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Forum der Regionalgruppe Düsseldorf

Moderator: sananjana

Beitragvon erry54 » 12.12.2009, 11:19

Advent
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
Theodor Storm (1817-1888)
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erry54
 
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Beitragvon Gast » 12.12.2009, 11:58

[center]Christrose

Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
Draußen in Eis und Schnee.
Und wenns in der Winternacht friert und schneit,
Das tut der Rose nicht weh.

Es grünt die Hoffnung zur Weihnachtszeit,
Drinnen im Herzen still:
Daß immer und ewig so schön wie heut'
Frieden werden will.

Christrose, Christrose, Christrose, Christrose,
Blume der Heiligen Nacht!
Christrose, Christrose, Christrose, Christrose,
Hast mir die Hoffnung gebracht.

Die Liebe vertreibt meine Einsamkeit,
Mir tut das Herz nicht mehr weh,
Es blüht eine Rose zur Weihnachtszeit
Draußen in Eis und Schnee.
[/center]

Unbekannt
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Beitragvon Grafka » 15.12.2009, 11:43

[center]Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh" in einem stillen Gebiet!
Ich leb" allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!

Friedrich Rückert (1788-1866)
[/center]

Ich bin der Welt abhanden gekommen - von Gustav Mahler (1860-1911)
Nach dem Autograph suchte die Musikwissenschaft 50 Jahre lang.

Es singt Kathleen Ferrier (1912-1953), deren Stimme ein Echter Alt war.

http://www.youtube.com/watch?v=Md-JfajEtzM
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Beitragvon sananjana » 16.12.2009, 22:47

Kopf und Herz

Wie es scheint, ist die Moral
nicht so bald beleidigt,
während Schlauheit allemal
wütend sich verteidigt.

Nenn den Schlingel liederlich,
leicht wird er's verdauen;
nenn ihn dumm, so wird er dich,
wenn er kann, verhauen.

Wilhelm Busch
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Beitragvon dreaming2 » 17.12.2009, 0:31

Alle Jahre wieder
hört man alte Lieder,
schimmert Kerzenlicht
Kleinkind lallt Gedicht . . .

Omas, Tanten schmunzeln
hinter ihren Runzeln
Väter hängen den Bart sich um
fuchteln mit Rutengestrüpp 'rum . . .

Für Stunden ist man friedlich,
gibt sich dann auch gemütlich,
bei Leckerei und Braten,
vergißt die Missetaten . . .

Das Böse ist vergessen,
man gibt sich wie besessen
dem Rausch des Festes hin,
vergißt dabei den Sinn . . .

Eine Woche weiter
ist man dann vielmehr heiter,
knallt mit Frosch und Sekt,
ein neues Jahr aufweckt . . .

Glück soll es bringen,
Erfolg und Gelingen,
Sonne und Regen,
Frieden und Segen . . .

<Margitta>
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Beitragvon sananjana » 18.12.2009, 9:44

Susanne in der Badewanne

Seelenvergnügt in der Badewanne
sitzt unsre kleine blonde Susanne,
plätschert und schlenkert wie im Meer
eine halbe Sintflut um sich her.

Mama wird böse: "Na warte, du Schlingel!"
Sirrr - und draußen geht die Klingel.
"Je!" sagt Muttchen. "Es klingelt doch grade,
immer wenn ich Suschen bade.

Nun sei mal hübsch brav, mein Herzblatt, ja?
Gleich ist die Mutti wieder da.
Und fass" mir da oben den Griff nicht an,
das ist die Glocke zum Weihnachtsmann!

Die hängt von der Decke in langen Schnüren,
da darf beileibe kein Kind dran rühren."
Die Mutti geht und als Susi allein ist,
wäscht sie sich, bis die Seife ganz klein ist,

zieht das Badelaken vom Tisch herunter
und schleift es durch sämtliche Pfützen munter.
Doch endlich wird ihr die Sache zu dumm.
Sie dreht sich energisch zur Türe herum

und ruft: "Mutti! Muttchen! Du solls jetz tommen!
Susi hat jetz genug geswommen!"
Alles bleibt still, und da oben da hängt
der blitzblanke Griff und Susi denkt:

Wenn man nur so'n ganz klein bisschen dran zieht,
ob der Weihnachtsmann mich durch die Türspalte sieht?
Dann will ich gleich Bescheid ihm sagen
vom dicken Ball und dem Puppenwagen.

Sachte, ganz sachte steht sie auf,
und greift mit den kleinen Patschhändchen rauf...
Und denkt euch, Kinder, welche Qual:
Es rieselt herab ein Wasserstrahl!

Huh! Und soviel! Huh! Und so kalt!
Susi brüllt, dass es häuserweit schallt.
Nach diesem Schrei kommt Mama geflogen.
O weh! Da hat doch Susi die Brause gezogen!

Sitzt in der Wanne, zu Tode erschrocken,
Wasser in den Ohren, im Näschen, in den Locken.
Und sie schluchzt, während sie in Tränen zerfließt:
"Der Weihnachtsmann hat mis mit Wasser bedießt! (begossen)

Und ich hab doch nur so'n danz tlein bischen deßelt (geschellt)
und nur so'n danz tlein bischen bei ihm bestellt".

Verfasser unbekannt
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Beitragvon Grafka » 25.12.2009, 1:13

Allen hier Lesenden ein schönes Fest
[center]
Weht im Schnee ein Weihnachtslied
Leise über Stadt und Felder,
Sternenhimmel niedersieht,
Und der Winternebel zieht
Um die dunklen Tannenwälder.

Weht im Schnee ein Weihnachtsduft
Träumerisch durch dichte Flocken,
Füllt die schwere Winterluft
Und aus weichen Wolken ruft
Sanft der Klang der Kirchenglocken.

Geht durch Schnee ein Weihnachtskind
Liebend über kalte Erde,
Geht dahin und lächelt lind,
Hoffend, dass wir gütig sind
Und die Menschheit besser werde.

Hilde Fürstenberg[/center]
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Beitragvon sananjana » 30.12.2009, 23:57

Silvester Gedicht

Dass bald das neue Jahr beginnt,
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
genauso wie zu Pfingsten.

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute Nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz



[center]Allen, die hier Lesen und Schreiben

einen guten Rutsch in ein erfolgreiches, gesundes und glückliches neues Jahr!

LG, Bild[/center]
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Beitragvon Emmerenz » 31.12.2009, 12:19

Grüße zum Neuen Jahr

Wir wandern ins Morgen
und machen uns Sorgen
die Zeit recht zu planen
verteil`n sie in Bahnen.

Wir wollen sie messen,
in Zeitpunkte pressen.
Doch sollte im Eilen
die Einsicht bisweilen
in allem uns leiten.

Wir sind in den Zeiten
nicht Herren, nur Wandrer.

Die Zeit macht ein andrer.
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Beitragvon sananjana » 07.01.2010, 10:35

Alles still!

Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane
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Beitragvon sananjana » 08.01.2010, 14:45

Verschneit liegt rings die ganze Welt

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht ein Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seine Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph von Eichendorff
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Beitragvon sananjana » 09.01.2010, 15:01

Das Büblein auf dem Eise

Will sehen, was ich weiß,
vom Büblein auf dem Eis.

Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
und spricht zu sich ganz leis:
" Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muss doch tragen.
Wer weiß! "

Das Büblein stapft und hacket
mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket,
und krach! schon bricht"s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt,
als wie ein Krebs und zappelt
mit Arm und Bein.

" O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muss ertrinken
im tiefen, tiefen See! "
Wär" nicht ein Mann gekommen -
der sich ein Herz genommen, o weh!

Der packt es bei dem Schopfe
und zieht es dann heraus,
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus.

Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat"s geklopfet
zu Haus.

Friedrich Güll
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Beitragvon sananjana » 10.01.2010, 7:01

Im Winter

Der Winter steigt, ein Riesenschwan, hernieder,
Die weite Welt bedeckt sein Schneegefieder.
Er singt kein Lied, so sterbensmatt er liegt,
Und brütend auf die tote Saat sich schmiegt;

Der junge Lenz doch schläft in seinem Schoß,
Und saugt an seiner kalten Brust sich groß,
Und blüht in tausend Blumen wohl herauf,
Und jubelt einst in tausend Liedern auf.

So steigt, ein bleicher Schwan, der Tod hernieder,
Senkt auf die Saat der Gräber sein Gefieder,
Und breitet weithin über stilles Land,
Selbst still und stumm, das starre Eisgewand;

Manch frischen Hügel, manch verweht Gebein,
Wohl teure Saaten, hüllt sein Busen ein;
Wir aber stehn dabei und harren still,
Ob nicht der Frühling bald erblühen will?

Anastasius Grün
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Beitragvon Grafka » 14.01.2010, 21:42

Zum neuen Jahr

[center]Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch.
Die alte Schuld sei ausgestrichen
und ausgetilgt der alte Fluch.
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen!
Die Erde wird noch immer wieder grün.
Auch dieser März bringt Lerchenlieder.
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder.
Auch dieses Jahr läßt Freuden blühn.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen.
Die Erde wird noch immer grün.

Karl von Gerok (1815-1890)
[/center][
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Beitragvon Grafka » 20.01.2010, 22:55

[center]Winter

Ein weißes Feld, ein stilles Feld.
Aus veilchenblauer Wolkenwand
hob hinten, fern am Horizont,
sich sacht des Mondes roter Rand.
Und hob sich ganz heraus und stand
bald eine runde Scheibe da,
In düstrer Glut. Und durch das Feld
klang einer Krähe heisres Krah.
Gespenstisch durch die Winternacht
der große dunkle Vogel glitt,
und unten huschte durch den Schnee
sein schwarzer Schatten lautlos mit.

Gustav Falke (1853-1916)[/center]
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