von alisch » 11.05.2011, 3:07
Politik Geschichte Kultur Medien Länder Leute
Impressum
NavigationspfadSie befinden sich hier:
Planet WissenPolitik & GeschichteArchäologieTrojaSchliemann und die Entdeckung TrojasSchliemann und die Entdeckung Trojas
Homers Epos vom trojanischen Krieg hat seit Jahrtausenden die Menschen beschäftigt. Aber wenn an der Sache etwas dran war, wo sollte das geheimnisvolle Troja sein? Erst im 19. Jahrhundert gelang es einem deutschen Kaufmann, der mit Geschäften in Russland und dem kalifornischen Goldrausch in den USA ein Vermögen gemacht hatte, dem Ort Troja auf die Spur zu kommen. Sein Name: Heinrich Schliemann.
Schliemann und die Entdeckung Trojas
Troja - ein archäologisches Puzzle
Literatur & CoEin genialer Geschäftsmann
Heinrich Schliemann ist 46 Jahre alt und bereits ein gemachter Mann, als er im Jahr 1868 eine Bildungsreise auf den Spuren der griechischen Antike unternimmt. Diese führte ihn schließlich an die Westküste Anatoliens, wo er drei Jahre später mit der Ausgrabung Trojas beginnen wird.
Der junge Schliemann muss ein ebenso gerissener wie hochbegabter Geschäftsmann gewesen sein. Er entstammt einer in Mecklenburg ansässigen Pfarrersfamilie, in die er als fünftes Kind hineingeboren wird. Doch sein Vater kann das Geld für den höheren Schulbesuch des begabten Heinrich nicht aufbringen.Schliemann geht bei einem Kaufmann in die Lehre und beginnt seine Karriere als Geschäftsmann. In Russland erzielt Schliemann enorme Gewinne durch den Handel mit dem Farbstoff Indigo und des für die Herstellung von Pulver benötigten Salpeters. In Kalifornien wird er Jahre später sein Vermögen in den ungestümen Zeiten des Goldrauschs vervielfachen.
Schliemann, inzwischen mehrfacher Millionär, kann sich nun auf ausgedehnten Reisen seinem immerwährenden Bildungshunger widmen und ausgiebig die leidenschaftlich geliebten Studien der Antike betreiben. Schliemann klammert sich an Homer: Er ist überzeugt, durch die geographischen Angaben in den Epen die längst in Vergessenheit geratene Stadt lokalisieren zu können. Schliemann sollte Recht behalten.
Schliemanns Quelle: Homer
Die Welt feiert Schliemann als Entdecker Trojas, aber es war der britische Diplomat Frank Calvert, der den türkischen Hügel Hisarlik südwestlich von Burnabaschi als möglichen Standort des alten Troja identifizierte. Es war ein geschichtsträchtiger Zufall, dass Schliemann auf seiner Bildungsreise im Jahr 1868 auf Frank Calvert traf, als er im Begriff war voller Enttäuschung die Anhöhe von Burnabaschi zu verlassen, wo er fälschlicherweise Troja vermutet hatte. Am 15. August 1868 verpasst Schliemann an den Dardanellen den Dampfer nach Istanbul und kommt mit Calvert ins Gespräch, der seit Jahren akribisch den Hinweisen rund um den Hisarlikhügel herum gefolgt war, in der Überzeugung, auf das antike Troja gestoßen zu sein. Calvert kaufte Land rund um den Hisarlik auf und begann mit ersten Grabungen, die jedoch wortwörtlich im Sande verliefen. Calverts Mittel waren begrenzt und so versuchte er Schliemann zu überzeugen, eigene Grabungen dort vorzunehmen. Er wird nicht lange gebraucht haben, Schliemann zu überreden. Schliemann wittert Morgenluft, er nutzt Calvert als Informationsquelle und gibt bald die Entdeckung Trojas, sowie die Idee dort zu graben als die seine aus.
.
Ausgrabungen 1870-1882 unter Heinrich Schliemann
Erste Ausgrabungen in Troja
Im Jahr 1871 erhält Schliemann die Ausgrabungslizenz und beginnt in Hisarlik zu graben. Er schlägt eine große Schneise (der Verwüstung) quer durch die Anhöhe, die aus heutiger Sicht Archäologen Tränen in die Augen treibt. Als Schliemann-Graben geht der vierzig Meter lange, zwanzig Meter breite und siebzehn Meter tiefe Grabungskanal in die Geschichte ein. Obwohl sich Schliemann wie ein Besessener durch den Hügel wühlt, sind seine Erfolge zunächst bescheiden. Resigniert kündigt er im Mai 1873 an, die Ausgrabungsarbeiten am Hisarlik-Hügel einzustellen. Da entdeckt er einen kupfern schimmernden Gegenstand am Fuße einer Umfassungsmauer. Schnell erkennt Schliemann, dass er einer unglaublichen Sensation auf der Spur ist. Geschickt gelingt es ihm seine Arbeiter abzulenken und mit seiner jungen Frau legt er einen der prunkvollsten Schätze der Antike frei, den Goldschatz des Priamos, wie Schliemann ihn sogleich tauft. Schliemann schmuggelt die Beute entgegen den Abmachungen mit der "Hohen Pforte" (der damaligen Regierung des osmanischen Reiches) außer Landes nach Berlin, wo er ihn "dem Deutschen Volke" schenkt und zugänglich macht. Später sollte der Schatz des Priamos der Roten Armee als Kriegsbeute in die Hände fallen und ein halbes Jahrhundert galten die unschätzbaren Kostbarkeiten als verschollen, bis die Russische Regierung die Verwahrung des Schatzes im Moskauer Puschkin-Museum bestätigte.
Schliemann hatte sein Ziel erreicht, die Welt schaute auf ihn und seine Ausgrabungen. Selbst in wissenschaftlichen Kreisen erntete er endlich die Anerkennung, die ihm so lange versagt geblieben war. Doch als Begründer der Archäologie beschränkt Schliemann sich bei seinen Unternehmungen nicht nur auf Troja, er gräbt auch in Mykene. Wieder ist Homer der Vater des Gedankens, wieder wird Schliemann fündig und fördert eine prächtige mykenische Totenmaske aus Gold zutage. Für ihn der Beweis, dass Homers Erzählungen auf einer wahren Begebenheit beruhen, die Goldmaske konnte nur die Maske des mykenischen Heerführers Agamemnon sein.
Ironie der Geschichte
Heinrich Schliemann verstarb im Jahr 1890. Es blieb ihm nicht erspart, im letzten Jahr seines Lebens erkennen zu müssen, dass es nicht der "Schatz des Priamos" war, den er geborgen hatte. Der von ihm entdeckte Goldschmuck ist rund 1250 Jahre älter als das von Homer beschriebene Troja, es ist der Schatz einer Hochkultur, die um das Jahr 2500 vor Christus lebte. Und die Goldmaske des Agamemnon war die Bestattungsbeigabe an einen mykenischen Fürsten, der rund 300 Jahre vor dem berühmten Herrscher der Griechen - falls es ihn je gegeben haben sollte – in Mykene lebte und starb.
Es scheint fast eine Ironie der Geschichte, dass der vom Glück so reich gesegnete Heinrich Schliemann aus Überzeugung einer falschen Spur folgend dennoch fündig wurde und sensationelle Überreste ausgraben konnte.
.Gregor Delvaux de Fenffe, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Abenteuer Archäologie - Die neuesten Entdeckungen, 06.08.2007