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Forum der Regionalgruppe Düsseldorf

Moderator: Monische

Beitragvon sananjana » 03.05.2011, 10:58

Frühling

In allen Sprachen der Liebe
Hörst du den Namen
Der namenlosen Entzückung
Umspielt von den Lüften
Der blauenden Wälder,
Frühling-
Wie ein Schauer
Über die Haut
Die empfindliche ,zärtliche.

Apfelblüten
Mit dem schwellenden Hauch
Des Errötens über der Knospe
Wehen ins Haar
Eines bräunlichen Mädchens
Krönen die sanfte Geduld
Mitten im Winde des Lebens
Der nun beginnt

Oda Schaefer
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Beitragvon sananjana » 04.05.2011, 18:59

Die Beiden

Sie trug den Becher in der Hand -
Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand -,
So leicht und sicher war ihr Gang,
Kein Tropfen aus dem Becher sprang.

So leicht und fest war seine Hand:
Er ritt auf einem jungen Pferde,
Und mit nachlässiger Gebärde
Erzwang er, dass es zitternd stand.

Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
Den leichten Becher nehmen sollte,
So war es beiden allzu schwer:
Denn beide bebten sie so sehr,
Dass keine Hand die andre fand
Und dunkler Wein am Boden rollte.

Hugo von Hofmannsthal
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Beitragvon sananjana » 05.05.2011, 8:53

Die Nachtigallen

Möcht wissen, was sie schlagen
So schön bei der Nacht,
's ist in der Welt ja doch niemand,
Der mit ihnen wacht.

Und die Wolken, die reisen,
Und das Land ist so blaß,
Und die Nacht wandert leise
Durch den Wald übers Gras.

Nacht, Wolken, wohin sie gehen,
Ich weiß es recht gut,
Liegt ein Grund hinter den Höhen,
Wo meine Liebste jetzt ruht.

Zieht der Einsiedel sein Glöcklein,
Sie höret es nicht,
Es fallen ihr die Löcklein
Übers ganze Gesicht.

Und daß sie niemand erschrecket,
Der liebe Gott hat sie hier
Ganz mit Mondschein bedecket,
Da träumt sie von mir.

Josef von Eichendorff
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Beitragvon sananjana » 07.05.2011, 8:36

Bei einer Linde

Seh ich dich wieder, du geliebter Baum,
In dessen junge Triebe
Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum
Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?

Wie anders ist seitdem der Äste Bug,
Verwachsen und verschwunden
Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug,
Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!

Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du,
Und nichts an mir wollt weilen,
Doch meine Wunde wuchs - und wuchs nicht zu,
Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.

Joseph von Eichendorff
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Beitragvon sananjana » 14.05.2011, 16:27

Mai

Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, übers Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinderdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: Ich komm ja wieder!
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

Erich Kästner
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Beitragvon sananjana » 16.05.2011, 17:33

Der Regen

Der Regen hält noch immer an!
So klagt der arme Bauersmann;
Doch eher stimm ich nicht mit ein,
Es regne denn in meinen Wein.

Gotthold Ephraim Lessing
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Beitragvon sananjana » 17.05.2011, 22:41

Menschen bei Nacht

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Rainer Maria Rilke
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Beitragvon babarella » 19.05.2011, 14:20

Der schöne Mai ist gekommen!

Der schöne Mai ist kommen,er zieret Berg und Tal
hat allen Frost genommen,streut Blüten überall-

Die Nachtigall früh singt uns und lockt in das Feld
wen diese Zeit nicht zwingt zur Freud,taugt nicht in die Welt.-

Der Blumenduft erquicket die Augen ,Herz und Sinn
so vor schier wollt ersticken in dumpfer Stuben drin.-

Die Wies als Teppich ziert sich selbst und läd uns ein
zu sitzen,da man spürt der klaren Bächlein Schein.-

Faulenzer sind zu strafen mit der Melancholei,
die solche Zeit mit Schlafen zu bringen ohne Reu.

die sich im Nest versteckt und schaun die Morgenröt
erst wenn die Sonn aufdeckt den Vorhang vor dem Bett
(Johann Jakob Prinner)
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Beitragvon sananjana » 19.05.2011, 16:04

Ein wunderschönes Gedicht.
Bild liebe barbarella.

LG, Bild
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Beitragvon sananjana » 19.05.2011, 16:24

Zum hundertsten Todestag von Gustav Mahler

Aus Mahlers 2. Sinfonie


O Röschen rot!
Der Mensch liegt in größter Not!
Der Mensch liegt in größter Pein!
Je lieber möcht’ ich im Himmel sein!

Da kam ich auf einen breiten Weg;
Da kam ein Engelein und wollt’ mich abweisen.
Ach nein! Ich ließ mich nicht abweisen!
Ich bin von Gott und will wieder zu Gott!
Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben,
Wird leuchten mir bis in das ewig selig Leben!

Aus des Knabenwunderhorn von
Achim von Arnim und Clemens Brentano
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Beitragvon sananjana » 26.05.2011, 13:07

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüsste ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
ich aber liebe euch all:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

Heinrich Heine
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Beitragvon sananjana » 27.05.2011, 16:00

Die Elster

Ein Bach, mit Namen Elster, rinnt
durch Nacht und Nebel und besinnt
inmitten dieser stillen Handlung
sich seiner einstigen Verwandlung,
die ihm vor mehr als tausend Jahren
von einem Magier widerfahren.

Und wie so Nacht und Nebel weben,
erwacht in ihm das alte Leben,
Er fährt in eine in der Nähe
zufällig eingeschlafene Krähe
und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt,
wie dermaleinst als Vogel fort.

Christian Morgenstern
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Beitragvon babarella » 16.01.2012, 11:09

Bald naht der Frühling wieder
Doch noch gilt dieses Winterlied................

"Mir träumt`,ich ruhte wieder
vor meines Vaters Haus
und schaute fröhlich nieder
in alte Tal hinaus,
die Luft mit lindem Spielen
ging durch das Frühlingslaub,
und Blütenflocken fielen
mir über Brust uns Haupt.

Als ich erwacht,da schimmert
der Mond vom Waldesrand,
im falben Scheine schimmert
um mich ein fremdes Land,
und wie ich ringsher sehe:
Die Flocken waren Eis,
Die Gegend war von Schnee,
mein Haar vom Alter weiß.

(Joseph Freiherr von Eichendorf)

einen freundlichen Gruß,,,,,,babarella
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Beitragvon Monische » 17.01.2012, 19:58

Ich find eure Gedichte einfach nur schön man kann noch lange sinnieren und freuen..

Lieben Gruß in die 'Runde

eure Moni
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