Nicht mehr ganz neu aber immer noch sehenswert:
Shut up and sing - Maul halten und singen!
Nur Musik haben die drei jungen Texanerinnen im Sinn, die sich als „Dixie Chicks“ ab der neunziger Jahren zunehmend in die Herzen der Liebhaber von Country-Musik singen und in kurzer Zeit mit 30 Millionen verkauften CDs in den USA zur erfolgreichsten Frauenband werden.
Auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes brechen sie 2003 zu einer Welt-Tournee auf - just zu dem Zeitpunkt, als die US-Truppen den Irak überfallen. In London, wo sie gastieren, gehen eine Million Menschen gegen den Krieg auf die Straße und die Musikerinnen lassen ihr Publikum wissen, dass sie für das andere Amerika stehen und diesen Krieg ablehnen. Und spontan - fast wie im Scherz - fügt die Lead-Sängerin hinzu: Wir schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt. Tosender Applaus!
Was dann folgt, haben sie im Traum nicht vorhergesehen: In ihrer Heimat beginnt eine Hexenjagd, von sämtlichen Radio-Sendern werden sie auf einen Schlag boykottiert, angestachelt von extrem reaktionären Kreisen und wiederum kolportiert durch sämtliche Medien werden in einer Schmäh-Kampagne ihre CDs öffentlich vernichtet, sie selbst verhöhnt, angefeindet und sogar mit dem Tode bedroht. Im „Land der Freiheit“ wird ihnen ausdrücklich die Freiheit abgesprochen, öffentlich ihre Meinung zu sagen. Aus der gefeierten, erfolgreichen Country-Band werden durch die Macht der Medien über Nacht ungeliebte Schmuddel-Kinder.
All dies wird im Film Dixie-Chicks – Shut up and sing! durch Original-Aufnahmen und Interviews dokumentiert und geht unter die Haut. Aber was den Film erst recht sehenswert macht, ist die einfühlsame und unspektakuläre Dokumentation der Reaktion dieser drei Frauen darauf. Wie sie gemeinsam fertig werden mit ihrer Wut und Enttäuschung, mit der Angst um sich und ihre Angehörigen, wie sie sich dazu durch ringen, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, ihr Recht auf öffentliche Meinungsäußerung nicht der Karriere zu opfern, wie sie zusammenwachsen, und wie ihre Texte und ihr Leben politisch bewußter werden. Dabei strahlen sie Optimismus und Kampfgeist aus, Humor und Wärme – sie sind einfach umwerfend sympathisch. Wie andere junge Frauen auch bekommen sie ihre Kinder, sie organisieren ihr Familienleben um ihre Tourneen herum und trotzen der Macht der Medien im Vertrauen auf ihre eigene Kraft und ihr Publikum. Und sie setzen sich durch! Das Ansehen des Präsidenten Bush in der Bevölkerung sinkt mit den Opfern, die der Krieg dem Volk abverlangt, und als er eingestehen muss, dass die Massenvernichtungswaffen, die als Begründung für den Überfall herhalten mussten, nicht gefunden wurden, schwenken auch die Medien wieder um. Drei Jahre nach dem denkwürdigen Konzert gastieren die Dixie Chicks wieder in London und wiederholen – jetzt im vollen Bewusstsein seiner Bedeutung - den Satz: „Wir schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt!“
Der Film ist so gut untertitelt, dass er auch ohne Englisch-Kenntnisse gut verstanden wird. Wirklich sehenswert!
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