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Gestern vor der Kathedrale in Straßburg 15 | 474 Aufrufe | 16.07.2017, 16:21

  • Gestern vor der Kathedrale in Straßburg

    Mit verbundenen Augen stand Denise vor dem Straßburger Münster und hielt ein Schild in der Hand, auf dem zu lesen war: Ich vertraue auf Hilfe.

    Und das alles wegen einer Wette.

    Im Verlaufe eines Gesprächs in der letzten Woche hatte Gerald nämlich gesagt: " Heutzutage kümmert sich kein Mensch um den anderen. Du kannst es am deutlichsten auf der Straße erkennen. Egal, was da geschieht oder zu sehen ist, jeder geht seinen Weg und kümmert sich nicht darum. Wenn etwas Außergewöhnliches -  meist was Schlimmes -  passiert, gibt es höchstens Schaulustige. "
    " Das glaube ich nicht ", hatte sie protestiert, " längst nicht alle Menschen sind so. Sie kümmern sich, wenn ihnen was Besonderes auffällt. "
    " Haha ", lachte er, " das hättest du wohl gerne, du kleine Romantikerin. Na gut, beweis es mir ", fuhr er fort und richtete sich zu seiner Gesamtgröße von 1,95 m auf.

    Tja, und so war es eben zu jener Wette gekommen, die dazu geführt hatte, dass sie sich nun als offensichtlich Blinde vor dem Straßburger Münster befand. Und irgendwo in Sichtweite hielt sich auch Gerald auf, einmal um sie zu kontrollieren, zum anderen aber auch, um ihr einen gewissen Schutz zu geben. Als eindeutig hilfloses, weibliches Geschöpf war es nicht undenkbar, dass sie bei  manchen Menschen bestimmte, eher niedere Instinkte ansprach.   

    Nun also stand sie vor der Straßburger Kathedrale. Um sie herum bewegten sich viele Menschen - Einwohner, Touristen - und gingen ihrer Wege.
    Zunächst einmal geschah gar nichts. Denise spürte den Wind, der in ihren dunklen Haaren spielte. Obwohl es ein milder Sommertag war, fröstelte sie. Es ist war ihre leichte Erwartungsangst, die das bewirkte.
    Sie hörte, wie die Leute auf dem Kopfsteinpflaster an ihr vorbeiliefen. Sollte der Freund mit seiner pessimistischen Voraussage etwa Recht behalten haben?
    Keiner kümmerte sich um den anderen?

    Sie hatte sich extra sehr einfach, fast ärmlich gekleidet, um auch von daher an das Mitgefühl der Passanten zu appellieren.
    Doch scheinbar kümmerte es die Vorbeigehenden gar nicht, dass und wie sie hier stand.

    Aber noch gab die junge Frau nicht auf. Sie hielt ihr Schild hoch und wartete weiter.

    Da...sie hörte Schritte näherkommen. Es waren leichte Schritte, könnten einer Frau gehören. Oder einem Kind? Aber nein, ein Kind würde rascher gehen, kürzere Schritte machen, mehr hüpfen.
    Sie hatte sich nicht geirrt. Es war eine Frau, die kurz vor ihr stehen blieb und sagte: "Ach du lieber Himmel! Was ist Ihnen denn geschehen? "
    Denise konnte nicht antworten, denn auch das gehörte zur Wette: Mit verbundenen Augen, nicht fähig zu sprechen und dem Schild in der Hand sollte sie vor der Straßburger Kathedrale stehen.

    Und wieder die Frau: " Können Sie nicht sprechen? Sind Sie stumm? " Denise nickte.
    " Nun ja ", fuhr die fremde Stimme fort, " ich möchte Ihnen ja gerne helfen, habe jetzt allerdings einen Termin. Doch in etwa einer Stunde bin ich zurück. Wenn sich bis dahin keiner um Sie gekümmert hat, schau ich mal, was wir mit Ihnen machen können."
    Ein kurzes Tätscheln ihrer Wange, und verschwunden war die Frau.

    Denise geriet ins Grübeln. Immerhin hatte sich jemand um sie gekümmert. Die Fremde hatte Kenntnis von ihr genommen, ihre praktische Hilfe aber auf später verschoben. Hatte sie, Denise, nun ihre Wette gewonnen? Oder zählte das nicht?

    Sie war so in ihre Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, wie sich ihr erneut jemand näherte. Aber dann hörte sie eine männliche Stimme, die mit einem leisen Auflachen sagte: " Nanu, das ist aber ein ganz neuer Weg, auf Männerfang zu gehen. Bist ein niedliches kleines Ding, hast das doch gar nicht nötig. " Sie fühlte, wie ihre Hand ergriffen wurde. " Komm, meine Süße ", sagte der Mann und wollte sie mit sich ziehen.
    Nein, sie wollte nicht, widersetzte sich dem Ziehen und schüttelte vehement den Kopf. Enttäuscht ließ der Mann sie schließlich los. "Na dann eben nicht, blödes Ding! " sagte er noch, und erleichtert hörte sie, wie er sich entfernte.


    Wieder verging eine Zeit. Denise dachte schon daran, den Versuch abzubrechen. Dann musste man eben sehen, wer diese Wette gewonnen hatte, denn gekümmert hatten sich ja immerhin zwei Personen um sie. Wenn es auch beide Male nicht das Richtige war, dachte sie.

    In diesem Moment hörte sie eine weitere Stimme. Es war wieder ein Mann, der zu ihr sagte: " Hallo junge Frau, Sie scheinen sich in einer misslichen Lage zu befinden. Möglicherweise kann ich Ihnen ja helfen. Da vorne ist ein Cafe´. Lassen Sie uns dort gemeinsam einen Kaffee trinken, und Sie erklären mir vielleicht, was Ihnen zugestoßen ist."
    Die Stimme klang richtig nett -  in des Wortes bester Bedeutung  - und Vertrauen erweckend. Und wenn sie mit dem ihr sympathisch erscheinenden Fremden in dem Cafe´ ganz in ihrer Nähe was trinken ging, ging sie auch kein Risiko ein, denn da gab es ja auch noch  Gerald in ihrer Nähe.
    Sollte sie dem Unbekannten die Hand reichen und mit ihm gehen? Wenn ihr Vertrauen berechtigt war, hatte sie die Wette gewonnen. Oder etwa nicht?
    Nach kurzer Überlegung gab sie ihm die Hand.
     
         
        
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    Kategorie: Allgemein | 32 Kommentar(e)


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