von dresdenbild » 26.11.2009, 8:46
... kann sich in der Straßenbahn nicht benehmen. Aus der heutigen Presseschau vor 100 Jahren:
"Stimmen aus dem Publikum. Ein hiesiges Blatt brachte kürzlich zwei Fragen: Haben Sie gesehen, daß die Droschkenpferde auf dem Altmarkt freiwillig einander in der Reihe nachrücken? Antwort: Ja. Zweitens: Haben Sie gesehen, daß in der Elektrischen jemand freiwillig zurückt, ohne daß der Schaffner es anordnet? Antwort: Nein. - In letzter Antwort - zur Ehre der Dresdner Höflichkeit sei's gesagt - auch nicht in vollem Umfange zutreffend, so doch leider in sehr vielen Fällen. Namentlich die höhere Schuljugend, die nach vier- oder fünfstündigen Sitzen auf der Schulbank mittags heimkehrt, macht sich in der Elektrischen oft in unbescheidenster Weise breit, geschweige denn, daß ein solcher Jüngling freiwillig einem Erwachsenen seinen Platz abträte. Hier könnte eine Lektion über den Spruch: Vor einem grauem Haupte sollst du aufstehen einmal gar nichts schaden. Leider ist aber ähnliches auch an einem Orte, wo Brüder- und Nächstenliebe gepredigt wird, oft zu beobachten. Wenn in den Kirchenbänken noch ein oder zwei Plätze leer sind, so kann man beobachten, wie einem Nachkommenden fast nie freiwillig durch Zurücken Platz gemacht wird und hier ist kein Schaffner bez. Kirchendiener zur Hand, der der mangelnden Höflichkeit nachhilft. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, manchem, der sich seiner Unliebenswürdigkeit noch nicht bewußt ist, darüber die Augen zu öffnen, daß ihm beim nächsten Kirchgang sein Gewissen mahnt: Zurücken."
Und nun eine Anfrage. Gibt es in dieser Gruppe auch Geschichtsinteressierte?
Matthias