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Beitragvon Katharina88 » 26.01.2012, 12:40

Vorurteilsfreies Zusammenleben! "Vorurteile hat doch jeder!"Diese Standardäußerung soll so etwas wie eine Entschudigung sein,wenn Gammler,Transvestiten oder Zigeuner sozial ausgeschlossen werden ,weil sie arbeitsscheu,sexuell abartig oder Diebe sind. Es handelt sich bei den Vorurteilen regelmäßig um ein gedankenloses Eingehen auf tradierte Klischees.Verstärkt wird diese Vorstellung über vorhandene Fremdenangst,die zum Tummelplatz der Vorurteile führt -- zum Rassismuns.Es wird ein Feindbild entwickelt,in dem dann Juden,Türken oder Schwarze erkannt werden. Sind Vorurteile--wie oben erwähnt-- Erbgut oder anerzogen und damit zum Besseren veränderbar?Braucht der Einzelne vielleicht sogar Vorurteile,um in der Unüberschaubarkeit der gesellschaftlichen Zustände eine Orientierung zu haben? Ich denke,Vorurteile machen den schlechteren Teil unseres Daseins aus. Katharina  
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Beitragvon bonsaifreak » 26.01.2012, 19:31

mal ganz persönlich und etwas provokativ aus meiner privaten Sicht: "Natürlich habe ich auch Vorurteile!"
Ich lerne einen mir bis dahin fremden Menschen kennen. Das geht fast automatisch und zunächst(!) ohne viel Nachdenken und diese Person landet in einer meiner Dutzend "Schubladen", d.h. ich bilde mir ein erstes (Vor-) Urteil.Der ist mir unsympathisch wegen irgend einer Kleinigkeit.
Dann lerne ich diese Person näher kennen, die Kleinigkeit wird unwichtig, der gegenüber wird langsam sogar sympathisch. Ich bin durchaus in der Lage, meinen ersten Eindruck zu korrigieren.
Also raus aus der einen "Schublade" und (zunächst!) rein in eine andere.
Warum überhaupt "Schubladen" mag man mich fragen. Ich denke, dass "Einorden" einfach das Leben leichter macht. Ich kann einfach nicht jeden, den ich im Laufe meines Lebens mehr oder weniger flüchtig kennen gelernt habe, individuell und differenziert irgend wo "ablegen"
Da gibt es halt z.B. die Kategorien: Freunde, beste Freunde, Kollegen (Unterkategorien: nette, egoistische oder gar gefährliche), Verwandte (die man gern trifft, andere lieber meidet) usw. usw.
Ich denke, Katharina, Du sagst jetzt gleich: Das geht aber am Thema vorbei.
Du zieltest beim Thema Vorurteil ja eher auf Diskriminierung bis hin zum Rassenhass etc.
Will mal einige Beispiele nennen: Ich kenne einige schwule Männer. Die meisten sind mir sympathisch (ich bin nicht schwul) , aber dann kommt da eine "Schwuchtel" daher, dass ich denke: Das ist doch ein Commedian, das gibt es doch nicht, der übertreibt, der ist doch eine Karrikatur - und dann ärgert es mich einfach, dass so einer Vorurteile bei meinen Mitmenschen, die womöglich keine netten kennen, bedient.
Anderes Beispiel: Vor Jahren habe ich mit behinderten Menschen gearbeitet.
Am Beginn meiner Tätigkeit gab mir ein Psychologe einen guten Rat: "Du musst die nicht alle nett finden. Auch unter Behinderten gibt es Kotzbrocken".
Und so begegne ich Schwarzen (bin öfter in Afrika), Asiaten und kenne auch einen Zigeuner.
(Übrigens wäre das im P&Z-Forum auch einmal ein schönes Thema "political correctness". Denn auch ich sage Zigeuner und er bezeichnet sich auch so.)
Zusammenfassend möchte ich für mich sagen, dass ein erstes Urteil bei mir zunächst wie ein Vorurteil aussieht, da es ihm recht nahe kommt. Das kann ich im Laufe besseren Kennenlernens revidieren und modifizieren. Sehe ich denjenigen nie wieder mag er in meiner "Vorurteilskiste" bleiben. Das heißt aber nicht, dass ein Nächster, der auf den ersten Blick ähnlich wirkt, dass dieser bei näherem Kennenlernen in dieser "Schublade" bleibt. (s.o.)
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Beitragvon lottesprotte » 26.01.2012, 20:45

Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?
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Beitragvon christencia » 26.01.2012, 21:24

lottesprotte hat geschrieben:Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?


stichwort, sympatievorschuss :)

ich versuche den menschen wertfrei zu begegnen,
und ihnen vorschussvertauen entgegen zu bringen.(wurde kaum enttäuscht)
es gelingt mir immer häufiger.
ich glaube, es hat sehr viel mit jedem einzelnen von uns zu tun, ob vorurteile -wenn sie dann da sind-
bestätigt werden. :wink:
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Beitragvon christencia » 26.01.2012, 22:02

christencia hat geschrieben:
lottesprotte hat geschrieben:Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?


stichwort, sympatievorschuss :)

ich versuche den menschen wertfrei zu begegnen,
und ihnen vorschussvertauen entgegen zu bringen.(wurde kaum enttäuscht)
es gelingt mir immer häufiger.
ich glaube, es hat sehr viel mit jedem einzelnen von uns zu tun, ob vorurteile -wenn sie dann da sind-
bestätigt werden. :wink:


der mensch
ist schwer zu entdecken und
sich selbst noch am schwersten.

friedrich nietzsche :|
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Beitragvon Katharina88 » 26.01.2012, 23:01

lottesprotte hat geschrieben:Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?

Hallo,lottesprotte,
das  Präfix "Vor" macht den Unterschied.Wenn Du einen anderen aus Erfahrung(Du hast es gesagt),über objektive  Informationen oder sichere Überzeugung kennst und ihn danach einschätzt,dann gibst Du  über ihn ein Urteil ab.Das bleibt keinem Vorgesetzten erspart,eine Beurteilung  über seine Mitarbeiter abzugeben.Das ist kein Vorurteil mehr.

 Mit den "positiven" Vorurteilen hat das so seine Tücken.Ich (Katharina) trete jedem Fremden in aller Regel aufgeschlossen gegenüber und halte ihn für einen schätzenswerten Menschen.Du hast absolut  Recht,dass dieser Sympathievorschuss  nützen kann.
 Sollte  ich mich gründlich getäuscht haben (schon passiert) ,dann habe ich eben Pech gehabt.
Sei gegrüßt
Katharina 
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Beitragvon Oase100 » 26.01.2012, 23:08

Katharina schrieb: " Es wird ein Feindbild entwickelt,in dem dann Juden,Türken oder Schwarze erkannt werden. Sind Vorurteile--wie oben erwähnt-- Erbgut oder anerzogen und damit zum Besseren veränderbar?Braucht der Einzelne vielleicht sogar Vorurteile,um in der Unüberschaubarkeit der gesellschaftlichen Zustände eine Orientierung zu haben?!"


   Katharina, ich denke, Vorurteile haben etwas mit Fremdenangst zu tun, und diese wiederum mit der reinen Existenzangst. Man fühlt sich in seinem SOSEiN bedroht....die Konfrontation mit anderen (dem Fremden an sich) könnte das eigene Weltbild und das eigene Selbstbild bedrohen.   Oase 
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Beitragvon Katharina88 » 26.01.2012, 23:20

christencia hat geschrieben:
lottesprotte hat geschrieben:Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?


stichwort, sympatievorschuss :)

ich versuche den menschen wertfrei zu begegnen,
und ihnen vorschussvertauen entgegen zu bringen.(wurde kaum enttäuscht)
es gelingt mir immer häufiger.
ich glaube, es hat sehr viel mit jedem einzelnen von uns zu tun, ob vorurteile -wenn sie dann da sind-
bestätigt werden. :wink:

Hallo,christencia,
ich habe an lottesprotte geschrieben und Du siehst,dass wir in diesem Punkt ähnlich handeln.
Ich war im Verlaufe meines Berufslebens bestrebt,jedem Fremden aufgeschlossen zu begegnen und ihn für einen schätzenswerten Menschen zu halten.Manchmal war ich versucht,die Methode zu ändern(nach einer Enttäuschung)-----es ist nicht gelungen!!
Grüße
 Katharina
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Beitragvon Katharina88 » 26.01.2012, 23:50

Oase100 hat geschrieben:Katharina schrieb: " Es wird ein Feindbild entwickelt,in dem dann Juden,Türken oder Schwarze erkannt werden. Sind Vorurteile--wie oben erwähnt-- Erbgut oder anerzogen und damit zum Besseren veränderbar?Braucht der Einzelne vielleicht sogar Vorurteile,um in der Unüberschaubarkeit der gesellschaftlichen Zustände eine Orientierung zu haben?!"


   Katharina, ich denke, Vorurteile haben etwas mit Fremdenangst zu tun, und diese wiederum mit der reinen Existenzangst. Man fühlt sich in seinem SOSEiN bedroht....die Konfrontation mit anderen (dem Fremden an sich) könnte das eigene Weltbild und das eigene Selbstbild bedrohen.   Oase 

Ja,liebe Oase,
Du hast einen sehr leidenschaftlich diskutierten Bereich angesprochen-Das "Fremde" wird als Bedrohung wahrgenommen.Es wird auch Existenzangst sichtbar ----auf ökonomisch-sozialem Sektor (Arbeitsplätze),im kulturellen Bereich (Religion) und besonders in der Demographie.Das ist tatsächlich geballte Konfrontation mit den "Anderen"
Wir müssen uns dennoch einen klaren Verstand bewahren und apokalyptischen Unkenrufen von Zersetzung der Kultur,blutsmäßiger Verkümmerung über Rassenvermischung, die dem gesunden Volksempfinden widerstrebt,nicht bedingungslosen erliegen.
Grüße
Katharina 
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Beitragvon Auschra » 27.01.2012, 8:30

Und so werden generalisierte VOR-urteile politisch nützlich gemacht.. ---

https://lh3.googleusercontent.com/-x3Y6 ... GP1731.JPG
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Beitragvon christencia » 27.01.2012, 10:14

Katharina88 hat geschrieben:
christencia hat geschrieben:
lottesprotte hat geschrieben:Ist denn jedes Vorurteil ein Vorurteil?
Manchmal ist es ja auch ein Urteil, das man sich im Laufe der Jahre aus seinen eigenen Erfahrungen gebildet hat.Es wird vielleicht nicht immer auf den Einzelnen zutreffend sein, beschreibt aber vielleicht eine bestimmte Gruppe doch treffend.

Und was ist mit positiven Vorurteilen? Sind die auch schlecht?
Oder nützen sie den so vorbeurteilten nicht eher durch einen Sympathievorschuss?


stichwort, sympatievorschuss :)

ich versuche den menschen wertfrei zu begegnen,
und ihnen vorschussvertauen entgegen zu bringen.(wurde kaum enttäuscht)
es gelingt mir immer häufiger.
ich glaube, es hat sehr viel mit jedem einzelnen von uns zu tun, ob vorurteile -wenn sie dann da sind-
bestätigt werden. :wink:

Hallo,christencia,
ich habe an lottesprotte geschrieben und Du siehst,dass wir in diesem Punkt ähnlich handeln.
Ich war im Verlaufe meines Berufslebens bestrebt,jedem Fremden aufgeschlossen zu begegnen und ihn für einen schätzenswerten Menschen zu halten.Manchmal war ich versucht,die Methode zu ändern(nach einer Enttäuschung)-----es ist nicht gelungen!!
Grüße
 Katharina


ich arbeite an einer schule, in der kinder aus 46 nationen lernen.
für mich ist es eine berreicherung,
fremdartiges zu erleben, und damit besser verstehen zu können.
auch mache ich die erfahrung, dass nicht deutsche eltern, und deutsche eltern, deren sozialisation mir eine lange zeit fremd war,
weitaus dankbarer sind.
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Beitragvon flamme_im_wind » 10.02.2012, 15:54

Vorurteilsfreies Zusammenleben, ist meines Erachtens erst dann möglich,
wenn man die Chance nutzt,
sich mit allen "vor- urteilen" beschäftigt,
Dies scheint m.E. kaum möglich zu sein.
In jedem Urteil steckt eine Wertung,
es sei mal dahin gestellt ob dies "positiv" oder "negativ" gedeutet wird.
Es beinhaltet ein Maß an Richtig und Falsch bzw.
wie etwas sein sollte oder nicht sein sollte.
Gerecht und Ungerecht sei.

Es würde einige Berufsgruppen aus unserem Leben verbannen.
Solange es aber diese Berufsgruppen gibt,
sehe ich keine Chance für ein Vorurteilsfreies Zusammenleben.
flamme_im_wind
Moderatorin der Regionalgruppe Kreis Lippe
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Beitragvon Roadrunner27 » 11.02.2012, 0:47

Katharina88 hat geschrieben: Sind Vorurteile--wie oben erwähnt-- Erbgut oder anerzogen und damit zum Besseren veränderbar?Braucht der Einzelne vielleicht sogar Vorurteile,um in der Unüberschaubarkeit der gesellschaftlichen Zustände eine Orientierung zu haben? Ich denke,Vorurteile machen den schlechteren Teil unseres Daseins aus. Katharina  


Die Vorstellung, Vorurteile bis hin zum Rassismus bei Menschen seien Teile des Erbguts, ist schlichtweg absurd. Rassismus in Bezug auf Menschen ist eigentlich auch gar nicht möglich, denn es gibt nur eine menschliche Rasse z.Zt. auf der Erde, nämlich Homo Sapiens. Alle Differenzierungen, z.B. hinsichtlich Hautfarbe, sind schlichtweg Anpassungen an Lebensumstände. Daher können Vorurteile nur erlent und anerzogen sein. Es ist wichtig, Toleranz gegenüber anders denkenden, anders handelnden oder anders aussehenden Menschen bereits im Kleinkindalter in Praxis zu verfestigen. Wer multikulturelle Kindergartengruppen beobachtet, wird schnell feststellen, das Vorurteile gegenüber sog. "Fremden" überhaupt keine Rolle spielen, es sei denn, sie sind bereits durch das Elternhaus implementiert. Die sog. multikulterelle Gesellschaft ist auch überhaupt keine Erscheinung der heutigen Zeit. Durchmischungen von verschiedenen Kulturen in Staaten oder Herrschaftsgebieten gibt es schon seit Beginn der menschlichen Kultur überhaupt. Das diese Koexistenz verschiedener Kulturen eine friedliche bleibt, daran tragen wir alle unser Verantwortung.
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