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Forum der Regionalgruppe Düsseldorf

Moderator: Monische

Beitragvon sananjana » 09.01.2008, 15:47

Heute vor 100 Jahren starb

Wilhelm Busch

15.4.1832 - 9.1.1908



Und wahrlich! Preis und Dank gebührt
Der Kunst, die diese Welt verziert.

W. Busch - Maler Klecksel

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Wer kennt sie nicht: Max und Moritz

Max und Moritz gar nicht träge,
Sägen heimlich mit der Säge,
Ritzeratze! Voller Tücke,
In die Brücke eine Lücke.


Und auch Lehrer Lämpel

Also lautet ein Beschluss:
Dass der Mensch was lernen muss, -

......................................................

Max und Moritz, diese beiden,
Mochten ihn darum nicht leiden.
Denn wer böse Streiche macht,
Gibt nicht auf den Lehrer acht!


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Kleine Lebensphilosophie

Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
Gleichviel, ob große, ob geringe,
Im wesentlichen so verpackt,
Dass man sie nicht wie Nüsse knackt.

Wie wolltest du dich unterwinden,
Kurzweg die Menschen zu ergründen?
Du kennst sie nur von außenwärts,
Du siehst die Weste, nicht das Herz.

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Er liebte sie in aller Stille.
Bescheiden, schüchtern und von fern
Schielt er nach ihr durch seine Brille
Und hat sie doch so schrecklich gern.

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Er war ein grundgescheiter Mann,
Sehr weise und hoch erfahren;
Er trug sein graumeliertes Haar,
Dieweil er schon ziemlich bei Jahren.
Er war ein abgesagter Feind
Des Lachens und des Scherzens
Und war doch der größte Narr am Hof
Der Königin seines Herzens.

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Wenn einer der mit Mühe kaum
Gekrochen ist auf einen Baum,
Schon meint, dass er ein Vogel wär,
So irrt sich der.

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Einszweidrei, im Sauseschritt
Läuft die Zeit; wir laufen mit.
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sananjana
 

Beitragvon sananjana » 10.01.2008, 15:48

Zum 211.Geburtstag der Lyrikerin aus dem Münsterland

Annette von Droste-Hülshoff


Seh ich dich so, mein kleines Land
In deinem Abendfestgewand:
Ich meine, auch der Fremdling muss
Dir traulich bieten Freundesgruß.
Du bist nicht mächtig, bist nicht wild,
Bist deines stillen Kindes Bild,
Das, ach, mit allen seinen Trieben
Gelernt vor allem, dich zu lieben.

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Herzlich

Alle meine Rede und jegliches Wort
Und jeder Druck meiner Hände.
Und meiner Augen kosender Blick,
Und alles, was ich geschrieben:
Das ist kein Hauch und ist keine Luft,
Und ist kein Zucken der Finger,
Das ist meines Herzens flammendes Blut,
das dringt hervor durch tausend Tore.
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Beitragvon Monische » 10.01.2008, 15:55

Ja Brigitte was biste mal wieder ach sooo poetisch- lach !!
Aber doll ich les sowas ab und zu ganz gern!
In diesem Sinn mach weiter so ich genieß es!!
LG Moni
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Beitragvon sananjana » 11.01.2008, 12:51

Trost

Du weißt, saß hinter den Wäldern blau
Die großen Berge sind.
Und heute nur ist der Himmel grau
Und die Erde blind.

Du weißt, dass über den Wolken schwer
Die schönen Sterne stehn,
Und heute nur ist aus dem goldenen Heer
Kein einziger zu sehn.

Und warum glaubst du dann nicht auch,
Dass uns die Wolke Welt
Nur heute als ein flüchtiger Hauch
Die Ewigkeit verstellt?

Eugen Roth
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Beitragvon sananjana » 12.01.2008, 14:49

Mut

Wag es, und die Welt ist Dein,
Eine neue Welt gestalte
wenn in Trümmern liegt die alte,
ohne Trost und Hoffnungsschein.
Rege Dich - und schalte und walte,
neue Lebenskraft entfalte,
wag es, froh und frei zu sein!

Lerne dulden und ertragen,
lern im Unglück nicht verzagen!
Wag es, frei und froh zu sein!
Auch in diesen trüben Tagen
ist ein Glück noch zu erjagen!
Wag es -- und die Welt ist Dein.

Hofmann von Fallersleben
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Beitragvon sananjana » 14.01.2008, 14:13

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da ist, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergisst man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
"Was, lebt er noch? Ei Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot."
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Lässt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
"Wer einsam ist, der hat es gut."

Wilhelm Busch
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Beitragvon sananjana » 15.01.2008, 14:29

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse
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Beitragvon sananjana » 16.01.2008, 20:32

De Alkohol

Et was in'n Saal ganz müskenstill,
Son Här de holl ne Rede,
Ne Rede öuwer'n Alkohol,
Et scheen, he was nich blöde.
De Alkohol, so sag de Här,
Dei niks es Unheil stiften,
Dat Düwelstüg wörd Land un Lüd
Vediärwen un vergiften.
"Drum weg mit allem Alkohol !"
So reip he noch am Ende.

Un "Bravo" gonk dat dör den Saal,
Se klatschten in de Hände.
Do stonn son däftgen Buersmann up,
Erst drunk he sik noch'n Aollen,
Dann schmeet he wöst sik in de Buorst
He konn sik nich mer hollen.
"Weg", röpt he, "met dat Düwelstüg,
Wie käm'n jo All in'n Duesel.
Wat bruk wie noch den Alkohol,
Wie häbt jä Beer un Fuesel !"

Augustin Wibbelt
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Beitragvon sananjana » 17.01.2008, 16:39

Keiner blickt dir hinter das Gesicht

Niemand weiß, wie reich du bist...
Freilich mein ich keine Wertpapiere,
Keine Villen, Autos und Klaviere,
Und was sonst sehr teuer ist,
Wenn ich hier vom Reichtum referiere.

Nicht den Reichtum, den man sieht
Und versteuert, will ich jetzt empfehlen.
Es gibt Werte, die kann keiner zählen,
Selbst wenn er die Wurzel zieht.
Und kein Dieb kann diesen Reichtum stehlen.

Die Geduld ist so ein Schatz.
Oder der Humor und auch die Güte
Und das ganze übrige Gemüte.
Denn im Herzen ist viel Platz,
Und es ist wie eine Wundertüte.

Arm ist nur, wer ganz vergisst,
Welchen Reichtum das Gefühl verspricht.
Keiner blickt dir hinter das Gesicht.
Keiner weiß, wie reich du bist...
(Und du weißt es manchmal selber nicht.)

Erich Kästner
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Beitragvon sananjana » 18.01.2008, 14:01

Des Wortes Gewalt

Im Wort ruht Gewalt
Wie im Ei die Gestalt,
Wie das Brot im Korn,
Wie der Klang im Horn,
Wie das Erz im Stein,
Wie der Rausch im Wein,
Wie das Leben im Blut,
In der Wolke die Flut -
Wie der Tod im Gift
Und im Pfeil, der trifft -
Mensch! Gib du acht, eh` du es sprichst,
Dass du am Worte nicht zerbrichst!

Ina Seidel
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Beitragvon sananjana » 19.01.2008, 12:36

Kleines Solo

Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
Einsam bist du sehr allein -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben., wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Musst erfahren,
dass es nicht die Liebe ist.
Bist sogar im Kuss alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Erich Kästner
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Beitragvon sananjana » 21.01.2008, 14:45

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt` es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub`s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich`s
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Johann Wolfgang Goethe
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sananjana
 

Beitragvon sananjana » 22.01.2008, 11:37

Ein Mensch, den es nach Ruhm gelüstet,
besteigt, mit großem Mut gerüstet,
ein SPRUNGBRETT - und man denkt, er liefe
nun vor und spränge in die Tiefe,
mit DOPPEL-SALTO und dergleichen,
der Menge Beifall zu erreichen.
Doch lässt er, angestaunt von vielen,
zuerst einmal die Muskeln spielen
um dann, erhaben vorzutreten,
als gält`s, die Sonne anzubeten.
Ergriffen schweigt das Publikum - -
doch er dreht sich gelassen um
und steigt, fast möcht man sagen, heiter
und vollbefriedigt von der Leiter.
Denn - wenn auch scheinbar nur entschlossen,
hat er doch s e h r v i e l Ruhm genossen(!)
Genau genommen, schon den meisten -
was sollt` er da noch etwas leisten.

Eugen Roth
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Beitragvon Monische » 23.01.2008, 11:58

:lol: :lol: ich kann mich noch vage an die Lieder zu jeder Jahreszeit erinnern - die waren immer wieder schön, Text ja den könnt ich noch - aaaaber mit der Stimme - ne das laß ich lieber bleiben! :lol: :oops: :cry:
Moni
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Beitragvon sananjana » 24.01.2008, 10:34

Die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mache mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.

Mache mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Lasse mich erkennen, das Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die Wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schicke mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.

Ich möchte dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst, sie wird einem gesagt.

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, dass man nichts tut. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der keinen Schritte !

Antoine de Saint-Exupery
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