. : Service und Hilfe

Forum der Regionalgruppe München

Moderator: harry_cb31

Beitragvon Gast » 04.03.2010, 1:27

[center]SCHLAFLOSE NÄCHTE

Fortsetzung[/center]


Auf einmal merkte sie, wie sie auf etwas Glattem, wie Seife, rutschte, ihre Füße gehorchten ihr nicht mehr. Sie ließ den Korb fallen, sah entsetzt wie ihre saubere Wäsche samt dem Korb die Stufen hinunterpurzelte, doch sie schaffte es trotzdem nicht, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Bei dem vergeblichen Versuch, das Schlimmste zu verhindern, spürte Nadine, wie ihr rechter Fuß knackste. Der kaum zu ertragende Schmerz durchfuhr ihren ganzen Körper wie ein Stromschlag. Von Panik erfasst, angesichts der Tatsache dass sie überhaupt nichts tun konnte, fiel sie…
Doch plötzlich fühlte sie einen kräftigen Arm, der entschlossen ihre Teile umfasste. Manfred Stolz war ihr blitzschnell entgegen gerannt, mit dem einem Arm hielt er sie fest, mit dem anderen umklammerte er das Treppenhausgeländer, um den Halt nicht zu verlieren. Vorsichtig half er ihr die paar Stufen hinunter, wobei Nadine bei jedem Schritt vor Schmerz aufstöhnte.
"Sind sie OK?" fragte Manfred sorgenvoll, als sie unten angekommen waren.
"Ja… nein… ich weiß es nicht. Mein Fuß, es tut höllisch weh."
"Es ist Öl."
"Wie bitte?"
"Jemand hat auf der Treppe eine Menge Öl verschüttet. Ich frage mich nur, wie so etwas passieren konnte. Und warum hat der Lump das Öl nicht wieder beseitigt."
Nadine sah ihn verstört an. "Öl? Auf der Treppe? Oh Gott, ich verdanke Ihnen wahrscheinlich mein Leben."
"Kommen Sie", meinte Manfred statt einer Antwort. "Sie bleiben bei meiner Mutter, wir rufen den Arzt an. Ich werde inzwischen die Treppe sauber machen, dann können sie wieder in Ihre Wohnung zurückgehen. Falls der Fuß nicht gebrochen ist. Die Wäsche werden Sie, befürchte ich, noch einmal waschen müssen."

"Der Fuß ist Gottlob nicht gebrochen, aber ordentlich verstaucht", meinte der behandelnde Arzt nach der gründlichen Untersuchung. Er sah sie über den Rand seiner Brille lächelnd an. "Sie müssen sich schonen. In der nächsten Zeit kein Bergsteigen, kein Tanzen."
Manfreds Mutter begleitete Nadine in ihre Wohnung zurück und tat alles für ihre Bequemlichkeit, schaltete sogar die Waschmaschine ein, nachdem sie die Sachen hineingestopft hatte.
"Die Wäsche aufhängen wird wohl Ihr Mann müssen, wenn er heimkommt. Denken Sie daran, was der Arzt gesagt hat", meinte sie zum Abschied.

Der zweite Unfall überlebte Nadine zwar auch, diesmal kam sie aber nicht mehr so glimpflich davon, wie bei ihrem Treppensturz. Ein gebrochener Arm, Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung waren die Folgen des Autounfalls. Aus einem unerklärlichem Grund war ihr Wagen von der Straße abgekommen und auf einen Baum geprallt. Sie konnte sich glücklich schätzen, dass sie überhaupt noch lebte. Den Cinquecento ließ Thorsten von einem Automechaniker herrichten.
"Mit meinem Wagen stimmt noch immer etwas nicht", beklagte sich Nadine, nachdem sie zum ersten Mal wieder durch die Gegend herumkutschierte. "Der Bremsweg ist zu lang, außerdem geht das Lenken ziemlich mühsam."
"Ich bringe den Wagen in den nächsten Tagen wieder in die Werkstatt. Bitte sei bis dahin vorsichtig", meinte Thorsten.

Als Thorsten am nächsten Abend nach Hause kam, begrüßte ihn Nadine strahlend.
"Danke", sagte sie, mit einer innigen Umarmung. "Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann."
Thorsten musterte sie völlig irritiert.
"Wofür bedankst du dich denn? Ich verstehe nicht…"
"Die Bremsen. Die Bremsen an meinem Wagen!"
"Was ist damit?" Thorstens Blick wurde finster.
"Tue doch nicht so bescheiden. Du hast sie doch richten lassen. Dafür danke ich dir."
"Ich soll mich um deine Bremsen gekümmert haben?" Er sah verstört aus. "Wann denn? Ich hatte doch gar keine Zeit dazu."
Nadine sah ziemlich ratlos drein. "Warum sagst du das? Die Bremsen funktionieren tadellos. Wenn du es mir nicht glaubst, gehen wir zum Auto und du siehst dir das an."
Manfred setzte sich hinter dem Steuer des Wagens, der auf der Straße vor dem Haus geparkt war, und fuhr ein paar Mal vor und zurück.
"Du willst mich auf den Arm nehmen, oder? Die Reparatur hast du selbst durchführen lassen. Oder war es mein lieber Schwiegervater?" meinte er sarkastisch.
Nadine presste die Lippen fest zusammen. Sie sagte kein Wort mehr.

Als sie am nächsten Mittwoch wieder mit ihrer Wäsche aus der Wohnung ging, stand Manfred am Fuße der Treppe und beobachtete sie aufmerksam.
"Passen Sie auf, dass mir nichts passiert?" fragte sie lachend.
"Sie sollten auf sich tatsächlich ein wenig besser aufpassen", meinte er mit einem ernsten Gesicht.
"Denken Sie an meinen Autounfall? So etwas kann jedem passieren."
"Sie scheinen besonders unfallgefährdet zu sein…"
Es sah ganz danach aus, als er ihr noch etwas sagen wollte, doch dann verabschiedete er sich freundlich, drehte er sich um und verschwand in der Wohnung seiner Mutter.

Nach einigen harmonischen Tagen stellte Nadine erneut etwas Merkwürdiges fest.
"Bitte sag mir doch die Wahrheit", sprach sie Thorsten an. "Hast du das Lenkrad an meinem Wagen repariert?"
Der Gesichtsausdruck von Thorsten, nach diesen Worten, jagte ihr Schauer über den Rücken.

[center]Fortsetzung folgt[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 07.03.2010, 2:15


[center]SCHLAFLOSE NÄCHTE

Fortsetzung[/center]

"Du bist es nicht gewesen." Das war keine Frage, eher eine Feststellung. Nadine konnte es nicht verstehen, warum leugnete er? Wollte Thorsten sie verrückt machen, war das seine Absicht? Das konnte sie eigentlich nicht glauben. Er liebte sie doch.
"Ich glaube", sagte Thorsten nach einer Weile, als er sich wieder gefasst hatte "du hast Dir das mit dem Lenkrad und mit den Bremsen nur eingebildet. Das sind vielleicht die Nachwirkungen Deines Unfalls. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Nun scheint es doch so, als ob alles in Ordnung ist, das ist die Hauptsache." Sein Gesichtsausdruck blieb aber merkwürdigerweise äußerst finster.

[center]*** [/center]
Der Tod kam völlig unvorhergesehen. Der Motor hatte ein wenig gestottert, er sprang aber nicht an. Anschließend die Explosion, das Auto ging in Flammen auf. Die Teile flogen nur so durch die Luft, da gab es kein entkommen…
Der schöne Flitzer… "In meinem Beruf muss man einen repräsentativen Wagen fahren", hatte Thorsten damals die Anschaffung des teuren Fahrzeugs für sich selbst argumentiert, während Nadine sich mit der alten Klapperkiste zufrieden geben musste.

"Es könnte ein Sprengsatz gewesen sein", meinte der zuständige Kriminalkommissar, als die Untersuchungen abgeschlossen waren. "Wenn dem so ist, es muss ein absoluter Experte am Werk gewesen sein. Es ist nicht mehr genug übrig, um es wirklich beweisen zu können."
Er schaute Nadine an, die ganz verstört an ihrem Küchentisch saß. "Hatte Ihr Mann Feinde?"
"Nein, das kann ich mir nicht vorstellen", antwortete sie leise.
Dass ihre Eltern Thorsten nicht nur ausstehen konnten, sondern aus tiefsten Herzen verachteten, tat nichts zur Sachen. So weit würde der Vater niemals gehen. Oder doch? Dieser Gedanke kam Nadine in den Sinn, sie behielt ihn aber für sich.
"Wussten Sie dass er eine Geliebte hatte?"
Nadines entsetzter Blick wirkte auf den Kommissar echt und er betrachtete sie mitleidig.
"Nein", flüsterte sie nach einer Weile. Mein Vater muss aber etwas geahnt haben, dachte sie es bei sich. Das sagte sie aber nicht laut. Er sprach ständig davon, dass Thorsten ein Luftikus wäre.

Thorstens Tod blieb ungeklärt. Man hatte die Geliebte im Verdacht, es gab aber keine Anhaltspunkte dafür.

Nadine ging täglich im herbstlichen Park spazieren, mit dem kleinen Mischlingshund, den sie sich angeschafft hatte. Auch eine süsse weiße Katze gehörte neuerdings zu ihrer Hausgemeinschaft.
Nach einer Weile leistete Manfred ihr bei den Spaziergängen Gesellschaft, er wurde zu ihrem ständigen Begleiter. Von ihm ging etwas aus, was sie in ihrer Ehe, trotz der Verliebtheit, schon immer vermisst hatte: Vertrauenswürdigkeit, Offenheit, Humor.
Sie redeten und lachten bald so ungezwungen, wie gute alte Freunde. Mit der Zeit wurde es mehr daraus.
"Nadine, ich muss mit dir reden", sagte Manfred eines Tages unvermittelt und zog sie zu einer Bank. Lucky, der Hund, setzte sich zu ihren Füßen. "Ich kann unsere Beziehung nicht weiter fortsetzen, wenn du nicht die Wahrheit erfährst. Wenn sie mit einem Geheimnis belastet ist."
Nadine sah ihn ängstlich an. Nicht schon wieder! Sie hatte genug von Geheimnissen. Nun gab es allerdings kein Zurück mehr, sie musste sich das, was ihr Manfred zu sagen hatte, wohl oder übel anhören.
"Für den Tod deines Mannes bin ich verantwortlich, eigentlich indirekt."
Nadine wurde leichenblass. "Nein", hauchte sie erschrocken und wich zurück.
"Nadine, ich bin kein Mörder, eigentlich warst du Diejenige, die sich ständig in der Lebensgefahr befand."
Fassungslos, mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen, sah Nadine ihn an.
"Dein Mann wollte dich umbringen, das wusste ich schon eine ganze Weile."
"Warum hast du nichts gesagt, oder die Polizei geholt?" meinte Nadine ungläubig.
"Weil es keine Beweise dafür gab. Bevor man deinem Mann etwas hätte nachweisen können, wärst du wahrscheinlich tot gewesen."
Nach einer kleinen Pause fuhr er fort: "Zuerst kam der Treppensturz. Nach dem Autounfall bin ich stutzig geworden, deinen Mann hatte ich aber noch nicht im Verdacht. Rein zufällig kam ich ihm auf die Schliche."
Es folgte wieder eine kleine Pause. Eine junge Frau schob den Kinderwagen an ihnen vorbei und als sie außer Hörweite war, fuhr Manfred fort: "Ich sitze manchmal abends lange auf dem Balkon. In einer dieser Nächte sah ich plötzlich unten auf der Straße deinen Mann am gelben Cinquecento werkeln. In Erinnerung an deine Unfälle, schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich rief meinen guten Freund an, er ist vom Beruf Mechaniker, und ich bat ihn, das Fahrzeug gründlich durchzuleuchten. Rudi und ich, wir kennen uns seit den Kindheitstagen. Er bestätigte meinen Verdacht. Dein Mann hatte die Bremsen manipuliert. Mit ziemlicher Sicherheit hättest du die nächste Fahrt mit dem Wagen nicht überlebt. Mein Freund brachte die Sache in Ordnung. Er meinte, die bremsen würden wieder einwandfrei funktionieren."
Trotz der haarsträubenden Geschichte lächelte Nadine plötzlich. "Die Bremsen hatten vorher keinesfalls einwandfrei funktioniert", meinte sie. "Ich hatte angenommen, Thorsten war für die Ausbesserung verantwortlich. Du hättest sein Gesicht sehen sollen, als ich mich bei ihm bedankt hatte."
Manfred lachte laut auf. "Echt schade, dass ich nicht dabei sein konnte. Er muss fast verrückt geworden sein, weil alles ganz anders verlief als von ihm eingefädelt. Mir standen aber daraufhin ziemlich schlaflose Nächte bevor. Ich hatte furchtbare Angst um dein Leben. Ich besprach die Sache mit meinem Freund. Wir waren beide ratlos. Rudi war genauso wie ich der Meinung, dein Mann würde mit Sicherheit davonkommen, ihr beide galtet als ein überaus glückliches Ehepaar. Was, wenn es kein Motiv gab? Ich hatte ja keine Ahnung von der Geliebten. Geld? Davon wusste ich auch nichts. Nein, ich wollte lieber aufpassen und mir ganz schnell etwas einfallen lassen.
Schon einige Nächte später hatte dein Mann erneut versucht, dich aus dem Weg zu räumen. Diesmal war die Vorderachse dran".
"Das Lenkrad…" fiel ihm Nadine ins Wort.
"Rudi vereitelte wiederum sein Vorhaben. Diesmal war ich fest entschlossen, Polizei zu verständigen, Rudi meinte aber, es wäre zu spät, das hätten wir tun sollen, bevor er die Sache in Ordnung gebracht hatte. Er meinte aber, dein Mann würde es nicht aufgeben. Offensichtlich war er fest entschlossen, dich umzubringen und das könnte jederzeit passieren, vielleicht schon am nächsten Tag. Wir beide können dich nicht rund um die Uhr beschützen, meinte Rudi. Doch hatte er eine Idee, wie man diesem Treiben ein für allemal ein Ende setzen könnte. Was das für eine Idee war, das erfuhr ich aber erst am drauffolgenden Tag. Über sein plötzliches Interesse am Fahrzeug deines Mannes wunderte ich mich zwar, maß dem aber keine Bedeutung bei. Es sah sich den roten Sportwagen genau an, dann verabschiedeten wir uns und ich ging schlafen.
Erst als ich in der Früh die Explosion hörte, wusste ich, dass mein Freund etwas Schlimmes getan hatte. Da konnte ich es nicht mehr ändern. Hätte ich ihn verraten sollen? Das konnte ich nicht. Dieses Geheimnis schweißte uns noch fester zusammen. Und ich musste nicht mehr um dein Leben fürchten."
Manfred blickte Nadine ins Gesicht, sie schaute aber wie gedankenverloren, blass und verspannt, in die Ferne.
"Vielleicht hätte ich mit dir sprechen sollen. Aber, hättest du es mir geglaubt? Wenn du es der Polizei melden möchtest, würde ich Verständnis dafür haben" meinte Manfred tonlos. "Ich liebe dich, und werde dich immer lieben, egal wie du dich entscheiden solltest."
Sie drehte den Kopf zu ihm und sah ihn mit einem undefinierbaren Lächeln an. Dann entspannten sich ihre Züge.
"Ich sollte meinen Schutzengel verraten? Auch wenn du mit mir gesprochen hättest, ich bin mir nichtganz sicher, ob dies etwas an der Sache geändert hätte." Nadine lächelte wieder. "Man sagt, jeder bekommt das was er verdient. Wir können jetzt nichts mehr tun. Wir können nur versuchen, die Angelegenheit zu vergessen…"
"Willst du mich also trotzdem haben, jetzt, nachdem du die Wahrheit kennst?" fragte Manfred mit Bangen.
Statt einer Antwort fasste Nadine seine Hand, stand auf und zog ihn mit. "Komm, wir gehen nach Hause."
Wortlos schritten sie durch den leeren Park, Lucky mit sich führend. Die Stille wurde nur vom sanften Rascheln des Herbstlaubes im Wind unterbrochen.

[center]Ende[/center]


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 19.04.2010, 22:10

Unsere Doosie hat eine ergreifende Geschichte von Jim Willis im Thread Es geschieht jeden Tag - irgendwo... ÜBERALL eingestellt. Ich finde die Geschichte sehr schön und sehr traurig - und sehr wichtig. Und ich finde, sie gehört hierher, in den Literaturthread. Deswegen habe ich sie nun kopiert und ich stelle sie hier noch mal ein. Danke Doosie.

Malaika

________________________________________
[center]Es geschieht jeden Tag - irgendwo......ÜBERALL

WARNUNG: Diese Geschichte macht Euch möglicherweise traurig. Wenn Ihr das nicht wollt, lest bitte nicht weiter! [/center]

Als ich noch ein Kätzchen war ....
unterhielt ich dich mit meinem Herumtollen und brachte dich zum Lachen. Du nanntest mich "dein Baby", und, obwohl ich einige Nippes "killte" wurde ich deine beste Freundin. Wann immer ich etwas "anstellte", hobst du mahnend den Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest du!?", aber schon warst du wieder so zärtlich und hast mich eng an dich gedrückt.
Als du im Studium so viel lernen musstest, hattest du natürlich wenig Zeit für mich.
Aber ich verstand das immer, und spielte mit meinen Bällchen.
Ich erinnere mich an alle die Nächte, in denen ich mich in deinem Bett ganz eng an dich schmiegte, und das Leben vollkommen schien. Du tolltest dann auch wieder mit mir herum, und wir genossen die Sonne gemeinsam auf dem Balkon. Von deinem Frühstück gab's für mich immer was vom Schinken, "aber nicht zuviel, das ist für Katzen ungesund!" Und ich schlief solange, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.
Nach und nach verbrachtest du immer mehr Zeit auf der Arbeit als mit mir, um "Karriere" zu machen. Dann warst du so viel weg, um einen Menschenpartner kennen zulernen. Ich wartete immer geduldig auf dich, tröstete dich bei jedem Liebeskummer, tapste mit meinen Pfoten deine Tränen vom Gesicht. Und freute mich, als du endlich "deinen" Partner fandest. Zwar keinen Katzenfreund, aber ich respektierte deine Wahl.
Ich war glücklich, weil du glücklich warst! Dann kamen nacheinander deine Kinder zur Welt.
Ich teilte die Aufregung mit dir. Ich war von den süßen Kindchen so fasziniert, dass ich sie mit bemuttern wollte. Aber du und dein Partner dachten nur daran, dass ich den Kindern schaden, sie gar verletzen könne. Deshalb wurde ich auch noch aus dem großen schönen Raum ausgesperrt. In dein Bett durfte ich schon lange nicht mehr. Ich liebte die Kinder, und wurde "Gefangener der Liebe". Sie fingen an zu wachsen, und ich wurde ihre Freundin.
Sie zerrten an meinen Ohren, meinem Fell, meinem Schwanz, hielten sich auf wackligen Beinchen beim Laufen lernen an mir fest. Sie erforschten meine empfindliche Nase mit unbeholfenen Fingerchen, und ich hielt bei all dem geduldig still. Ich liebte alles an den Kindern, besonders ihre Berührungen, weil deine so selten wurden. Ich war bereit, die Kinder notfalls mit meinem Leben zu verteidigen. Ich war bereit, in ihre Bettchen zu schlüpfen,
um ihre Sorgen und Träume anzuhören. Und zusammen mit ihnen erwartungsvoll auf das Motorengeräusch deines Autos zu hören, wenn du in unsere Auffahrt einbogst.
Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest, zogst du aus deiner Tasche ein Foto von mir und erzähltest so liebevoll von mir. Die letzten Jahre gabst du nur noch ein knappes "Ja" zur Antwort und wechseltest dann das Thema. Ich war früher "deine Samtpfote" und bin heute "nur eine Katze".
Dann hattet ihr eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt. Du und deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Ein Mann hat euch das extra noch gesagt, und ihr habt ohne zu Zögern unterschrieben. Beide. Du hattest für dich und deine Familie eine Entscheidung zu finden, die richtig war. Obwohl einmal ich deine Familie war. Die Autofahrt machte Spaß, weil auch die Kinder mitfuhren. Als ich merkte, wo wir angekommen waren, war der Spaß zu Ende. Es roch nach Hunden und nach meinen Artgenossen, nach Angst, Desinfektionsmitteln und Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, das du wissen würdest, dass man ein gutes Heim für mich finden würde.
Die beiden Damen hinter dem Schreibtisch zuckten mit den Achseln und betrachteten dich merkwürdig. Sie verstanden die Wirklichkeit, der eine Katze über die fünfzehn gegenüberstand. Du hattest die Finger deiner jüngsten Tochter aus meinem Fell lösen müssen, während sie weinte und schrie "Nein, nein nehmt mir meine liebe Katze nicht weg!"
Ich wunderte mich noch, wie du ihr ausgerechnet in diesem Moment etwas von Freundschaft, Verantwortung und Loyalität vermitteln wolltest. zum Abschied tipptest du leicht auf meinen Kopf, vermiedest dabei tunlichst, mir in die Augen zu sehen, und lehntest es höflich ab, meine offen daneben stehende Transportbox wieder mitzunehmen. Du hattest einen wichtigen Termin einzuhalten, nun habe ich auch einen. Kurz nachdem du weg warst, sagte eine der netten Damen, du hättest mit Sicherheit schon Monate vorher vom Umzug gewusst, und somit wäre Zeit gewesen, einen "guten Platz" für mich zu finden. Sie schüttelten bedrückt den Kopf und fragten leise: "Wie konntest du?"
Die Damen widmeten sich uns, wann immer es ihre Zeit zuließ. Wir bekamen gute und reichliche Mahlzeiten, aber ich verlor meinen Appetit schon vor vielen Tagen.
Anfangs hoffte ich unentwegt, dass du zurückkämst, und mich hier rausholen würdest.
Dass alles nur ein böser Traum gewesen wäre und ich aufwachen würde..... bei dir zu Hause....
Aber du kamst nie. Und dann, wann immer jemand an "meinem" Vermittlungszimmer vorbei ging, presste ich bittend meine Pfoten durch jeden möglichen Spalt. Gab es niemanden, der mich mochte? Niemanden, dem ich all meine Liebe, Dankbarkeit und zärtliche Treue schenken durfte? Die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den süßen kleinen knuddeligen Katzenkindern aufnehmen konnte. Unbeachtet, von allen übersehen und vergessen, zog ich mich in eine Ecke zurück, stand nicht mehr auf. Eines Tages, am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man hob mich auf, trug mich über einen langen Korridor, der in einen Raum mündete. Es war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau legte mich auf den Tisch, streichelte behutsam über meinen Kopf und erklärte mir, dass ich mich nicht sorgen solle. Mein Herz schlug voller Erwartung auf das, was nun kommen sollte. Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl des Loslösens. Mir, der gefangenen der Liebe, gingen die Tage aus. Ich war mehr um die nette Frau besorgt als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie an einer Last tragen müsse, die Tonnen wog.
Sie band leicht etwas um meine Vorderpfote, während eine Träne ihre Wange hinunter kullerte. Ich schob meinen Kopf in ihr Hand, so wie ich es immer bei dir getan hatte, um dir meine Liebe zu zeigen. Ich spürte einen leichten Einstich und eine kühle Flüssigkeit, die in mich hinein floss. Ich streckte mich schläfrig aus, schaute dabei in die freundlichen Augen der Frau und murmelte:" Wie konntest du?" Möglicherweise verstand sie mein leises Miauen, denn sie sagte:" Es tut mir leid!" Sie umarmte mich hastig und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht missbraucht, ignoriert und verlassen sein würde. Einen Platz, an dem ich mich nicht verkriechen müsse, einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders sei als auf Erden. Mit meinem letzten Funken Energie öffnete ich weit meine Augen und sah sie unverwandt an, versuchte ihr so zu sagen, dass mein "wie konntest du" nicht an sie gerichtet war. Ich dachte an dich, du mein geliebter Mensch.
Ich werde immer an dich denken und auf dich warten. - Mein letzter Atemzug ist mein Wunsch, dass dir in deinem Leben immer diese Loyalität widerfährt....

[center]Einige Worte des Autors:
Wenn diese Geschichte Tränen in Ihre Augen trieb, dann erging es Ihnen genauso wie mir, als ich dies schrieb.
Jedermann ist es erlaubt, diese Geschichte weiterzugeben, solange es einem nicht kommerziellen Zweck dient. Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung, ein Haustier aufzunehmen, in eine Familie zu integrieren, eine wichtige für das Leben ist, dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen.
von Jim Willis
[/center]

[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 06.05.2010, 12:05

[center]ENTSCHEIDUNG IN WIEN[/center]

"Schicke Jürgen doch in die Wüste!" Daniella kam richtig in Fahrt, bei dem Versuch, ihre Freundin vor dem Untergang zu bewahren.
Carina sah auf die Uhr. 18 vorbei. Um 17 Uhr wollte Jürgen sie abholen um mit ihr ins Kino zu gehen. Nun saß sie da, bei einer Tasse Kaffee mit der besten Freundin, in ihrer gemütlichen Küche, und sie war den Tränen nahe.
Carinas Blick verlor sich nach draußen, in die Ferne. Der Frühling kämpfte sich mühsam durch, die Sonne lugte immer nur kurz durch die dahinjagenden dunklen Wolken.
"Er vernachlässigt Dich", redete Daniella weiter auf sie ein. "Und er flirtet ungeniert mit den anderen Frauen. Du liebst ihn doch gar nicht mehr. Gib es doch zu."
Natürlich liebe ich ihn, wollte Carina aufbrausen und stellte plötzlich erschrocken fest, dass sie kein Wort über die Lippen brachte.
"Siehst du? Ich habe recht, du kannst mir nicht mal widersprechen!"
"Nein, so ist es nicht", begehrte Carina auf, es klang aber nicht sehr überzeugend. "Ich kann ihn nicht einfach aufgeben."
"Und ob du das kannst. Du hast nur nicht Mut dazu. Benjamin liebt dich wirklich, er würde dich für immer auf den Händen tragen, wenn du ihm nur die Chance dazu geben würdest."
Benjamin! Carina musste lächeln, bei Erwähnung seines Namens.
Carina war schon immer eine große Träumerin gewesen. Als Kind lebte sie in ihrer eigenen Märchenwelt, als eine Prinzessin, und sie war sich so sicher gewesen, irgendwann würde sie ihren Traumprinzen bekommen. Im letzten Frühjahr glaubte sie, sie hätte gleich zwei gefunden. Sie musste sich nur richtig entscheiden, zwischen dem stillen, tiefsinnigen Benjamin oder dem lebhaften Jürgen, der so herzhaft lachen konnte und stets guter Laune zu sein schien. Sie erinnerte sich noch genau daran, wie die Beiden ganz plötzlich in ihr Leben traten, im letzten Frühling. Sie hatte durch die Straßen der Innenstadt geschlendert, als ein heftiger Wolkenbruch sie ganz plötzlich überraschte. Und im nächsten Augenblick fand sie sich gut beschirmt, zwischen diesen zwei sympathischen Männern, die ihr den Schutz boten. Sie lachten, luden sie in ein Cafe ein… Beide waren an der hübschen Carina interessiert gewesen, sie wankte am Anfang hin und her. Bis sie sich dann für Jürgen entschied. Er schaffte es immer wieder, sie zum Lachen zu bringen. Seine unbekümmerte, jungenhafte Art beeindruckte sie sehr.
Nun waren sie bereits seit einem Jahr zusammen und Jürgen wurde zunehmend unzuverlässig.
Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Das fragte Carina sich bisweilen, doch sie schob diesen Gedanken schnell wieder von sich fort.
Mit Benjamin traf sie sich auch oft, rein freundschaftlich. Ihm fiel natürlich auf, wie sie manchmal litt.
"Du kannst immer auf mich zählen", meinte er beim letzten Treffen vor ein paar Tagen lebevoll.
Carina ertappte sich dabei, wie ihre Gedanken manchmal unkontrolliert um Benjamin kreisten, dann erfasste sie ein warmes Gefühl, eine Sehnsucht danach, sich ihm anzuvertrauen, ihr Kopf auf seine Schulter zu lehnen und sich auszuweinen.
"Du denkst an Benjamin", stellte Daniella fest. "Er liebt dich wirklich. Und ich glaube, du empfindest auch etwas für ihn."
Langsam gab Carina ihren Widerstand auf.
"Es wäre möglich dass du Recht hast. Ich weiß es noch nicht. Ich werde mich aber von Jürgen trennen, nur auf Zeit, bis ich mir im Klaren bin, wie es mit uns weiter gehen soll."
"Na endlich wirst Du vernünftig…"
In diesem Moment ging die Wohnungstür auf. Jürgen hatte den Zweitschlüssel, er kam und ging, ganz wie ihm beliebt.
"Ich gehe dann", flüsterte Daniella. "Lass Dich nicht erweichen, bleib standhaft."
Leichter gesagt als getan! Als Jürgen die Küche betrat, mit einem Blumenstrauß, mit seinem charmanten Lächeln und seiner reumutigen Art um Verzeihung bittend, geriet sie fast ins Wanken. Doch, sie fasste ihren ganzen Mut zusammen und sagte so abweisend, wie es ihr möglich war:
"Jürgen, ich habe es satt. Ich verlasse Dich. Nimm bitte Deine Blumen und geh sofort. Ich will nicht mehr."
Jürgen schien echt erschüttert zu sein.
"Nein, nicht doch. Schick mich nicht einfach weg", bettelte er. "Lass uns darüber reden. Ich werde mich ändern, ich will dich doch nicht verlieren."
"Nein, ich brauche Abstand, ich muss nachdenken. Lass mir Zeit."
Ihre Stimme wirkte bei diesen Worten aber bereits nicht mehr ganz so selbstsicher, was Jürgen nicht entging.
"Wir wollten schon so lange gemeinsam nach Wien reisen, bitte lass uns das am Wochenende tun. Wir versuchen, uns wieder näher zu kommen, sprechen uns aus. Wenn wir zurück sind, kannst du immer noch entscheiden, ob du dich von mir trennen willst. Bitte, gib mir noch diese letzte Chance, dir zu beweisen, wie viel du mir bedeutest."
Er legte seine Arme um ihre Teile und sah sie treuherzig an. Warum musste sie in diesem Moment an Benjamin denken? Doch nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Jürgen lächelte sie auf die verführerische Art, mit der er damals ihr Herz erobert hatte und sie konnte gar nicht anders, als ja zu sagen.
"Warum, Carina?" Daniella schimpfte mit ihr. "Es hat doch keinen Sinn."
Benjamin schaute sie nur sehr traurig und nachdenklich an, als sie ihm erzählte, dass sie mit Jürgen eine Versöhnungsreise plante.

Wien, was für eine herrliche Stadt! Sie besichtigten die Hofburg, schlenderten durch die Innenstadt und schlemmten beim Zuckerbecker Demel.
"Wir gehen zum Heurigen", entschied Jürgen am Abend, ohne sich darüber mit Carina abzusprechen. Sie willigte trotzdem ein.
Als sie aber in einem großen Weinkeller landeten, der zwar sehr schön und gemütlich eingerichtet war und gute Weine und viele Schmankerl anbot, war sie doch enttäuscht. Das Lokal war voll, der Lärm erlaubte keine richtige Unterhaltung. Sie hätte sich etwas Romantischeres gewünscht.
Kaum saßen sie an einem Tisch in der hintersten Ecke des Lokals, läutete Carinas Handy. Nur mit Mühe konnte sie sich mit Daniella verständigen.
"Wie geht es dir, ich mache mir Sorgen um dich", fragte die Freundin.
"Brauchst du nicht", antwortete Carina laut. "Mir geht es gut."
"Wo bist du denn? Vielleicht kenne ich das Lokal", fuhr Daniella fort. "Ich war schon oft in Wien."
Carina nannte ihr den Namen der Gaststätte. "Ach, Mitten in Wien! Ja, da ist es immer ziemlich laut."
Als sie das Gespräch beendete, stellte Carina mit Bitterkeit fest, dass Jürgen ungeniert mit zwei Damen am Tisch flirtete. Außerdem trank er zu viel, lachte laut und benahm sich total daneben. Der Abend wurde zu einem einzigen Fiasko. Sie musste weg, egal wohin. Sie packte ihre Tasche und stand auf.
"Wohin gehst du, meine Süße?" fragte Jürgen lachend.
"Ich komme gleich wieder", meinte sie und entfernte sich langsam. Sie drehte sich noch einmal um und sah, dass Jürgen schon wieder mit den beiden Damen beschäftigt war. Nein, sie hatte nicht vor, noch mal zu ihm zurückzukehren. Als sie dem Ausgang zustrebte, fühlte sie sich einsamer und trauriger denn je.
Plötzlich, als sie schon fast am Ende des Lokals angelangt war, packte sie jemand am Arm.
"Wohin willst du denn?"
Die Stimme kannte sie doch! Eine merkwürdige Wärme breitete sich in ihrem Innern aus, das Herz wollte ihr zerspringen.
"Wie… wie kommst du denn hierher…" stotterte sie als sie in die liebevollen Augen von Benjamin blickte.
Dann ging ihr ein Licht auf. "Daniella, sie hat dich hierher gelotst. Hat sie dich nach Wien geschickt? Hinter uns her?"
"Nein, das war meine Idee, ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Ich kenne doch Jürgen."

Sie gingen Hand in Hand dem Ausgang zu, zwei Menschen, die endlich zusammengefunden haben. Das Glücksgefühl, von dem Carina voll und ganz ergriffen wurde, war für sie etwas noch nie Gekanntes. Etwas ganz Anderes, als was sie für Jürgen empfunden hatte, das wurde ihr erst jetzt klar. Nun hatte sie endlich den richtigen Traumprinzen bekommen. Dessen war sie sich sicher.
Kurz vor der Ausgangstür kam ihnen der Kellner entgegen, der am Carinas Tisch bedient hatte. Er sah sie überrascht an.
"Typisch Frau, typisch Frau", sagte er in seinem charmanten Wiener Dialekt laut. "Mit einem Mann kommen und mit dem anderen gehen!"
Sie lachten alle drei, und der Kellner ging belustigt weiter.
Die zwei Verliebten entschwanden in das nächtliche Wien, weit weg vom Lärm und Menschengewühl, um ihr Glück für sich ganz allein zu genießen.


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 10.07.2010, 14:06

Hier kommt eine kleine Sommer-Liebesgeschichte:

[center]EINE ROMANZE AM FLUSS[/center]

Erik, der mit seinem Labrador täglich am Isarufer spazierte, war sympathisch und attraktiv.
Offensichtlich auch ein Single. Doch Ricky, Sandras kleiner Hund, vereitelte jede Annäherung zwischen ihr und dem jungen Mann…


"Bitte nicht, nicht schon wieder", rief Sandra verzweifelt. Ricky, ihr kleiner schwarzer Mischlingshund, gebärdete sich wie wild, als Erik mit seinem Labrador Daffy entgegenkam. Es war ein wunderschöner Sommernachmittag, als Sandra mit Ricky am Ufer des Münchners Flusses Isar spazieren ging. Wie gerne hätte sie mit Erik zusammen ihren Weg fortgesetzt. Das war aber absolut unmöglich, weil Ricky damit absolut nicht einverstanden zu sein schien.

Dass es mit Ricky nicht ganz einfach sein würde, darüber wurde sie im Tierheim, in welchem sie ihn abholte, bereits aufgeklärt.
"Er mag keine anderen Hunde, auf die reagiert er äußerst aggressiv", teilte ihr die Tierheimleiterin mit. "Ansonsten ist er ein ganz lieber Kerl. Anhänglich und folgsam."
Sandra sah sich alle Hunde an, am liebsten hätte sie viele von ihnen mitgenommen. Sie schauten sie doch so hoffnungsvoll an, mit ihren ausdrucksvollen Augen. Es brach ihr fast das Herz, ihnen nicht helfen zu können, aus ihren "Verliesen" herauszukommen und ihr Dasein mit einem neunen Frauchen oder Herrchen teilen zu können. Sie konnte aber nur einen Hund mitnehmen, dazu einen, der auch mal ein paar Stunden täglich allein sein konnte, oder abends, wenn sie mal mit den Freunden ausging. Tagsüber hatte sie viel Zeit, da sie freiberuflich von zu Hause aus arbeiten konnte.
Sandra entschied sich zum Schluss doch für Ricky. Der süße Mischlingshund hatte es ihr angetan, das war einfach die Liebe auf den ersten Blick. Und das mit den anderen Hunden würde sie auch noch in den Griff bekommen, war sie sich sicher.
Leider hat sie sich da gründlich getäuscht.

Sandra wohnte in einer der schönsten Gegenden von München, ganz nahe an der Isar, wo sie nun mehrmals täglich mit Ricky Gassi ging. Dieses Vergnügen wurde aber durch Rickys unmögliches Benehmen fremden Hunden gegenüber ziemlich getrübt.
"Der Hund ist aber lieb", mit diesen Worten näherten sich die anderen Hundebesitzer Sandra und ihrem Schützling, bereit zu einem kleinen Plausch, was aber nicht möglich war. Ricky bellte zu laut, dabei fletschte er die Zähne wie ein Wilder, so bald ein fremder Hund zu nahe kam.
Darüber war Sandra besonders traurig, als sie das erste Mal Erik traf, mit seinem Daffy. Erik blieb stehen, ganz offensichtlich mit dem Wunsch, ihre Bekanntschaft zu machen. Bei dem Lärm den Ricky machte, war das aber nicht möglich. Sandra hob ihren Hund hoch, doch er knurrte weiterhin ungehalten, und sie musste seine kleine Schnauze festhalten, um mindestens ein paar Worte mit dem netten Mann wechseln zu können.
"Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagte sich ganz unglücklich. "Ich habe ihn aus dem Tierheim geholt und er mag keine fremden Hunde."
"Schade, meinte Erik bedauernd. "Wer weiß aber, welche schlechten Erfahrungen der arme Kerl mit den anderen Hunden gemacht hatte."
Erik ging Sandra nicht mehr aus dem Kopf. Sie sah ständig den Mann mit seinem dunklen Haar und mit den warmen braunen Augen vor sich. Sie sehnte sich immer mehr danach, ihn näher kennen zu lernen. Ihm ging es anscheinend auch nicht anders. Sie trafen sich immer an der gleichen Stelle, um die gleiche Zeit, am Ufer des Flusses, ohne dass sie sich vorher verabredet hatten. Doch mehr als ein paar Worte zu wechseln und nur ein paar Schritte zusammen zu gehen, war nicht drin.
"Du musst dich endlich an Daffy gewöhnen", redete sie aufgebracht auf Ricky ein. Er dachte aber gar nicht daran. Sandra kam für einen kurzen Augenblick sogar auf die Idee, Ricky ins Tierheim zurück zu bringen. Doch, diesen Gedanken verwarf sie sofort wieder. Sie konnte sich von ihrem kleinen "Lebensbegleiter" nicht mehr trennen und das würde sie ihm auch nicht antun wollen.

Wieder mal spazierten sie und Erik ein paar Schritte gemeinsam am Ufer des rauschenden Flusses entlang, mit dem knurrenden Ricky auf Sandras Arm. Plötzlich sprang der zappelnde Hund hinunter, tänzelte aufgeregt bellend um Daffy herum, rutschte aus und dann war er weg - in den Fluss gefallen.
"Ricky! Nein!" Sandra schrie verzweifelt und lief zum Abhang. Erik hielt sie fest. Sie sahen beide mit Schrecken, wie der kleine Hund in den Wellen um sein Leben kämpfte.
"Ich muss meinen Hund retten", schrie Sandra außer sich. Erik umklammerte ihre Schulter noch fester und rief dem Daffy zu, der bereits sprungbereit in die Fluten schaute. "Los, Daffy!"
Der große Hund sprang in den Fluss und nach einem kurzen Kampf gegen den Wasserstrom packte er Ricky und zog ihn zum Ufer hin. Da wartete bereits sein Herrchen knieend, nahm zuerst Ricky in Empfang, dann half er seinem Hund heraus.
Sandra sah durch den Tränenschleier, wie Ricky hustete und Wasser spuckte. Sie musste aber lächeln, als Daffy den kleinen Hund beruhigend abschleckte. Und siehe da: Ricky erwiderte die Zärtlichkeit des großen Hundes, berührte ihn an der Schnauze und drehte sich ergeben auf den Rücken. Erik lachte und nahm Sandra fest in den Arm. "Daffy ist gut geschult, auch als Rettungshund. Es sieht ganz danach aus, als Ricky seine Feindschaft ihm gegenüber abgelegt hat. Wir sollten ihn trotzdem in eine gute Hundeschule schicken."
Das WIR klang so selbstverständlich und Sandras Herz setzte für einen Moment vor Freude aus.
"Ja, das sollten wir", meinte sie glücklich. Nach kurzem Zögern fügte sie hinzu: "Jetzt sollten wir aber zuerst schnell zu mir gehen, um die pitschnassen Hunde abzutrocknen. Und bei einer Tasse Kaffe können wir uns von dem Schrecken erholen. Daffy bekommt auch eine Belohnung für seine Heldentat, ich habe immer Hundekuchen parat."
"Das ist eine gute Idee", antwortete Erik. So gingen sie Arm in Arm, begleitet von ihren zwei, nun freundschaftlich verbundenen Vierbeinern, einer gemeinsamen Zukunft entgegen.


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 25.07.2010, 22:33

[center]DIE KATZE AM FENSTER

Kurzkrimi von Malaika[/center]


"Die blöde schwarze Katze! Dass so ein Mistvieh tatsächlich Pech bringen soll, wer hätte es denn geglaubt?"
So schimpfte Fred unentwegt über das arme Kätzchen, das wirklich nichts dafür konnte, dass ihm seine Besitzerin aus lauter liebe ein Katzenhalsband mit echten Juwelen umgehängt hatte.
"Schwarze Katze, pah! Das ist doch nur etwas für abergläubische alte Weiber!" So hatte Fred früher darüber gedacht.
Doch nun sah die Sache ganz anders aus. Das Kätzchen musste Fred nicht einmal über den Weg laufen, um ihn ins Unglück zu stürzen. Im Gegenteil, man könnte es fast so ausdrücken, Fred war derjenige, der der unschuldigen Katze "über den Weg" gelaufen war. Hätte er es nur sein lassen! Diese Erkenntnis kam für Fred aber reichlich zu spät. Nun hatte er alle Zeit der Welt, um über die alten Weissagungen nachzudenken.

Fred und sein bester Freund Victor liebten die vornehmen Bezirke der Stadt - von Berufs wegen. Eigentlich waren sie nicht im Hauptjob Einbrecher, nein, das war eher ein gelegentlicher Nebenerwerb, um die Haushaltskasse auszubessern. Victor verdiente sich tagsüber seine Brötchen als Postbote, Fred war als Vertreter für eine bekannte Lebensversicherung tätig. Er konnte sich nicht damit rühmen, als Reisender besonders erfolgreich zu sein, doch dieser Beruf war ihm vom großen Nutzen für die kleine Nebenbeschäftigung. Nachts hatten die zwei Freunde bereits ein paar fremde Häuser ausgeräumt, nachdem sie das Terrain gründlich erkundschaftet hatten.
Doch Victor mochte nicht mehr. Bei ihm rührte sich plötzlich das Gewissen, er fand es nicht richtig, was sie taten, zu Freds großem Verdruss. Fred versuchte den Freund umzustimmen, umsonst. Victor wollte nun ein ehrlicher Bürger werden, er hatte sogar vor, seine Taten zu beichten. Für Fred völlig unfassbar. Nach langem Zureden, Betteln und an die gute Freundschaft seit den Kindertagen zu erinnern, schaffte Fred es doch, Victor zu einem letzten "Geschäft" zu überreden. Zum allerletzten!

An einem sonnigen Samstagvormittag spazierten sie wieder mal durch eine überaus feine Gegend, in der sie bereits vor mehr als drei Jahren eins ihrer besten Geschäfte erfolgreich getätigt hatten.
"Sieh dir die Kleine da an", machte Victor seinen Kumpel auf eine junge Frau aufmerksam, die gerade den Abfalleimer in die Mülltonne lehrte, neben dem Gartentor des herrschaftlichen Anwesens. Sicher die Wirtschafterin, oder das Hausmädchen. "Ist sie nicht hübsch?"
Fred kannte sich damit aus, wenn es hieß, Hilfe von irgendwelchen weiblichen Wesen in Anspruch nehmen zu müssen, um ihnen die Details zu entlocken, die für das Gelingen des geplanten "Geschäfts" wichtig sein könnten.
Für Fred stellte es gar kein Problem dar, die junge Dame anzusprechen, sich nach einer nicht vorhandenen Adresse zu erkundigen und das Gespräch auf eine charmante Weise in die Länge zu ziehen. Schon war die Bekanntschaft mit Silvia in die Wege geleitet. Fred hatte eine Zusage von ihr, sich von ihm zum Essen ausführen zu lassen. Sie war tatsächlich als Hausmädchen in der schönen Villa beschäftigt.

Es wäre alles glatt gegangen. Nach so einem viel versprechenden Anfang wäre es sicher ein Bombengeschäft geworden, wenn… ja, wenn es nicht diese verdammte Katze gegeben hätte! Fred kochte noch immer vor Wut, wenn er nur daran dachte.
Die schwarze Katze saß am Fenster der gegenüberliegenden Villa und zog Freds Blicke magisch auf sich. Nein, eigentlich nicht die Katze selbst, sondern das glitzernde Halsband, dass sie trug. Fred hatte einen geschulten Blick dafür.
"Eine wirklich schöne Katze", sagte er zu dem Mädchen. "Sie trägt ein so hübsches Halsband. Das sind doch keine echte Edelsteine, was meinen Sie?"
Silvia lachte. Sie dachte sich absolut nichts dabei, Fred, zu dem sie sich hingezogen fühlte, vertrauensselig zu erzählen, was die Sache ist.
"Oh, doch, das sind echte Brillianten, Rubine und Smaragde. Man sagt, das Halsband wäre von unschätzbarem Wert. Frau Kramer, die da wohnt, ist eine gute Freundin meiner Herrschaften, sie ist öfter bei uns als Gast und da bekomme ich so Einiges mit. Frau Kramer ist eine der reichsten Frauen in unserer Gegend und sie steht ganz ohne Familie da. Ihre Katze Bonnie ist ihr Ein und Alles. Für die ist der Frau Kramer nichts zu gut und zu teuer. Sie ist schon sehr alt, ich denke, sie wird zum Schluss alles ihrer Katze vermachen."
"Nein, nicht alles. Das Halsband in gar keinem Fall, wenn ich es verhindern kann", dachte sich Fred bei sich.
Seit jenem Augenblick, als Fred die Katze mit ihrem wertvollen Halsband erblickt hatte, waren Silvia und ihre Herrschaften in den Hintergrund getreten. Zu Victors Freude, da er ein Auge auf Silvia geworfen hatte.
"Dieses Haus wird nicht ausgeraubt", bestimmte er. "Sie ist so ein nettes Mädchen, ich will nicht, dass ihr etwas passiert."
Fred konnte nur mit dem Kopf schütteln. Aus seinem Kumpel war ein richtiges Weichei geworden. Da aber sein Interesse an der Villa von Silvias Arbeitgebern abgeflaut war, war es ihm eigentlich egal. Die Edelsteine, laut Silvia vom unschätzbaren Wert, welche die Katze um den Hals trug, haben es dem Ganoven richtig angetan.
"Gut, ich habe es mir anders überlegt, wir holen uns die Steinchen vom Hals der Katze. Was Silvia angeht, wenn du willst, kannst du zu dem Treffen mit ihr gehen, an meiner statt, wenn sie dir so gut gefällt."
Victor war nicht abgeneigt, auch wenn er diese Abmachung dem Mädchen gegenüber nicht fair fand. Doch, sie Fred zu überlassen, das wäre sicher noch schlimmer. Also freute er sich auf das Treffen mit Silvia.

Die Sache mit der Katze verlief nicht ganz so glatt, wie die zwei Freunde sich das vorgestellt hatten. Nein, im Gegenteil, das Ganze entwickelte sich zum schwierigsten Geschäft von allen, die sie bis jetzt getätigt hatten.

[center]Fortsetzung folgt[/center]


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 26.07.2010, 22:55

[center]DIE KATZE AM FENSTER

Fortsetzung[/center]

Die Alarmanlage war für Victor ein Kinderspiel, wie immer. Mit einer Taschenlampe machten sich die beiden Freunde, mitten in der Nacht, auf die Suche nach der schwarzen Katze. Die Gesichter hatten sie mit den Halstüchern vermummt, sicherheitshalber. Sie fanden den Liebling der alten Dame, wie erwartet, im Schlafzimmer, in seinem Luxuskörbchen friedlich schlummernd. Die Sorge, die Katze würde das dünne, reich geschmückte Halsband in der Nacht nicht tragen, zeigte sich als unbegründet. Die Steine glitzerten im Schein der Taschenlampe äußerst verführerisch. In Ihrem großen Baldachinbett in der Ecke schnarchte die alte Dame laut. Ihr Hörgerät (darüber hatte Silvia auch gesprochen) lag, wie erwartet, auf dem Nachtkasten. Also drohte von ihr keine Gefahr, das nahmen die Ganoven in jedem Fall an.
Aber die verdammte Katze! Sie ließ sich das Halsband absolut nicht freiwillig abnehmen. Sie verkratzte die Hände der beiden Freunde und miaute laut, es half ihr aber nichts. Das wertvolle Stück landete schnell in Viktors Jackentasche. Doch die Katzenherrin schien nicht ganz so taub zu sein, wie es die Männer angenommen hatten. Als sie bereits in der Diele waren, nur noch ein paar Schritte von der Haustür entfernt, flammte plötzlich das Licht auf. Sie wirbelten herum und sahen sich der Hausherrin gegenüber, die sie mit entsetzt geweiteten Augen betrachtete. Sie hielt in einer Hand den eisernen Feuerhaken fest umklammert und mit der anderen langte sie bereits nach dem Telefonhörer, um die Polizei zu rufen. Victor reagierte sofort und griff nach einer großen Bodenvase, hob sie hoch und war im Begriff, sie auf dem Kopf der alten Frau zu zerschmettern.
"Nein", rief Fred laut. "Wir sind keine Mörder!" Er schlug die Vase dem Freund aus den Händen, sie fiel auf den Boden und zerbrach mit großem Krach.
"Bist du verrückt? Sie will anrufen, die Bullen werden schnell da sein", antwortete Victor erbost.
Fred zog mit einem Ruck die Telefonschnur aus der Büchse und lief zur Tür. "Komm, wir verschwinden!"

Sie hatten mehr Glück als sie ahnten - das Halsband war noch wertvoller als erwartet. Es war zwar dünn, auch nicht sehr schwer, doch die Steine waren tatsächlich vom feinsten. Mit dem Geld das sie dafür bekamen - sie hatten so ihre Quellen, wo sie die heiße Ware zu Geld machten - hatten sie ausgesorgt.
Fred und Silvia kamen sich langsam näher, sie wurden ein glückliches Paar, und das Leben war wunderschön.
Doch, beinahe wäre alles anders geworden. Beinahe. Als Silvia beim ersten Treffen mit Fred die Kratzer an seinen Händen erblickte, wurde sie aufs äußerste misstrauisch. Sie erzählte vom Überfall auf die alte Dame und fragte Fred geradeheraus, ob er etwas damit zu tun hatte. Victor hatte gar nicht so unrecht gehabt, als er Fred ein Weichei nannte. Der naive Fred verliebte sich sofort über die beiden Ohren in die hübsche Silvia, er beichtete ihr die Tat und ergab sich in sein Schicksal.
"Du wirst jetzt die Polizei rufen, nicht wahr? Und mich verraten", meinte er niedergeschlagen. Seine Überraschung war riesengroß, als sie lächelte und leichthin sagte : "Nein, das werde ich nicht tun. Wenn du mir hoch und heilig versprichst, dass du nie wieder krumme Sachen machst. Die reiche Dame und auch die Katze haben keinen Schaden davongetragen, außer dem Verlust des Halsbandes. Das ist aber für diese alte Frau keine Katastrophe, das hat sie bereits gut verkraftet. Und sie redet fast mit wohlwollen von diesem gutmütigen Räuber, der ihr das Leben gerettet hatte, weil er den Anderen am Zuschlagen gehindert hat." Da musste Silvia lachen. "Das warst du. Also bist du sozusagen ein Held."
Da lachten sie beide amüsiert.
"Du wirst dich aber nie wieder in so etwas hineinziehen lassen, versprich mir das", bedrängte Silvia ihn.
"Ich schwöre es", versprach Fred und fühlte sich als der glücklichste Mann auf der Welt.

Victor schien auch zur Ruhe zu kommen. Geld hatte er genug, er hätte mit seinem Leben zufrieden sein können. Hätte. Wenn nicht diese unglücksbringende - so sah es Victor im Nachhinein - schwarze Katze gewesen wäre!

[center]Fortsetzung folgt[/center]


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 01.08.2010, 15:48

[center]DIE KATZE AM FENSTER

Fortsetzung[/center]


Victor und Fred hatten nur noch wenig Kontakt zueinander. Doch, die Freundschaft die seit der Kinderzeit bestand, konnte nicht einfach für immer zerbrechen. Also sahen sie sich immer noch ab und zu.
Als Victor einige Wochen nach der Tat Fred in die vornehme Gegend, auf dem Weg zu Silvia, begleitete, einfach weil er nichts Besseres zu tun hatte, sah er völlig überrascht zu der Villa, in die damals er und sein Freund eingebrochen waren. Am Fenster saß, so als nichts gewesen wäre, die schwarze Katze - mit dem Halsband, das dem anderen, den sie geraubt hatten, bis aufs Haar glich.
"Du, die Alte hat ihrer Katze schon wieder so ein wertvolles Stück verpasst", sprach Victor zu seinem Freund aufgeregt. "Sie mal, das Halsband. Wenn wir uns den holen, dann sind wir nicht nur gut versorgt, sonder reich."
Fred schaute ihn böse an. "Ich will kein Wort mehr darüber hören", sagte er aufgebracht. "Wir hatten Glück und dafür müssen wir dankbar sein. Das Schicksal sollte man nicht herausfordern. Vergiss die Katze."
Doch Victor konnte die Katze nicht vergessen. Sie spukte nun ständig in seinem Kopf herum. Er rechnete sich aus, was er alles anfangen könnte, mit dem Geld für das Halsband, und zwar mit dem ganzen Geld, ohne es mit Fred teilen zu müssen. Dass Fred nicht mitmachen würde, das war ihm endgültig klar.
Victor war sich sicher, dass für ihn alles glatt gehen würde. Kein Räuber kehrte an den gleichen Ort, in dem er einen Raub verübt hatte, zurück. Das war bekannt und keiner rechnete damit, dass er der Villa noch mal einen Besuch abstatten würde.

Also schlich Fred in einer verregneten dunklen Nacht zu dem Haus mit der Katze. Das allerletzte Mal, das schwor er sich.
Es war wieder kein Problem für ihn, in das innere des Hauses zu gelangen. Ganz vorsichtig wendete er sich dem Schlafraum zu, dann blieb er aber abrupt stehen. Merkwürdig. Die Katze saß am Fenster, sie schlief nicht in ihrem Körbchen, wie es sich um diese Zeit gehörte. Dann fiel ihm ein, die Katzen waren Nachttiere, sie wanderten also gerne in der Nacht umher. Leise schlich er zum Tier, das schwache Licht der Straßenleuchten erhellte ein wenig den Wohnraum, so dass er sich die Taschenlampe sparen konnte. Er sah gierig auf das funkelnde Halsband und packte die Katze ruckartig am Nacken. Da stimmte etwas nicht! Das Fell fühlte sich nicht so seidig an, wie das letzte Mal und die Katze wehrte sich nicht. Sie hatte sich nicht mal nach ihm umgedreht, obwohl sie ihn hätte hören müssen! Es kam noch schlimmer! Als das Halsband auch noch zu blinken anfing, ging Fred ein Licht auf. Doch viel zu spät. Das war keine echte Katze, genau so wenig, wie es auch die Steine um ihren Hals echt waren. Das war eine Falle! Eine Alarmanlage.

Der Raum wurde plötzlich hell erleuchtet. Ganz langsam drehte sich Fred um und er erblickte die alte Dame, nur ein paar Schritte von ihm entfernt - mit einer Pistole in der Hand.
"Wie kann man nur so dumm sein?" fragte ihn die Frau mit einem ironischen Lächeln. Das fragte sich Fred nun auch.
Aus dem Schlafzimmer kam die echte schwarze Katze und schlich zu seinem Frauchen.
"Schön ruhig bleiben", sprach die alte Frau wieder. "Die Polizei wird gleich da sein. Und ihre Beute, das Halsband, können Sie ruhig mitnehmen. Als Erinnerungsstück, sozusagen."
Victor kochte vor Wut. Doch, er war machtlos.


"Die verdammte schwarze Katze!" schimpfte Victor immer wieder bei sich in seiner Zelle. Sie hat sein ganzes Leben ruiniert.
Noch elendiger fühlte er sich, als sein Freund Fred ihn zusammen mit der ihm frisch angetrauten Ehefrau Silvia besuchte.
"Wir gehen fort", eröffnete ihm Fred die "freudige" Nachricht. "Wir wandern aus, nach Katalonien. Dort eröffnen wir ein kleines Restaurant. Schade, dass du nicht mitkommen kannst."

Victor haderte mit seinem Schicksal. Er hätte die Warnung seiner Oma, eine schwarze Katze bringt Unglück, nicht einfach in den Wind schlagen dürfen. Er hatte stets darüber gelacht und konterte mit de Worten: "Ja, ja, ich weiß. Du hast Recht, die schwarzen Katzen bringen Unglück, aber nur den Mäusen."
Nun hatte Victor nichts mehr zum Lachen. Nun hatte er alle Zeit der Welt, um über seine eigene Dummheit nachzudenken.

[center]Ende[/center]


[center]Bild[/center]
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 04.10.2010, 23:03

[center]OKTOBER

Die Nebelschwaden einer Nacht
weichen nur langsam, sacht.
Die Vogelschwärme sind dahin.
Voll Sehnsucht möcht' ich auch
- ja wohin?
Ach wie schön, die Farbenpracht,
die Sonnenstrahlen, so sanft,
allerorts würziger Duft.
Die Nebelschwaden gleiten dahin.
Melancholie liegt in der Luft.

Malaika [/center]
Dateianhänge sehen Sie nur als registriertes Mitglied im 50plus-Treff.
Avatar
Gast
 

Beitragvon Gast » 02.12.2010, 0:00

[center]DER TEUFEL HAT KEINE HÖRNER

Eine kleine Weihnachtsgeschichte[/center]

Nichts, absolut nichts deutete darauf hin, dass der kleinen Elli nach jenem friedlichen, tiefverschneiten Dezembermorgen, es war Heiligabend, ein dermaßen dramatischer Tag beschert werden sollte.

Ah, Sophie, wie konntest du nur zulassen, dass so etwas geschieht?

"Elli, Dein Baum steht auf dem Kopf! Du malst ihn verkehrt rum."
Die achtjährige Sophie, ein reizendes Mädchen mit großen blauen Augen und blondgelocktem Haar, blickte verwundert zu ihrer kleinen Schwester Elisabeth, die ihr gegenüber am Küchentisch saß und das Bild von Sophie exakt nachzeichnete.
Die dreijährige Elli, ihre Augen waren genauso blau wie die ihrer Schwester, das Haar aber um einige Nuancen heller, verstand nicht, was an ihrem Bild nicht richtig sein sollte. Sie steckte das obere Ende vom Bleistift in den Mund, kaute daran und betrachtete abwechslungsweise ihre Zeichnung und die von Sophie.
"Dein Bild sieht aber ganz genau so aus wie meins", antwortete sie. "Dann steht dein Baum auch auf dem Kopf."
Sophie brach ins Lachen aus, sie schlug mit den beiden Händen auf die Tischplatte und krümmte sich vor Lachen. Als sie aber die tiefgekränkte Mine von Elli sah, wurde sie wieder ernst und erklärte ihr, was die Sache ist.
"Mein Baum stimmt. Du siehst ihn nur so, weil du auf der anderen Seite sitzt. Schau", sie drehte ihr Blatt herum und schob ihn zu Elli rüber. "So muss ein Baum aussehen." Dann drehte sie die Zeichnung von Elli um. "Siehst du, jetzt ist dein Baum auch richtig."
Elli runzelte die Stirn. Tatsächlich, so und nicht anders kannte sie die Bäume aus ihren Bilderbüchern. Sehr zufrieden mit sich selbst, fing sie an, ihr Werk mit Buntstiften auszumalen. Sophie aber holte ein Buch aus ihrem Zimmer und las dann darin. Hin und wieder trank sie aus ihrem Becher kalte Milch. Elli machte ihr nach und nippte gleichzeitig an ihrem Kakao.
Trotz der vorgeschrittenen Stunde wollte es nicht so recht hell werden. Schwere dunkle Wolken hingen tief über den Dächern von München. Vor dem Küchenfenster bewegten sich die schneebedeckten Zweige leicht im Wind, die dicken Flocken wirbelten unaufhörlich durch die Luft. Drinnen herrschte eine behagliche Stille, die nur ab und zu unterbrochen wurde, vom Geräusch der vorbeifahrenden Autos auf der schneegeräumten Straße und von Sophies Umblättern im Buch.
Wie bereits erwähnt, nichts ließ es erkennen, dass dieser Tag für Elli so aufregend werden sollte.

[center]Bild[/center]

Elli legte ihren Stift nieder und sah zu Sophie auf. "Sophie...",
"Hmmm..." murmelte Sophie, ohne den Kopf zu heben.
"Sophie! Wie lange ist es noch bis Weihnachten?"
"Heute ist Heiligabend und morgen ist Weihnachten, das habe ich dir schon hundertmal gesagt." Sophie las weiter. Doch, es verging keine halbe Minute, da wurde sie erneut gestört.
"Meinst du dass der Weihnachtsmann mir viele Geschenke bringt?"
Sophie knallte das Buch auf den Tisch. "Oh, Gott, nerv mich nicht dauernd. Lass mich endlich in Ruhe lesen. Wenn du so weiter machst, schreibe ich an den Weihnachtsmann und du bekommst gar nichts."
Elli sah ganz entsetzt drein und legte den Kopf auf die Arme, die auf der Tischplatte ausgestreckt waren.
"Nun heul nicht gleich", meinte Sophie versöhnlich. "Das war nur ein Scherz."
Elli hüpfte, nun wieder frohgestimmt, von ihrem Stuhl und lief in der Küche umher. Sie blieb hinter Sophie stehen und legte die Arme fest um ihren Hals.
"Au! Du erwürgst mich ja!" schrie Sophie und befreite sich aus ihrer Umarmung.
"Wann kommt Mama nach Hause? Sie wollte Kuchen backen. Mir ist es langweilig."
"Mama muss arbeiten, das weißt du doch, kleiner Quälgeist. Heute könnte es sogar etwas länger dauern. Aber danach hat sie lange Urlaub. Ganze zwei Wochen."
In diesem Moment klingelte das Telefon. Die Mädchen stürmten zum Apparat im Wohnzimmer, Sophie war schneller.
"Hallo Mama!" sprach sie, den Hörer mit beiden Händen festhaltend, da Elli sich eifrig bemühte, ihn ihr zu entreißen.
Stille.
"Warte", sagte Sophie, "Ich hole Stift und Papier und schreib' es mir auf, was ich kaufen soll."
Sie lief aus dem Zimmer und kehrte mit dem Schreibzeug zurück. Inzwischen hatte Elli den Hörer ergriffen.
"Mama, Mama, wann kommst du?"
Nach kurzem Gerangel brachte Sophie den Hörer wieder an sich.
"Hallo! Da bin ich wieder." Sie sprach die Worte nach und schrieb dabei. "Milch, Kakao, Grieß aus Hartweizen, Eissalat. Ist das alles?"
Stille.
"Ja Mama." Dann drehte sie sich zu Elli um. "Hol mal die kleine silberne Blechdose, die auf dem Küchenschrank steht."
Sophie sah in die Dose, die Elli bereits geöffnet hatte.
"Ja, ich habe das Geld. Klar nehme ich Elli mit."
Stille.
"Ja Mama, ich passe ganz gut auf sie auf, mach dir keine Sorgen."
Stille.
"Jaa, Mama, ich lasse sie keinen Augenblick lang aus den Augen, das weiß ich doch schon."

Wirklich?

Als die Mädchen bereits ihre warmen Anoraks, Mützen und Schals anhatten - Sophie war gerade dabei, Ellis roten Stiefelchen festzuschnüren - läutete erneut das Telefon.
"Hallo", meldete sich Sophie. "Ja, ich bringe Hefe mit. Nein, ich vergesse es bestimmt nicht."

[center]***[/center]

In der Vorweihnachtszeit verwandelte sich das große Einkaufszentrum in ein Wunderland. Überall wo man hinschaut Lichterglanz. Und erst die herrlichen Düfte! Gebratene Mandeln, Glühwein, Gewürzkuchen, geröstete Maroni! Es herrschte ein buntes Treiben, die vielen Menschen eilten laut und ausgelassen in allen Richtungen. Aus den Lautsprechern, die im ganzen Großmarkt verteilt waren, hallte "Heute kommt der Weihnachtsmann", Schneeglöckchen kling" und all die anderen wunderschönen Weihnachtslieder. Und in der Mitte, unter einer Glaskuppel, durch die man den verschneiten Himmel sehen konnte, stand ein riesengroßer Weihnachtsbaum, prachtvoll geschmückt in rot und gold.
Sophie war gemein! Sie steuerte zwar direkt zum Lebensmittelgeschäft, vor dem der kleine rote Hubschrauber platziert war, doch sie zog Elli an ihm vorbei und in den Laden hinein.
"Du hast gesagt, ich darf mit dem Hubschrauber fliegen! Sogar zweimal!" schrie Elli und versuchte ihre Hand aus Sophies Umklammerung zu lösen.
"Ja, nachher", entschied Sophie. Wieder einmal, wie so oft, bedauerte Elli sehr, dass nicht sie die Ältere war und das Sagen hatte.
"Komm, sei lieb." Nun versuchte Sophie im Guten. "Du bekommst auch Maroni von mir. Die magst du doch so. Aber zuerst wird eingekauft."

Endlich war es so weit. Doch, oh Schreck!
"Ich habe Hefe vergessen!" rief Sophie. "Die war nicht auf der Liste. Wir müssen zurück."
Elli verzog das Gesicht.
"Nein! Jetzt bin ich dran. Du kannst die blöde Hefe später kaufen."
"Dann vergesse ich es wieder, und ohne Hefe gibt es keinen Kuchen. Ich muss zurück."
"Nein! Nein! Ich gehe nicht mit. Ich bleibe hier!" Elli stampfte mit dem Fuß.
"Du weißt doch dass ich dich nicht allein lassen darf."
Sophie zog an Ellis Hand, die zog aber mit aller Kraft dagegen. Sie war fest entschlossen, sich diesmal nicht unterkriegen zu lassen.
Sophie war nicht minder entschlossen, ihre Besorgung zu erledigen, bevor der Ansturm auf das Geschäft noch größer werden würde.
"Was mach ich bloß mit dir?" meinte sie und blickte ihre kleine Schwester verärgert an.
Schließlich fiel ihr die Lösung ein.
"Na gut. Ich gehe schnell noch mal ins Geschäft und du darfst so lange fahren, bis ich wieder da bin. Ich gebe dir das Geld dafür. Hier in diesen Schlitz musst du jedes Mal ein Geldstück einwerfen. Doch das kennst du ja."

Aber Sophie! Hast du dein Versprechen, Elli nicht aus den Augen zu lassen, schon vergessen?

"Juhuuu..." jubelte Elli und klatschte in die Hände.
Sophie kramte in der kleinen Blechdose und holte die Münzen heraus.
"Da, das reicht für drei mal fahren. Falls du eher fertig bist als ich, bleibst hier und rührst dich nicht von der Stelle. Verstanden? Sonst nehme ich dich kein einziges Mal mehr mit zum Einkaufen."
So etwas würde Elli nie im Leben riskieren.
Und noch ein paar Ratschläge mehr: "Lass dich von Keinem ansprechen. Hast du es verstanden? Du kannst nie wissen, wer ein guter und wer ein böser Mensch ist."
Somit ging Sophie in den Laden, aber nicht ohne sich noch ein paar Mal nach Elli umzusehen.

Nun stand Elli allein neben dem Fahrgestell und betrachtete fasziniert ihre Schätze auf der ausgestreckten kleinen Hand. Da geschah etwas so Schreckliches und dazu so unerwartet, dass Elli überhaupt keine Zeit hatte zu reagieren. Was hätte aber ein kleines Mädchen in so einem Fall auch ausrichten können?
Jemand packte plötzlich ihre Hand und entriss ihr die sämtlichen Geldstücke. Elli sah erschrocken hoch. Es war ein Junge, höchstens fünfzehn Jahre alt. Er hielt immer noch Ellis Hand fest umklammert, das tat richtig weh. Was hat Sophie gesagt? Man kann nie wissen, wer ein guter und wer ein böser Mensch ist. Dieser Junge, er sah eigentlich ganz nett aus und war schön gekleidet, konnte kein guter Mensch sein.
"Gib mir sofort mein Geld zurück!" schimpfte Elli laut.
Der Junge dachte gar nicht daran.
"Ich habe es viel nötiger als du. Du bekommst es sicher von deiner Mutter wieder."
"Elli sah sich um. Wenn jetzt nur Sophie hier wäre. Es liefen aber so viele Menschen umher, jemand würde ihr bestimmt helfen. Sie machte den Mund auf um ganz laut zu schreien, der Junge kam ihr aber zuvor: "Ich bin der Teufel persönlich! Wenn du schreist, nehme ich dich mit in die Hölle", zischte er. Jetzt sah er überhaupt nicht mehr nett aus. Er blickte so finster drein, dabei umklammerte er ihre Schulter mit einem eisernen Griff, Elli hatte gar keine Zweifel, dass er die Wahrheit sagte. Sie war wie betäubt vor Angst, nur die dicken Tränen kullerten ihr das Gesicht hinunter. Hilflos musste sie zusehen, wie sich "Der Teufel" mit ihrem Schatz davonmachte.

Verzweifelt und laut schluchzend stand Elli nun neben dem roten, stillstehenden Hubschrauber. Die Menschen hasteten vorüber, es schien so, als keiner es bemerkte, was hier geschah. Eine Dame im mittleren Alter, vollbeladen mit ihren Einkaufstüten, blieb kurz stehen, sie warf einen schnellen Blick auf die Uhr, dann hetzte sie weiter.
Da hörte Elli plötzlich eine zittrige, raue, aber sehr freundliche Stimme neben sich: "Warum weinst du so, Kleine? Hast du dich verlaufen? Findest du deine Mutti nicht mehr?"
Durch den Tränenschleier sah Elli einen alten Mann, mit einem zerfurchten, bärtigen Gesicht, das graue Haar zerzaust. Seine Kleidung war abgenutzt und zerlumpt. Elli hörte auf zu weinen und musterte den Mann mit einer Genauigkeit, mit der nur die Kinder Einen zu betrachten pflegen. Normalerweise wäre sie jetzt mit Schrecken zurückgewichen, aber in ihrem Kummer tat es gut, eine so mitfühlende Stimme zu hören.
Sie fing wieder an zu weinen.
"Der Teufel... der Teufel... war hier."
Elli konnte vor lautem Schluchzen die Worte kaum aussprechen.
Der Obdachlose, denn das war der Mann offensichtlich, sah sie erstaunt an.
"Der Teufel, sagst du? Bist du dir sicher? War es bestimmt der Teufel? Schwarz? Mit Hörnern?"
"Nein, nein." Langsam beruhigte sich Elli. "Der Teufel ist nicht schwarz. Und er hat auch keine Hörner."
Sie sah das Gesicht des Jungen wieder deutlich vor sich.
"Er war hübsch."
Dann musterte sie erneut die schäbige Kleidung des alten Mannes von oben bis unten.
"Er hatte eine schöne Jacke an. Und schöne Schuhe."
Der Alte musste sich sehr zusammennehmen, um nicht zu lachen. Das durfte er dem kleinen traurigen Mädchen nicht antun.
"Bist du denn ganz allein hier?" fragte er stattdessen.
Elli schüttelte den Kopf und streckte ihren Arm in Richtung des Lebensmittelladens aus. "Sophie ist da drin, sie kommt gleich."
"Aha... Sophie..." sagte der Alte. Und dann, nach kurzem Nachdenken: "Was wollte der Teufel von dir?"
"Er hat mir mein ganzes Geld geraubt." Sie weinte wieder. "Er hat gesagt, wenn ich schreie, nimmt er mich mit in die Hölle."
Plötzlich spiegelte Ellis Gesicht große Furcht wieder. "Vielleicht darf ich dir das gar nicht erzählen. Vielleicht kommt er zurück und nimmt mich doch noch mit."
Der Obdachlose empfand großes Mitleid mit dem Kind. Er stellte sich vor, wie die Kleine noch eine lange Zeit Alpträume haben würde, in ständiger Angst vor dem Teufel. Er war fest entschlossen, dies um jeden Preis zu verhindern.
"Hör mir gut zu." Er ging vor dem Mädchen in die Hocke. "Das war nicht der Teufel. Das war ein böser Mensch, der dich angelogen hatte, weil du nicht schreien solltest. Er wollte nur dein Geld haben, nichts weiter. Der Teufel kann nicht unter die Menschen kommen. Das würde der Weihnachtsmann niemals zulassen."
Ellis Gesicht hellte sich auf. "Bist du dir ganz sicher?"
"Ja, das bin ich. Du kannst mir ruhig glauben. Damit kenne ich mich gut aus."
Nach kurzem Überlegen fragte der Alte: "Wie viel Geld hat der böse Mensch dir gestohlen?"
Ellis Stirn legte sich in Falten. Sie dachte angestrengt nach.
"Ich weiß es nicht. Es war aber viel. Ich wollte mit dem Hubschrauber fliegen. Sophie hat gesagt, es reicht für drei mal."
Diesmal musste der Alte doch lachen. "So, so, es war viel, sagst du."
Er kramte in seiner Manteltasche und holte ein paar Geldstücke heraus.
"Setz dich in den Hubschrauber, ich werfe für dich das Geld hinein."
Ellis strahlendes Gesicht war für den alten Mann der schönste Anblick des Tages. Dann ging es los, immer wieder bewegte sich der kleine rote Hubschrauber ratternd, hoch und runter, vor und zurück. Elli lachte laut und ihre Wangen röteten sich vor Freude. Drei mal durfte sie ihren "Flug" genießen, dann war es vorbei.
Aus den Lautsprechern ertönte Jingle Bells. Elli fasste den alten Mann am Ärmel, sie tänzelte im Rhythmus der Musik, neigte den Kopf im Takt mal zu einer Schulter, mal zur anderen und lachte dabei fröhlich.
Da erschien Sophie, mit einem von Hektik geröteten Gesicht. "Gott sei Dank, du bist noch da. Es hat ewig gedauert bis ich die Hefe gefunden habe, dann die lange Schlange an der Kasse... Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht."

Na, ja. Das kommt reichlich spät, liebe Sophie!

Als sie den alten Mann erblickte, rümpfte Sophie die Nase.
"Du sollst mit solchen Leuten nicht reden", meinte sie missbilligend.
Elli wurde zornig. "Er ist aber sehr nett!"
"Woher willst du denn das wissen?" schalt Sophie weiter, packte Elli an der Hand und zog sie mit sich fort.
Elli drehte sich um, winkte und rief laut: "Ich hab dich lieb!"
Der alte Mann blickte den beiden Mädchen nach. Er winkte zurück und als sie aus seinem Blickfeld verschwunden waren, wischte er sich mit dem Ärmel über das Gesicht.

Elli nahm sich fest vor, ihr Abenteuer der Mutti in allen Einzelheiten zu erzählen. Mama wird ihr glauben und es verstehen. Und spätestens dann wird Sophie einsehen müssen, dass der alte Mann, trotzt seiner zerlumpten Kleidung, ein guter Mensch war und kein böser.

War er sogar der Weihnachtsmann, der Elli zur Hilfe eilte und sich nur verkleidet hatte, um von den vielen Menschen im Einkaufszentrum nicht erkannt zu werden? Wer weiß das schon?

Malaika
Dateianhänge sehen Sie nur als registriertes Mitglied im 50plus-Treff.
Avatar
Gast
 

Vorherige

Zurück zu München