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Was ist Humor ?

21 Beiträge

Beitragvon Auschra » 07.02.2012, 17:27

Warum gibt es keine eindeutige Zuordnung von komischen Situationen, Redeäußerungen usw. , die eine Mehrheit der deutsch Sprechenden als humorvoll bezeichnet... Eine gewisse Übereinstimmungsmenge von Lachern über dasselbe gibt es sicher ... aber generell ???

da rede ich gar nicht davon, dass es in anderen Sprachen wieder ganz anders mit dem Humor bestellt ist als bei uns ..

da mag ich gar nicht auch noch an die stark schichtbezogene Zuordnung zu humorvollen - komischen Vorfällen denken...



Irgendwie ist Humor - davon bin ich überzeugt - weniger an verbalen "Taten" zu orten ( so wie Witz, Satire usw ), sondern an der Gemütshaltung derjenigen, die wir als humorvoll bezeichnen.

Schauen wir uns doch einmal an: ( uns - genereller Plural - nicht forenbezogen ):

der eine gerät über eine "Schweinerei" voll in Wut, der andere wendet sich resigniert ab, wieder eine andere fängt an, nach Begründunge zu suchen, um dem Ärger rational abzubauen ...und ein "Humorvoller" sieht das ganze zwar auch, kann aber noch ein Witzchen darüber reißen..


Aus der Welt der Politik fänden wir sowohl in Deutschland als auch in Österreich unzählige Beispiele als Beweis..


Der Widerspruch zwischen Schein (der Welt der Versprechungen in der Politik) und dem realen Sein , das wir zwar sehr oft gar nicht beurteilen können, aber in krassem Widerspruch zum beobachtbaren Tun steht , wird von allen mit Missfallen gemerkt.

Dieses Auflösen eines Missbehagens in einer Art Drüberstehen bezeichne ich als Humor..ach ja: in meinen Augen humorvolle Menschen nehmen sich aus diesem Aufzéigen von Sein und Schein nicht aus. Sie können auch herzhaft über sich selbst lachen...


Ein sehr humorvoller Witz ist mir im Gedächtnis geblieben:

Nach dem Weltkrieg in Berlin bitterkalter Winter: ... alles rennet in Parks -- in den Grunewald -- halt dorthin, wo man noch Heizholz zu finden hoffte.
So auch ein sehr altes Ehepaar... mit Leiterwägelchen ... sie finden sogar einen Stubben... können ihn aber nicht einmal heben, geschweige denn sonst wie bewegen:
Da sagt sie: Komm, Alterchen, jehn wa... watt haben wir ooch so alt zu wern .."





Wie würdet Ihr Humor definieren ?
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Beitragvon bonsaifreak » 07.02.2012, 18:09

da fällt mir ein anderer ein:
"Schad meener Mutter janischt, det mir de Hände friern. Wat kooft se mir och keene Handschuhe."
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Beitragvon Auschra » 07.02.2012, 18:10

Ja, da "oute" auch ich sehr viel Humor....
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Beitragvon Lesezeichen » 07.02.2012, 18:35

Auschra hat geschrieben:
Dieses Auflösen eines Missbehagens in einer Art Drüberstehen bezeichne ich als Humor


Siehst Du, da gehen schon unsere beiden Ansichten total auseinander.
Dieses obige von mir zitierte, steht in meinen Augen eher für Gelassenheit, eines
ruhigen Dreinfügens in Situationen, und seien sie noch so schwierig.
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Beitragvon Auschra » 07.02.2012, 19:13

Das ist es ja, @ Lesezeichen, dass wir keine verbindlichen Urteilskriterien für "Humorvolles" haben.. nicht haben können..


Nehmen wir doch einmal einen anderen Teilbereich: die Komik..


ich kann mich über bestimmte Situationskomik noch heute krumm und schief lachen ... mein Mann lächelt... aber über mich

Bild

Bildnachweis:http://www.karikaturmuseum.at/programm/copy4_of_08/manfred-deix-karikaturen-in-news

Und gerade, wenn Du sagst, dass Du in diesen Witzen Gelassenheit siehst, stimme ich Dir voll zu.
sonst tät ich ja wüten, toben, weinen, usw bösartige Bemerkungen machen....

Gelassenheit ist eine Grundvoraussetzung für ein gewisses Humorverständnis ...

neuer Gedanke:oft kann auch Kritik , aber liebevolle Kritk sehr humorvoll sein. und deshalb vom Kritisierten angenommen werden ...
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Beitragvon christencia » 07.02.2012, 20:06

grad gestern fragte mich ein zehn-järiges mädchen
"was ist humor?"
nach kurzer überlegung fiel mir da ein:
"wenn man auch
über nicht so lustige "dinge" lachen kann.
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Beitragvon Auschra » 07.02.2012, 20:12

Oh, das beweist, dass Du eine echte Philosophin bist Bild


und ... dass Du - in meinen Augen - Humor hast ..

es ist nämlich gar nicht leicht, einem Kind so etwas zu erklären... meine Töchter fragten mich in diesem Alter am liebsten gar nichts, denn ich fing immer " mit Adam und Eva" an ....
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Beitragvon Katharina88 » 07.02.2012, 20:28

Auschra hat geschrieben:Das ist es ja, @ Lesezeichen, dass wir keine verbindlichen Urteilskriterien für "Humorvolles" haben.. nicht haben können..


Nehmen wir doch einmal einen anderen Teilbereich: die Komik..


ich kann mich über bestimmte Situationskomik noch heute krumm und schief lachen ... mein Mann lächelt... aber über mich

Bild

Bildnachweis:http://www.karikaturmuseum.at/programm/copy4_of_08/manfred-deix-karikaturen-in-news

Und gerade, wenn Du sagst, dass Du in diesen Witzen Gelassenheit siehst, stimme ich Dir voll zu.
sonst tät ich ja wüten, toben, weinen, usw bösartige Bemerkungen machen....

Gelassenheit ist eine Grundvoraussetzung für ein gewisses Humorverständnis ...

neuer Gedanke:oft kann auch Kritik , aber liebevolle Kritk sehr humorvoll sein. und deshalb vom Kritisierten angenommen werden ...

Hallo,Auschra, prima,dass Du den Begriff Humor zum Gegenstand des Beitrages gemacht hast.Anfangs beklagst Du den Mangel an Zuordnung dieses Begriffs zu komischen Situationen,in denen sich viele als Lacher amüsieren könnten. Das hängt nach meinem Empfinden damit zusammen,dass Humor eine sehr subjektive Gemütsbeschaffenheit ist,die zumindest teilweise als angeboren bezeichnet werden kann.Eine solche heitere Grundstimmung quer durch das Leben zeichnete die Epikureer aus.Ihre Gelassenheit,das Große als klein zu enthüllen und selbst gegenüber dem Tod fröhlich bis grimmig zu sein,machte sie zu humorvollen Menschen.Ihre Einstellung zumTod:"Der Tod geht uns nichts an,solange wir leben,ist er nicht da und wenn er da ist,dann sind wir es nicht mehr!"Die beiden Damen" Lesezeichen "und "Christencia" haben dieses Bild einer positiv-optimistischen Persönlichkeit gezeichnet. Guten Abend Katharina     
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Beitragvon Auschra » 08.02.2012, 10:20

Das finde ich interessant, dass Du die Haltung eines Menschen zum Tode auch in unsere kleine Humorbetrachtung einbringst.

J, das Große ist oft klein ... je nach dem Standpunkt des Urteilers.

Als Lebende haben wir aber alle den gleichen Standpunkt ( wörtlich genommen) vor dem, der da mit Sense und Hippe naht.. Im Mittelalter - und vom Christentum durch diese Vorstellung ruhig gehalten - war diese Tatsache die einzige Gerechtigkeit , die Bauern, Hörige, Knechte und Mägde hatten ...


Ja, ich habe auch gelesen, dass Epikur Gelassenheit als Beginn allen Glücks sieht ...


In Wien gibt es die Figur des Augustin: In Pestzeiten war er ein Pestknecht, einer, der die Toten aus den Häusern "in die Pestgruben" warf..... als er in seinem Suff ( eh klar, Alkohol als Ansteckungsverhinderer) einmal selbst an frühen Moregen erwachet, soll er folgendes Lied gesungen haben...

Melodie -

Volkslied aus Wien

Refrain:
Ach, du lieber Augustin,
Augustin, Augustin,
Ach, du lieber Augustin,
Alles ist hin!

1. Geld ist hin, Mädl ist hin,
Alles ist hin, Augustin!
Ach, du lieber Augustin,
Alles ist hin!

Refrain:
2. Rock ist weg, Stock ist weg,
Augustin liegt im Dreck.
Ach, du lieber Augustin,
Alles ist hin!

Refrain:
3. Und selbst das reiche Wien,
Hin ist's wie Augustin;
Weint mit mir im gleichen Sinn,
Alles ist hin!

Refrain:
4. Jeder Tag war ein Fest,
Jetzt haben wir die Pest!
Nur ein großes Leichenfest,
Das ist der Rest.

Refrain:
5. Augustin, Augustin,
Leg' nur ins Grab dich hin!
Ach, du lieber Augustin,
Alles ist hin!



Quelle:http://ingeb.org/Lieder/achdulie.html


PS: Die meisten Wiener Volksschüler lernen dieses Lied in der Schule... so als Einschulung auf "Wurschtigkeit" oder "Gelassenheit" ????
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Beitragvon hansolafpaul » 08.02.2012, 22:52

Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:
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Beitragvon christencia » 08.02.2012, 23:06

hansolafpaul hat geschrieben:Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:

ja, wobei intelligenz sehr vielschichtig ist.
wer nicht begreift, kann nicht verstehen. :|
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Beitragvon Katharina88 » 08.02.2012, 23:28

hansolafpaul hat geschrieben:Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:


Hallo,hansolafpaul,
Irgendwo im Faust steht in etwa," wer immer strebend sich bemüht,den werden wir erlösen!"
Ich strebe nach einer Erklärung und Du wirst mich bestimmt erlösen können.
Danke!
Katharina 
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Beitragvon hansolafpaul » 08.02.2012, 23:48

Katharina88 hat geschrieben:
hansolafpaul hat geschrieben:Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:


Hallo,hansolafpaul,
Irgendwo im Faust steht in etwa," wer immer strebend sich bemüht,den werden wir erlösen!"
Ich strebe nach einer Erklärung und Du wirst mich bestimmt erlösen können.
Danke!
Katharina 


Tut mir leid, K., aber ich bin nicht der Erlöser. Gottseidank.

Sagt der Kollege: "Ich gehe heute in den Faust". Fragt die Kollegin: "Ist das eine neue Kneipe?".
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Beitragvon Katharina88 » 09.02.2012, 12:57

hansolafpaul hat geschrieben:
Katharina88 hat geschrieben:
hansolafpaul hat geschrieben:Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:


Hallo,hansolafpaul,
Irgendwo im Faust steht in etwa," wer immer strebend sich bemüht,den werden wir erlösen!"
Ich strebe nach einer Erklärung und Du wirst mich bestimmt erlösen können.
Danke!
Katharina 


Tut mir leid, K., aber ich bin nicht der Erlöser. Gottseidank.

Sagt der Kollege: "Ich gehe heute in den Faust". Fragt die Kollegin: "Ist das eine neue Kneipe?".


Vielen Dank,hansolafpaul,ich bat um eine Erklärung und habe sie auch erhalten!!
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Beitragvon Auschra » 09.02.2012, 23:46

christencia hat geschrieben:
hansolafpaul hat geschrieben:Ich glaube, dass Humor auch etwas mit Intelligenz zu tun hat. Ja das glaube ich.
:mrgreen:

ja, wobei intelligenz sehr vielschichtig ist.
wer nicht begreift, kann nicht verstehen. :|



liebe Christenzia


Du bewegst Dich hier auf einer uralten Frage der Philosphie.

John Locke war ein bedeutender Vertreter der Empiristen ,wandte sich aber gegen die Rechtfertigung der Naturwissenschaften, dass alle Erkenntis aus dem bloßen Denken herstamme,und suchte ihr Fundament stattdessen in der Erfahrung.

Die menschliche Erfahrung beruht zunächst im Gebrauch der Sinne --- , die dann in einer Hirnschaltstelle als Erfahrungen "ankern" und gemerkt werden...
und so zu rationalen - vernünftigen Lösungen beitragen.. die aus Erfahrung und Denken zusammengesetzt sind ... im Alltag auf jeden Fall...
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