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Forum der Regionalgruppe Berlin

Moderatoren: Lindalu, elke46, bowlingmaus

Beitragvon Gast » 09.01.2010, 21:10

[center]MONAS MORD

Kurzkrimi von Malaika

Kapitel 1.
Monas Märkwürdigen Unfälle[/center]
War sie nun eine Mörderin oder nicht? Wenn man's genau nimmt, hat sie ja ganz bewusst den Tod eines Menschen herbeigeführt. Aber eine Mörderin? Nein, so fühlte sich Mona nicht. Obwohl es richtig gewesen wäre, die Polizei zu verständigen, statt selbst zu handeln. Aber hätte ihr jemand geglaubt? Ohne jeden Beweis. Hätte sie denn weiterhin in Angst leben sollen? Es gab keine Antworten darauf. Es gab Niemanden, absolut Niemanden, den sie um Rat hätte fragen können. Also war ihr nichts anderes übrig geblieben, als ihrer inneren Stimme zu folgen…
Monas Gedanken schweiften in die Vergangenheit zurück. Wenn sie an die Ereignisse aus jener Zeit dachte, das lag nun schon einige Jahre zurück, legte sich ein schwerer Schatten auf ihre Seele, fast so, wie wenn sich die dunklen Wolken vor die Sonne schieben…
Die düsteren Erinnerungen verblassten allmählich, nur noch selten musste sie an die Schreckenszeit ihres Lebens denken.
Wie hatte das alles damals überhaupt angefangen? Hätte sie etwas ändern können?

Zuerst häuften sich die merkwürdigen Zufälle. Wie an dem Tag, als die Bremsen ihres Wagens versagten. Das schicke Auto in ihrer Lieblingsfarbe rot, ein Geburtstagsgeschenk ihres Mannes, war erst ein halbes Jahr alt. Super im Schuss!
Totalschaden! Nur mit Glück überlebte Mona den Unfall. Und was sagte ihr Mann Helmut dazu? "Frauen sollten kein Auto fahren!"
Dann die Sache mit der Kellertreppe. Warum war eine Stufe so brüchig, dass sie sich fast den Hals brach? Ihr schönes Haus am Rande der Stadt war fast neu, es gab absolut keinen Grund dafür, dass die Stufen die zum Keller führten, schadhaft waren.
Warum war zwei Tage später ihre Nachttischlampe defekt? Der Stromschlag hätte sie töten können!
Das war noch lange nicht alles, das Schlimmste stand Mona aber erst bevor…
An jenem schicksalhaften Tag ging Mona wieder mal zur späten Stunde von ihrer Arbeit nach Hause. Wie so oft hatte sie als Chefsekretärin Überstunden machen müssen. Das nahm sie gerne in Kauf, da sie ihren Beruf liebte und ihr Vorgesetzter ein recht angenehmer und fairer Mensch war. Alleinstehend und attraktiv noch dazu. Er stellte für Mona jedoch keine Gefahr dar, weil es für sie nur einen einzigen Mann in ihrem Leben gab: Helmut.
Es war bereits dunkel, als sie den Wagen auf dem großen Parkplatz gegenüber ihrem Wohnhaus zum Stehen brachte. Sie war gerade dabei die Autotür abzuschließen, da ließ sie ein Geräusch aufhorchen. In ihrem Innern schrillten sämtliche Alarmglocken, eine Art Vorahnung überkam sie, es war aber zu spät. Nicht mal die Zeit blieb ihr, um sich umzudrehen und dem Angreifer ins Gesicht zu blicken. Zwei kräftige Hände packten sie an der Schulter und um die Teile und sie wurde in Richtung Gebüsch gezerrt, das den Parkplatz säumte. In ihrer Panik fielen ihr ihre Kenntnisse in Selbstverteidigung ein, worin sie sich eine Zeitlang geübt hatte. Leider nicht lange genug. Sie versetzte dem Unbekannten einen Schlag mit dem Ellenbogen, dies minderte aber nicht im Geringsten seine Entschlossenheit, sie ganz offensichtlich ins Jenseits befördern zu wollen. Im Gegenteil! Seine Hände schlossen sich blitzschnell um ihren Hals und drückten gnadenlos zu. Monas Widerstand erlahmte. Sie hatte keine Kraft mehr sich zu wehren. In diesen letzten Sekunden, welche sie bewusst erlebte, war die Panik einer tiefen Traurigkeit gewichen. Traurigkeit darüber, diese Welt verlassen zu müssen. Sie glaubte ein Licht zu erblicken, es mehr zu erahnen durch ihre geschlossenen Lider, gedämpfte Geräusche zu hören, wie von weiter Ferne, doch nur für einen kurzen Augenblick. Immer tiefer versank sie in die Dunkelheit, Finsternis… Kälte. Dann… nichts mehr…

Mona öffnete ganz langsam die Augen. Sie blinzelte, es kostete sie reichlich Anstrengung, sich zurrecht zu finden. Das, was sie als erstes erkennen konnte war alles weiß. Weiße wände, weißes Bett in dem sie lag, weiße Bettdecke. Gedämpftes Licht umgab sie. Aus den Augenwinkeln heraus sah sie, dass die Übergardinen am Fenster, in einem satten Gelb, der einzige Farbfleck im Raum, zugezogen waren. Ihr Verstand fing langsam zu arbeiten an, es kam die Erkenntnis, dass sie sich in einem Krankenhaus befand. Sie war also nicht tot! Sie lebte!
Sie fühlte eine Hand, die behutsam ihren Arm berührte, der leblos auf der Bettdecke lag.
Die Worte, leise, fast flüsternd gesprochen, taten ihr gut: "Ich lass dich nicht mehr allein nach Hause gehen, wenn es spät wird. Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchen solltest."
"Helmut…" hauchte sie kaum hörbar.
Mühsam drehte sie den Kopf zur Seite, da ihr Hals höllisch schmerzte. Sie sah eine männliche Gestalt, blinzelte erneut und ihr Blick wurde etwas klarer. Es war nicht Helmut, dieser Mann, der neben ihrem Bett saß und sie mit Augen voller Mitgefühl ansah. Es war Robin, ihr Chef.
"Waren wir denn per Du?" fragte sich Mona benommen. Sie strengte ihr Gehirn an, konnte sich aber nicht daran erinnern, sie konnte gar nicht mehr weiter denken. Langsam entglitt ihr die Wirklichkeit, sie fiel in einen tiefen Schlaf.

Als sie wieder wach wurde, diesmal bereits kräftiger und mit klaren Gedanken im Kopf, saß Helmut an ihrem Bett. Sie dachte an Robin, an seine leise gesprochenen Worte, doch war sie sich auf einmal gar nicht mehr so sicher, ob dies nicht nur ein Traum gewesen war. Egal, ob Traum oder Wirklichkeit, es war eine angenehme Erinnerung. Sofort empfand sie ein schlechtes Gewissen Helmut gegenüber. Sie lächelte ihn an. Er lächelte zurück.

Es war Mordversuch! Die Tatsache, dass sie dem Tod nur um Haaresbreite entkommen war - dank einem älteren Ehepaar, welches sein Auto im richtigen Moment auf den Parkplatz gelenkt hatte, ließ keine Zweifel daran, dass Jemand sie umbringen wollte. Diese Feststellung, die von der Polizei bestätigt wurde, leider ohne einen, wenn noch so kleinen Hinweis auf den Täter, veränderte Monas Leben grundlegend. Mit der inneren Ruhe war es endgültig vorbei. Alle Überlegungen, ob sie ihre seltsamen Unfälle nur einer Pechsträhne zuordnen durfte, waren im Sturm weggefegt. Die "Pechsträhne" bekam klare Konturen, ließ plötzlich alles in einem anderen Licht erscheinen. Jemand trachtete ihr nach dem Leben! Sie grübelte unentwegt nach. Es gab nur eine einzige Person, die sie sich als ihren Feind vorstellen konnte! Leon, der Jugendfreund ihres Mannes, der seit Langem ein gemeinsamer Freund war. Er ging in ihrem Haus ein und aus, wie ein Familienmitglied. Leon hatte es jedoch nie verkraften können, dass Mona sich für Helmut entschieden hatte und nicht für ihn. Seit dem ersten Tag ihres Kennenlernens stellte er ihr nach. Sie erinnerte sich noch gut an jenes Sommerfest, an welchem er ihr nicht von der Seite wich. Nichts ließ er unversucht um ihr zeigen zu wollen, dass ER der Richtige für sie wäre. Der gutgläubige Helmut merkte anscheinend nichts davon. Oder, er ignorierte es einfach, weil er für Leon tiefe Freundschaftsgefühle hegte und Mona vertraute. Vielleicht erfüllte es ihn aber auch mit Stolz, eine so attraktive Frau wie Mona für sich gewonnen zu haben, in diesem Konkurrenzkampf.

Immer noch hegte Leon hinter Helmuts Rücken den Wunsch, Mona für sich zu erobern. Sie glaubte keinen Augenblick lang daran, von ihm aufrichtig geliebt zu werden. Seine draufgängerische Art, seine Verlogenheit dem besten Freund gegenüber stießen sie ab. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er sogar aggressiv in seinen Versuchen, sie zum Umdenken zu bewegen. Mona fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Gegenwart, er machte ihr sogar ein wenig Angst. Besonders seit sie ihm angedroht hatte Helmut alles zu erzählen, und darauf in Leons Augen einen Augenblick lang nichts als tiefen Hass zu erkennen glaubte. Sie wünschte sich, ihm nicht mehr begegnen zu müssen, wollte ihn nicht mehr in ihrem Haus haben. Trotz Allem hatte sie sich noch nicht dazu entschließen können, Helmut die Augen über Leon zu öffnen. Ihr Mann hing an seinem langjährigen Freund, sie wollte ihm nicht wehtun. Sie war sich immer noch sicher, mit Leon irgendwie allein fertig zu werden.
Wieso nahm Helmut eigentlich nichts von alledem wahr? Über seine Vertrauensseligkeit dem Jugendfreund gegenüber ärgerte sie sich zunehmend. Oder war es immer noch diese Gleichgültigkeit im Spiel, wie damals, beim längst vergangenen gemeinsamen Sommerfest? "Liebt er mich noch überhaupt?", fragte sie sich plötzlich mit Bangen. Zum ersten Mal in ihrer Ehe kam ihr diese Frage in den Sinn. Und ihr Magen zog sich zusammen. Sie sah keinen einzigen Grund, an der Liebe ihres Mannes zu zweifeln. Doch der Dämon des Misstrauens, der sich so plötzlich ihrer Seele bemächtigte, wollte nicht so schnell wieder weichen. "Der Teufel schläft nie…" das waren die Ermahnungen ihrer Mutter, stets wachsam zu sein…

[center]Fortsetzung folgt[/center]



Hallo Leute

Wer einen Kommentar oder Lob oder........ dazu schreiben möchte

der kann das hier tun.

http://www.50plus-treff.de/forum/beglei ... 30879.html

bowlingmaus
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Beitragvon Gast » 09.01.2010, 22:04

hat mit gut gefallen sehr spannend,,,werde hier weiterlesen :D
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Beitragvon Gast » 09.01.2010, 22:08

Bikkja hat geschrieben:hat mit gut gefallen sehr spannend,,,werde hier weiterlesen :D


Danke Bikkja, morgen gibt es eine Fortsetzung.

LG
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Beitragvon Gast » 10.01.2010, 11:14

[center]MONAS MORD

Fortsetzung

Kapitel 2
Monas Welt gerät aus den Fügen[/center]

Auch wenn Mona Leon einen Mord nicht so recht zutraute, wer weiß schon so genau, was in einem Menschen wirklich vorgeht. Vielleicht handelte er nach dem Motto "Wenn ich dich nicht haben kann, soll Helmut dich ebenso wenig haben." Einen anderen Verdächtigen konnte sie, auch nach noch so vielem Nachdenken und Grübeln, in ihrem Leben nicht entdecken. Sie musste mit Helmut unbedingt reden, und zwar so schnell wie möglich. Würde er ihr überhaupt glauben? Zuerst wollte Mona aber ihre beste Freundin Lorena ins Vertrauen ziehen und sich bei ihr Rat einholen. Lorena kannte Monas Ehemann gut, sie kannte auch seine nervige Art, alles auf die leichte Schulter zu nehmen.
Mona und Lorena waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen, obwohl sie vollkommen unterschiedlich waren, im Äußerem wie auch im Charakter. Lorena war blond, etwas flatterhaft, unbekümmert, ihr wichtigstes Lebensziel war es, das Leben voll auszukosten.

[center]Bild[/center]

Mona, schwarzhaarig, bodenständig, besonnen und tiefgründig, missbilligte zwar manchmal Lorenas merkwürdige Einfälle, doch sie mochte ihre quirlige Freundin und sah ihr ihre Eskapaden nach. Die Beiden waren stets unzertrennlich gewesen.

Waren! Dieses Wort schoss wie ein Blitz durch Monas Kopf und sie wurde nachdenklich. In dieser Beziehung stimmte neuerdings etwas nicht. Oder bildete sie sich das nur ein? Sie sahen sich aber immer seltener. Mona nahm sich vor, der Sache nachzugehen, mit Lorena zu reden, um den alten Zustand der Nähe und Vertraulichkeit wieder herzustellen.
Trotz vielen Versuchen bekam Mona ihre Freundin nicht ans Telefon. Stattdessen musste sie sich zum x-ten Mal ihren albernen Text auf dem Anrufbeantworter anhören: "Hallo liebe Leute, ihr ruft leider zur unpassenden Zeit an. Gerne würde ich mit euch plaudern, damit werden wir uns aber nun in Geduld üben müssen. Bitte nicht einfach auflegen - eine kurze Nachricht wäre angebracht und ich rufe mit Sicherheit zurück."
Von wegen! Sie rief nicht zurück. Immer wieder versuchte Mona von neuem sie zu erreichen, Lorena meldete sich nicht. Was war denn mit ihr los? Lorena wird doch nicht plötzlich damit anfangen, ihre beste Freundin zu meiden? Mona fing an, sich echte Sorgen zu machen…
Sie hatten in der letzten Zeit einige Auseinandersetzungen gehabt, sogar ziemlich ernsthafte, das stimmte. Wegen Leon.
Lorena hatte es ganz offensichtlich auf Leon abgesehen, vergeblich. Sie warf Mona vor, Mona würde Leon "schöne Augen" machen. Wie "Giftpfeile" trafen diese Worte ihr Ziel. Mona verstand die Welt nicht mehr. Lorena musste sie doch kennen, hatte ihre Eifersucht sie denn total wirr gemacht?
Grollte Lorena ihrer Freundin so sehr, das…
"Nein! Nein!" schalt sich Mona, wütend auf sich selbst. "Du leidest bereits unter Verfolgungswahn!"
Dass Leon ihr mit seiner Hassliebe nachstellte, das war keine Einbildung. OK, in Leon hatte sie einen Feind. Doch nicht in Lorena!
Der Teufel schläft nie! Der Gedanke kam wieder und verstimmte Mona noch mehr, als sie es bereits war. Der Misstrauens-Dämon hatte sie nicht verlassen, im Gegenteil, er nistete sich anscheinend immer besitzergreifender in ihrem Innern ein…
Lorena? Merkwürdigerweise war sie jedes Mal kurz vor Monas "Unfällen" in ihrem Haus gewesen. Alles nur Zufall?
Aber die Autobremsen? Mona überlief es eiskalt. Sie erinnerte sich mit Herzklopfen daran, dass sie und Lorena vor einigen Jahren zusammen den Lehrgang "Wartung und Kleinreparaturen am Auto für Frauen" absolviert hatten, der bei der Volkshochschule angeboten wurde.
Nein! Nein! Nein! Sie würde sich nicht von ihren Hirngespinsten verrückt machen lassen. Sie kannte Lorena seit ihrer Kindheit, sie vertraute ihr. Sie musste einfach wieder zu sich selbst finden. Abschalten.
Ihr war die Ruhe aber nicht gegönnt. Das Schicksal trieb seltsame Scherze mit ihr, ließ ihr keine Atempause, um sie über all die unerfreulichen Vorkommnisse hinweg kommen zu lassen…

Als sie an einem Nachmittag durch die Innenstadt schlenderte, sich durch das Gewühl der Menschenmassen, die anscheinend alle von der Einkaufswut befallen waren, durchkämpfte, erstarrte Mona abrupt. In der Ferne sah sie ein Paar, einen Mann und eine Frau, zwar nur von hinten, trotzdem konnte sie sich nicht den Eindrucks erwehren, es würde sich dabei um Lorena und ihren Chef Robin handeln. Kannten sie sich denn überhaupt? Ja, Mona erinnerte sich, dass Florena sie ein einizges Mal im Büro abgeholt hatte und da lernte sie Robin kennen. An ihrem Blick hatte Mona gleich ablesen können, dass Robin ihrer Freundin ausnehmend gut gefiel. Doch als Mona sie darauf scherzhaft ansprach, spielte Florena die Angelegenheit herunter und behauptete, kein Interesse an Robin zu haben.

Die Frau drehte den Kopf zur Seite, es sah ganz so aus, als sie in Monas Richtung blickte, doch dann wendete sie sich rasch wieder ab und verschwand eilends mit dem Mann in der Menge. Mona war ratlos. Waren es wirklich Lorena und Robin, die Beiden? Sie hätte es nicht mehr beschwören können, die Entfernung war dafür etwas zu groß gewesen. Der Verdacht blieb aber, dass es sich zumindest bei der Frau um Lorena handelte, die eine Begegnung mit Mona scheute. Und was hatte sie mit Robin zu tun? Hatten sie sich nur zufällig in der Mittagspause getroffen, oder...
Mona ärgerte sich plötzlich über sich selbst, weil sie nun überall Gespenster sah.

Als sie bereits im Büro an ihrem, mit Akten überhäuften Schreibtisch saß, grübelte sie immer noch über den Vorfall nach. Die viele Arbeit lenkte sie allerdings schnell davon ab. Ihr Chef kam verspätet von der Mittagspause zurück. Sie hätte ihn am liebsten geradeheraus gefragt, ob er sich mit ihrer Freundin Lorena getroffen hätte. Das war aber absolut undenkbar. Sie musste ihre Neugier zügeln.
Hin und wieder musste sie an den Vorfall mit Robin im Krankenhaus nachdenken. Er verhielt sich nicht anders als sonst, freundlich, jedoch unverbindlich. Sie redeten sich per Sie an, so wie immer. Hatten ihr ihre Sinne im Krankenhaus doch einen Streich gespielt? Sie sprachen nicht über den Überfall auf Mona. Nur einmal, an ihrem ersten Arbeitstag nach der Genesung äußerte Robin sich sehr erfreut darüber, dass es ihr wieder gut ging. Im Krankenhaus hatte er sich nicht mehr blicken lassen, nach jenem ersten Besuch - wenn dies überhaupt Wirklichkeit gewesen war. Nur einen großen Blumenstrauß ließ er ihr zukommen. Eine Sache war aber trotzdem etwas merkwürdig: Sie musste keine Überstunden mehr machen. Robin hatte eine Aushilfe engagiert, eine Auszubildende, die Mona nun zur Hand ging. Zudem gab es noch etwas, was sie ein wenig aus der Ruhe brachte: Mona fühlte sich von ihrem Chef beobachtet. Nicht dass ihr dies unangenehm gewesen wäre. Sie war sich auch nicht vollkommen sicher ob es nur Zufälle waren, dass ihre Blicke sich so oft trafen, wenn sie mal ganz plötzlich zu ihm aufsah. Dann lächelte er verlegen. Oder schuldbewusst? Nein, sie weigerte sich beharrlich, sich schon wieder etwas einzubilden! Sie musste Lorena endlich erwischen und mit ihr reden. Vielleicht war sie es gar nicht gewesen, diese Frau, zusammen mit Robin. Die Entfernung war wirklich zu groß.

Eines Morgens berichtete Mona Helmut beim Frühstück ihren Verdacht Leon gegenüber. Sie erzählte ihm alles, jede Einzelheit über seine Nachstellungen, seine aggressive Haltung, weil sie seine Annäherungsversuche von sich wies.
Helmuts Reaktion entsprach so ungefähr ihren Erwartungen, trotzdem war sie sehr enttäuscht. Sein Gesicht verhärtete sich, seine Stirn legte sich in Falten.
"Unmöglich", sprach er dann mit einer gereizten Stimme. "Du musst dir da etwas eingebildet haben. Natürlich habe ich es mitgekriegt, dass er dich immer noch begehrt…".
"Aha", unterbrach ihn Mona etwas lauter, als sie es eigentlich vorhatte. "Du wusstest es also schon die ganze Zeit?"
"Natürlich ist mir das nicht entgangen. Aber ist das ein Wunder, bei einer so attraktiven Frau, wie du es bist." Er lächelte versöhnlich. "Er ist aber seit Jahren unser bester Freund. Niemals würde er dir oder mir etwas antun wollen."
"Wieso glaubst du mir nicht, was ich dir erzähle? Leon begehrt mich nicht, er belästigt mich, er bedrängt mich. Ich habe keinen Beweis dafür, aber, ich kann es mir ziemlich gut vorstellen, dass er mein Angreifer vom Parkplatz war."
Nun wurde auch Helmut ungehalten. "Jetzt gehst du aber zu weit mit deinen Verdächtigungen. Dieser Mann wollte dich vergewaltigen, ein Unbekannter, der in jener Nacht auf der Suche nach einem Opfer war."
"Der Mann wollte mich gar nicht vergewaltigen, er wollte mich töten", protestierte Mona. "Er war dabei, mich zu erwürgen". Sie berührte mit den Fingerspitzen ihren Hals und bei der Erinnerung an das grauenhafte Erlebnis jagte ein Schauder durch ihren Körper.
"Er versuchte auf diese Weise deinen Widerstand zu brechen", gab Helmut nicht nach. "Was für ein Glück, dass diese Leute noch zur rechten Zeit auftauchten und den Täter in die Flucht jagen konnten."
Er nahm ihre Hand und drückte sie fest, so als ob er ihr damit zeigen wollte, dass sie sich nicht mehr zu fürchten bräuchte.
Mona war verunsichert. Auch wenn Helmut mit seiner These Recht haben sollte, ihre Zweifel an Leon konnte er nicht ganz aus der Welt schaffen. Sie hatte nicht die geringste Lust, dem sogenannten Familienfreund hier, in ihrem Heim, noch einmal zu begegnen. Offensichtlich erkannte Helmut endlich ihre Entschlossenheit.
"Gut, wenn es dir so viel daran liegt, werde ich mit Leon reden und ihn bitten, seine Besuche bei uns abzustellen. Eine passende Ausrede dafür wird mir schon einfallen."
Mona atmete auf.

Monas kleine heile Welt schien langsam aber sicher in tausend Stücke zu zerbrechen. Wem konnte sie wirklich noch trauen? Wie sollte sie ihre düsteren Gedanken, die sie gegen jeden hegte der ihr nahe stand, nur wieder loswerden? Das ähnelte ja fast schon dem Verfolgungswahn! War sie vielleicht Diejenige, die nicht mehr richtig tickte und tat sie den Anderen Unrecht…?
Wie dem auch sei, so lange sie nicht Gewissheit hatte wer ihr nach dem Leben trachtete, lebte Mona in Angst. Es war nichts mehr so wie es vorher war, bevor es mit ihren "Unfällen" angefangen hatte. Wenn sie mit ihrem Auto fahren wollte, musste Helmut stets überprüfen ob alles in Ordnung war. Die Stufen ihres Hauses betrat sie immer äußerst vorsichtig, sich am Geländer festzuhaltend. Und sogar die Nachttischlampe berührte sie nur zaghaft, in Erwartung dass etwas passiert. Die Furcht wurde zu ihrem ständigen Begleiter, die Furcht vor neuen Überraschungen.
So konnte es einfach nicht weiter gehen...


[center]Bild[/center]

[center]Fortsetzung folgt[/center][center][/center]
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Gast
 

Beitragvon Gast » 10.01.2010, 23:45

[center]MONAS MORD
Fortsetzung

Kapitel 3
Die Schrecken der Geisterbahn
[/center]

Beim Frühstück lasen Mona und Helmut immer ihre Zeitung, die sie abonniert hatten und die stets pünktlich auf der Fußmatte lag. Sie teilten sich das Blatt, Helmut behielt die erste Hälfte, mit den Politiknachrichten und Wirtschaftsteil, Mona bekam dafür das Gesellschaftsteil.
An jenem Morgen, zwei Tage bevor sie mit ihren Freundinnen zum Oktoberfest gehen wollte - Lorena, mit der sie sich ausgesprochen hatte ging auch mit - ließ eine Schreckensnachricht ihre gute Stimmung schwinden.
"Nein, das kann doch nicht sein", rief sie erschrocken.
Helmut horchte auf. "Was ist denn passiert?" fragte er neugierig.
Sie las ihm laut vor: "Tod in der Geisterbahn. Ein Wagen der großen Geisterbahn, die so schnell wie eine Achterbahn fährt, sprang beim vollen Tempo aus den Schienen, überschlug sich und begrub eine Insassin unter sich. Der Notarzt, der schnell zur Stelle war, konnte nur noch den Tod der jungen Frau feststellen."
"Schlimm", meinte Helmut nur und las ruhig weiter in seinem Teil der Zeitung. Mona studierte nun die neuesten Eskapaden von Paris Hilton, doch sie fühlte sich beobachtet. Sie legte die Zeitung zur Seite und begegnete Helmuts undefinierbarem Blick. Er schaute sie an, auf eine Art, die sie nicht verstand. Prüfend? Besorg? Nachdenklich?
"Was ist?" fragte sie. "Möchtest du mir etwas sagen?"
Ihr Mann zuckte zusammen, so als ob er sich ertappt fühlte. "Ach, nein, nein, es ist nichts", meinte er. Da sie aber keine Ruhe gab, ließ er sie seinen Gedankengang wissen. "Ich dachte nur darüber nach, dass du übermorgen mit Lorena zum Oktoberfest gehst. Noch nie hast du deine geliebte große Geisterbahn versäumt. Es scheint aber so, als dies nicht ganz ungefährlich wäre."
"Ach was", antwortete Mona. "Hier steht es, der Wagen war defekt. Die ganze Geisterbahn wurde durchcheckt und ist nun absolut in Ordnung. Sie ist wieder im Betrieb".
Wann geht's los, Mona? Übermorgen?" fragte Helmut.
"Ja, übermorgen Nachmittag, um sechs".

Doch dann kam alles anders!
Mona rief kurz vor sechs Uhr bei Lorena an und sagte den Ausflug ab.
"Es tut mir so Leid, ich bin krank. Ich muss im Bett bleiben."
"Schade, ich hab mich schon so darauf gefreut, Mona!" Lorenas Stimme klang echt enttäuscht.
"Ihr werdet auch ohne mich eueren Spaß haben", versicherte Mona ihr. "Und du darfst sogar meinen Trachtenhut haben, den du immer so bewunderst. Den mit den drei echten bunten Federn. Und fahre einmal extra unsere große Geisterbahn. Für mich!"

Am nächsten Tag wurde Helmut beim Zeitungslesen blass. Neugierig sah Mona ihm über die Schulter. Die Schlagzeile hatte ihn geschockt: "Junge Frau in der Geisterbahn erschossen, Täter unbekannt." Daneben das Foto: Lorena!
Es hatte also geklappt! Monas Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln, doch ihre großen, ausdrucksvollen Augen blieben kalt.


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Wenn sie nicht gestern oben in ihrem Schlafzimmer den Telefonhörer abgenommen hätte - gerade in jenem Augenblick, als Helmut am Apparat im Wohnzimmer seine teuflische Anweisung gab: "Sie fährt Geisterbahn. Sei vorsichtig, nicht Lorena erwischen. Mona trägt immer ihren scheußlichen Trachtenhut mit den drei langen bunten Federn."
So eine Frechheit, der Hut war ein Einzelstück!
"Lorena weiß nicht Bescheid. Aber sie wird froh sein, wenn ich endlich für sie frei bin."
Also Helmut. Und Lorena, dieses Miststück…
Der Schock hatte Mona fast umgeworfen. Sie weigerte sich im ersten Moment, dies zu glauben. Ihr ganzes Inneres bäumte sich dagegen auf. Der Kloß im Hals drohte sie zu ersticken. Doch dann wurde ihr Überlebenstrieb geweckt. Ihr Hirn arbeitete fieberhaft. Ihr fiel keine andere Lösung ein. Es hieß nun, sie oder Lorena. Der Hut war anscheinend Erkennungszeichen. Ja klar, der Hut!
Nein, wie eine Mörderin fühle sie sich gewiss nicht.

Sie schaute zu ihrem Mann hinüber. Helmut saß immer noch wie versteinert da. Er verstand anscheinend absolut nicht, was passiert war. Er hatte gestern Nachmittag gar nicht mitgekriegt gehabt, dass Mona nicht zum Oktoberfest ging. Sicher war er in irgendeiner Gesellschaft gewesen, um ein gutes Alibi für diesen Abend zu haben! Und als er sehr spät nach Hause kam und sie sah, schien er so überrascht zu sein, als ob er ein Gespenst gesehen hätte.
Na ja, jetzt wusste er Bescheid.
Am liebsten hätte Mona ihrem Mann ins Gesicht geschrieen: "Hör auf damit, mich unter die Erde bringen zu wollen! Es ist vergeudete Müh! Sieh doch endlich ein, dass dies nicht mein Schicksal ist, so früh zu sterben!"
Doch sie lächelte nur still vor sich hin, stand auf, ging in das Schlafzimmer und fing an, ihre Sachen zu packen. Sie würde kein Tag länger in diesem Haus bleiben. Bei ihrer Mutter war sie stets willkommen, da fühlte sie sich sicher und geborgen.
Dann, einer Eingebung folgend, entschloss sie sich Robin anzurufen. Seine Worte "Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchen solltest", kamen ihr in den Sinn. Sie war sich inzwischen sicher, dass sie dies nicht nur geträumt hatte. Und sie brauchte ihn jetzt.
Sie warf einen Blick durch das Fenster. Altweibersommer! Der Himmel zeigte sich in seinem schönsten Blau, die Sonne lachte vom Himmel, der leichte Herbstwind bewegte die Bäume und Büsche im Garten. Ein Unglaubliches Glücksgefühl durchströmte Mona. Das Leben war schön und sie war zutiefst dankbar, es nicht verloren zu haben - ihr Leben.

[center]Bild[/center]

[center]ENDE[/center]

Nachwort

Das Ende, zu kitschig für einen Krimi?

Ich möchte noch ein kleines Geheimnis verraten. Das Ende, das hier so steht, habe ich später nachträglich zugefügt. Der letzte Satz in meiner Geschichte war früher "Nein, wie eine Mörderin fühlte sie sich gewiss nicht."

Einer Eingebung folgend habe ich nun noch etwas dazugeschrieben. Ich weiß auch nicht genau warum, es war mir einfach ein Bedürfnis, ein Wunsch nach einem Happy End. Und wie kriegt man den am besten hin? Mit einer großen Liebe natürlich, von der die meisten von uns träumen. Die Schreiberlinge, Autoren, Schriftsteller oder was auch immer, sie alle dürfen sie stets aufs Neue erleben - in ihren Geschichten.

Liebe Grüße von München nach Berlin
sendet Malaika
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Beitragvon Gast » 12.01.2010, 19:07

Da ich hier schon mein eigenes Stübchen habe, sollte ich doch schnell etwas einstellen, denke ich.
Weil ich in dieser Woche nicht so viel Zeit habe, wird es heute keine Geschichte sein, sondern ein Gedicht. Ich schreibe äußerst selten Gedichte, manchmal nur zwei bis drei im Jahr, manchmal ein Gedicht in mehreren Jahren. Ich kann die Gedichte nur dann schreiben, wenn mir die Idee von selbst kommt, und das passiert immer dann, wenn mich etwas besonders bewegt. In Laufe der Jahre hat sich trotzdem einiges an Gedichten angesammelt.
Ich fange jetzt von hinten an - ich schreibe hier mein allerletztes Gedicht, das im Sommer letztes Jahres entstanden war. Das habe ich einer Forumsfreundin gewidmet (die auch sonst eine sehr gute Freundin ist), als sie vorübergehend sehr traurig und mutlos war. Vielleicht habe ich es auch ein wenig für mich selbst geschrieben, in Erinnerung an eine sehr dunkle Zeit in meinem Leben, an eine Zeit, als ich mich selbst auf dem absoluten Tiefpunkt befunden hatte (der glücklicherweise für immer vorbei ist).
Mit diesem Gedicht wollte ich meiner Freundin Mut machen und mich selbst dazu ermahnen, es nie wieder zu vergessen, wie schön das Leben sein kann.

Liebe Grüße
sendet Malaika


[center]ICH LEBE…

Es war einmal, nicht lange her,
ich war tot - innerlich,
Ich atmete, ich sah, ich aß,
doch nichts! Nichts berührte mich.

Da sprach eine Stimme zu mir,
ich weiß nicht genau woher:
Wach auf! Schau Dich doch an,
Du lebst ja gar nicht mehr.

Und ich sah in mich hinein
und was ich sah, war fürchterlich!
Das Leben glitt an mir vorbei.
War das jetzt alles - für mich?

Ich dachte nach, und ich nahm
den Kampf gegen mich selbst nun auf!
Gegen die dunklen, bösen Gedanken.
Es ging nur sehr langsam bergauf.

Und heute? Ich lebe ja!
Ich bin nun Herr meiner Gedanken!
Ich sehe die Sonne, ich sehe die Rosen,
die sich zum Himmel ranken.

Malaika
23. Juni 2009
[/center]

[center]Bild[/center]
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Beitragvon Gast » 14.01.2010, 23:04

[center]SCHACHMATT

Kurzkrimi von Malaika[/center]

Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis es Karl auffiel, dass bei der Sache mit Wilfried etwas nicht in Ordnung war.
Karl hatte seinem Nachbarn stets bedenkenlos vertraut. Ein großer Fehler, wie sich herausstellen sollte. Diese Lektion hatte er gründlich gelernt. Leider zu spät. Für ihn kam es so arg, wie er sich dies niemals vorstellen konnte.
[center]***[/center]
Wilfrieds Welt hatte nichts mit Karls Welt zu tun. Fast neidisch betrachtete Karl manchmal das stattliche Haus gegenüber, das dem vermögenden Wilfried gehörte. Er selbst bewohnte zusammen mit seiner äußerst attraktiven Frau Doris nur eine kleine Zweizimmerwohnung im fünfstöckigen Mietshaus.
Als Karl aber an einem warmen Sommertag Wilfried in seinem Garten mit einem anderen Mann sah, bei einem kühlen Drink, ein großes Schachbrett zwischen den beiden, war sein Interesse für den Nachbarn schlagartig geweckt. Karl spielte nämlich leidenschaftlich gerne Schach. Leider hatte seine Frau absolut kein Interesse für dieses Spiel. Karl hatte versucht, es ihr beizubringen, sie für Schach zu begeistern. Umsonst. Sie verstand einfach nicht, wie man manchmal Stundenlang vor dem Brett sitzen konnte, nur um einen guten Zug zu machen, oder den Gegner zu durchschauen.

Als Karl einmal in dem nahen Supermarkt zum Einkaufen ging, sah er Wilfried vor einem Regal mit Spirituosen stehen. Darüber war er sehr überrascht, weil Wilfried eigentlich andere Geschäfte bevorzugte. Noch nie zuvor hatte Karl ihn hier gesehen. Er überwand seine Hemmungen dem reichen Nachbarn gegenüber und sprach ihn an: "Sie spielen Schach, nicht wahr? Rein zufällig habe ich es gesehen, als ich neulich an ihrem Haus vorbeikam."
Entgegen allen Erwartungen zeigte Wilfried sofort ein großes Interesse an diesem Thema. "Ja, das stimmt", antwortete er. "Ich liebe Schach, doch es ist nicht leicht einen Partner für das "Spiel der Könige" zu finden. Sagen Sie bloß, Sie interessieren sich auch für Schach?"
"Oh, ich wage es sogar zu behaupten, dass ich ein ganz guter Schachspieler bin. Schon seit meiner Kindheit ist Schach eins meiner liebsten Steckenpferde", antwortete Karl, nicht ohne ersichtlichen Stolz in der Stimme.
"Das finde ich toll", meinte Wilfried begeistert. "Dann können wir es ja einmal miteinander versuche. Aber ich warne Sie! Ich bin ein ganz gefährlicher Gegner."
Wenn Karl damals nur die leiseste Ahnung gehabt hätte, wie viel Wahrheit in diesen Worten Wilfrieds steckte, hätte er sich mit dem Nachbar niemals eingelassen. Da er aber nichts wusste, antwortete er freudig: "Kommen Sie am Abend einfach mal vorbei. Sie sind mir und meiner Frau stets willkommen".

Seitdem spielten die zwei Männer ein paar Mal in der Woche, meistens am späten Abend, eine Partie Schach. Immer in Karls kleinem Wohnzimmer, niemals wurde Karl in die hübsche Villa von Wilfried eingeladen. Er bedauerte dies etwas, da er gerne gesehen hätte wie sein reicher Nachbar lebte. Doch machte er sich nicht viel Gedanken darüber. So sind die Reichen eben, meinte er. Sie lassen uns "Normalsterbliche" nicht in ihr Leben ein.
Doris begrüßte den Gast stets höflich, tischte ihm, wie auch Karl, der sonst eigentlich keinen Alkohol trank, Whisky auf und verzog sich dann meistens mit einem Buch in ihr Schlafzimmer. Wilfried schaute manchmal der hübschen jungen Frau nach. Doris war wirklich eine echte Schönheit, mit ihrer schlanken Statur, mit den langen goldblonden Haaren und mit einem Maskenlosen Gesicht.
Karl dachte sich nichts dabei, dass sein Schachpartner seine Frau mit bewundernden Blicken verfolgte. Das war er bereits gewöhnt. Jeder Mann schaute Doris in dieser Weise an. Karl was sich ihrer Liebe und ihrer Treue absolut sicher.

Wilfried musste ab und zu geschäftlich verreisen. Diese Abende, an welchen Wilfried sein Kommen absagte, kamen Karl irgendwie leer vor. Besonders als ihm plötzlich auffiel, dass Doris genau an diesen Abenden nicht zu Hause blieb. Angeblich besuchte sie ihre beste Freundin. Warum denn immer zu genau dieser Zeit, wenn der Schachpartner auch nicht da war? Karl fing an zu grübeln, düstere Gedanken bemächtigten sich seiner, das Vertrauen in die geliebte Frau bröckelte rapide ab. Für ihn gab es bald keinen Zweifel mehr: Doris und Wilfried hatten ein Verhältnis miteinander. Natürlich, Doris war eine wunderschöne Frau, Wilfried ein steinreicher Mann. Und er selbst, Karl, hatte dafür gesorgt, dass es so kommen musste, indem er den Nachbar zu sich eingeladen hatte. Das wurmte Karl am meistens.
Tagelang grübelte er darüber nach was er tun könnte, um Doris nicht zu verlieren. Er stellte keine Konkurrenz für Wilfried dar. Karl war um etliche Jahre älter als Doris, ein netter, sympathischer Mann, doch eher unscheinbar und zudem auch nicht in der Lage, seiner attraktiven Frau etwas Besonderes zu bieten. Nein, er musste handeln, wenn er den Nebenbuhler ausschalten wollte!
Er fing an, seinen Schachpartner zu beobachten. Wilfried musste eine wichtige Persönlichkeit sein, dieser Meinung war Karl bereits seit Längerem. Er sah den Nachbarn jeden Morgen mit einem kleinen schwarzen Koffer in der Hand aus dem Haus gehen und in seinen Luxuswagen mit einem Chauffeur einsteigen. Oft wurde er aber von verschiedenen, genau so bedeutend aussehenden Männern abgeholt. Vielleicht konnte man Wilfried unter Druck setzen? In seiner Position, egal was dies war, sollte er sich nicht mit einer verheirateten Frau einlassen, war Karls Überzeugung.

Bei einem der nächsten Schachspiele versuchte Karl vorsichtig Wilfried über seinen Beruf auszufragen. Doch merkwürdigerweise reagierte der nicht nur abweisend, sondern richtig aggressiv darauf. "Ich verkaufe Luxusautos. Nichts für Sie, mein Lieber. Darüber wollen wir aber nicht reden. Konzentrieren wir uns lieber auf das Spiel. Irgendwie scheint es mir, als ob Sie nicht ganz bei der Sache sind."
Das stimmte. Karls Gedanken kreisten nur um das Eine. Wie könnte er den Rivalen ausschalten und somit die Frau, die er über alles liebte, für sich behalten?
Zu sprechen würde er also Wilfried nicht bringen können, das wurde ihm klar. Dann musste er eben zur Tat schreiten. Mit mir nicht, mein Lieber! schimpfte er in Gedanken wütend.
Er entschloss sich eines Morgens kurzerhand, dem Schachpartner heimlich mit seinem Wagen zu folgen. Er hatte jedoch Pech. Im dichten Verkehr verlor er Wilfrieds Wagen schnell aus den Augen. Dann eben morgen noch einmal, dachte er bei sich.

Diesmal wollte er besonders aufmerksam sein und den Abstand nur so groß halten, wie unbedingt nötig. Karl war aber wahrhaftig kein guter Detektiv. Schon nach ein paar Minuten stoppte Wilfrieds Wagen. "Sie haben sich an meine Fersen geheftet!" polterte er laut. Leugnen Sie nicht, ich habe Sie bereits gestern bemerkt! Nehmen Sie sich meinen Rat zu Herzen und unterlassen Sie das in Zukunft lieber. Es könnte Ihnen schlecht bekommen".
Dann brauste er davon und ließ einen vollkommen ratlosen Karl zurück.

[center]Fortsetzung folgt[/center]


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Beitragvon Gast » 15.01.2010, 19:40

[center]SCHACHMATT

Fortsetzung
[/center]


In der Reaktion von Wilfried sah Karl ein deutliches Schuldbekenntnis. Nun wusste er aber nicht mehr weiter. Er fühlte einen unbändigen Hass in sich aufsteigen und die ohnmächtige Wut beherrschte jeden seiner Gedanken. "Oh, nein, so einfach kommst du mir nicht davon. Du wirst meine Doris nicht bekommen. Niemals!" redete er laut mit sich selbst und steigerte sich immer mehr in die Sache hinein.

Um sicher zu gehen, dass er sich nicht irrte, dass er den Schachpartner nicht fälschlicherweise beschuldigte, spionierte Karl an einem dieser schachfreien Abende seiner Frau nach. Er schlich in der Dunkelheit hinterher, diesmal aber äußerst vorsichtig, um nicht ertappt zu werden. Das Detektivhandwerk beherrschte er nun fast perfekt.
Volltreffer. Sie ging tatsächlich nicht zur Freundin, sondern nur die kurze Strecke bis zum Haus von Wilfried und nachdem sie auf den Klingelknopf gerückt hatte und die Tür darauf aufging, verschwand sie im Haus.
Karls Magen zog sich zusammen, am liebsten wäre er hinterher gelaufen und die beide Ehebrecher zur Rede gestellt. Er nahm sich aber zusammen. Was hätte ihm diese sinnlose Aktion gebracht? Nichts, außer dass er seine Frau für immer verloren hätte. Nein, er musste sich etwas ausdenken, etwas was ihm ermöglichte, Doris von diesem… diesem Großhans zu trennen.
Er stand im Schatten der Bäume auf der gegenüberliegenden Seite und sein Herz blutete, während er auf ein beleuchtetes Fenster der Villa starrte. Er sah, wie sich zwei Schatten hinter dem Zugezogenen dünnen Vorhang in die Arme fielen. Also war kein Irrtum möglich. Die Zwei, sein Schachpartner und seine Frau, hatten ihm Hörner aufgesetzt!
"Nicht mit mir!" schimpfte Karl erneut in Gedanken. "Dafür wirst du teuer bezahlen, du elender Schuft!"

Trotz des unerfreulichen Ereignisses, der Verfolgungsfahrt von Karl, kam Wilfried an einem der nächsten Tage wieder zum vereinbarten Schachspiel. Er tat einfach so, als ob nichts geschehen wäre und Karl ließ sich daraufhin auch nichts anmerken. Es schien alles beim alten zu sein. Nein, nicht ganz! Diesmal ließ Karl nicht seine Frau bedienen. "Heute kümmere ich mich um unseren Gast", meinte er und schickte Doris fort. Er bewunderte Wilfried und Doris fast für ihre Schauspielkünste. Die Beide taten ganz so, als ob sie absolut nichts miteinander zu tun hätten. Völlig natürlich begrüßten sie sich, ohne eines tiefen Blickes in die Augen, ohne des kleinsten Zeichens des schlechten Gewissens. Wie denn auch, sie hatten doch gar keins.

Kaum saßen sich die Männer gegenüber, da verlangte Wilfried nach Eiswürfeln für seinen Whisky. Das war ungewöhnlich, noch nie hatte er Eis in sein Getränkt getan. Karl erinnerte sich, dass er seinem Gast beim ersten Besuch das Eis sogar angeboten hatte. Doch Wilfried lehnte es mit den Worten ab: "Nein, nein, ich werde mir das edle Getränk doch nicht verwässern."
Merkwürdig, dachte Kar, doch ihm sollte es egal sein. Eis hatte er immer genug im Gefrierschrank. Er ging in die Küche und kam er mit einem Becher, gefüllt mit Eiswürfeln, zurück.
Bereits nach einer kurzen Zeit, nach dem sie nur einige Züge gemacht hatten und die Gläser leer waren, unterbrach Karl plötzlich die Stille mit einer schneidenden Stimme; "Schachmatt!"
"Was soll das denn?" wunderte sich Wilfried mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen. "Wir haben erst ein paar Züge gemacht. Sie sind noch weit entfernt davon, mich zu schlagen, wenn überhaupt."
"Ich meine auch nicht das Spiel. In Ihrem Whisky war Gift. Sie werden sich nie wieder an meine Frau ranmachen. Ich weiß was Sie so treiben, wenn Sie angeblich auf der Geschäftsreise sind. Ich habe nicht nur sie beschatten wollen, ich habe es auch mit meiner Frau getan und habe gesehen, wie sie in Ihr Haus ging. Sie hätten sich blickdichte Übergardinen beschaffen sollen, bevor sie meine Frau in die Arme nahmen."
Wilfried wurde kreidebleich im Gesicht. "Oh, mein Gott!" rief er. "Sie Idiot! Sie sind wirklich ein kompletter Idiot, wofür ich Sie schon nach Ihrer misslungenen Verfolgung gehalten habe. Das mit Ihrer Frau, das kann nur mein Chauffeur gewesen sein. Ich hatte ihn schon länger im Verdacht, dass er sich in meiner Abwesenheit mit irgendwelchem Weib in meinem Haus amüsiert." Er bedeckte das Gesicht mit der einen Hand und wiederholte: "Sie Idiot."

Nun wurde Karl leichenblass. Was konnte er jetzt noch für Wilfried tun? Gar nichts, fiel ihm mit Schrecken ein. Es war ein schnell wirkendes Gift. Er war ein Mörder, er brachte einen Unschuldigen um. Ja, er war ein Idiot, musste er sich gestehen. Er hätte auf Nummer sicher gehen sollen, bevor er so etwas Schreckliches anstellte. Mit einem gequälten, von Gewissensbissen entstellten Gesicht schaute er seinen Gast an. Bevor er aber etwas sagen konnte, sprach Wilfried wieder, mit einer Grabensstimme fort: "Für sie ist es aber auch Schachmatt, mein lieber Freund".
Zum ersten Mal nennt er mich Freund, fiel Karl auf, doch das Denken bereitete ihm auf einmal große Mühe.
"Was meinen Sie damit, für mich ist es auch Schachmatt?" fragte er mit schwerer Zunge.
"In Ihrem Glas befand sich auch Gift. Haben Sie sich denn gar nicht gewundert, dass ich Sie weggeschickt habe, um Eis zu holen? Wo Sie doch genau wissen, dass ich Eis im Whisky verabscheue."
Natürlich hatte sich Karl gewundert. Weiter hatte er aber nicht gedacht…
"Warum soll ich Ihnen jetzt nicht alles sagen, es spielt ja keine Rolle mehr. Sie werden es sowieso nicht mehr weiter erzählen können", fuhr Wilfried fort, von dem gleichen Schwindelgefühl erfasst, wie sein Schachpartner. "Sie haben mir so offensichtlich, richtig stümperhaft nachgeschnüffelt. Ich dachte, Sie wären meinem Geheimnis auf die Spur gekommen, Sie hätten es entdeckt womit ich mein Geld tatsächlich verdiene. Luxusautos verkaufen ist nur eine Tarnung - ich arbeite für die Mafia. Ich hatte in diesem Metier sogar bereits ziemlich weit gebracht, Sie wurden aber zu einer echten Gefahr für mich. Zumindest hatte ich es so gesehen. Woher sollte ich denn wissen dass es sich bei Ihnen um etwas ganz Anderes handelt, um Eifersucht. Darüber hätten Sie mit mir reden sollen…"

Karl musste mit Bitterkeit an Wilfrieds Worte denken, die sein Schachpartner am Anfang ihrer Bekanntschaft gesprochen hatte: "Ich bin ein ganz gefährlicher Gegner".
Und später sagte er einen der wenigen Sätze die er bei diesen Schach-Sitzungen überhaupt von sich gab: "Das ganze Leben ist ein Schachspiel. Ein ständiger Kampf, wobei der bessere gewinnt. Doch manchmal, äußerst selten, gibt es keine Gewinner."

Ja, genau so war es nun. Schachmatt für beide.

[center]Ende[/center]

[center]Bild[/center]
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Beitragvon Gast » 16.01.2010, 13:29

[center]DER ERSTE KUSS

Du hast mich geküsst.
Wann? Vor hundert Jahren?
Der Kuss war so süß,
ich tu' ihn noch immer
im Herzen bewahren.

Dein Kuss, so fern, so zart,
taucht in meinem Innern auf,
wie ein Windeshauch,
wie ein kleiner Lichtstrahl,
den ich manchmal brauch.

Malaika
[/center]

[center]Bild[/center]
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Beitragvon Ingalil » 17.01.2010, 11:31

Guten Tag Malaika
Die Tür zu Deinem "Stübchen" war offen und da ergriff ich mal
die Initiative als erster hier herein zu gehen und Platz zu nehmen.

wunderschön das Gedicht
und es weckt auch Erinnerungen :roll: :lol:
wo man halt dachte, die Mutter brauchts ja nicht zu wissen,
hats selbst auch gemacht

Eine kleine Träumerei im Schnee
füge ich mal ein

Wenn der Schnee im Mondschein glitzert
und es ist sternenklare Nacht;
bei jedem Schritt es leise knistert
bist überwältigt, von der weißen Pracht
schaust hoch zum Himmel, es funkelt der Abendstern
viele Lichtjahre ist er uns`rer Erde fern
du läufst dahin voll Zuversicht -
was dir begenet - weißt du nicht
da freust du dich ganz einfach nur
wie unberührt ist hier die Natur.
mlG Ingalil
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Beitragvon Ingalil » 19.01.2010, 8:40

Der Schneemann macht Demo
wann, warum und wiso?
Er fängt am 22. schon mal an
bis 24. dominiert er dann
Der Klimawandel hat ihn erschreckt
und spontan seine Initiative geweckt
weil am Nordpol schwindet das Eis
sind die Eisbären in großer Gefahr
sie mögen es schön kalt - nicht heiß
d`rum die "Schneemann-Demo" ist ja klar

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Beitragvon Gast » 21.01.2010, 22:12

[center]EIN GANZ LIEBER HUNDBildKurzkrimmi von Malaika
[/center]

Die Bestie ist tot. Tot! Bei diesem Gedanken empfand Rebekka eine ungeheure Erleichterung.

Der Hund sah wirklich gefährlich aus. Jory war ein Rottweiler, außerordentlich groß für seine Rasse. Man sah ihn niemals mit dem Schwanz wedeln und den meisten Menschen flösste er Angst ein. Rebekka mochte er aber vom ersten Augenblick an. Ihr ging es mit ihm nicht anders.
Als sie bei ihrer Arbeitssuche in das Tierheim direkt am Waldrand kam, fiel ihr der schöne Hund sofort auf. Sie blieb lange vor seinem Zwinger wie festgewurzelt stehen. Was all die anderen an Jory als bedrohlich sahen, empfand sie als das Majestätische, der Bewunderung wert. Der Hund schien ihre Gedanken lesen zu können. Er stand dicht hinter dem Maschendrahtzaun und beobachtete sie regungslos, ohne jede Feindseligkeit. Sein Zwinger befand sich direkt am Gitter zum Wald. Das war aber sozusagen "die Sommerresidenz". Im Winter mussten die Hunde ihr Dasein hauptsächlich im Inneren des Gebäudes fristen, abgesehen vom täglichen Auslauf, so weit es die Zeit der oft überlasteten Tierpfleger erlaubte.

Die erste Begegnung Rebekkas mit Jory geschah an einem sonnigen Morgen Mitte Juli. Der schwache Wind ließ die Bäume und Büsche leise rauschen und wehte den frischen, würzigen Duft der Tannen und Fichten her. Rebekka verspürte den heftigen Wunsch, Jory an die Leine zu nehmen und mit ihm durch den Wald umherzustreifen. Natürlich war das zu jenem Zeitpunkt noch nicht möglich, wie ihr gleich klar gemacht wurde.
"Vor diesem Hund müssen Sie sich in Acht nehmen", warnte sie der Tierheimleiter Frank eindringlich, der sie bei ihrem ersten Rundgang durch die Anlage führte.
Frank Reiser wirkte etwas streng, er behandelte Rebekka mit ausgesuchter Höfflichkeit, aber auf eine merkwürdig distanzierte Art. Ob er den Tieren die Liebe entgegenbrachte, die sie so dringend nötig hatten? Fragte sie sich im Stillen. In jedem Fall würde sie mit ihm auskommen müssen, sollte sie die Stellung als Tierpflegerin tatsächlich bekommen.
"Er ist unberechenbar", sprach Frank weiter über Jory. "So lange Sie ihm Ihre Überlegenheit zeigen und gelassen bleiben, wird er Sie respektieren. Bloß keine Furcht aufkommen lassen."
"Ich fürchte mich doch gar nicht vor ihm", antwortete Rebekka, mehr für sich selbst. Sie trat noch näher an den Drahtzaun, der sie vom Hund trennte und lächelte Jory an. Als von ihm absolut keine Reaktion kam, kein Schwanzwedeln, kein Näherkommen, fühlte sie, unsinnigerweise, das wusste sie ja selbst, fast so etwas wie ein wenig Verdruss.
"Das freut mich. Sie kennen sich mit den Hunden anscheinend gut aus."
Überhaupt nicht, wollte Rebekka schon antworten, doch sie schaffte es gerade noch, den Mund zu halten. Diesen Posten musste sie unbedingt haben. Eine große Erfahrung mit Hunden konnte sie in der Tat nicht vorweisen. Ihre Feste Überzeugung war aber, die Tiere wären feinfühlig genug um zu verstehen, wer es mit ihnen gut meint und wer nicht. Ihren eigenen Hund, den sie als Kind hatte und über alles liebte, trug sie immer noch in ihren Gedanken und in ihrem Herzen.
"Wissen Sie etwas über diesen Hund? Darüber, wie es ihm erging bevor er hierher kam?" fragte sie Frank.
"Oh ja, eine ganze Menge. Er ist jetzt ungefähr drei Jahre alt. Bereits als Welpe wurde er abgegeben. Der neue Besitzer, der durch uns ermittelt wurde, hatte den armen Kerl beinahe zu Tode geprügelt und außerdem ließ er ihn fast verhungern. Bei den Anderen, die danach kamen, ging es Jory nicht viel besser. Er landete immer wieder bei uns. Diesmal ist es Schluss, mindestens vorläufig. Es ergibt wirklich keinen Sinn, ihn nochmals vermitteln zu wollen."
"Na wunderbar", dachte Rebekka. Sie kniete sich vor dem Zwinger nieder. Laut sagte sie: "Dann werden wir reichlich Zeit haben, uns besser kennen zu lernen und gute Freunde zu werden."
Auf welche harte Probe diese Freundschaft zwischen ihr und dem Rottweiler einmal gestellt werden sollte, das konnte Rebekka damals nicht ahnen.



[center]FORTSETZUNG FOLGT[/center]
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Beitragvon Gast » 22.01.2010, 15:45

[center]EIN GANZ LIEBER HUNDBildKurzkrimmi von Malaika

FORTSETZUNG[/center]


Frank beobachtete Rebekka und den Hund mit hochgezogenen Augenbrauen und mit einem schwachen Lächeln. Einerseits fand er den Gedanken recht amüsant, dass diese zierliche Person, mit langem, seidigem, weißblondem Haar und mit ihren unschuldig blickenden wasserblauen Augen, gerade mal zwanzig Jahre alt, Freundschaft mit dem gefährlichsten Hund im Tierheim schließen sollte. Anderseits löste das Ganze ein ungutes Gefühl in ihm aus. Sie schenkte offensichtlich etwas zu sorglos diesem unberechenbaren Tier ihr Vertrauen. Er würde ein Auge auf sie werfen müssen. Dass er sie einstellen sollte, das stand für ihn fest. Sie war sehr tierlieb, das war die beste Voraussetzung, um mit den Tieren gut auszukommen.
"Es sieht tatsächlich so aus, als Jory Sie mögen würde", sagte er, nun mit einem etwas breiteren Lächeln. "Trotzdem sollten Sie sehr vorsichtig sein. Der Hund hatte viel mitgemacht. Mit ihm kommt kaum jemand zurecht."
"Das werden wir ja sehen", antwortete Rebekka in Gedanken. Sie fühlte sich nach diesem Gespräch dem Rottweiler auf eine merkwürdige Art näher. "Ich kann dich gut verstehen", sprach sie leise zu Jory, als Frank sich bereits etwas entfernt hatte und sie nicht hören konnte. "Mir ist auch nicht viel anders in meinem Leben ergangen als dir. Da ist es nicht so einfach, den Menschen zu vertrauen, nicht war?"
Der Hund kam näher zum Gitter und musterte sie aufmerksam, den Kopf etwas zur Seite geneigt. Sie hätte schwören können, sein Blick wäre wohlwollend gewesen. Doch Schwanzwedeln, das Zeichen der Freude, der Zustimmung, oder was auch immer, das vermisste sie bei ihm,

Es war kein purer Zufall, dass Rebekka sich so zu Jory hingezogen fühlte. Ihr Schicksal und das des Hundes ähnelten sich auf eine eigenartige Weise. Rebekka hatte keine Erinnerung an ihre Eltern. Im Heim, in dem sie aufgewachsen war, hatte man ihr nur gesagt, sie wäre ein Findelkind gewesen. Oh, ja, es gab Menschen die sich bereit erklärt hatten, sie zu adoptieren, doch es waren stets die falschen. Oder war sie das falsche Kind? Um schnellstens aus dem Heim zu entfliehen, flüchtete sie sich mit achtzehn in die Ehe mit Georg, einem Handwerker. Sie lernten sich kennen, als er im Auftrag des Weisenhauses diverse Renovierungsarbeiten durchführte. Er gab sich von seiner besten Seite, um dem jungen, gutgläubigen Mädchen zu imponieren. Rebekka hatte nur einen Wunsch: Weg vom Heim, von den strengen Sitten und Vorschriften.
Die Ehe mit einem Mann den sie kaum kannte erschien ihr als das kleinere Übel. Das war ein verhängnisvoller Fehler, wie es sich sehr bald zeigen sollte.
Sie war verheiratet, mit dem jähzornigsten, grausamsten Mann, den sie sich überhaupt vorstellen konnte. An das erste Mal als er sie mit der Faust ins Gesicht schlug, konnte sich Rebekka noch genau erinnern. Es war ein verregneter Frühlingstag Anfang April. Kurz vor dem Mittag war sie schnell ins nahe Lebensmittelgeschäft gelaufen, weil ihr einige Zutaten für das Essen gefehlt hatten. Dafür würde Georg kein Verständnis haben, das wusste sie genau. Er hatte seiner jungen, unerfahrenen Frau gar keine Zeit gewährt, damit sie sich zu einer guten Hausfrau entwickeln konnte. Sie hatte perfekt zu funktionieren, das gab er ihr von Anfang an zu verstehen. Angstvoll kehrte sie in ihre Wohnung zurück, völlig durchnässt, da sie unterwegs von einem Wolkenbruch überrascht wurde. Hoffentlich ist Georg noch nicht da, dachte sie mit Bangen. Sie wusste ja wie heftig er reagierte, wenn sein Essen nicht pünktlich auf dem Tisch stand. Doch schon von der Tür hörte sie seine laute Stimme aus dem Wohnzimmer donnern. Er schlug zu, ohne Vorwarnung. Das Blut tropfte aus ihrer Nase auf den hellen Teppich, hinterließ hässliche Flecken, neben den nassen Abdrücken ihrer modischen altrosa Regenstiefelletten - ein Geschenk von Georg. Rebekka hasste die Stiefelletten, sie trug sie jedoch um Friedens Willen.
Mit der Zeit wurde Georg immer brutaler und hemmungsloser. Am schlimmsten rastete er aus, als sie es einmal riskierte äußerst vorsichtig vorzuschlagen, sie sollten sich trennen, zumindest für eine gewisse Zeit. Sie würden doch nicht so gut zusammenpassen. Rebekka glaubte damals, ihre letzte Stunde wäre geschlagen, so übel hatte ihr Mann sie zugerichtet.
"Wenn du es jemals wagen solltest mich zu verlassen, finde ich dich, egal wo du bist", tobte er wie von Sinnen. "Ich bringe dich um!"
Was konnte sie tun, wohin denn gehen? Nein, für sie gab es kein Entkommen.

"Ich beneide dich, weißt du das?" sprach Rebekka zu Jory, als sie endlich mal mit ihm spazieren gehen durfte. "Ich beneide dich wirklich. Du hast deinen Frieden gefunden, für mich gibt es keinen."
Der Rottweiler schaute sie an wenn sie mit ihm sprach, er hörte ihr anscheinend aufmerksam zu. Zum ersten Mal hörte ihr überhaupt jemand zu, auch wenn es sich dabei "nur" um einen Hund handelte. Sie bildete sich ein, Jory würde sie verstehen und das tat ihr gut.
Die wachsende Freundschaft zwischen Rebekka und dem Rottweiler wurde vom Tierheimleiter Frank genau beobachtet. "Jory hat es Ihnen offensichtlich besonders angetan", meinte er einmal, als sie im Begriff war, den Hund zum täglichen Spaziergang mitzunehmen. "Darf ich Sie begleiten?" fragte er nach einem kurzen Zögern, was Rebekka vor Überraschung die Sprache verschlug. Das hatte er noch nie getan. Frank behandelte seine Schützlinge auf eine feinfühlige, liebevolle Art, das hatte sie sehr schnell erkannt. Er führte sie aber nie aus. Das taten die Tierpfleger- und Pflegerinnen, mit welchen Rebekka so gut wie keinen Kontakt hatte. Hin und wieder ein paar Worte wechseln, mehr war da nicht drin.
Rebekka freute sich auf einen gemeinsamen Spaziergang mit Frank. Er war ihr zunehmend sympathisch geworden, und ganz so distanziert wie am Anfang war er schon lange nicht mehr. Auch Jory schien ihn zu akzeptieren, vielleicht auch ein bisschen zu mögen. Doch echte Zuneigung konnte der Hund nicht zeigen. Auch Rebekka gegenüber nicht. Er sah stets so aus, als er auf der Lauer war, als er irgendetwas erwartete, was seinen Frieden erneut stören könnte. Weil er aber aufs Wort folgte und beim Spazieren nicht von ihrer Seite wich, glaubte Rebekka daran, dass er sie mag. Sie nahm sich vor, viel Geduld mit ihm zu haben.

Das erste Blutbad in der Kleinstadt sprach sich wie ein Lauffeuer herum. Ein Mann, er galt als Außenseiter, ein Ganove, gewalttätig, mehrfach vorbestraft, wurde wahrscheinlich durch die Bisse eines Tieres getötet. Man war davon ausgegangen, dass es sich um einen großen Hund oder um einen Wolf handeln würde. Nur - in dieser Gegen hatte es noch nie Wölfe gegeben. Also musste es ein Hund sein. Darauf konzentrierten sich auch die Ermittlungen der Polizei, doch vergebens. Auch das Tierheim in dem Rebekka arbeitete, wurde inspiziert, man fand aber nichts. Alle Hunde befanden sich unter Schloss und Riegel, ohne eine Möglichkeit auszubrechen.
Der Zweite unerklärliche, grausame Todesfall, auch diesmal musste ein zur Gewalt neigender Mann sein Leben lassen, löste bei der Bevölkerung große Furcht aus. Die Menschen trauten sich nachts nicht mehr allein ihre Häuser zu verlassen. Die wildesten Vermutungen kursierten in der Stadt. Schlich da jemand durch die Straßen in einer Art von Rachefeldzug und tötete mit Hilfe seines Kampfhundes die gewalttätigen Männer? Dies war die weitverbreiteste Auffassung.


[center]FORTSETZUNG FOLGT[/center]
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Beitragvon Gast » 23.01.2010, 14:57

[center]EIN GANZ LIEBER HUNDBildKurzkrimmi von Malaika

FORTSETZUNG[/center]


"Oh Gott, Rebekka, was ist Ihnen denn zugestoßen?" Frank musterte seine Angestellte ganz entsetzt. In der Tat, sie sah in hohem Maße mitleiderregend aus. Ein blauunterlaufendes Auge und noch ein Paar andere blaue Flecken im Gesicht, die sie ziemlich erfolglos mit einer dicken Schicht Make-up zu verdecken versucht hatte, entstellten ihr bildhübsches Gesicht auf eine erschreckende Weise. Frank ahnte schon länger, dass es für Rebekka zu Hause keine heile Welt gab. Sie wirkte an manchem Morgen äußerst betrübt und unglücklich. Erst im Laufe des Tages besserte sich ihre Stimmung und ihr, an sich heiteres Wesen kam wieder zum Vorschein.
Rebekka weigerte sich auch nur ein Wort über die Hölle, die sie mit ihrem Mann durchmachte, zu verlieren. Es schien so, als ob sie Trost bei Jory fand, was Frank eigentlich bedauerte. Er wunderte sich manchmal über sich selbst, weil es Augenblicke gab, in welchen er plötzlich fast etwas eifersüchtig auf den Hund reagierte. Doch dann musste er über sich selbst lächeln. Rebekka hatte ihm die Augen für Jorys wahres Wesen geöffnet. Nie hätte er dem Hund so eine Anhänglichkeit zugetraut, bevor sie auf die Bildfläche erschienen war. In Jory hätte das Mädchen einen sehr guten Beschützer, ging es ihm durch den Kopf.
Als an einem strahlenden Morgen, Anfang September, als die Zeitung erneut in großen Schlagzeilen über den Mord berichtete der in der Nacht passiert war, auf die gleiche Art wie die anderen Morde, ging Rebekka zuerst zu Jory, um ihn zu begrüßen. Sie war etwas zu früh dran und musste sich mit ihrem Dienst nicht beeilen. Der Hund schien diesmal nicht ganz so erfreut zu sein sie zu sehen, jedenfalls beäugte er sie etwas misstrauisch, bevor er sich ihr näherte. Weil sie nicht um die gewöhnte Zeit erschien? Sie wunderte sich ein wenig über sein Verhalten, doch dann dachte sie nicht mehr daran. Sie streichelte Jory und sprach zu ihm, in Gedanken an die furchtbaren Zeitungsmeldungen: "Du kannst es ja nicht gewesen sein, du warst die ganze Nacht hier eingesperrt".
Dann erstarrte sie plötzlich mitten in der Bewegung. Es durchlief sie eiskalt. Auf der Hundeschnauze waren Blutflecken. Rebekka suchte nach einer Erklärung dafür, alles, alles, nur nicht DAS! Das, was sie zu vermuten anfing, war doch gar nicht möglich. Jory war da gewesen, die ganze Nacht! Oder doch nicht? Sie fing an, seinen Zwinger und seine Hütte zu durchsuchen. In der Hütte fand sie des Rätsels Lösung. Der Hund hatte sich im Boden seiner Behausung ein Loch in die Freiheit gegraben. Für den großen, kräftigen Hund keine allzu schwere Aufgabe, da die Hütte nur aus den Wänden und Dach bestand und direkt am Zaun zum Wald stand.
"Du bist viel schlauer, als wir alle dachten", sagte sie zum Hund tief betrübt. "Warum hast du das getan? Welchen Grund hattest du, diese Männer zu töten? Ich kann es einfach nicht glauben, dass du dazu fähig bist. Haben sie dich an deine schlimme Zeiten erinnert?"

Jory saß ruhig da und beobachtete sie. Rebekka fing an sich ein wenig zu fürchten, doch dann hatte sie mehr Angst um Jory als um sich selbst. "Was wird aus dir, wenn es rauskommt, was du getan hast? Jory, was hast du nur angestellt. Sie werden dich töten."
Jory betrachtete sie vertrauensvoll, das war offensichtlich. "Nein, ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert."
Im gleichen Augenblick war die schaurige Idee geboren. Noch nicht ganz ausgereift, aber doch existent, wie ein Geschwür, das zunächst kaum auszumachen ist, das aber unaufhaltsam wächst.


[center]FORTSETZUNG FOLGT[/center]
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Beitragvon Gast » 23.01.2010, 14:59

[center]EIN GANZ LIEBER HUNDBildKurzkrimmi von Malaika

FORTSETZUNG[/center]


"Ich möchte Jory zu mir nach Hause mitnehmen. Ihn wird nie jemand haben wollen und mir folgt er aufs Wort", sprach Rebekka eines Tages mit einer ziemlich resoluten Stimme den Tierheimleiter an. Frank war sichtlich überrascht, fast ein wenig ratlos. Nicht nur das plötzlich so selbstbewusste Auftreten des Mädchens irritierte ihn im hohen Maße. Rebekkas Anliegen kam so unerwartet, dass er im ersten Augenblick im Begriff war, ihren Wunsch abzulehnen. Dann überlegte er sich aber anders. Jory und Rebekka waren schon seit langem ein Herz und eine Seele. Es war ganz offensichtlich, dass dieses kleine Persönchen genau wusste, wie es mit dem Hund umgehen musste, um von ihm respektiert zu werden. Und Jory hing an seiner "Bezugsperson" mit einer unglaublichen Zuneigung. Nein, Frank musste sich um Rebekka keine Sorgen machen, das war ihm klar geworden. Er wollte sie fragen: "Was ist mit Ihrem Mann, was meint er dazu?" Doch er schwieg. Sich in ihre Privatangelegenheiten einzumischen, dazu hatte er kein Recht. Anscheinend ging es Rebekka neuerdings gut. Sie wirkte fröhlicher, es gab schon seit langem keine blauen Flecken mehr in ihrem Gesicht. Doch statt sich darüber zu freuen, stimmte diese Tatsache ihn betrübt, auch wenn er sich deswegen fast ein wenig schämte. Schließlich konnte er sich nicht zurückhalten, wie nebenbei zu bemerken: "Dann seid Ihr ja jetzt zu dritt, bei Ihnen zu Hause."
"Nein, nur zu zweit, mein Mann ist nicht mehr da."
Franks neugierigen Blick ignorierte Rebekka, mehr darüber wollte sie nicht verraten.

Rebekka nahm Jory täglich zur Arbeit mit und abends gab es keinen Abschied mehr zwischen den beiden. Nur von der Leine wollte sie ihn vorerst bei ihren langen Spaziergängen, bei welchen Frank immer öfter dabei war, nicht lassen. Sicher ist sicher, dachte sie im Geheimen. Sie spürte manchmal Franks prüfenden Blick auf sich ruhen, so als ob er die Zusammenhänge ahnte. Egal, sie wusste, Franks Wohlwollen war ihr sicher, von ihm drohte ihr keine Gefahr.
Das war aber nicht alles. An jenem Abend, als sie Frank zum ersten Mal zu sich nach Hause zum Essen eingeladen hatte, durfte sie endlich dieses wunderbare Gefühl kennen lernen, von einem Mann aufrichtig geliebt zu sein.
Draußen tobte ein heftiger Wintersturm, die Bäume bogen sich im Wind und die Schneeflocken wirbelten wild durcheinander durch die Luft. In Rebekkas Wohnung herrschte aber eine wohlige Atmosphäre. Dass Jory Frank inzwischen nicht nur akzeptierte, sondern ihm ganz offensichtlich zugetan war, machte Rebekkas Glück perfekt.

Endlich führte Rebekka ein gutes Leben, so wie sie es sich schon immer gewünscht hatte. Dank Jory! Das sollte aber für immer ein Geheimnis bleiben, zwischen ihr und ihrem treuen Hund. Nicht einmal Frank gegenüber wollte sie es jemals zur Sprache bringen, wie sie zu ihrem Glück kam. Mit der Zeit würde sie es schaffen, die Vergangenheit aus ihrem Gedächtnis vollkommen zu verbannen. Dessen war sie sich absolut sicher.

Wenn sie es nicht als erste entdeckt hätte, das Loch in Jorys Hütte…
Es war ganz einfach, den Hund am späten Abend in die Stadt mitzunehmen, ihren Mann in den Park zu locken und einen Streit einzufädeln. Sie wusste es genau - Jory würde sie nicht im Stich lassen.
Das schwierigste war es, das Loch in Jorys Hütte so zu schließen, dass keiner etwas merkt. Es hatte in Strömen geregnet, was die Arbeit noch wesentlich erschwerte. Sie hatte es aber perfekt geschafft. Jory stand daneben und beobachtete sie wachsam. In manchen Augenblicken hatte sie befürchtet, er würde ihr dies übel nehmen, dass sie ihm seinen Weg in die Freiheit verbaute. Doch der Hund blieb ruhig.
Nach angemessener Zeit nahm sie Jory, mit Franks Zustimmung, mit nach Hause.

Rebekka traf die letzten Vorbereitungen für ihren Besuch. Sie stellte eine Flasche guten Weines auf den Tisch, die Blumen, zündete die Kerzen an. Dann, in einem Moment der überschwänglichen Freude über die Wendung ihres Schicksals, umarmte sie den großen Hund, der immer in ihrer Nähe war. "Die Bestie ist tot, Jory", rief sie ausgelassen. "Ab sofort werden wir ein glückliches Leben führen, du, ich… und Frank!"
Der Hund sah ihr ins Gesicht, neigte den Kopf zur Seite und - er wedelte mit dem Schwanz.


[center]ENDE[/center]
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