Hallo allerseits!

Ich bin ein "getrennt lebender" und suche daher auf dieser Plattform auch keine Beziehung im klassischen Sinn, sondern eher nach Kommunikationsmöglichkeiten um die Corona-bedingte Einsamkeit und soziale Ausgrenzung etwas abzufedern.

Ich bin nun das zweite Mal verheiratet (die erste Frau ist mir leider verstorben) und zur Trennung ist es gekommen da es nach vier Jahren Ehe nur mehr ein höfliches Nebeneinander gab. Bei ihr standen neben dem Beruf ihre Kinder und Enkelkinder im Mittelpunkt, ich hingegen fühlte mich ziemlich bedeutungslos wobei sicher auch der Pensionsschock eine gewisse Rolle gespielt hat.

Da sich nach kurzer Aussprache nichts Wesentliches ergab und sich bei mir eine veritable Depression ausbreitete, bin ich dann kurzerhand und spontan ausgezogen. Böswilliges Verlassen nennt man das, und im nach hinein betrachtet war es sicher unvernünftig.

Zuerst dachte ich das Problem ließe sich mit einer einvernehmlichen Scheidung leicht lösen, doch sie ließ mir ausrichten dass sie nur nach Zahlung einer absurd hohen (sechsstelligen!) Geldsumme dazu bereit ist – ein weiterer enttäuschender Tiefpunkt.

Damit verbleibt mir jetzt nur mehr die Möglichkeit drei Jahre in getrennter Lebensweise abzuwarten um danach gerichtlich die Scheidung zu begehren – in einem Jahr ist es dann soweit.

Ich möchte mich ja nicht beschweren, denn eigentlich geht mir zumindest materiell gut und bin auch in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Trotzdem liegt mir die ganze Affäre schwer im Magen und kann den Tag kaum erwarten an dem es endlich vorbei ist.

Meine Frage in der Runde ist nun ob es Gleichbetroffene gibt, bzw. wie es ihnen dabei geht.
Belastet es dich, drei Jahre bis zur Scheidung zu warten?
Ich wurde nach sechs Jahren geschieden.

Hast du schon an anwaltliche Beratung gedacht wegen der dir zu hoch erscheinenden Abstandszahlung? Ich kann mir diese hohe Summe nach nur vier Jahren Ehe gar nicht vorstellen.
...eine gewisse Belastung kann ich nicht leugnen, wobei auch niedrige Beweggründe eine Rolle spielen, z:B. ärgert es mich dass meine Frau im Fall meines Ablebens vor einer Scheidung erbberechtigt ist.

Anwaltliche Beratung habe ich natürlich in Anspruch genommen und die geforderte Abstandszahlung wird wohl nicht realisierbar sein. Die Gründe dafür sind wohl auch weniger von sachlicher Natur, sondern eher niedere wie Missgunst und Boshaftigkeit, man ist mir nicht mehr wohlgesonnen.
Jessas..... hast 2 Jahre durchgehalten, dann wirst Du doch das letzte Jahr auch noch hinkriegen! Sie hat auch gearbeitet? Deine Angst versteh ich jetzt nicht, Du kannst doch ein Testament machen ......

Also, gib auf Dich acht, genieße aber trotzdem Dein Leben und ...... Dir wird scho nix passieren!
Vergiss die Abstandszahlung, und das eine Jahr wirst du schon rumkriegen.

Aber mach dir klar, dass bei der Scheidung auf jeden Fall der Zugewinns- und Versorgungsausgleich durchgerechnet werden wird. Dann wird sich zeigen, ob die Erwartungen der Nochgattin realistisch sind. Schau schon mal nach einem guten Anwalt, sie wird sicherlich das selbe tun. Beide Parteien werden versuchen, den Familienrichter auf ihre Seite zu ziehen, und die eingesetzten Mittel sind nicht immer nett.

Unterlass das Lottospielen: solange ihr verheiratet seid, hat sie Anspruch auf die Hälfte des Gewinns.
Ab dem Zeitpunkt des getrennt lebens ist der Partner nicht mehr erbberechtigt und steuerlich muss man sich einzeln veranlagen
Böswilliges Verlassen gibt es im heutigen Scheidungsrecht nicht mehr, das Schuldprinzip ist abgeschafft.

U. Umständen kann bei Verweigerung des einen Partners auch vor Ablauf der 3 Trennungsjahre die Scheidung ausgesprochen werden.

Folgendes steht im Familienrecht:

Leben die Eheleute länger als ein Jahr getrennt, lehnt aber einer von beiden die Scheidung ab (streitige Scheidung), so kann die Ehe geschieden werden. Der Scheidungswillige muss den Richter dann davon überzeugen, dass mit der Wiederaufnahme der ehelichen Lebensgemeinschaft nicht mehr zu rechnen ist (z.B. weil er eine neue feste Beziehung eingegangen ist) und die Ehe daher gescheitert ist. Gelingt ihm dies, so ist die Ehe - auch gegen den Willen des anderen - zu scheiden.

Leben die Eheleute mehr als drei Jahre getrennt, so kann der andere die Scheidung praktisch nicht mehr verhindern. Bei mehr als dreijähriger Trennung wird das Scheitern der Ehe unwiderlegbar vermutet. Die Ehe wird dann auch gegen den ausdrücklichen Willen des anderen geschieden.


An Deiner Stelle würde ich mir einen Fachanwalt für Familienrecht suchen und keinen Wald- und Wiesenanwalt (falls noch nicht geschehen).
Fachanwälte haben, wie das Wort schon sagt, eine spezielle Ausbildung auf ihrem Fachgebiet und müssen regelmäßige Fortbildungen absolvieren, d. h., sie sind auf dem neuesten Stand.

Die Zugewinngemeinschaft (falls keine Gütertrennung vereinbart wurde) besteht auch während der Trennungszeit.


PS
Oh, habe gerade gesehen, dass Du in Österreich lebst, da können die Familiengesetze anders sein als bei uns - aber auch dort wird es Fachanwälte geben.
Herzliches Dankeschön an alle für die interessanten Hinweise und freundlichen Zusprüche!
Die Scheidung solltest du so früh wie möglich einreichen. Wenn es nicht schon geschehen ist.
Denn das ist der Stichtag, der für die Berechnung des Versorgungsausgleichs maßgeblich ist.
Pilgrim01 hat geschrieben: ...eine gewisse Belastung kann ich nicht leugnen, wobei auch niedrige Beweggründe eine Rolle spielen, z:B. ärgert es mich dass meine Frau im Fall meines Ablebens vor einer Scheidung erbberechtigt ist.

Anwaltliche Beratung habe ich natürlich in Anspruch genommen und die geforderte Abstandszahlung wird wohl nicht realisierbar sein. Die Gründe dafür sind wohl auch weniger von sachlicher Natur, sondern eher niedere wie Missgunst und Boshaftigkeit, man ist mir nicht mehr wohlgesonnen.


Hallo Pilgrim,

nur die Ruhe, ein sehr guter Anwalt kann so einiges bewirken.

Ich bin nur irritiert, dass Du - obwohl Du beim Anwalt warst - immer noch davon ausgehst, dass deine Frau in jedem Fall erbberechtigt ist.
Wieso dies, kannst Du das erklären ?
Mhh..nunja erbberechtigt ist auch relativ - könnte theoretisch auch heissen, dass Sie nur den Pflichtteil bekommt , falls Du testamentarisch vorgesorgt hast.?

Rein interessehalber, ihr seid seit 4 Jahren verheiratet und wie lange ward ihr vorher schon zusammen ?

Was ist mit deinen Kindern und evtl. Stiefkindern , kannst Du dein Erbe nicht Ihnen komplett überschreiben ?

Ich würd jetzt an Deiner Stelle nicht sparen und mir den besten Anwalt nehmen, den ich hierfür finden kann.
Bester wäre in meinen Augen ein sehr guter aber fairer Anwalt, der sich schon einen sehr guten Namen bei Gericht erarbeitet hat.........denn letztendlich könnte ein Richter entscheiden müssen, wessen Anwalt er mehr Glauben schenkt.
( muss ja nicht immer mit der "Wahrheit" zugehen bei so einer Scheidung....)

Böswilliges Verlassen ( was es lt. Tante Google in Österreich tatsächlich noch gibt? Ist das wirklich so ? ) kann zu einem unschönen Scheidungskrieg ausarten.
Mir sind Scheidungen hier in Deutschland bekannt, wo sich so was Jahrelang hingezogen hat mit erheblichem nervenaufreibendem Schriftverkehr.
Wie es in Österreich ist, weiss ich nicht.

So ein Scheidungskrieg ( sieht so aus, wie wenns so was werden könnte ) braucht sehr gute Nerven,
Musst Du selber wissen wie belastbar Du da bist - wenn Du jetzt schon so reagierst.
Ist alles deine Lebenszeit.

Gibts denn noch die minimale Chance eines Mediators ?
Wärst Du überhaupt bereit dazu?

Lieben Gruß
Milady
@Milady:
Soweit ich feststellen konnte besteht gemäß österr. Familienrecht Erbanspruch solange die Ehe aufrecht bzw. gültig ist. Testamentarisch habe ich zugunsten meiner zwei Kinder vorgesorgt sodass nur Anspruch auf den Pflichtteil besteht.
Aus meiner Erfahrung sind Anwälte mit beträchtlichen Kosten verbunden, eine Einbindung würde ich daher momentan noch als zu verfrüht halten. Die Auswahl wird nicht einfach werden, wahrscheinlich werde ich dazu das Internet zu Rate ziehen.
Zur Beziehungsdauer: Wir waren seit 2010 zusammen und es gab zweifelsfrei auch gute Zeiten.
Einer Mediation war/wäre ich grundsätzlich nicht abgeneigt, erschwerend ist jedoch dass mein neuer Wohnort inkl. Eigentumswohnung 250km weit entfernt liegt, ich wollte so viel wie möglich Distanz zu allem haben.
LG
Bei "getrennt leben" wird die Ehe nicht mehr aufrecht erhalten.

Nimm dir den besten Familienenrecht- Anwalt dessen Du habhaft werden kannst- egal was der kostet! Gemessen an dem, was Du unberaten in den Sand setzt ist dessen Honorar völlig egal.
Ist nur die Frage, woher weiß man, wer der beste Anwalt ist?
Normalerweise kennt man ja nicht so viele bzw. kennt nicht so viele Leute, die sich den besten Anwalt hätten leisten können.
Hat er eine Professur? Schreibt er die Kommentare zum Familienrecht, was hat er veröffentlicht...
Guten Abend zuammen,
Alle Freunde und Bekannten haben sich schon mehrfach sein „Schicksal“ angehört und Ratschläge gegeben. Nun sammelt er hier Mitleidspunkte ein.
Mit oder ohne Corona lächetlich.