"Seit Jahren predigen Ernährungswissenschaftler die Vorteile mediterraner Kost. Besonders Olivenöl gilt als gesundheitsfördernd und kann nach allgemeiner Annahme wirksam zur Senkung des Cholesterinspiegels und damit der Verhinderung eines Herzinfarktes beitragen."
""Zwar lässt sich ein Zusammenhang zwischen mediterraner Kost und geringerer Herzinfarktrate statistisch eindeutig nachweisen", so Krieglstein, "doch zu mediterraner Kost gehören viele verschiedene Komponenten." Dass es ausgerechnet das Olivenöl ist, das so gesundheitsfördernd wirkt, sei niemals nachgewiesen worden."
Meine Anmerkung: Die mediterrane Kost schließt auch viel Fisch und Walnüsse ein, die an Omega-3-Fette reich sind, während es in Olivenöl keine Omega-3 und wenig Omega-6-Fette gibt (Omega-3 und Omega-6 sind die essentiellen Fette, also die Fette, die von unserem Körper nicht produziert, sondern nur mit Nahrung eingeführt werden können). Außerdem viel Gemüse und Obst, die fürs Herz und Blutgefäße nachgewiesen gut sind. Also, die deutschen Wissenschaftler stellten sich die Aufgabe zu prüfen, wie die Komponenten von Olivenöl auf die Blutgefäße wirken.
"Im Olivenöl findet man durchschnittlich 72 % Ölsäure, 7,9 % Linolsäure, 11 % Palmitinsäure, 2,2 % Stearinsäure und 5 % Palmitoleinsäure." Linolsäure ist Omega-6-Fett; die letzten drei Fettsäuren gehören zu gesättigten Fetten, vor zuviel von denen gewarnt wird. Also, die Wirkung von Ölsäure wurde geprüft. Viel Ölsäure gibt es in Oliven- und Rapsöl.
"Was war untersucht worden?
Der Pharmakologe Prof. Krieglstein und seine Kollegin Prof. Klumpp von der Universität Münster hatten nach Laboruntersuchungen den Verdacht geäußert, dass die im Olivenöl enthaltene Ölsäure die Entstehung von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) fördern könnte. Genauer gesagt würden einfach ungesättigte Fettsäuren - aus denen Olivenöl zu 77% besteht - in hohen Konzentrationen die Aktivität eines Enzyms (Proteinphosphatase Typ 2C) massiv steigern, welches Zellen des Endothels (der Gefäßinnenwand) in die Apoptose ("programmierter Zelltod") treibt. Die Gefäßwand werde durchlässiger für Fettpartikel und weiße Blutkörperchen, die Bildung arteriosklerotischer Plaques nehme zu. "Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben", meint Krieglstein.
Experten der Deutschen Herzstiftung winken ab
"Reagenzglas-Studien lassen normale biologische Prozesse wie Verdauung und Stoffwechsel unberücksichtigt, weshalb sie generell keine wissenschaftlichen Beweise für Beziehungen zwischen einer Substanz und einem Erkrankungsrisiko liefern können", urteilt Prof. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt im Herz-Zentrum Bad Krozingen. "Deshalb kann man aus Reaktionen im Reagenzglas auch keine Ernährungsempfehlungen ableiten."
Der Tierversuch erbrachte zwiespältiges
Die Marburger Forscher hatten jedoch den Reagenzglas-Experimenten einen Tierversuch folgen lassen. Meerschweinchen, die vier Monate lang mit einer ölsäurereichen Kost gefüttert wurden, zeigten dabei zwar keine gesteigerte Plaquebildung. Aber die Tiere hatten nach der Olsäure-Diät im Vergleich zur Kontrollgruppe kleinere und leichtere Herzen und geschädigte Herzmuskelzellen."
Das wurde auch abgewinkt. Es hieß: Die sollten doch die Meerschweinchen auch mit viel Fisch und viel Gemüse und auch was sonst zu mediterraner Küche gehört füttern, dann würden sie merken, dass die Ölsäure auch für die Meerschweinchen gesund ist.
Fazit (von den Forschern, nicht von denen, die Olivenöl anpreisen):
"Die landläufige Meinung, dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden. Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben."
"Die Wissenschaftler interessierte in diesem Zusammenhang natürlich auch die Wirkung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Die anti-arteriosklerotische Wirkung von so genannten Omega-3-Fettsäuren, wie sie in Fischöl vorkommen, ist vielfach nachgewiesen." Sie fanden, dass die Omega-3-Fettsäure die Gefäße schützt, während die Omega-6-Fettsäure in hohen Konzentrationen die Gefäße schädigt, aber solche hohe Konzentrationen sind im Körper unmöglich; und in niedrigen Konzentrationen, die im Körper möglich sind, Omega-6 die Gefäße schützt. "Dagegen konnte für Ölsäure und andere einfach ungesättigte Fettsäuren kein derartiger protektiver Effekt bei niedrigen Konzentrationen festgestellt werden."
Die prüften auch die gesättigten Fettsäuren, und sieh mal: "Gesättigte Fettsäuren heben die schädigende Wirkung der einfach ungesättigten Fettsäuren teilweise wieder auf. Krieglstein und Klumpp raten zu einer ausbalancierten Zusammensetzung der Ernährung aus ungesättigten Fettsäuren, die eher in flüssigen Fetten, und gesättigten Fettsäuren, die eher in festen Fetten wie Butter zu finden sind."
Zum Vergleich: Das herkömmliche Sonnenblumenöl enthält ähnlich wie Distelöl 48 bis 74% Linolsäure (Omega-6). Bei High-Oleic-Sonnenblumen (HO-Sonnenblumen) wurde durch konventionelle Züchtung der Anteil von Ölsäure auf 70-92% erhöht und der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren auf ca. 10% gesenkt. High-Oleic-Sonnenblumenöl hat damit eine ähnliche Zusammensetzung wie Olivenöl. Dadurch soll eine höhere Hitzestabilität gewährleistet werden. Deswegen wird High-Oleic-Sonnenblumenöl zum Fritieren benutzt. Logisch wäre es also, auch Oliven- und Rapsöl hauptsächlich zum Fritieren zu verwenden, und für Salate das herkömmliche Sonnenblumenöl (mit viel Omega-6) und Leinöl (mit viel Omega-3) zu nehmen.
Die Quellen:
1) http://gesuender-abnehmen.com/abnehmen/ ... erose.html
2) http://www.diabetes-news.de/news/nachri ... faesse.htm
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