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Menage a trois?
23 | 606 Aufrufe | 04.07.2018, 15:38

Ich hatte mal Lust gehabt, zu fabulieren. Hier ist das Ergebnis:

 

Menage a trois?

 

 

"Heute, 17.oo Uhr, Hauptbahnhof Köln, am Breslauer Platz! Ein dunkelblauer Wagen wird an dieser Stelle halten. Der Fahrer lässt dich in den Fond einsteigen. Während der Fahrt wird  er aber kein Wort mit dir sprechen. Die Fahrt wird ca. 60 Minuten dauern. Bis später!

Kuss! "

 

Was für ein geheimnisvolles Treffen! Wo würde das sein? Was würde geschehen? Annies Gedanken überschlugen sich. Freude, Lust und Sehnsucht rangen mit Fragen, Zweifeln und Unsicherheit.

 

-  Seit Tagen schon hatte sie auf eine Information, eine Nachricht, auf ein Zeichen von ihm gewartet. Deshalb war sie in letzter Zeit auch so nervös, so unkonzentriert und nachdenklich gewesen.

Nach dem letzten so aufregenden, zeitlos langen Telefonat mit ihm hatte sie die Spannung fast nicht mehr ausgehalten.

 

" Warum meldet er sich nicht? " hatte sie sich gefragt, " war alles nur ein Traum, eine kurze Illusion, ein virtuelles Feuer nur für eine Nacht gewesen?"

Immer wieder jagten diese Gedanken durch ihren Kopf. -

 

Doch jetzt diese paar Zeilen! Sie änderten alles, machten sie aufgeregt und unsicher zugleich.

Heute also würde  sie ihn treffen, wenn sie bereit war, sich einfach auf das Unbekannte einzulassen. Und ja, sie war bereit, mehr als bereit dazu.

 

Schon lange vor siebzehn Uhr stand Annie am Breslauer Platz und wartete auf den dunkelblauen Wagen. Endlich erschien er und nahm sie auf.

Der Wagen rollte in Richtung Eifel. Sie beobachtete den Fahrer, dessen Gesicht sie nur schemenhaft im Rückspiegel erkennen konnte. Er machte einen freundlichen Eindruck auf sie.

Wo mochte es wohl hingehen? Als ihre erste Spannung etwas nachließ, setzte sie sich bequemer in den weichen Sitz. Die Trennscheibe zum Fahrer schloss sich automatisch, leise Musik erfüllte den Wageninnenraum und trug noch mehr zu ihrer Beruhigung bei.

 

Allmählich wurde der Wagen langsamer. Fast geräuschlos fuhr er nun auf einer schmalen, leicht ansteigenden Landstraße an einem kleinen Bach entlang.

Gesäumt von dichtem Laubwald, durch dessen Blätterwald immer wieder haarfeine Strahlen der Frühsommersonne zuckten, strahlte die Gegend wohltuende Ruhe aus.

Der Wagen hielt. Absolute Stille! Dann stieg der Chauffeur aus und öffnete ihr die Wagentür. Er lächelte sie an.

„Wir sind da, gnädiges Fräulein “, sagte er höflich.

Annie stieg aus. Der Fahrer überreichte ihr mit freundlichem Blick einen dunkelroten Strohhut mit sehr breiter Krempe.

„Den soll ich Ihnen noch geben! Auf Wiedersehen “, fügte er hinzu.

Dann stieg er ein und fuhr los. Rasch verschwand der Wagen hinter der nächsten Biegung.

 

Sie aber stand nun am Ende einer schmalen, in den Wald führenden Seitenstraße, mit dem Strohhut in der rechten Hand.

Fast übermütig drehte sie sich mich um ihre eigene  Achse, wobei ihr Röckchen hoch wirbelte und für einen Augenblick ihren strammen Po im weißen Höschen enthüllte.

„Bäume, Bäume und nichts als Bäume! Was nun? " rief sie aus. Sie versuchte sich zu konzentrieren, stülpte sich den perfekt passenden Hut auf den Kopf und blickte suchend umher.

Es wehte ein milder Wind, die Sonne warf  ihr noch warmes Licht auf das kleine Paradies, das sich vor ihr erstreckte.

Der Wind brachte die Blätter der alten Bäume zum Plappern und Schwatzen. Die Gräser wogen rhythmisch hin und her, so dass ungezählte Grünschattierungen wie in einem Kaleidoskop wechselten.

Wie verzaubert marschierte sie los, immer den Weg entlang, und gelangte schließlich an einen Platz, auf dem - weiter zurückgesetzt - ein altes Haus stand. Das Rot der Fassade war schon lange verblichen und schimmerte in tausend warmen Nuancen der Vergangenheit. Um das Haus herum standen in lockerer Folge alte Eichen und Buchen mit knorrigen tief hängenden  Ästen.

Eine große Tür mit Doppelflügeln  lud zum Betreten des Hauses ein. Ein wenig zögernd betrat sie den Platz.

Auf ihrem Weg zum Haus umfing sie das satte Sommergrün weich und leicht. Sonnenlichtblitze huschten durch das Geäst, welches sich gleich langen Spitzen, umrankt von sommergrünen Blättchen, gegen das eintauchende Licht reckte.

 

Annie betrat den langen Korridor, der in ein Terrassenzimmer führte und am anderen Ende des Raumes den Blick in den Garten mit den gelb-rot blühenden Beeten frei gab.

Doch aromatische Düfte führten sie zuerst in die Küche. Auf dem Herd köchelte in einigen Töpfen Wohlriechendes und deutete auf ein zukünftiges leckeres Abendessen hin..

Dann betrat sie das Terrassenzimmer und  setzte sich in den großen, dunkelgrünen Sessel an der geöffneten Türe zum Garten.

Sie trank eine Tasse Kakao, der auf der warmen Herdplatte für sie bereitgestanden hatte.

Ihre Blicke schweiften durch den großen Raum, in dem sie sich schon jetzt sehr wohl fühlte.

Hier ist man immer angekommen, hier ist man zuhause, kam ihr unwillkürlich in den Sinn.

Sie blickte auf die Terrasse und dann in den Garten.

Da sah sie ihn über die Terrasse auf sich zukommen. Er trug eine enge, braune Lederjeans, ein schwarzes Hemd und Lederstiefel. Ja, sie erkannte ihn sofort. Er sah genauso aus, wie es seine Fotos gezeigt hatten und wie er sich beschrieben hatte.  Das also könnte mein zukünftiger Freund oder sogar noch mehr sein, dachte sie und fühlte, wie sich Wärme in ihr ausbreitete.

Doch plötzlich erstarrte sie, denn er war nicht allein. Neben ihm ging eine schwarzhaarige Frau. Annie erschrak. Was hatte das zu bedeuten? Davon hatte er ihr aber nichts gesagt.

Mit zitternden Händen stellte sie die Tasse ab und ging ihnen entgegen.

 

Als sie dicht vor den beiden stand, schaute er sie freundlich an, schob seine schöne Begleiterin zu Annie hin und sagte: "Das ist Viola. Sie ist meine Frau und du, Kleines, wirst zu uns gehören, wenn du magst."

Annie war überrascht und verblüfft. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen und stotterte etwas vor sich hin.

Als sie schließlich erneut den Mann ansah, entdeckte sie in seinen Augen ein - wie ihr schien -  liebevolles Zwinkern, was sie allerdings nicht wirklich beruhigen konnte.

 

Nun lächelte die schöne Viola sie an, legte eine Hand unter ihr Kinn und hob es leicht an. Dann sprach sie mit seidenweicher Stimme: "Ich würde es sehr schön finden, wenn du zu uns kommst, Annie. Wir werden bestimmt viel Freude miteinander haben." Zart streichelte sie Annies Wange.

Diese zögerte. Es war alles so neu und ungewohnt für sie. Was kam da auf sie zu? Sollte sie "ja" sagen? Konnte sie das überhaupt?

"Komm," sagte der Mann und legte einen Arm um Annies Schulter, "gehen wir erst mal rein, trinken etwas und essen zu Abend. Und danach, Annie, sagst du uns, wie es weitergehen soll."

Sie ließ sich in die Küche führen, wo sich alle an den alten großen Eichentisch setzten.

Ja, Annie würde ihnen sagen müssen, wie es weitergehen sollte. Wenn sie es nur selber wüsste...

 

Kategorie: Allgemein | 37 Kommentar(e)

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