von Doosie » 29.01.2010, 3:14
B e s c h r e i b u n g der 11 schönsten U-Bahnhöfe
1. Haltestelle Westfriedhof U1
ist einer der interessantesten U-Bahnhöfe Münchens: Gekennzeichnet ist er durch imposante Außenwände, die in Form von gefrästen Schlitzwandelementen entstanden sind. Ihre grobe Oberflächenstruktur ist der Negativabdruck des Baugrundes, der die Wand bei ihrer Herstellung noch umgeben hat. Das Beleuchtungskonzept von Ingo Maurer gehört zur Grundidee. Es ist nicht flächig angelegt, sondern durch räumliche Strukturierung gekennzeichnet. Überdimensionale, nach unten geöffnete Lampenschirme, innen in verschiedenen Farbtönen beschichtet, lassen den mit hellgrauem Granit belegten Bahnsteig erstrahlen, während der nach oben hin weit ausladende Raum in gedämpftem blauen Licht erscheint, was den Charakter dieser überirdischen Halle unterstreicht.
2. Haltestelle Georg-Brauchle-Ring U1
ist der erste einer neuen Generation von "Kunstbahnhöfen". Die Konzeption dafür entstand innerhalb von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm der Landeshauptstadt München. Hier formte der Künstler Franz Ackermann aus 400 Metalltafeln "Die große Reise", zwei riesige Farbrasterwände. Die Wände leuchten in Gelb, Blau, Grün und Rot. 135kg wiegt jedes der Rechtecke, fast 30 Tonnen trägt jede Wand. In der sieben Meter hohen Bahnsteighalle öffnet sich ein stützenloser und geradliniger Raum. Ackermanns Farbstakkato korrespondiert mit den Steinplatten des Bahnsteigs.
3. Haltestelle Königsplatz U2
Die 1980 eröffneten U-Bahnhöfe zwischen Scheidplatz und Neuperlach-Süd gleichen sich in der Gestaltung stark, in Anlehnung an die U6 wurde hier dasselbe Grundkonzept für fast an alle Bahnhöfe verwendet. Lediglich die Farbgebung und die Art der Zugangsanlagen unterscheidet die meisten Bahnhöfe. Hervorzuheben ist auf dieser Strecke der Bahnhof Königsplatz, hier wurden Repliken und Faksimiles der auf dem darüber liegenden Kunstareal ausgestellten Kunstwerke direkt auf dem Bahnsteig und an den Hintergleiswänden plaziert. Unter dem Bahnsteig befindet sich seit 1991 die Ausstellung der Lenbachgalerie.
4. Haltestelle am Candidplatz - U1
Der bunt gestaltete Bahnhof ist durch eine prägnante Besonderheit gekennzeichnet: Seine Decke ist nicht eine ebene Fläche, sondern eine "hutartig" profilierte Konstruktion. Sie dient zugleich als Auflagefläche für einen großen Hauptwasserkanal. Zusätzliche Struktur erhält der Raum durch eine Reihe von Stützen, die aus statischen Gründen erforderlich sind. Um die zahlreichen längs verlaufenden Kanten der Decke optisch aufzulösen, wurde die gesamte Bahnsteighalle in regenbogenartigem Verlauf des Farbspektrums bemalt. Seitlich des Unterzugs sind leicht abhängende Glastafeln angebracht, deren mattierte Oberflächen die Blendwirkung der Leuchtstoffröhren verringern. Die Stützverkleidungen sind ebenfalls in mattiertem Glas ausgeführt.
5. Haltestelle Dülferstrasse U2
Der von Ricarda Dietz farbenfroh gestaltete Bahnhof zeigt eine ungewöhnliche Raumstruktur: Die Zugänge sind konzentriert auf den westlichen Teil mit unterirdischem Zwischengeschoss in Form einer begehbaren Galerie. Zwei Lichtöffnungen in der Decke und ein Durchbruch über dem Bahnsteig beleben das Bauwerk. Nach Osten hin erweitert sich der Raum über dem Bahnsteig zu einer großzügig bemessenen Halle, die mit ihrer gewölbten Decke und hohen Mittelstützen ein Gefühl von Freiheit vermitteln soll. Farbige Glasverkleidungen an den Außenwänden und senkrecht gegliederte Farbstreifen sorgen für eine heitere Atmosphäre.
6. Haltestelle Marienplatz U3/U6
Aus der Gestaltung der Bahnhöfe sticht der zentrale Umsteigebahnhof am Marienplatz heraus. Der Bahnhof ist der am stärksten frequentierte im gesamten U-Bahnnetz. Das Architektenbüro Alexander Freiherr von Branca gestaltete ihn in kräftigem Orange, Dunkelblau und Dunkelgrün. Auch am Bahnhofsumbau in den Jahren 2003-2006 zeichnete ich von Branca verantwortlich, behutsam wurden neue Bahnhofsteile ins bestehende Konzept integriert. Zwischen 2003 und 2006 wurden neben den Bahnsteigen zwei etwa 100m lange Tunnel gegraben, die durch 11 Mauerdurchbrüche galerieartig mit dem bisherigen Bahnsteig verbunden sind. Nach Fertigstellung der zweien S-Bahn-Stammstrecke sollen sie am nördlichen Ende in einen neuen S-Bahnhof Marienhof münden.
7. Haltestelle Lehel U4/U5
Wie auch der Odeonsplatz ist auch der Bahnhof Lehel ein bergmännisch ausgefahrener Bahnhof mit zwei Einzelröhren, die durch Querschläge verbunden sind. Die Strecke unterquert die Isar, um im dreigleisigen Verzweigungsbahnhof Max-Weber-Platz beim Bayerischen Landtag die gemeinsame U4/U5 Strecke wieder zu verlassen. Das Lehel hat sich vom ärmlichen Vorstadtviertel zum Zentrum vieler Sightseeing -Touren entwickelt. Die "Museumsmeile" entlang der Prinzregentenstraße und die Maximilianstrasse sind beliebte Touristen-Ziele.
8. Haltestelle Großhadern U6
Beherrschendes Motiv des Bahnhofs ist das Zusammenspiel von Deckenkonstruktion und Wandgestaltung. Die rohe Betonstruktur des Bauwerks wird hier als "Farbträger" für ein raumfüllendes Gemälde genutzt, das in stilisierter Form die geologischen Schichten des Baugrundes darstellt. Die in Grau- und Brauntönen gehaltenen Farbflächen setzen sich auch in der Bauwerksdecke fort. Zwei von den Bahnsteigstützen nach außen gekrümmte Schirmflächen aus Aluminium sind hier als zentrale Elemente eines indirekten Beleuchtungssystem installiert.
9. Haltestelle St.-Quirin-Platz
Die Station ist architektonisch einzigartig. Hier wurde die Hangkante in die Bahnhofgestaltung aufgenommen und mit einer aufwändiger Dachkonstruktion überspannt. Als Fahrgast kann man sogar einen kurzen Blick "nach draußen" werfen. Die Bahnsteighalle wird geprägt durch eine weite, geschwungene Öffnung in der Decke, die sich in der südwestlichen Seitenwand fortsetzt und durch eine muschelförmige Glaskuppel überdacht ist. Die beidseits des Mittelstücks liegenden Bereiche der Bahnsteighalle erhalten ihre großzügige Raumwirkung durch mattiert reflektierende Deckenpaneele. Die rauhe Oberflächenstruktur der Außenwände bleibt unverhüllt sichtbar und zeigt eindrucksvoll die säulenartige Konstruktion von überschnitten angeordneten Bohrpfählen. Der für den Bahnhof charakteristische blaue Farbton kommt in der Schalterhallenwandverkleidung und in der Unterschicht der großen Deckenöffnung des dortigen Treppenabganges zum Bahnsteig zur Geltung.
10. Haltestelle Hasenbergl U2
In diesem Bahnhof sind Sperrengeschosse und Bahnsteighalle lediglich durch Treppenanlagen und verglaste Galerien voneinander getrennt, ansonsten aber zu einer kontinuierlichen Einheit zusammengefasst. Freie Durchblicke, gradlinige Raumstrukturen ohne Stützen und dunkle Ecken ergeben ein besonders übersichtliches Bauwerk. Auffälligstes Gestaltungselement ist das blattförmige Deckensegel aus perlmuttartigen Blechpaneelen vor nachtblauem Hintergrund über dem Bahnsteig. Parallel dazu verlaufen unterhalb dieser Konstruktion angeordnete Lichtelemente, wodurch die Decke wie ein großer Reflektor wirkt und so zur optimierten Ausleuchtung beiträgt. Die Seitenwände der Bahnsteighalle bestechen durch ungewöhnliche Spiegelungs- und Lichteffekte des hier verwendeten Materials - Glaspaneele mi Glasgespinst in Edelstahlrahmen - an den Wänden. Als Kontrast hierzu erscheint der Bodenbelag aus großformatigen Steinplatten in geometrischer Verlegeart. Alle übrigen Flächen sind in dezentem Dunkelblau gehalten.
11. Haltestelle Messestadt West U2
Die vom Rohbau bestimmte Raumstruktur des ersten Messebahnhofs ist gekennzeichnet durch eine hohe, stützenfreie und damit sehr übersichtliche Bahnsteighalle, in die am Ostkopf ein weitläufiges Sperrengeschoss mit Ausgang zur Messe integriert ist. Zusätzlich reizvolle Lichteffekte ergeben sich durch neun kreisrunde, mit befahrbarem Glas versehene Öffnungen in der Bauwerksdecke. Die eigentliche Bahnhofbeleuchtung entspricht einem auf reine Zweckmässigkeit und Funktionalität reduzierten Konzept: zwei längslaufende, doppelreihige Lichtbänder über den Bahnsteigkanten sind relativ hoch angeordnet, um nicht nur den Bahnsteig zu beleuchten, sondern auch einen Teil der Seitenwände zur Geltung kommen zu lassen; ihre Behandlung mit unterschiedlich lasierendem Farbauftrag zeigt einerseits das Prinzip des veredelten Rohbaus in seiner klarsten Form, verfolgt aber andererseits auch noch eine weitere Absicht: Durch die Einfärbung in abgestuften Rottönen werden die inneren Strukturen des Betons hervorgehoben und ihre unterschiedlichen Körnungen mit Poren und Schlieren optisch verstärkt. Bei der Wandgestaltung wurden, passend zum Thema Messe, handwerkliche Vorgänge dokumentiert. Eine breite Freitreppe nach Süden führt nach Neu-Riem, während der gegenüberliegende Ausgang den Weg zum Haupteingang der Neuen Messe eröffnet.
Quelle: Öffentliche Informationen des MVG