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Forum der Regionalgruppe Berlin

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Beitragvon Auschra » 09.02.2012, 10:03

Mich hat mein Berlinweh wieder einmal stark in den Klauen ...
Also: ran an de Buletten ... Sprich an meinen Bücherschrank -- zu den ca zwei und einen halben Meter Berlinensis ...
Gestern lachte ich mich halb kaputt über “das Urbild der Berlinerin” Madam Dutitre einer Hugenottin der zweiten Stunde ... quasi
S.Fischer-Fabian “Berliner Evergreens” Bilder einer Stadt in sechzehn Portraits , Ullstein, 3005,Berlin 1960 S.121 ff


Nun ... “the best of” wollte ich Euch nicht vorenthalten ... aber die kleine Schrift... .. Alt, aber endlich schon ein bisserl schlau, dachte ich: Kuckste mal bei Wiki vorbei..

Und wurde fündig... Und Ihr werdet nun “zwangsbeglückt” ....

Ihre Biographie ist hier ... Und die Anekdoten auch ..
http://de.wikipedia.org/wiki/Madame_Du_Titre


Diese schwerreiche Frau machte ihrem zukünftigen - ebenfalls schwerreichen Etienne Du Titre damals ganz unüblich, einen Heiratsantrag. Sie stand, Petersilie hackend in der Küche... drall, dunkel, hübsch . Er stand neben ihr - rumdrucksend: Was geschah? Sie , für ihr schnelles Mundwerk bekannt, fragte ihn kokett über das Hackmesser blickend:“Na, Dutitern, Sie möchten wohl janz jerne, dass ich in Ihre Küche später och mal Petersilie hacke“... Klar, dass er wollte. Marie Anne George war nämlich nicht nur mit einem großen und raschen Mundwerk begabt, sondern mit einem ebensolchen Herzen .. Und sie war völlig ungeniert ... Sie fürchtete sich vor nichts und niemandem auch nicht vor ihren stadtbekannten Grammatikfehlern. Und obwohl sie noch fließend Französisch sprach... das Hugenottenfranzösisch, das in Paris belächelt wurde, war ihre Sprache: dit Balinern.

Eines Tages erkundigte sich König Friedrich III nach ihrer Tochter Marie und ihrem Schwiegersohn, die sich gerade in Italien aufhielten. Die Antwort der stolzen Mutter: “Alle Dienstag und Freitag bei Papstens in Rom zum Thee - und die Päpstin so freundlich zu meine Dochter wie Majestätken zu mir.“ Noch anteilnehmender ist ihre verbürgter Trost an diesen König, als ihm seine Königin Luise starb: „Ja, Majestätken, et is schlimm for Ihnen. Wer nimmt ooch jern een Witwer mit sieben Kinderkens“.



Sei`s drum... Ein letztes:

Sie ließ sich - und das gar von ihrer Gesellschaftsdame- nicht gar so gern wegen ihres Berlinerns ansprechen. Die Gesellschaftsdamen der Madame wurden nur unter der Bedingung eingestellt, dass sie ihrer Arbeitgeberin nie widersprachen. Als die eines Tages erzählte, wie sie den ganzen Vormittag von Besuch zu Besuch „jelofen und jelofen“ sei, korrigierte die Angestellte vorsichtig: man sage aber doch besser „gegangen“ statt „jelofen“. Madame Du Titre daraufhin: „Wat, gegangen, gegangen? Mamsellken, ick bin jelofen, jelofen und ick habe den reichen Du Titre gekriegt – und Sie sind gegangen und gegangen und haben noch keinen nich gekriegt. Also is jelofen besser wie gegangen, merken Sie sich das!“

Ein bisserl unschön, aber : wer zahlt, schafft an ... Großherzigkeit hin oder her..
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Beitragvon Auschra » 09.02.2012, 14:15

das erhilet ich als feed back an andere Stelle... vielleicht interessiert das ja auch noch die eine oder den anderen.

man sollte nicht vergessen, dass die berliner den hugenotten viele wörter, die heute als urberlinisch gelten, verdanken.
"Boutique (das Ladengeschäft) wird zu Budike, estaminet (die kleine Gastwirtschaft) zu Stampe, clameur (das Geschrei) zu Klamauk, pleurer (weinen) zu plärren. Polier ist abgeleitet von parlier, dem Sprecher oder Wortführer einer Arbeitskolonne. Être peut-être (im Zweifel sein) entwickelte sich zu etepetete, aus avec force (kraftvoll) wurde forsch. Der Ausdruck „Kinkerlitzchen“ entstand aus quincailleries (Kurzwaren, Kleinigkeiten). Aus mocca faux (falscher Kaffee) wurde „Muckefuck." ( wikipedia ) die reihe ließe sich, würde man in die literatur eintauchen, ganz sicher fortsetzen ...

dem "Alten Fritz" sei dank ...



mir fällt ad hoc noch ein: mittenmang .. da soll es ein franz. Wort "emange" oder so geben ... innen drinnen
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Beitragvon titirangi » 09.02.2012, 20:43

mir fällt ad hoc noch ein: mittenmang .. da soll es ein franz. Wort "emange" oder so geben ... innen drinnen[/quote]

Danke für die spannende Geschichte von Madame duTtitre. Mit einem solchen Namen muss man Geschichte schreiben und sie hat sich gut in Szene gesetzt :!: :)

"emange" kenne ich nicht. Mittenmang könnte übersetzt heissen "en plain millieu"

Ich liebe Muckefuck (mocca faux) danach kann ich wenigstens schlafen!
Ich bin immer amüsiert, wenn Berliner französische Wörter gebrauchen und die Betonung auf der 2. Silbe liegt. Zum Spass frage ich nach einem Croissant (franz. ausgesprochen) und werde promt korrigiert, Sie meinen "Kroissant).

LG Titirangi
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Beitragvon froggybln » 16.02.2012, 21:21

Madame Dutitre begegnete einer Dame ihrer
Bekanntschaft. Nach den ersten Worten der Begrüßung
meinte sie: " Wissense, ick kannte Ihnen vorhin janich
wieder, Sie sehen nemlich so anjepummelt aus.
Besuchen sie etwa heute ooch die Majorin
Schmidt? So, naja, da jeht ooch Creti und Pleti hin"

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Beitragvon Auschra » 17.02.2012, 14:42

Ja, titirangi

französisch sollte frau/man können.Mit der Betonung hast Du völlig Recht..Dir - Du kannst sicher Französisch - fällt das dann auf...

wie sollen wir uns denn dit ooch noch merken.. :D


Aber noch lustiger finde ich

Balkong --- richtig : Balkon usw usw

Und, Obwohl schon über ein halbes Jahrhundert in Wien lebend, werde ich genau wegen dieser "Ausfälle" von allen Bekannten und Freunden aufgezogen..


@ Froggy-- haste noch welche uff Lager ?

Her damit ...Das ist keine Befehl, sonder preußische Wortkürze , also eene Bitte uff Preußich
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Beitragvon titirangi » 19.02.2012, 23:42

[quote="Auschra"]Ja, titirangi

französisch sollte frau/man können.Mit der Betonung hast Du völlig Recht..Dir - Du kannst sicher Französisch - fällt das dann auf...

Das Schweizer Hochdeutsch ist sehr stark mit französischen Ausdrücken durchsetzt. Schon in der Schule sind 2 Amtsprachen obligatorisch. Besser noch man beherrscht auch noch italienisch (lässt leider etwas zu wünschen übrig). Heute ist englisch wichtiger.

Sogar Lebensmittel sind 3sprachig beschriftet , deutsch, französisch und italienisch.

Ein Versuch: Wir essen ein Poulet = Huhn, trinken Jus = Fruchtsaft, Panache = Radler oder nehmen als Dessert = Nachspeise eine Glace = Eis.

Die Hände waschen wir im Lavabo = Waschbecken.

Wir fahren mit dem Car = Reisebus und lösen ein Billett = Fahrschein.

Kinder fahren mit dem Trottinett = Tretroller oder mit dem Velo = Fahrrad

Den Camion = Lastkraftwagen bringen wir in die Garage = Werkstatt den wir brauchen Pneus = Reifen.

Sicher hat Madame Dutitre auch solche Ausdrücke verwendet.
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Beitragvon froggybln » 20.02.2012, 14:42

Es gibt auch noch andere Zeitgenossen aus Berlin
von denen so einige Ane C Doten bekannt sind.
Neben "Papa Wrangel" hatten wir den Kommandanten
von Spandau den General von Petery.
Er zeichnete sich nicht nur durch eine lakonische
Kürze aus, die jedem zeilenschindenden Lokalbericht-
erstatter zum Vorbild dienen könnte.
So hieß es enmal:
" Der Kanonier Krause hatte die Unbesonnenheit,
eine Kanone zu untersuchen, ob sie geladen war.
Sie war es. Die Beerdigung der Leiche findet morgen
in weißen Hosen statt."
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Beitragvon froggybln » 20.02.2012, 14:58

Eine Weinstube in der Brüderstraße,
"Baumanns-Höhle" jenannt.
An eenem Tisch saßen Moses Mendelsohn,
Lessing und Nikolai.
Mendelsohn hatte seinen Freunden sein Traktat
über die Unsterblichkeit der Seele vorgelesen.
Da trat een Berliner an den Tisch und sagte:
" Ick gloobe nich an ihr! Warum nicht, fragte Lessing?
und bekam zur Antwort: Ja, sehn se, wenn ick dran jloobe,
un se kommt nich, dann ärgere ick mir. Wenn ick dran jloobe,
un se kommt, dann finde ick weiter nicht dabei. Wenn ick
aber nich dran jlobe, un se kommt, dann frei ick mir! !

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Beitragvon Auschra » 20.02.2012, 15:37

Das ist gut .. Das ist Berlin ...

ich wurde vor einigen Jahren von einem noch viel viel ältere Mann als ich es heute bin beim Heurigen gefragt:

"Se san doch Berlinerin. Des heer i... Im Krieg war ich mit einem Berliner Kameraden in einem Zug.. Der kannte so viele Berliner Sprüche, aber einer gefiel mir besonders. Der endete so wie... und wer steht da ... Icke .."
Mann o Mann, was habe ich gesucht--- und bin fündig geworden Aber dem alten Herren bin ich nie wieder begegnet...

Ick sitz an' Tisch und esse Klops
uff eenmal klopts.
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eenmal jeht se uff, die Tür!
Nanu, denk ick, ick denk nanu,
Jetz is se uff, erst war se zu.
Ick jehe raus und kieke
Und wer steht draußen? - Icke.
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