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NATUR

65 Beiträge

Beitragvon Gast » 31.08.2010, 9:55

Hallo,
Die Natur braucht den Menschen nicht, deshalb möchte ich hier einmal die Frage aufwerfen ob der Mensch die Natur braucht?
Unsere Kinder kennen die Natur meistens nur aus zweiter (virtueller) Hand und glauben die Kühe sind Lila und die Milch kommt aus Tetrapaks.
Und wenn Natur überlebenswichtig für den Menschen sein sollte, warum zerstört er sie in großem Stil? Der Politik scheint die Natur völlig egal zu sein, sonst würde nicht wieder über eine Laufzeitverlängerung der Atommeiler diskutiert werden. Hier werden Wirtschaftsinteressen vor die Natur gestellt .
Grüße
Werner
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Beitragvon FagusW » 31.08.2010, 14:31

Hallo Werner,
das ist ein interessantes Thema, auch und gerade weil Du es unter "Philosophie" einstellst.
Und da frag ich gleich mal, zum Anfang:

Was ist das eigentlich - "Natur?"

Ich frag nicht nur, weil praktisch jedermann und -frau sehr eigene Vorstellungen hat,
sondern auch, weil es nur ganz wenige Definitionen gibt.
Nicht einmal im Naturschutzrecht, obwohl Juristen ansonsten alles und jedes definieren.

Also: was ist Natur :?:
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Beitragvon institoris » 31.08.2010, 19:06

Schwindeggerbua hat geschrieben:Hallo,
Die Natur braucht den Menschen nicht, deshalb möchte ich hier einmal die Frage aufwerfen ob der Mensch die Natur braucht?
...

Jeder einzelne Mensch braucht Sauerstoff, Wasser und organische Stoffe zur Ernährung.
Um die zu bekommen, ist er auf Organismen angewiesen und deren Bedarf muss auch gedeckt werden.
Dazu kommen noch einige Mineralien und Bakterien.
So ein Ökosystem kann man sich als großes Gewächshaus mit Bewohnern vorstellen.
Es gab auch Versuche damit, um zu ermitteln, wie die Größenverhältnisse der Komponenten sein müssen, um z.B. Raumschiffe danach planen zu können.
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Beitragvon Rangie » 31.08.2010, 21:43

Auch ich bin ein Teil der Natur.
Auch wenn das einige anders sehen :wink:
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Beitragvon Gast » 01.09.2010, 9:43

Natur ist das Ursprüngliche, Echte, Gute, Richtige.

Gestern bekam ich von meiner Freundin Äpfel aus den Garten geschenkt, so aromatisch, saftig, lecker, wie ich lange keine mehr gegessen habe.
Eine unverfälschte, natürliche Kostbarkeit.


NATUR

Wie paradieren wir mit unserer Wissenschaft, und wie ist sie doch um Armeslängen von ihren Gegenständen entfernt! Unsere Botanik weiss von Namen, aber nicht von Kräften. Dichter und Romanschreiber sprechen von der Schönheit und Heilkraft der Pflanzen, aber was weiss der Botaniker von der Fähigkeit seiner Kräuter? Der Geologe legt die Gesteinsschichten bloss und kann sie alle an den Fingern herzählen; aber was weiss er von der Wirkung, die sie auf den Menschen ausüben, der aus ihnen sein Haus baut? 'Von ihrer Wirkung auf ein Volk, das auf einer Granitschicht lebt, auf Mergelboden oder auf Marschland?
Wir würden mit ganz anderen Gefühlen zu den Ornithologen in die Schule gehen, wenn sie uns lehren könnten, was die geselligen Vögel sagen, wenn sie in ihrer Herbstversammlung sitzen und zusammen auf den Bäumen plaudern. Der Mangel an Fähigkeit des Mitfühlens macht aus den Abhandlungen der Gelehrten langweilige Wörterbücher. Das Ergebnis ist ein toter Vogel. Wenn ein Schuljunge die Muscheln am Strande oder die Blumen auf der Wiese ansieht, so hat er, obgleich er sie nicht beim Namen nennen kann, richtigere Vorstellungen von ihnen als der Mann der Wissenschaft, der stolz darauf ist, ihre Nomenklatur zu kennen.
Was für eine Art von Menschen schafft die Wissenschaft?
Der Junge fühlt sich nicht von diesen Leuten angezogen. Er sagt: Eine solche Art Mensch wie mein Professor möchte ich nicht sein.
Der Sammler hat alle Pflanzen in seinem Herbarium getrocknet, aber er hat dabei an Körpergewicht und Humor verloren. Er hat alle Schlangen und Eidechsen in seine Phiolen gebracht, aber die Wissenschaft hat es mit ihm geradeso gemacht und hat ihn in eine Flasche gesteckt.

Ralph Waldo Emerson

:D
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Beitragvon Gast » 01.09.2010, 10:01

Hallo Renate 7,
Ein wunderschöner Beitrag, dein Text von Ralp Waldo Emmerson, ich denke seine Aussage kommt meinem Verständnis von Natur sehr nahe. Das Ganze hinter der Natur zu sehen ist nur wenigen vergönnt, statt dessen zerschneiden wir Blätter, Pflanzen und Tiere stecken sie in Reagenzgläser forschen und zersplittern in diesen Forschungen wie die Mandelbrot Figuren und man sieht nicht mehr das ganze der Natur. Die Sicht aufs Ganze geht in den aufgesplitterten Forschungen langsam verloren.
Walter (FagusW) ich hoffe dies genügt dir zum Verständnis wie ich die Natur sehe. Es stimmt, daß Natur immer abhängig von der Sichtweise und dem Verständnis des Einzelnen ist.
Grüße
Werner
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Beitragvon Tarantel60 » 01.09.2010, 10:27

" Alle wollen zurück zu Natur, nur nicht zu Fuß."
So oder ähnlich lautete schon in den 70-ern eine von vielen Sprüchen.
Und diese Haltung hat sich bis heute wacker gehalten.

Mir persönlich gefällt das mehr:

"Mal sind die Jahre vergangen, mal sind sie wieder da.
Keine Geschichte erleben wir, sondern nur Elemente vom Ganzen,
die willkürlich hin- und herspringen."

(B. Strauß)


Was sind schon im Schnitt 80 Lebensjahre
gegenüber 14 Milliarden Jahren Erdgeschichte!
Aber hatten wir das nicht schon durch?
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Beitragvon FagusW » 01.09.2010, 15:12

Verständnis kann man nicht durch Bücher lernen, sondern nur durch gefühlte Erfahrung.
Bei der Natur ist das nicht anders.

Unzählige Menschen haben schon versucht, ihr durch Erleben erworbenes Verständnis in Worte zu fassen, um es an andere weiterzugeben.
Aber Worte, insbesondere gedruckte, wirken oft trocken.
Es ist wohlfeil, der Wissenschaft ihre Nüchternheit vorzuwerfen.
Wäre Poesie ein besserer Weg zum Naturverständnis? Ich zweifle daran.
Nur durch nüchterne Betrachtung gelingt es, die Klischeebilder vom bösen Wolf und dem guten Schaf abzustreifen. Das ist aber notwendig, denn sie verstellen unseren Blick auf Natur, so wie sie ist - und nicht wie sie war, bereits zu Zeiten der Gebrüder Grimm Stoff für Märchen und nicht für Tatsachen.

Ihr alle wisst, was eine Rose ist, aber, Hand aufs Herz: woran erkennt Ihr sie?
Warum (und vor allem: wie?) kann man auf den ersten Blick einen Hund von einer Katze unterscheiden?
Die Bücher der Gelehrten haben ihre Berechtigung, doch zeigen sie eben nur einen Teil der Wahrheit.
Den anderen (weitaus größeren) Teil muss man erfahren (durchaus wörtlich zu nehmen) und erleben. Das ist wie Erlernen einer Fremdsprache: irgendwann kommt man an den Punkt, wo die vielen einzelnen Vokabeln sich zu einem Ganzen zusammenfügen und "die Sprache" bilden.
Und so ist das auch mit der Natur. Irgendwann fühlt man sie "als Ganzes".

Trotzdem nochmal meine Frage: was ist Natur?
Der Rasen? Der Garten? Ein Rapsfeld? Ein Wald?
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Beitragvon Tarantel60 » 01.09.2010, 15:35

Also ich denke, Natur ist alles, was nicht von Menschlicher Willkür
verändert wurde. Quasi "wie Gott es schuf".
Oder man sagt auch "Natur Pur" = unverändert, oder die unberührte N.

Und die Literatur ist eher was für Herz - Emotion.
Hingegen die (Natur)Wissenschaft mehr für Knallharte Fakten zuständig, odrr?
Aber beide haben ihre Berechtigung, wie ich finde.
Auch wenn sie nicht gleich stark vertreten sind.
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Beitragvon Thule01 » 01.09.2010, 19:36

Natur ist all das Wunderbare um uns herum, entstanden in Milliarden Jahren durch die Evolution. Ein Gott war dabei weder nötig noch gar beteiligt.
Ich bin täglich in der Natur, bin dabei voller Glück und Ehrfurcht, dass mir all diese Herrlichkeiten geschenkt wurden, und dass ich dies mit allen Sinnen genießen kann. Dass ich dabei eine Buche von einer Eiche unterscheiden kann, und etwas über diese Bäume weiß, stört meine Lebensfreude absolut nicht.
Wenn ich den Text von Ralph Waldo Emerson lese, frage ich mich, in welchem Jahrhundert und in welchem Land dieser Herr gelebt hat.
Das kommt mir vor, wie jemand, der ein Bild von Vincent betrachtet, und dabei nur an die Texte in einem Lehrbuch über die Grundlagen der Ölmalerei denkt.
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Beitragvon Gast » 01.09.2010, 20:13

ich gehe hinaus in die natur und tanke energie.

natur bedeutet für mich wald, feld, garten, tiere menschen, insekten und all das was mich umgibt, wenn ich z.b. auf einen berg gehe.
organische und anorganische substanzen, wie auch die steine gehören dazu!
der bach, das wasser, das den bach hinunterrinnt, denn ohne wasser kein leben, die luft nicht zu vergessen, sauerstoff, CO2, wir brauchen den O2 die pflanze produziert ihn und verarbeitet CO2.
usw.usf.
leben von pflanzen und tieren und der gesamte verbund dessen ist für mich natur.

wissenschaft o.k.
es muss auch jemanden geben der die blätter zählt und der untersucht, warum die tomate so schmeckt wie sie schmeckt oder, oder,oder...
aber die erfahrung der natur, speziell auch beim pflanzen ist einzigartig schön.
leben und arbeiten in der natur und mit der natur, eins zu sein damit, das ist es, was für mich die natur ausmacht.
die schönheit der natur genießen, blumen, wasserrauschen, sonnenuntergänge usw.usf.

"wenn ein blatt sich bewegt, so vernehmen wir es nicht,
sondern wir hören das rauschen des baumes!!!"

zitat einer vortragenden in meiner ausbildung zur DGKS, vor 40 jahren!
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Beitragvon FagusW » 01.09.2010, 20:20

Es gibt die unbelebte und die belebte Natur,
die unberührte (Preisfrage: wo??) und die vom Menschen beeinflusste Natur,
die als wunderbar empfundene und die nüchtern (manchmal sogar: feindlich) erlebte Natur...
und
und
und

Was mich ja auch fasziniert, ist die Tatsache,
dass Natur immer wieder kommt,
auch wenn der Mensch sich noch so viel Mühe gibt, sie zu entfernen,
die Spinne in der Zimmerecke, die Assel im Keller, die Mücke in der Luft...

und ich unterschreib das nicht, dass der Mensch in der Lage sein soll,
diese wahnwitzige Kraft (und das ist sie) restlos zu zerstören.
Es ist vieles anders als es mal war
und vieles gibt es nicht mehr,
aber es entsteht laufend Neues.
Natur - das ist auch der Zahn der Zeit,
und den kann keiner auf Dauer hindern.
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Beitragvon Gast » 01.09.2010, 20:52

Nachdem ich eure Beiträge durchgelesen habe, stelle ich für mich fest
Natur ist Veränderung - ein Vergehen und Auferstehen - das Stärkere überlebt.

Wie sagt Eckhart von Hirschhausen bereits:
wir stammen nicht von den Schöngeistern ab, sondern von den Mördern.

Auch wenn wir Kultur um uns herum haben, liegt im Stammhirn das Krokodil auf der Lauer :twisted:
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Beitragvon Tarantel60 » 01.09.2010, 22:17

ja das mag auch dadurch zum Ausdruck kommen,
dass wiederum der Mensch auf die Krokodile lauert.
Es soll so eine Kroko-Leder-Tasche ein Vermögen kosten, nicht wahr.
Und so lauert irgend wer immer, auf irgend etwas...
.... sei es eine arme kleine Spinne, die man nur zertreten möchte (am liebsten)
Nicht wahr - Walter ;)
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Beitragvon Gast » 02.09.2010, 11:22

Hallo Walter,
Ich denke wir sehen die Natur nicht mehr, hinter den Worten, Büchern und Bildern unseres Gedächtnisses, wer davon unbeeinflusst auf die Natur schauen kann, der sieht wie die Natur wirklich ist, aber wer kann das heute noch.
Grüße
Werner
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