Juli 2008
Max,die Schildkröte.
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Max ist eine griechische Landschildkröte (lt. Wikipedia gehört er zu den Halsberger Schildkröten(Cryptodira)).Die Landschildkröten /Testudinidae/ sind davon eine Unterart..Diese Schildkröten tauchten vor ca 180 Mill Jahren auf.
Weiteres ist unter Wikipedia/ Schildkröten nachzulesen).-
Max ist ein Männchen und lebt seit über 40 Jahren frei in unserem Garten.
Wir haben Max bei einem Zoo-Händler in Marl gekauft.Ursprünglich war es ein Pärchen .Damals wurde uns gesagt,dass diese Tiere vor dem Frost zu schützen seien und nach Entleerung des Darmes frostfrei in einer Kiste im Keller aufzubewahren sind. Bei dieser Prozedur ist Karline leider verstorben. Max ist diesem Schicksal entgangen,denn er hatte sich genau zu dem Zeitpunkt des Frosteintrittes eingegraben. und ich habe den Platz an dem besagten Abend gesehen .Ich muss heute gestehen ich wollte ihn ausbuddeln und zum Überwintern in den Keller bringen..Aber das Tier war zu diesem Zeitpunkt schon so tief in das Erdreich eingedrungen, so dass ich gerade noch bei ausgestrecktem Arm mit den Fingerspitzen den Panzer berühren konnte. Ich habe das Erdreich wieder aufgefüllt. Hoffnung auf sein Überleben hatten wir nicht.-
Dann kam das Frühjahr.und ungläubig sahen wir den kleinen Erdhügel, der vom Tag zu Tag grösser wurde. Und als er so gross wie ein Maulwurfshügel war,sahen wir erstmals den Panzer der Schildkröte.Max hatte den Winter heil überstanden.Noch verschwand er wieder in der Erde,wenn tiefere Temperaturen zu erwarten waren .Damals für uns ein Wunder. Und seither in jedem Jahr ein Zeichen des nahenden Frühlings.Und in jedem Frühjahr werde ich seither gefragt:Kann man den Max schon sehen? Was macht der Max?-
Max ist ein guter Wetterprohet. Wird es nachts kühl gräbt sich Max ein.Je nach zu erwartenden Temperaturabfall
so tief bis alle Öffnungen des Panzers von Erde bedeckt sind.. Max Verhalten kann man für kurzfristige ,lokale Wetterprognosen benutzen.Besonders zu den Eisheiligen und im Spätherbst interessant.Ich weiss keine Ereignis bei dem sich Max geirrt hat.Das ist erstaunlich ! -
Soweit ich es beurteilen kann ist Max in dieser langen Zeit bei uns nicht merklich grösser geworden. Seine augenblicklichen Masse sind:
Länge des Panzers:18 cm Breite des Panzers:13cm Höhe des Panzers:8 cm Gewicht:1,4 kg
Hier sollen weitere Beobachtungen und die Deutungen seiner Eigenarten beschrieben werden. Weiter erhoffe ich Aufklärung über unerklärtes Verhaltensmuster.Meine Verhaltensdeutungen müssen nicht unbedingt richtig sein .-
Zunächst verhält sich Max wie die anderen Tiere seiner Gattung:Aber im Verlaufe der Zeit konnte ich einige Eigenarten erkennen.Dazu gehören das aufgeregte Auf- und Ablaufen am Zaun des Grundstückes,meist in ost-westlicher Richtung vor einem Gewitter. Steht dann das Gewitter kurz bevor,so verktiecht sich Max .
Deutungsversuch: Das Tier spürte den kommenden Wetterumschwung.(Tsunami-Verhalten von Schildkröten?) Ich tippe auf die Gefahr von heftigen Regenfällen.Max wollte vielleicht durch seine Mobiltät einen höheren Standort erreichen.Das war aber durch die Einzäunung des Gartens nicht möglich.Im Endeffekt ergab er sich in seinem Schicksal.-Ist es denkbar,dass in diesem Verhalten eine Prägung aus früheren Notwendigkeiten(also lange vor der Zeit hier in Marl) zum Ausdruck kommt. Seit einigen Jahren kann ich dieses Verhalten jedoch nicht mehr beobachten (Instinkt-Überlagerung?).-
Erfolgte das Gewitter,so hatte sich Max zu diesem Zeitpunkt entweder an der Oberfläche verkrochen(das bedeutete zwar Regen ,aber keinen Temperatursturz) oder er hat sich bei stärkeren Temperaturabfall mehr oder weniger tief eingebuddelt.. Hier konnte ich zuerst ein Vorausahnen der zu erwartenden Temperatur durch das Tier feststellen.-
Im Frühjahr(so Ende April/Mai ) kommt es vor dass Max stundenlang an den Scheiben des Wintergartens entlang läuft.Diese Scheiben enden ca. 6 cm über der dem Boden,so dass es möglich erscheint,dass Max sein Spiegelbild sieht.Das Spiegelbild könnte er als einen Artgenossen betrachten.Ich weiss es aber nicht genau.. Unermüdlich geht er die 7 Meter auf und ab.Dabei stösst er mit dem Panzer immer wieder an den Rahmen und erzeugt dadurch ein dumpfes Geräusch .Dierses Verhalten tritt manchmal auch später auf,aber nicht regelmässig.- Ist die Terrassentür zum Wintergarten geöffnet und Max findet den Eingang, so ist bei jedem dieser Besuche die Erregung des Tieres zu bemerken.Es erfolgt fast immer eine Darmentleerung.!-
Zu gleicher Zeit ist ein Boxen an allen möglichen Gegenständen zu beobachten. Dabei zieht er den Kopf ein und stösst sich mit den Beinen ab,die Masse seines Körpers als Rammbock benutzend.Die Gegenstände seines Angriffes können vielfältig sein. Als Objekte seines " Angriffs" habe ich bisher beobachen können:( dahinter schreibe ich die Form und die Farbe) Besen(.blau ,Borsten schwarz), gefüllte Abfallsäcke(Farbe stahlgrau), meine nicht benutzten Gummistiefel(Farbe grau) ,diese wurden nicht nur geboxt ,sondern er versuchte auch zu beissen, Blumentöpfe ( schwarz und grau), Rasenmäher ( grün),.Holzklötze müssen schon eine gewisse Grösse haben,um Gegenstand seiner Energie zu sein. Bestimmt sind noch weitere Objekte seiner Arbeit zu nennen.Ich breche die Aufzählung ab,weil darin kein Sinn erkennbar ist.Eines muss ich aber noch erwähnen:Gegenstände, bei denen Gummi verwendet worden ist,haben eine besondere Anziehungskraft (Schnuppern,Beissen,Boxen).-
In der Garage boxt er manchmal unermüdlich.Ich höre dann bei geöffneter Tür ein rhythmisches Klopfen und dann weiss ich genau wo Max ist. Allerdings ist das Boxen nicht so effizient, weil er mit seinen Füssen auf dem glatten Garagenboden abrutscht.Das aber scheint ihn nicht zu stören.-
Wenn ich Rasen mähe ist Max auch fast immer dabei. Ich muss aufpassen.Manchmal versucht er in das Kabel zu beissen. Ich weiss nicht ob er es durchbeissen könnte.Ich will es aber lieber nicht darauf ankommen lassen.-
Wie überhaupt meine Gartenarbeit bei sonnigen oder warmen Wetter immer von Max fast hautnah begleitet wird. Dies ist genau genommen die Ursache,weshalb ich die Eigenarten der Schildkröte schildere. Verhaltensmässig sind verschiedene Deutungen möglich. Ich habe bisher noch keine Eindeutigkeit beobachten können. Ich kann keinen Spieltrieb erkennen,ich kann überhaupt noch keine Ursache für dieses doch eigenartige Verhalten sehen.. Ich habe versucht , diese Eigenart als Futterverlangen zu deuten-negativ. Als einziges könnte mein zartes Streicheln über den vorderen Bereich seines Panzers eine beruhigende Wirkung haben.Da aber bin ich mir auch nicht ganz sicher.-
Wenn ich kniend im Garten Unkraut zupfe,dauert es gar nicht lange und Max hat mich entdeckt.Max kommt mit einer für Schildkröten grossen Geschwindigkeit auf mich zu. Habe ich dabei Sandalen an(Gummisohle!) ,so kommt es vor,dass er mich in irgend einen Zeh beisst.Es ist mehr ein zwicken. Ich erschrecke ,weil es unvermutet geschieht.-
Also zieh ich Gummistiefel an.Nun schnuppert er daran,und beisst dann in den Stoff meiner Hose.Er versucht etwas von dem Stoff herauszureissen.Es gelingt ihm nicht.-
Könnte es sich auch hierbei um eine programmierte Regung aus längst vergangenen Zeiten handeln? -
Wenn ich Max abweise,indem ich z.B. seinen Körper von mir wegdrehe und ihn durch leichtes Klopfen auf den Panzer zum Abmarsch bewege,so geht er vielleicht 1m und dann schlägt er einen Bogen und erreicht mich von der Rückseite..Das Spiel beginnt wieder von vorn..Wenn ich z.B. ein
Pflanzloch für eine Topfpflanze grabe, dann muss der Max unbedingt dabei sein. Immer wo meine Hände sich befinden ist auch Max. Wie kann ich das deuten?.
Bei dieser Gelegenheit etwas zur Anatomie des Kopfes.Diese Schildkrötenart hat keinen Kiefer wie er zum Beispiel in unserem Mund die Zähne trägt.Er hat auch keine Lippen wie wir,sondern da wo unsere Lippen sind, ist eine hornige Substanz, deren Struktur an eine Säge erinnert.Wenn ich das richtig deute sind seine "Zähne" zum Herausreissen von Nahrung und nicht zum Kauen geeignet( Reptilien).-
Und als gute Überleitung zu dem bisher gesagten,könnte die zu beobachtende Nahrungsaufnahme dienen.
Nachdem er seinem Winterquartier entstiegen ist sucht er einige Tage nur den Sonnenschein. Er frisst in dieser Periode nicht.Man sollte hier bedenken,dass zu dieser Jahreszeit der Sonnenstand noch tief ist. Merkwürdigerweise,und auch logisch richtet er seinen Körper fast im rechten Winkel zu den Sonnenstrahlen aus.Diese Körperrichtung hält er auch bei höherem Sonnenstand bei. Ich erwähne nochmals,Schildkröten sind wechselwarme Tiere. Nachts sinkt die Körpertemperatur und damit verringert sich die Geschwindigkeit des Bewegungsablaufes.und ich nehme an,was auch wieder logisch klingt,es verringert sich der gesamte Ablauf der Lebensfunktionen.-
Umgekehrt beschleunigt sich die Lebensfunktion mit zunehmender Energieaufnahme bei Sonneneinstrahlung.
Er benötigt im Frühjahr ungefähr 2 bis 3 Tage bis er sich mehr als 2m von seinem Winterquartier entfernt..Nachts sucht er in dieser Zeit immer wieder seine "Höhle" auf.-
In diesem Jahr habe ich erstmals beobachten können,dass er eine in 1 m Entfernung von der "Höhle" befindlich Staude(die kleine Glockenblume) regelrecht abgeweidet hat .Dieses Gewächs war für ihn auch als Sonnenplatz sehr gut geeignet,denn es wächst am Stamm der Magnolie bis in ca 20 cm Höhe.Es mag sein ,dass diese Nahrungsquelle und die natürliche Neigung rechtwinklig zu den Sonnenstrahlem das jährliche Ereignis der Mobilität beschleunigt hat-
. Wie ernährt sich Max? Wie oben schon angedeutet findet er Nahrung in der Nähe seiner Winterhöhle.Aber die Nahrungspalette ist in einer Vegitationsperiode nicht gleich. Bevorzugt werden junge Tagetespflanzern, Pflanzenteile des Sonnenhutes ,die dickfleischigen Blätter der grossen Fetthenne,die herabgefallenen Blütenstände des Freilandhibiskus um nur eine Auswahl zu nennen . Oftmals verwechselte ich Schneckenfrass mit Nahrung,die von Max angenagt wurde. Jetzt habe ich genauer hingeschaut und kann Frassspuren besser deuten..
Max trinkt nicht. Eines Tages habe ich ihm eine 2 cm lange Wegschnecke vorgehalten Er hat dieses Tier gefressen. Aber bei einem 2.Versuch hat er sich frustriert abgewendet. Das ist nichts für einem Vegetarier ! -
Er bevorzugt saftige Nahrung. Ich füttere zusätzlich: Salatblätter,Kohlrabiblätter, zerschnittene Weinbeeren,saftige Pfirsischscheiben ,Tomatenscheiben (nicht zu dick,sonst kann er sie mit seinem Mund nicht fassen) etc. Wenn er frisst, rupft er die Speise mit seinen Zähnen heraus.Dabei hält er mit einem Vorderbein die Nahrung fest.-
Oft kehrt er zum 2.Mal an die Futterstelle zurück,um nochmals zu essen. Heute konnte ich beobachten,dass er zum dritten Mal an seine temporäre Futterstelle zurückgekehrt ist. Das ist selten..Es ist eine Stelle im Garten,die neben direkter Sonneneinstrahlung auch schattige Plätze bietet.Heute,am 26.7.08 war es sehr warm
(an die 30 Grad C). Max suchte da auch schattige Stellen auf.Das Areal auf dem er sich heute bewegte war ca 4 qm gross.-
Leider ist es mir nicht gelungen ,Max an eine bestimmte Futterstelle zu gewöhnen. Das scheitert nach meiner Meinung an zwei Faktoren.Die Futterstelle ist auch Anziehungspunkt für Vögel und Schnecken . Zum anderen ist sein durch die Aussentemperatur vorgegebene Aktionsradius nicht immer gleich und in dem Garten mit ca 300 qm sind sehr viele Positionen möglich. Daraus kann man folgern ,dass diese Schildkröte kaum Regelmässigkeit erkennen lässt. Im Gegensatz dazu der Positionswechsel bei reifenden Himbeeren bzw.Brombeeren.Max sitzt dann im Bereich dieser Sträucher,die am anderen Ende des Gartens sind und wartet darauf ,dass den Amseln Früchte herabfallen .Diese frisst der Max mit Begeisterung. Verlieren die Vögel das Interesse an dieser Nahrungsquelle,so ist auch Max da nicht mehr zu finden.
Wenn man mit Max umgeht wird man über die Kraft seiner Beine erstaunt sein.Diese Beine graben seinen Körper ein, das ist eine schwere Arbeit.-
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die wunderbare Abstimmung seines Energiehaushaltes hinweisen.Max hat sich nie verausgabt,sondern er hatte immer noch für zwei bis drei Tage Energie als Reserve.Und eine kurze Hungerperiode,z,B. bei kühlem Wetter hat er immer überstanden.
Ich konnte nicht beobachten,dass Max für den Winter sich so etwas Ähnliches wie eine Speckschicht angefressen hat.Mit der im Jahresverlauf sinkenden Temperatur wird auch seine für die Bewegung verwendete Energie geringer.Gleichzeitig wird der Radius zu seiner" Höhle " immer kleiner.Im Verlauf dieser Jahreszeit buddelt er sich je nach zu erwartender Temperatur auch schon einmal etwas ein. Und eines Tages im Herbst ist er dann ganz verschwunden.-
Sehr erstaunlich ist für mich Lokalisationsvermögen dieses Tieres.Max gräbt sich seit 40 Jaheren fast immer an der selben Stelle unter der Magnolie ein. Dieses "Fast immer " beinhaltet eine Schwankungsbreite von maximal 20 cm.
In den letzten Tagen konnte ich an Max eine neue Verhaltensweis feststellen. Max verwendet erstmalig für seinen nächtlichen Wärmehaushalt die Biowärme des Komposthaufens. Dabei überwindet er einen Höhenabbruch bis zu 20 cm. Die Farbe seines Panzers hat sich dadurch verändert von mittleren bis dunklen Ocker zu einem dunklen Braun.Meine bisherige Annahme,dass Max von einer Mindest-Temperatur gesteuert wird, scheint zumindest an diesem Beispiel hier nicht zutreffend zu sein.
Max ist ja nur eine Schildkröte,mögen viele sagen.Für mich ist es ein Wunder wie dieses Lebewesen den gebotenen Lebensraum nutzt. Die Grösse des Kopfes in Verhältnis zum Körper lässt ahnen, welche unerhörte vitale Kraft in diesem Tier steckt. Ein Wunder von unsagbar vielen ,vielen Wundern . Und die Kleinheit seines Hirns leistet für das Lebewesen enorm wichtige Arbeit,über Jahrzehnte hinweg,zuverlässig. Die Natur lässt uns immer wieder staunen.-
Der Kopf der Schildkröte erscheint mir im Verhältnis zum Körper klein. Das Gehirn,das die Schaltzentrale all dieser z.T. komplizierten Lebensvorgänge dient, ist nur ein geringer Teil davon. Man kann zwar von "instinktiven " Verhalten sprechen.Aber für mich ist die Leistung dieser Schaltzentrale umso erstaunlicher, da hier eine wunderbare.Vollendung eines heute gravierendes Problem vorliegt. Der Zeitpunkt dieser
"Konstruktion" ragt aus unserer augenblicklichen Situation weit in die Vergangenheit zurück, Millionen von Jahren. Für uns bedeutet dies in der heutigen Zeit"Wir benötigen dringend weitere Denkanstösse". Das Verhalten dieser Schildkröte könnte dabei eine Rolle spielen.-
Die Natur hat diesem Tier das Haus mit gegeben (Sonst findet das man nur bei einigen Schneckenarten.)Dieses Haus bietet Schutz vor Hitze,Kälte,Fressfeinden und anderen Gewalteinwirkungen,(z.B.Steinschlag!).. Das Haus hüllt den gesamten Körper ein. Kopf und Füsse verschwinden bei Gefahr vollständig. Das Verbergen dieser verletzlichen Körperteile wird schon durch einen Schatten bewirkt.
Ich werde den Max hoffentlich noch einige Jahre begleiten können. Vielleicht gibt es neue Deutungen seines Verhaltens und neue Beobachtungen.-
Jockel512
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