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Forum der Regionalgruppe Essen

Moderator: Korallensucherin

Beitragvon Gast » 10.01.2010, 12:41

[center]MONAS MORD

Kurzkrimi von Malaika

Kapitel 1.
Monas Märkwürdigen Unfälle[/center]

War sie nun eine Mörderin oder nicht? Wenn man's genau nimmt, hat sie ja ganz bewusst den Tod eines Menschen herbeigeführt. Aber eine Mörderin? Nein, so fühlte sich Mona nicht. Obwohl es richtig gewesen wäre, die Polizei zu verständigen, statt selbst zu handeln. Aber hätte ihr jemand geglaubt? Ohne jeden Beweis. Hätte sie denn weiterhin in Angst leben sollen? Es gab keine Antworten darauf. Es gab Niemanden, absolut Niemanden, den sie um Rat hätte fragen können. Also war ihr nichts anderes übrig geblieben, als ihrer inneren Stimme zu folgen…

Monas Gedanken schweiften in die Vergangenheit zurück. Wenn sie an die Ereignisse aus jener Zeit dachte, das lag nun schon einige Jahre zurück, legte sich ein schwerer Schatten auf ihre Seele, fast so, wie wenn sich die dunklen Wolken vor die Sonne schieben…
Die düsteren Erinnerungen verblassten allmählich, nur noch selten musste sie an die Schreckenszeit ihres Lebens denken.

Wie hatte das alles damals überhaupt angefangen? Hätte sie etwas ändern können?

Zuerst häuften sich die merkwürdigen Zufälle. Wie an dem Tag, als die Bremsen ihres Wagens versagten. Das schicke Auto in ihrer Lieblingsfarbe rot, ein Geburtstagsgeschenk ihres Mannes, war erst ein halbes Jahr alt. Super im Schuss!
Totalschaden! Nur mit Glück überlebte Mona den Unfall. Und was sagte ihr Mann Helmut dazu? "Frauen sollten kein Auto fahren!"
Dann die Sache mit der Kellertreppe. Warum war eine Stufe so brüchig, dass sie sich fast den Hals brach. Ihr schönes Haus am Rande der Stadt war fast neu, es gab absolut keinen Grund dafür, dass die Stufen die zum Keller führten, schadhaft waren.
Warum war zwei Tage später ihre Nachttischlampe defekt? Der Stromschlag hätte sie töten können!

Das war noch lange nicht alles, das Schlimmste stand Mona aber erst bevor…

An jenem schicksalhaften Tag ging Mona wieder mal zur späten Stunde von ihrer Arbeit nach Hause. Wie so oft hatte sie sie als Chefsekretärin Überstunden machen müssen. Das nahm sie gerne in Kauf, da sie ihren Beruf liebte und ihr Vorgesetzter ein recht angenehmer und fairer Mensch war. Alleinstehend und attraktiv noch dazu. Er stellte für Mona jedoch keine Gefahr dar, weil es für sie nur einen einzigen Mann in ihrem Leben gab: Helmut.
Es war bereits dunkel, als sie den Wagen auf dem großen Parkplatz gegenüber ihrem Wohnhaus zum Stehen brachte. Sie war gerade dabei die Autotür abzuschließen, da ließ sie ein Geräusch aufhorchen. In ihrem Innern schrillten sämtliche Alarmglocken, eine Art Vorahnung überkam sie, es war aber zu spät. Nicht mal die Zeit blieb ihr, um sich umzudrehen und dem Angreifer ins Gesicht zu blicken. Zwei kräftige Hände packten sie an der Schulter und um die Teile und sie wurde in Richtung Gebüsch gezerrt, das den Parkplatz säumte. In ihrer Panik fielen ihr ihre Kenntnisse in Selbstverteidigung ein, worin sie sich eine Zeitlang geübt hatte. Leider nicht lange genug. Sie versetzte dem Unbekannten einen Schlag mit dem Ellenbogen, dies minderte aber nicht im Geringsten seine Entschlossenheit, sie ganz offensichtlich ins Jenseits befördern zu wollen. Im Gegenteil! Seine Hände schlossen sich blitzschnell um ihren Hals und drückten gnadenlos zu. Monas Widerstand erlahmte. Sie hatte keine Kraft mehr sich zu wehren. In diesen letzten Sekunden, welche sie bewusst erlebte, war die Panik einer tiefen Traurigkeit gewichen. Traurigkeit darüber, diese Welt verlassen zu müssen. Sie glaubte ein Licht zu erblicken, es mehr zu erahnen durch ihre geschlossenen Lider, gedämpfte Geräusche zu hören, wie von weiter Ferne, doch nur für einen kurzen Augenblick. Immer tiefer versank sie in die Dunkelheit, Finsternis… Kälte. Dann… nichts mehr…

Mona öffnete ganz langsam die Augen. Sie blinzelte, es kostete sie reichlich Anstrengung, sich zurrecht zu finden. Das, was sie als erstes erkennen konnte war alles weiß. Weiße wände, weißes Bett in dem sie lag, weiße Bettdecke. Gedämpftes Licht umgab sie. Aus den Augenwinkeln heraus sah sie, dass die Übergardinen am Fenster, in einem satten Gelb, der einzige Farbfleck im Raum, zugezogen waren. Ihr Verstand fing langsam zu arbeiten an, es kam die Erkenntnis, dass sie sich in einem Krankenhaus befand. Sie war also nicht tot! Sie lebte!
Sie fühlte eine Hand, die behutsam ihren Arm berührte, der leblos auf der Bettdecke lag.
Die Worte, leise, fast flüsternd gesprochen, taten ihr gut: "Ich lass dich nicht mehr allein nach Hause gehen, wenn es spät wird. Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchen solltest."
"Helmut…" hauchte sie kaum hörbar.
Mühsam drehte sie den Kopf zur Seite, da ihr Hals höllisch schmerzte. Sie sah eine männliche Gestalt, blinzelte erneut und ihr Blick wurde etwas klarer. Es war nicht Helmut, dieser Mann, der neben ihrem Bett saß und sie mit Augen voller Mitgefühl ansah. Es war Robin, ihr Chef.
"Waren wir denn per Du?" fragte sich Mona benommen. Sie strengte ihr Gehirn an, konnte sich aber nicht daran erinnern, sie konnte gar nicht mehr weiter denken. Langsam entglitt ihr die Wirklichkeit, sie fiel in einen tiefen Schlaf.

Als sie wieder wach wurde, diesmal bereits kräftiger und mit klaren Gedanken im Kopf, saß Helmut an ihrem Bett. Sie dachte an Robin, an seine leise gesprochenen Worte, doch war sie sich auf einmal gar nicht mehr so sicher, ob dies nicht nur ein Traum gewesen war. Egal, ob Traum oder Wirklichkeit, es war eine angenehme Erinnerung. Sofort empfand sie ein schlechtes Gewissen Helmut gegenüber. Sie lächelte ihn an. Er lächelte zurück.

Es war Mordversuch! Die Tatsache, dass sie dem Tod nur um Haaresbreite entkommen war - dank einem älteren Ehepaar, welches sein Auto im richtigen Moment auf den Parkplatz gelenkt hatte, ließ keine Zweifel daran, dass Jemand sie umbringen wollte. Diese Feststellung, die von der Polizei bestätigt wurde, leider ohne einen, wenn noch so kleinen Hinweis auf den Täter, veränderte Monas Leben grundlegend. Mit der inneren Ruhe war es endgültig vorbei. Alle Überlegungen, ob sie ihre seltsamen Unfälle nur einer Pechsträhne zuordnen durfte, waren im Sturm weggefegt. Die "Pechsträhne" bekam klare Konturen, ließ plötzlich alles in einem anderen Licht erscheinen. Jemand trachtete ihr nach dem Leben! Sie grübelte unentwegt nach. Es gab nur eine einzige Person, die sie sich als ihren Feind vorstellen konnte! Leon, der Jugendfreund ihres Mannes, der seit Langem ein gemeinsamer Freund war. Er ging in ihrem Haus ein und aus, wie ein Familienmitglied. Leon hatte es jedoch nie verkraften können, dass Mona sich für Helmut entschieden hatte und nicht für ihn. Seit dem ersten Tag ihres Kennenlernens stellte er ihr nach. Sie erinnerte sich noch gut an jenes Sommerfest, an welchem er ihr nicht von der Seite wich. Nichts ließ er unversucht um ihr zeigen zu wollen, dass ER der Richtige für sie wäre. Der gutgläubige Helmut merkte anscheinend nichts davon. Oder, er ignorierte es einfach, weil er für Leon tiefe Freundschaftsgefühle hegte und Mona vertraute. Vielleicht erfüllte es ihn aber auch mit Stolz, eine so attraktive Frau wie Mona für sich gewonnen zu haben, in diesem Konkurrenzkampf.

Immer noch hegte Leon hinter Helmuts Rücken den Wunsch, Mona für sich zu erobern. Sie glaubte keinen Augenblick lang daran, von ihm aufrichtig geliebt zu werden. Seine draufgängerische Art, seine Verlogenheit dem besten Freund gegenüber stießen sie ab. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er sogar aggressiv in seinen Versuchen, sie zum Umdenken zu bewegen. Mona fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Gegenwart, er machte ihr sogar ein wenig Angst. Besonders seit sie ihm angedroht hatte Helmut alles zu erzählen, und darauf in Leons Augen einen Augenblick lang nichts als tiefen Hass zu erkennen glaubte. Sie wünschte sich, ihm nicht mehr begegnen zu müssen, wollte ihn nicht mehr in ihrem Haus haben. Trotz Allem hatte sie sich noch nicht dazu entschließen können, Helmut die Augen über Leon zu öffnen. Ihr Mann hing an seinem langjährigen Freund, sie wollte ihm nicht wehtun. Sie war sich immer noch sicher, mit Leon irgendwie allein fertig zu werden.
Wieso nahm Helmut eigentlich nichts von alledem wahr? Über seine Vertrauensseligkeit dem Jugendfreund gegenüber ärgerte sie sich zunehmend. Oder war es immer noch diese Gleichgültigkeit im Spiel, wie damals, beim längst vergangenen gemeinsamen Sommerfest? "Liebt er mich noch überhaupt?", fragte sie sich plötzlich mit Bangen. Zum ersten Mal in ihrer Ehe kam ihr diese Frage in den Sinn. Und ihr Magen zog sich zusammen. Sie sah keinen einzigen Grund, an der Liebe ihres Mannes zu zweifeln. Doch der Dämon des Misstrauens, der sich so plötzlich ihrer Seele bemächtigte, wollte nicht so schnell wieder weichen. "Der Teufel schläft nie…" das waren die Ermahnungen ihrer Mutter, stets wachsam zu sein…

[center]Fortsetzung folgt[/center]


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Beitragvon Korallensucherin » 10.01.2010, 13:17

[center]Liebe Malaika,

das ist aber eine Überraschung für das Essener Forum.

Super, bitte mehr davon!

Der Teufel schläft nie…" das waren die Ermahnungen ihrer Mutter, stets wachsam zu sein… ,


Das hat meine Oma auch immer zu mir gesagt!

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rufe ich nach München[/center]
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Beitragvon Gast » 10.01.2010, 13:23

Danke liebe Korallensucherin. Ich habe noch viele Krimis auf Lager, wenn mich die Schreibwut packt, werdet Ihr Euch gar nicht mehr retten können davon :D :D :D

Liebe Grüße
von Malaika
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Beitragvon Korallensucherin » 10.01.2010, 13:26

Malaika, hau in die Tasten, wir erwarten mit Ungeduld die nächsten Kurzgeschichten von Dir.

LG zu Dir nach München und noch einen schönen und erholsamen Sonntag :wink:
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Beitragvon ruedievi » 10.01.2010, 13:28

Hallo Malaika !

Das ist ein schöner Krimmi,spannend geschrieben,und gute Idee.
warte schon gespannt auf die Fortsetzung,
lese gerne Krimmis.
Viele liebe Grüße Rüdievi
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Beitragvon Gast » 10.01.2010, 13:29

.. :D :D :D
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Beitragvon eunike » 10.01.2010, 15:24

@ Malaika:
Sehr gut!
Der Teufel schläft wirklich nie - ich weiß es!
Mach weiter Mädchen - ich freu mich auch auf die Fortsetzung
!
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Beitragvon Gast » 10.01.2010, 22:36

Danke liebe Korallensucherin, rüdievi, eunike,

bei so viel Lob und guten "Kritiken" kann man als eine "Schreibwütige" gar nicht anders, als fest in die Tasten hauen :D :D :D

Ich danke Euch herzlich und wünsche auch einen schönen Rest-Sonntag und eine ganz wunderbare neue Woche.
Und ich mache nun weiter, mit meiner Mona und ihren großen Problemen :D :D :D


Liebe Grüße
von Malaika
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Beitragvon Gast » 10.01.2010, 23:46

[center]MONAS MORD

Fortsetzung

Kapitel 2.
Monas Welt gerät aus den Fügen[/center]


Auch wenn Mona Leon einen Mord nicht so recht zutraute, wer weiß schon so genau, was in einem Menschen wirklich vorgeht. Vielleicht handelte er nach dem Motto "Wenn ich dich nicht haben kann, soll Helmut dich ebenso wenig haben." Einen anderen Verdächtigen konnte sie, auch nach noch so vielem Nachdenken und Grübeln, in ihrem Leben nicht entdecken. Sie musste mit Helmut unbedingt reden, und zwar so schnell wie möglich. Würde er ihr überhaupt glauben? Zuerst wollte Mona aber ihre beste Freundin Lorena ins Vertrauen ziehen und sich bei ihr Rat einholen. Lorena kannte Monas Ehemann gut, sie kannte auch seine nervige Art, alles auf die leichte Schulter zu nehmen.
Mona und Lorena waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen, obwohl sie vollkommen unterschiedlich waren, im Äußerem wie auch im Charakter. Lorena war blond, etwas flatterhaft, unbekümmert, ihr wichtigstes Lebensziel war es, das Leben voll auszukosten, ohne Rücksicht auf Verluste.


[center]Bild[/center]

Mona, schwarzhaarig, bodenständig, besonnen und tiefgründig, missbilligte zwar manchmal Lorenas merkwürdige Einfälle, doch sie mochte ihre quirlige Freundin und sah ihr ihre Eskapaden nach. Die Beiden waren stets unzertrennlich gewesen.
Waren! Dieses Wort schoss wie ein Blitz durch Monas Kopf und sie wurde nachdenklich. In dieser Beziehung stimmte neuerdings etwas nicht. Oder bildete sie sich das nur ein? Sie sahen sich aber immer seltener. Mona nahm sich vor, der Sache nachzugehen, mit Lorena zu reden, um den alten Zustand der Nähe und Vertraulichkeit wieder herzustellen.
Trotz vielen Versuchen bekam Mona ihre Freundin nicht ans Telefon. Stattdessen musste sie sich zum x-ten Mal ihren albernen Text auf dem Anrufbeantworter anhören: "Hallo liebe Leute, ihr ruft leider zur unpassenden Zeit an. Gerne würde ich mit euch plaudern, damit werden wir uns aber nun in Geduld üben müssen. Bitte nicht einfach auflegen - eine kurze Nachricht wäre angebracht und ich rufe mit Sicherheit zurück."
Von wegen! Sie rief nicht zurück. Immer wieder versuchte Mona von neuem sie zu erreichen, Lorena meldete sich nicht. Was war denn mit ihr los? Lorena wird doch nicht plötzlich damit anfangen, ihre beste Freundin zu meiden? Mona fing an, sich echte Sorgen zu machen…
Sie hatten in der letzten Zeit einige Auseinandersetzungen gehabt, sogar ziemlich ernsthafte, das stimmte. Wegen Leon.
Lorena hatte es ganz offensichtlich auf Leon abgesehen, vergeblich. Sie warf Mona vor, Mona würde Leon "schöne Augen" machen. Wie "Giftpfeile" trafen diese Worte ihr Ziel. Mona verstand die Welt nicht mehr. Lorena musste sie doch kennen, hatte ihre Eifersucht sie denn total wirr gemacht?
Grollte Lorena ihrer Freundin so sehr, das…
"Nein! Nein!" schalt sich Mona, wütend auf sich selbst. "Du leidest bereits unter Verfolgungswahn!"
Dass Leon ihr mit seiner Hassliebe nachstellte, das war keine Einbildung. OK, in Leon hatte sie einen Feind. Doch nicht in Lorena!
Der Teufel schläft nie! Der Gedanke kam wieder und verstimmte Mona noch mehr, als sie es bereits war. Der Misstrauens-Dämon hatte sie nicht verlassen, im Gegenteil, er nistete sich anscheinend immer besitzergreifender in ihrem Innern ein…
Lorena? Merkwürdigerweise war sie jedes Mal kurz vor Monas "Unfällen" in ihrem Haus gewesen. Alles nur Zufall?
Aber die Autobremsen? Mona überlief es eiskalt. Sie erinnerte sich mit Herzklopfen daran, dass sie und Lorena vor einigen Jahren zusammen den Lehrgang "Wartung und Kleinreparaturen am Auto für Frauen" absolviert hatten, der bei der Volkshochschule angeboten wurde.
Nein! Nein! Nein! Sie würde sich nicht von ihren Hirngespinsten verrückt machen lassen. Sie kannte Lorena seit ihrer Kindheit, sie vertraute ihr. Sie musste einfach wieder zu sich selbst finden. Abschalten.
Ihr war die Ruhe aber nicht gegönnt. Das Schicksal trieb seltsame Scherze mit ihr, ließ ihr keine Atempause, um sie über all die unerfreulichen Vorkommnisse hinweg kommen zu lassen…

Als sie an einem Nachmittag durch die Innenstadt schlenderte, sich durch das Gewühl der Menschenmassen, die anscheinend alle von der Einkaufswut befallen waren, durchkämpfte, erstarrte Mona abrupt. In der Ferne sah sie ein Paar, einen Mann und eine Frau, zwar nur von hinten, trotzdem konnte sie sich nicht den Eindrucks erwehren, es würde sich dabei um Lorena und ihren Chef Robin handeln. Kannten sie sich denn überhaupt? Ja, Mona erinnerte sich, dass Florena sie ein einizges Mal im Büro abgeholt hatte und da lernte sie Robin kennen. An ihrem Blick hatte Mona gleich ablesen können, dass Robin ihrer Freundin ausnehmend gut gefiel. Doch als Mona sie darauf scherzhaft ansprach, spielte Florena die Angelegenheit herunter und behauptete, kein Interesse an Robin zu haben.

Die Frau drehte den Kopf zur Seite, es sah ganz so aus, als sie in Monas Richtung blickte, doch dann wendete sie sich rasch wieder ab und verschwand eilends mit dem Mann in der Menge. Mona war ratlos. Waren es wirklich Lorena und Robin, die Beiden? Sie hätte es nicht mehr beschwören können, die Entfernung war dafür etwas zu groß gewesen. Der Verdacht blieb aber, dass es sich zumindest bei der Frau um Lorena handelte, die eine Begegnung mit Mona scheute. Und was hatte sie mit Robin zu tun?

Als sie bereits im Büro an ihrem, mit Akten überhäuften Schreibtisch saß, grübelte sie immer noch über den Vorfall nach. Die viele Arbeit lenkte sie allerdings schnell davon ab. Ihr Chef kam verspätet von der Mittagspause zurück. Sie hätte ihn am liebsten geradeheraus gefragt, ob er sich mit ihrer Freundin Lorena getroffen hätte. Das war aber absolut undenkbar. Sie musste ihre Neugier zügeln.
Hin und wieder musste sie an den Vorfall mit Robin im Krankenhaus nachdenken. Er verhielt sich nicht anders als sonst, freundlich, jedoch unverbindlich. Sie redeten sich per Sie an, so wie immer. Hatten ihr ihre Sinne im Krankenhaus doch einen Streich gespielt? Sie sprachen nicht über den Überfall auf Mona. Nur einmal, an ihrem ersten Arbeitstag nach der Genesung äußerte Robin sich sehr erfreut darüber, dass es ihr wieder gut ging. Im Krankenhaus hatte er sich nicht mehr blicken lassen, nach jenem ersten Besuch - wenn dies überhaupt Wirklichkeit gewesen war. Nur einen großen Blumenstrauß ließ er ihr zukommen. Eine Sache war aber trotzdem etwas merkwürdig: Sie musste keine Überstunden mehr machen. Robin hatte eine Aushilfe engagiert, eine Auszubildende, die Mona nun zur Hand ging. Zudem gab es noch etwas, was sie ein wenig aus der Ruhe brachte: Mona fühlte sich von ihrem Chef beobachtet. Nicht dass ihr dies unangenehm gewesen wäre. Sie war sich auch nicht vollkommen sicher ob es nur Zufälle waren, dass ihre Blicke sich so oft trafen, wenn sie mal ganz plötzlich zu ihm aufsah. Dann lächelte er verlegen. Oder schuldbewusst? Nein, sie weigerte sich beharrlich, sich schon wieder etwas einzubilden! Sie musste Lorena endlich erwischen und mit ihr reden. Vielleicht war sie es gar nicht gewesen, diese Frau, zusammen mit Robin. Die Entfernung war wirklich zu groß.

Eines Morgens berichtete Mona Helmut beim Frühstück ihren Verdacht Leon gegenüber. Sie erzählte ihm alles, jede Einzelheit über seine Nachstellungen, seine aggressive Haltung, weil sie seine Annäherungsversuche von sich wies.
Helmuts Reaktion entsprach so ungefähr ihren Erwartungen, trotzdem war sie sehr enttäuscht. Sein Gesicht verhärtete sich, seine Stirn legte sich in Falten.
"Unmöglich", sprach er dann mit einer gereizten Stimme. "Du musst dir da etwas eingebildet haben. Natürlich habe ich es mitgekriegt, dass er dich immer noch begehrt…".
"Aha", unterbrach ihn Mona etwas lauter, als sie es eigentlich vorhatte. "Du wusstest es also schon die ganze Zeit?"
"Natürlich ist mir das nicht entgangen. Aber ist das ein Wunder, bei einer so wunderschönen, so attraktiven Frau, wie du es bist?" Er lächelte versöhnlich und betrachtete Mona eindringlich. Das war keine Schmeichelei, Mona bekam oft Komplimente, von Männern wie von Frauen - außer wenn manche Frau eifersüchtig auf ihre großen, ausdrucksvollen Augen war, auf ihr dichtes, glattes, pechschwarzes Haar und auf ihr makelloses Gesicht. Das gab es natürlich auch.
"Er ist aber seit Jahren unser bester Freund", fuhr Helmut fort. "Niemals würde er dir oder mir etwas antun wollen."
"Wieso glaubst du mir nicht, was ich dir erzähle? Leon begehrt mich nicht, er belästigt mich, er bedrängt mich. Ich habe keinen Beweis dafür, aber, ich kann es mir ziemlich gut vorstellen, dass er mein Angreifer vom Parkplatz war."
Nun wurde auch Helmut ungehalten. "Jetzt gehst du aber zu weit mit deinen Verdächtigungen. Dieser Mann wollte dich vergewaltigen, ein Unbekannter, der in jener Nacht auf der Suche nach einem Opfer war."
"Der Mann wollte mich gar nicht vergewaltigen, er wollte mich töten", protestierte Mona. "Er war dabei, mich zu erwürgen". Sie berührte mit den Fingerspitzen ihren Hals und bei der Erinnerung an das grauenhafte Erlebnis jagte ein Schauder durch ihren Körper.
"Er versuchte auf diese Weise deinen Widerstand zu brechen", gab Helmut nicht nach. "Was für ein Glück, dass diese Leute noch zur rechten Zeit auftauchten und den Täter in die Flucht jagen konnten."
Er nahm ihre Hand und drückte sie fest, so als ob er ihr damit zeigen wollte, dass sie sich nicht mehr zu fürchten bräuchte.
Mona war verunsichert. Auch wenn Helmut mit seiner These Recht haben sollte, ihre Zweifel an Leon konnte er nicht ganz aus der Welt schaffen. Sie hatte nicht die geringste Lust, dem sogenannten Familienfreund hier, in ihrem Heim, noch einmal zu begegnen. Offensichtlich erkannte Helmut endlich ihre Entschlossenheit.
"Gut, wenn es dir so viel daran liegt, werde ich mit Leon reden und ihn bitten, seine Besuche bei uns abzustellen. Eine passende Ausrede dafür wird mir schon einfallen."
Mona atmete auf.

Monas kleine heile Welt schien langsam aber sicher in tausend Stücke zu zerbrechen. Wem konnte sie wirklich noch trauen? Wie sollte sie ihre düsteren Gedanken, die sie gegen jeden der ihr nahe stand hegte, nur wieder loswerden? Das ähnelte ja fast schon dem Verfolgungswahn! War sie vielleicht Diejenige, die nicht mehr richtig tickte und tat sie den Anderen Unrecht…?
Wie dem auch sei, so lange sie nicht Gewissheit hatte, wer ihr nach dem Leben trachtete, lebte Mona in Angst. Es war nichts mehr so, wie es vorher war, bevor es mit ihren "Unfällen" angefangen hatte. Wenn sie mit ihrem Auto fahren wollte, musste Helmut stets überprüfen, ob alles in Ordnung war. Die Stufen ihres Hauses betrat sie immer äußerst vorsichtig, sich am Geländer festzuhaltend. Und sogar die Nachttischlampe berührte sie nur zaghaft, in Erwartung dass etwas passiert. Zudem war die Furcht ihr ständiger Begleiter, die Furcht vor neuen Überraschungen.
So konnte es einfach nicht weiter gehen...


[center]Fortsetzung folgt [/center]

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Beitragvon Gast » 11.01.2010, 0:55

Da ich morgen keine Zeite habe (Stammtisch), stelle ich gleich heute das Ende meiner Geschichte ein.

LG
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Beitragvon Gast » 11.01.2010, 1:09

[center]MONAS MORD

Fortsetzung

Kapitel 3.
Die Schrecken der Geisterbahn[/center]

Beim Frühstück lasen Mona und Helmut immer ihre Zeitung, die sie abonniert hatten und die stets pünktlich auf der Fußmatte lag. Sie teilten sich das Blatt, Helmut behielt die erste Hälfte, mit den Politiknachrichten und Wirtschaftsteil, Mona bekam dafür das Gesellschaftsteil.

An jenem Morgen, zwei Tage bevor sie mit ihren Freundinnen zum Oktoberfest gehen wollte, ließ eine Schreckensnachricht ihre gute Stimmung schwinden.
"Nein, das kann doch nicht sein", rief sie erschrocken.
Helmut horchte auf. "Was ist denn passiert?" fragte er neugierig.
Sie las ihm laut vor: "Tod in der Geisterbahn. Ein Wagen der großen Geisterbahn, die so schnell wie eine Achterbahn fährt, sprang beim vollen Tempo aus den Schienen, überschlug sich und begrub eine Insassin unter sich. Der Notarzt, der schnell zur Stelle war, konnte nur noch den Tod der jungen Frau feststellen."
"Schlimm", meinte Helmut nur und las ruhig weiter in seinem Teil der Zeitung. Mona studierte nun die neuesten Eskapaden von Paris Hilton, doch sie fühlte sich beobachtet. Sie legte die Zeitung zur Seite und begegnete Helmuts undefinierbarem Blick. Er schaute sie an, auf eine Art, die sie nicht verstand. Prüfend? Besorg? Nachdenklich?
"Was ist?" fragte sie. "Möchtest du mir etwas sagen?"
Ihr Mann zuckte zusammen, so als ob er sich ertappt fühlte. "Ach, nein, nein, es ist nichts", meinte er. Da sie aber keine Ruhe gab, ließ er sie seinen Gedankengang wissen. "Ich dachte nur darüber nach, dass du übermorgen mit Lorena zum Oktoberfest gehst. Noch nie hast du deine geliebte große Geisterbahn versäumt. Es scheint aber so, als dies nicht ganz ungefährlich wäre."
"Ach was", antwortete Mona. "Hier steht es, der Wagen war defekt. Die ganze Geisterbahn wurde durchcheckt und ist nun absolut in Ordnung. Sie ist wieder im Betrieb".
Wann geht's los, Mona? Übermorgen?" fragte Helmut.
"Ja, übermorgen Nachmittag, um sechs".

Doch dann kam alles anders!
Mona rief kurz vor sechs Uhr bei Lorena an und sagte den Ausflug ab.
"Es tut mir so Leid, ich bin krank. Ich muss im Bett bleiben."
"Schade, ich hab mich schon so darauf gefreut, Mona!" Lorenas Stimme klang echt enttäuscht.
"Ihr werdet auch ohne mich eueren Spaß haben", versicherte Mona ihr. "Und du darfst sogar meinen Trachtenhut haben, den du immer so bewunderst. Den mit den drei echten bunten Federn. Und fahre einmal extra unsere große Geisterbahn. Für mich!"

Am nächsten Tag wurde Helmut beim Zeitungslesen blass.


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Neugierig sah Mona ihm über die Schulter. Die Schlagzeile hatte ihn geschockt: "Junge Frau in der Geisterbahn erschossen, Täter unbekannt." Daneben das Foto: Lorena!
Es hatte also geklappt! Monas Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln, doch ihre ausdrucksvollen Augen blieben kalt.
Wenn sie nicht gestern oben in ihrem Schlafzimmer den Telefonhörer abgenommen hätte - gerade in jenem Augenblick, als Helmut am Apparat im Wohnzimmer seine teuflische Anweisung gab: "Sie fährt Geisterbahn. Sei vorsichtig, nicht Lorena erwischen. Mona trägt immer ihren scheußlichen Trachtenhut mit den drei langen bunten Federn."
So eine Frechheit, der Hut war ein Einzelstück!
"Lorena weiß nicht Bescheid. Aber sie wird froh sein, wenn ich endlich für sie frei bin."
Also Helmut. Und Lorena, dieses Miststück…
Der Schock hatte Mona fast umgeworfen. Sie weigerte sich im ersten Moment, dies zu glauben. Ihr ganzes Inneres bäumte sich dagegen auf. Der Kloß im Hals drohte sie zu ersticken. Doch dann wurde ihr Überlebenstrieb geweckt. Ihr Hirn arbeitete fieberhaft. Ihr fiel keine andere Lösung ein. Es hieß nun, sie oder Lorena. Der Hut war anscheinend Erkennungszeichen. Ja klar, der Hut!
Nein, wie eine Mörderin fühle sie sich gewiss nicht.

Sie schaute zu ihrem Mann hinüber. Helmut saß immer noch wie versteinert da. Er verstand anscheinend absolut nicht, was passiert war. Er hatte gestern Nachmittag gar nicht mitgekriegt gehabt, dass Mona nicht zum Oktoberfest ging. Sicher war er in irgendeiner Gesellschaft gewesen, um ein gutes Alibi für diesen Abend zu haben! Und als er sehr spät nach Hause kam und sie sah, schien er so überrascht zu sein, als ob er ein Gespenst gesehen hätte.
Na ja, jetzt wusste er Bescheid.
Am liebsten hätte Mona ihrem Mann ins Gesicht geschrieen: "Hör auf damit, mich unter die Erde bringen zu wollen! Es ist vergeudete Müh! Sieh doch endlich ein, dass dies nicht mein Schicksal ist, so früh zu sterben!"
Doch sie lächelte nur still vor sich hin, stand auf, ging in das Schlafzimmer und fing an, ihre Sachen zu packen. Sie würde kein Tag länger in diesem Haus bleiben. Bei ihrer Mutter war sie stets willkommen, da fühlte sie sich sicher und geborgen.
Dann, einer Eingebung folgend, entschloss sie sich Robin anzurufen. Seine Worte "Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchen solltest", kamen ihr in den Sinn. Sie war sich inzwischen sicher, dass sie dies nicht nur geträumt hatte. Und sie brauchte ihn jetzt.
Sie warf einen Blick durch das Fenster. Altweibersommer! Der Himmel zeigte sich in seinem schönsten Blau, die Sonne lachte vom Himmel, der leichte Herbstwind bewegte die Bäume und Büsche im Garten. Ein Unglaubliches Glücksgefühl durchströmte Mona. Das Leben war schön und sie war zutiefst dankbar, es nicht verloren zu haben - ihr Leben.

[center]Bild[/center]

[center]ENDE[/center]



Nachwort

Das Ende, zu kitschig für einen Krimi?

Ich möchte noch ein kleines Geheimnis verraten. Das Ende, das hier so steht, habe ich später nachträglich zugefügt. Der letzte Satz in meiner Geschichte war früher "Nein, wie eine Mörderin fühlte sie sich gewiss nicht."

Einer Eingebung folgend habe ich nun noch etwas dazugeschrieben. Ich weiß auch nicht genau warum, es war mir einfach ein Bedürfnis, ein Wunsch nach einem Happy End. Und wie kriegt man den am besten hin? Mit einer großen Liebe natürlich, von der die meisten von uns träumen. Die Schreiberlinge, Autoren, Schriftsteller oder was auch immer, sie alle dürfen sie stets aufs Neue erleben - in ihren Geschichten.

Liebe Grüße nach Essen
sendet Malaika
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Beitragvon Korallensucherin » 11.01.2010, 12:33

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Liebe Malaika, ich habe es mit Spannung verfolgt und stelle fest, dass ein " Happy End " etwas Schönes sein kann.

Kitschig finde ich das Ende nicht, es war einfach nur schön!

Das Leben war schön und sie war zutiefst dankbar, es nicht verloren zu haben - ihr Leben.


"Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchen solltest",


Diesen Satz fand ich wunderbar, so sollte es im wahren Leben mitunter auch so sein, oder?

Das Essener Forum würde sich auf weitere Kurzgeschichten freuen! :wink:

Einen lieben Gruß nach München
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Beitragvon eunike » 11.01.2010, 13:57

War gut zu lesen!
Kitschig find ich das Ende auch nicht.
Aber: Ist es wirklich ein 'Happy End' für die Hauptakteurin?
Immerhin hat sie ihren Hut vorsätzlich der besten Freundin 'zugespielt'. :wink:
Der Mann käme - mit dem richtigen Anwalt - sicher mit einem gehörigen 'blauen Auge' davon;
sie hingegen handelte vorsätzlich, weil sie der Freundin misstraute.
Aber solange ihr Gewissen sie ruhi schlafen lässt - wer sollte ich Arges zutrauen, nicht wahr? :roll: :lol:
Malaika, ich bin gespannt, was du noch so alles 'im Kästchen' hast! freut sich eunike :wink:
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Beitragvon Linde1 » 11.01.2010, 19:06

Hallo Malaika

Danke ür den

"Super Krimi,"
wann kommt der nächste?

LG nach München,, Sieglinde
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Beitragvon Gast » 12.01.2010, 0:08

Herzlichen Dank für die guten Kritiken. Es freut mich, so etwas zu lesen.
Ganz sicher stelle ich hier noch weitere Geschichten ein. In den nächsten Tagen habe iich leider einige wichtige Termine, also noch ein wenig mehr Stress als sonst. Aber, am Wochendende geht es dann weiter mit "Mord und Totschlag".

Liebe Grüße nach Essen
von Malaika
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