Goethe hat sich mit der Depression im Alter auseinandergesetzt und beschreibt ausgezeichnet die Kennzeichen einer Depression:
zB. im Faust 2, V, Mitternacht. (Sorge)

Die Sorge:
Wen ich einmal mir besitze
Dem ist alle Welt nichts nütze,
Ewiges Düstre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter,
(Beharrungstendenz)
Bei vollkommnen äußern Sinnen
wohnen Finsternisse drinnen.
(gemütsmäßige Verdunkelung)
Und er weiß von allen Schätzen
sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Unglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle,
(Verarmungsgefühl)
Sey es Wonne, sey es Plage,
Schiebt er’s zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig,
Und so wird er niemals fertig.
Faust:
Hör’ auf! so kommst du mir nicht bei!
Ich mag nicht solchen Unsinn hören.
Fahr’ hin! die schlechte Litaney
Sie könnte selbst den klügsten Mann bethören.
Sorge:
Soll er gehen? soll er kommen?
Der Entschluß ist ihm genommen;
(Entschlußunfähigkeit)
Auf gebahnten Weges Mitte
wankt er tastend halbe Schritte.
Er verliert sich immer tiefer,
siehet alle Dinge schiefer,
sich und andre lästig drückend,
atemholend und erstickend
(Angst, Grübelzwang, Pessimismus...)
nicht erstickt und ohne Leben,
nicht verzweifelnd, nicht ergeben.
So ein unaufhaltsam Rollen,
schmerzlich Lassen, widrig Sollen, bald Befreuen, bald Erdrücken,
Halber Schlafund schlecht Erquicken
(Schlafstörung)
heftet ihn an ihre Stelle
und bereitet ihn zur Hölle.
Goethe kannte zwar den Begriff "Depression" nicht, aber dafuer hat er sie meisterhaft beschrieben!
Goethe kannte zwar den Begriff "Depression" nicht - eher wohl Melancholie -, aber dafuer hat er sie meisterhaft beschrieben
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.

Johann Wolfgang von Goethe
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