, 19:20

@buscador. Du schreibst:
Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken ist immer grundsätzlich falsch und gemeingefährlich für jeden vernünftigen Menschen welcher in der Gegenwart lebt.

sorry, aber in dieser Absolutheit muss ich Dir widersprechen.
Konservativ, also bewahrend, was soll daran immer und sogar grundsätzlich
falsch sein? Ich halte mich für einen einigermaßen vernünftigen Menschen und kann für mich die Gemeingefährlichkeit von beispielsweise Naturschützern nicht erkennen.
Natürlich, wenn demonstrierende "Wutbürger" (so werden diese Leute diskriminierend genannt - und ich hoffe, das wird auch einmal "Unwort des Jahres") gegen den Abriss des denkmalgeschützten Südteil des alten Stuttgartener Bahnhofs sind behindern sie natürlich den Fortschritt.
Weg mit den Pyramiden, Tempeln etc. Rückwärts gewandte Kultur behindert uns nur.
Ob es dann gleich wieder so weit gehen muss, z.B. die Dresdner Frauenkirche und das Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen ist eine andere Frage.
Aber ein wenig Nostalgie solltest Du vielleicht einem vernünftigen Menschen, der auch mit beiden Beinen in der Gegenwart steht und lebt, bitteschön doch gönnen.
Zu viel verlangt?
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Beitragvon buscador » 18.01.2012, 20:07

@bonsaifreak
@FagusW


Meine Aussagen waren ausschließlich politisch, soziologisch gedacht, ich habe mich
da nicht deutlich genug ausgedrückt, wie ich jetzt an den berechtigten
Einwänden erkenne. Selbstverständlich denke ich auch wie bonsay und du walter
was die Gebiete Kultur sowie die Naturparameter für das Leben betrifft!

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Beitragvon parove » 19.01.2012, 21:11

Die Welt (der Planet Erde) wird nicht durch innere Einflüsse plötzlich und gänzlich untergehen, sondern eher - früher oder später - durch Einflüsse von Außen (Universum).

Mit der Geschichte der Menschheit aber ist es anders. Die sagt uns nämlich, dass es lange vor unserer Zeit Hochkulturen gegeben hat, die untergegangen sind. Es waren Untergänge, oft verursacht von Menschen, die sich des Ausmaßes ihres Handelns und die darauf folgenden Konsequenzen nicht bewusst waren, jedoch schon lange vor dem großen Exitus, von Menschen ihres eigenen Kulturkreis davor gewarnt wurden. Ich bin mir sicher, es waren und sind bis heute, nicht nur Besitzstandbangende, konservativ denkende und Unheilverkündende Menschen gewesen, die nur rein um des Verkünden Willens handelten/handeln.

Damals wie heute gab/gibt es Trends die zuerst nur marginal zu erkennen waren/sind und erst dann, wenn die, fürs Fortbestehen nachteiligen Elemente, vom Rand ins Zentrum rückten/rücken, es meist zu spät war/ist erkannt wurden/werden. So war es bisher und so wird es auch in Zukunft bleiben, es sei denn, wir hören ein wenig mehr als bisher, kritisch, aber auch selbstkritisch/reflektierend, auf die Wenigen unter uns, die bestimmte Strömungen
erkennen. Eben auf diejenigen, die im Gegensatz zur Mehrheit auch auf Randerscheinungen
achten und die ganze Chose nicht so gerne, offenen Auges vor die Wand gefahren sehen wollen…

lg, Roland
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Beitragvon Grantler48 » 19.01.2012, 21:26

buscador hat geschrieben:...
Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken ist immer grundsätzlich falsch und gemeingefährlich für jeden vernünftigen Menschen welcher in der Gegenwart lebt. Eines der fundamentalen und segensreichsten Prinzipien der Gesamtnatur ( Universum ) heißt vergessen. Ersatzlos vergessen!
...



@buscador
Ich will mich nicht weiter in diese Diskussion einmischen, denn dafür fehlt mir der dazugehörige Intellekt.

Aber das, was Du schreibst ("Konservatives und in der Vergangenheit verharrendes Denken"), verwundert mich doch!
Bist nicht gerade Du es, der immer wieder auf Literatur, auf Autoren längst beendeter Zeiten hinweist?

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