[center]SCHLAFLOSE NÄCHTE
Fortsetzung[/center]
Auf einmal merkte sie, wie sie auf etwas Glattem, wie Seife, rutschte, ihre Füße gehorchten ihr nicht mehr. Sie ließ den Korb fallen, sah entsetzt wie ihre saubere Wäsche samt dem Korb die Stufen hinunterpurzelte, doch sie schaffte es trotzdem nicht, ihr Gleichgewicht wieder zu finden. Bei dem vergeblichen Versuch, das Schlimmste zu verhindern, spürte Nadine, wie ihr rechter Fuß knackste. Der kaum zu ertragende Schmerz durchfuhr ihren ganzen Körper wie ein Stromschlag. Von Panik erfasst, angesichts der Tatsache dass sie überhaupt nichts tun konnte, fiel sie…
Doch plötzlich fühlte sie einen kräftigen Arm, der entschlossen ihre Teile umfasste. Manfred Stolz war ihr blitzschnell entgegen gerannt, mit dem einem Arm hielt er sie fest, mit dem anderen umklammerte er das Treppenhausgeländer, um den Halt nicht zu verlieren. Vorsichtig half er ihr die paar Stufen hinunter, wobei Nadine bei jedem Schritt vor Schmerz aufstöhnte.
"Sind sie OK?" fragte Manfred sorgenvoll, als sie unten angekommen waren.
"Ja… nein… ich weiß es nicht. Mein Fuß, es tut höllisch weh."
"Es ist Öl."
"Wie bitte?"
"Jemand hat auf der Treppe eine Menge Öl verschüttet. Ich frage mich nur, wie so etwas passieren konnte. Und warum hat der Lump das Öl nicht wieder beseitigt."
Nadine sah ihn verstört an. "Öl? Auf der Treppe? Oh Gott, ich verdanke Ihnen wahrscheinlich mein Leben."
"Kommen Sie", meinte Manfred statt einer Antwort. "Sie bleiben bei meiner Mutter, wir rufen den Arzt an. Ich werde inzwischen die Treppe sauber machen, dann können sie wieder in Ihre Wohnung zurückgehen. Falls der Fuß nicht gebrochen ist. Die Wäsche werden Sie, befürchte ich, noch einmal waschen müssen."
"Der Fuß ist Gottlob nicht gebrochen, aber ordentlich verstaucht", meinte der behandelnde Arzt nach der gründlichen Untersuchung. Er sah sie über den Rand seiner Brille lächelnd an. "Sie müssen sich schonen. In der nächsten Zeit kein Bergsteigen, kein Tanzen."
Manfreds Mutter begleitete Nadine in ihre Wohnung zurück und tat alles für ihre Bequemlichkeit, schaltete sogar die Waschmaschine ein, nachdem sie die Sachen hineingestopft hatte.
"Die Wäsche aufhängen wird wohl Ihr Mann müssen, wenn er heimkommt. Denken Sie daran, was der Arzt gesagt hat", meinte sie zum Abschied.
Der zweite Unfall überlebte Nadine zwar auch, diesmal kam sie aber nicht mehr so glimpflich davon, wie bei ihrem Treppensturz. Ein gebrochener Arm, Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung waren die Folgen des Autounfalls. Aus einem unerklärlichem Grund war ihr Wagen von der Straße abgekommen und auf einen Baum geprallt. Sie konnte sich glücklich schätzen, dass sie überhaupt noch lebte. Den Cinquecento ließ Thorsten von einem Automechaniker herrichten.
"Mit meinem Wagen stimmt noch immer etwas nicht", beklagte sich Nadine, nachdem sie zum ersten Mal wieder durch die Gegend herumkutschierte. "Der Bremsweg ist zu lang, außerdem geht das Lenken ziemlich mühsam."
"Ich bringe den Wagen in den nächsten Tagen wieder in die Werkstatt. Bitte sei bis dahin vorsichtig", meinte Thorsten.
Als Thorsten am nächsten Abend nach Hause kam, begrüßte ihn Nadine strahlend.
"Danke", sagte sie, mit einer innigen Umarmung. "Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann."
Thorsten musterte sie völlig irritiert.
"Wofür bedankst du dich denn? Ich verstehe nicht…"
"Die Bremsen. Die Bremsen an meinem Wagen!"
"Was ist damit?" Thorstens Blick wurde finster.
"Tue doch nicht so bescheiden. Du hast sie doch richten lassen. Dafür danke ich dir."
"Ich soll mich um deine Bremsen gekümmert haben?" Er sah verstört aus. "Wann denn? Ich hatte doch gar keine Zeit dazu."
Nadine sah ziemlich ratlos drein. "Warum sagst du das? Die Bremsen funktionieren tadellos. Wenn du es mir nicht glaubst, gehen wir zum Auto und du siehst dir das an."
Manfred setzte sich hinter dem Steuer des Wagens, der auf der Straße vor dem Haus geparkt war, und fuhr ein paar Mal vor und zurück.
"Du willst mich auf den Arm nehmen, oder? Die Reparatur hast du selbst durchführen lassen. Oder war es mein lieber Schwiegervater?" meinte er sarkastisch.
Nadine presste die Lippen fest zusammen. Sie sagte kein Wort mehr.
Als sie am nächsten Mittwoch wieder mit ihrer Wäsche aus der Wohnung ging, stand Manfred am Fuße der Treppe und beobachtete sie aufmerksam.
"Passen Sie auf, dass mir nichts passiert?" fragte sie lachend.
"Sie sollten auf sich tatsächlich ein wenig besser aufpassen", meinte er mit einem ernsten Gesicht.
"Denken Sie an meinen Autounfall? So etwas kann jedem passieren."
"Sie scheinen besonders unfallgefährdet zu sein…"
Es sah ganz danach aus, als er ihr noch etwas sagen wollte, doch dann verabschiedete er sich freundlich, drehte er sich um und verschwand in der Wohnung seiner Mutter.
Nach einigen harmonischen Tagen stellte Nadine erneut etwas Merkwürdiges fest.
"Bitte sag mir doch die Wahrheit", sprach sie Thorsten an. "Hast du das Lenkrad an meinem Wagen repariert?"
Der Gesichtsausdruck von Thorsten, nach diesen Worten, jagte ihr Schauer über den Rücken.
[center]Fortsetzung folgt[/center]
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