von bonsaifreak » 26.01.2012, 19:31
mal ganz persönlich und etwas provokativ aus meiner privaten Sicht: "Natürlich habe ich auch Vorurteile!"
Ich lerne einen mir bis dahin fremden Menschen kennen. Das geht fast automatisch und zunächst(!) ohne viel Nachdenken und diese Person landet in einer meiner Dutzend "Schubladen", d.h. ich bilde mir ein erstes (Vor-) Urteil.Der ist mir unsympathisch wegen irgend einer Kleinigkeit.
Dann lerne ich diese Person näher kennen, die Kleinigkeit wird unwichtig, der gegenüber wird langsam sogar sympathisch. Ich bin durchaus in der Lage, meinen ersten Eindruck zu korrigieren.
Also raus aus der einen "Schublade" und (zunächst!) rein in eine andere.
Warum überhaupt "Schubladen" mag man mich fragen. Ich denke, dass "Einorden" einfach das Leben leichter macht. Ich kann einfach nicht jeden, den ich im Laufe meines Lebens mehr oder weniger flüchtig kennen gelernt habe, individuell und differenziert irgend wo "ablegen"
Da gibt es halt z.B. die Kategorien: Freunde, beste Freunde, Kollegen (Unterkategorien: nette, egoistische oder gar gefährliche), Verwandte (die man gern trifft, andere lieber meidet) usw. usw.
Ich denke, Katharina, Du sagst jetzt gleich: Das geht aber am Thema vorbei.
Du zieltest beim Thema Vorurteil ja eher auf Diskriminierung bis hin zum Rassenhass etc.
Will mal einige Beispiele nennen: Ich kenne einige schwule Männer. Die meisten sind mir sympathisch (ich bin nicht schwul) , aber dann kommt da eine "Schwuchtel" daher, dass ich denke: Das ist doch ein Commedian, das gibt es doch nicht, der übertreibt, der ist doch eine Karrikatur - und dann ärgert es mich einfach, dass so einer Vorurteile bei meinen Mitmenschen, die womöglich keine netten kennen, bedient.
Anderes Beispiel: Vor Jahren habe ich mit behinderten Menschen gearbeitet.
Am Beginn meiner Tätigkeit gab mir ein Psychologe einen guten Rat: "Du musst die nicht alle nett finden. Auch unter Behinderten gibt es Kotzbrocken".
Und so begegne ich Schwarzen (bin öfter in Afrika), Asiaten und kenne auch einen Zigeuner.
(Übrigens wäre das im P&Z-Forum auch einmal ein schönes Thema "political correctness". Denn auch ich sage Zigeuner und er bezeichnet sich auch so.)
Zusammenfassend möchte ich für mich sagen, dass ein erstes Urteil bei mir zunächst wie ein Vorurteil aussieht, da es ihm recht nahe kommt. Das kann ich im Laufe besseren Kennenlernens revidieren und modifizieren. Sehe ich denjenigen nie wieder mag er in meiner "Vorurteilskiste" bleiben. Das heißt aber nicht, dass ein Nächster, der auf den ersten Blick ähnlich wirkt, dass dieser bei näherem Kennenlernen in dieser "Schublade" bleibt. (s.o.)
bonsaifreak